Di. 22. September 2015 um 17:17

Review: Huawei Mate S im Test – Preis-Leistungs-Krone abgegeben

von Marcel Laser2 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Huawei typisch: Extrem edles Design aus Metall und Glas
  2. Nicht viel schneller als ein Huawei P8 – Kirin 935 vs. Kirin 930
  3. Mate S goes AMOLED: Samsung-Display für ein überzeugendes Bild
  4. Schneller Fingerabdruck-Scanner und nette Softwarefeatures für EMUI 3.1
  5. Konkurrenzfähige Kamera mit guten Bildern
  6. Guter Empfang, nette Akkulaufzeit und wo bleibt Force Touch?
  7. Fazit – Bestes Huawei-Smartphone ohne Preisleistungskrone

Huawei typisch: Extrem edles Design aus Metall und Glas

Man muss der chinesischen Firma Huawei einfach wahnsinnig viel Respekt zollen. Die Vorurteile von Chinabombern aus Plastik und extrem günstiger bzw. sehr billig wirkender Geräte widerlegt der Hersteller mit ausserordentlicher Bravour. Nicht zuletzt wurde das Huawei P8 nicht nur in unseren Tests zu einem wirklich schönen Gerät gekürt. Auch das Mate S bildet hier keine Ausnahme und setzt mit seinem sehr edlen Aluminium-Unibody und dem verarbeiteten 2.5D Glas exzellente Akzente. Das Mate S fühlt sich zu jederzeit wie ein Premium-Gerät an und strahlt dies auch aus.

 

Der leicht abgerundete Metallrücken ist ein Handschmeichler, schön kühl und heizt sich trotz der hohen Leitfähigkeit nicht allzu stark auf. Optisch schick gestaltet ist der nett eingebettete speaker grill unten im Gerät. An der dünnsten Stelle des Mate S, also den äussersten Kanten der Ränder, gaukelt es einem auch eine extrem flache Bauweise vor. Die dickste Stelle in der Mitte misst immerhin 7.2 mm und ist damit auch einen hauch dicker als das iPhone 6 Plus mit 7.1 mm. Aber mal ehrlich: Dick ist das absolut nicht! Im Gegenteil. Denn auch die restlichen Masse sind für ein 5.5 Zoll-Device sehr kompakt gehalten. Mit 149.9 x 75.3 x 7.2 mm ist das Huawei Mate S kein riesiges Phablet. Die „Hosentaschentauglichkeit“ bewerten wir also als wirklich gut. Einziges Manko, sofern man dieses so bezeichnen kann, ist die nicht plan aufliegende Bauweise. Wer das Gerät mit einer Hand auf dem Tisch liegend bedienen will, bekommt durch das Kippeln wohl etwas Probleme. Aber das ist eher als nebensächlich zu betrachten.

 

Das an den Rändern abgerundete Glas wird mittlerweile aus modischen Gründen als 2.5D Glas bezeichnet. Warum, wissen wir nicht und der Sinn hinter dieser Bezeichnung ist auch unklar, allerdings sieht es – wie bei vielen anderen Devices mittlerweile auch – wirklich schick aus. Das Mate S ist vom Design her ein durchweg sehr gelungenes Gerät. Wer Premium nicht nur zahlen, sondern auch fühlen will, wird vom chinesischen Phablet an dieser Stelle nicht enttäuscht.

Im Lieferumfang enthalten ist ein weisses Headset mit praktischer Transportbox, die stark an Apple erinnert, sowie ein goldenes Smartcover, welches beim Öffnen und Schliessen das Gerät entsperren kann, sofern entsprechend in den Einstellungen aktiviert.

Nicht viel schneller als ein Huawei P8 – Kirin 935 vs Kirin 930

Die Hardware-Daten lesen sich ebenfalls luxuriös, allerdings muss man an gewissen Stellen diverse Abstriche machen, wie man es vom Kirin-Prozessoren auch schon gewohnt ist. Aber schlüsseln wir doch erst einmal die wichtigsten Daten auf. Im Inneren werkelt eine Kirin 935 CPU mit acht Kernen, welche mit den starken ersten vier Kernen mit 2.2 GHz taktet und die etwas schwächeren 1.5 GHz bringt. Unterstützt wird das System von 3 GB Arbeitsspeicher und einer Mali-T628MP4 GPU, welche allerdings im Gegensatz zur Konkurrenz in Form des Galaxy S6 oder dem iPhone 6 (iPhone 6s) relativ schwachbrünstig ist und damit einer der markantesten Abstriche im System-Bouquet bedeutet. Des Weiteren gibt es einen Schacht für bis zu zwei NanoSIM-Karten, welcher zeitgleich auch eine microSD mit bis zu 128 GB aufnehmen kann. Der interne Speicher beträgt 32 GB. WLAN hingegen gibt es nur mit b/g/n Standard, 5 GHz sucht man leider vergebens und sollte aber zum Standard gehören, was der zweite Abstrich für das Mate S bedeutet. Bluetooth 4.0 und NFC sind allerdings uneingeschränkt mit von der Partie, kabelloses Laden mittels Qi hingegen nicht. Der Dual-SIM-Schacht ist allerdings ein zweischneidiges Schwert: Kauft ihr das Mate S im freien Handel, so könnt ihr bedenkenlos zwei SIM-Karten nutzen. Wird es allerdings über einen Provider bezogen, ist nur noch eine einzige SIM-Karte einsetzbar. Schade, da während der Präsentation mit diesem Feature geworben wurde.

 

Die Performance des Prozessors ist selbst für rechenintensive Aufgaben absolut ausreichend. Die Octacore-CPU in Form des Kirin 935 macht eine ordentliche Figur und hat auch noch Luft nach oben. Vor allem auf der Oberfläche merkt man die Leistung des Systems an: Nichts ruckelt oder braucht Ewigkeiten, um zu laden. Selbst Multitasking ist problemlos mit mehreren Apps samt Navigation ordentlich möglich. Im Geekbench 3 Benchmark kommt das Mate S auf gesunde 3900 Punkte im Multicore-Score. Die einzelnen starken Kerne kommen jeweils mit Maximaltakt von 2.2 GHz auf über 830 Punkte. Das ist für nahezu alle Aufgaben mehr als ausreichend Leistung. Zum Vergleich: Ein Galaxy S6 (ca. 1500) und iPhone 6 (ca. 1600) schaffen allerdings im Singlecore-Score deutlich mehr. Im Mehrkern-Bereich wird der Kirin zudem vom Samsung Exynos 7420 nahezu pulverisiert: Hier stehen den 3700 Punkten rund 5700 Punkten gegenüber. Ein Snapdragon 810, sofern er seine Leistung ausspielen kann, schafft im Singlecore-Score mit 1100 Punkten ebenfalls etwas mehr. Aber was sind schon theoretische Benchmarks, wenn die Leistung im Alltag absolut ausreicht? Richtig: relativ wenig wert. Zu bemängeln gibt es auf Seiten der CPU daher eher wenig.

 

Schwieriger wird es allerdings bei der Bewertung der GPU, welche wie gewohnt deutlich schwächer ausfällt, als bei der Konkurrenz und das bekommt man vor allem in grafisch aufwändigen bzw. schnellen Spielen zu spüren. Endlos-Runner-Games, wie z. B. Spider-Man Unlimited oder Minion Rush, zeigen dem Mate S relativ schnell seine Grenzen auf. Selbst wenn man bei Spider-Man Unlimited die Grafik auf „Leistung“ herunterschraubt und das Spiel anfängt, je nach Laufweite, schneller zu werden, kommt das Mate S schon recht schnell ins Stocken. Das selbe gilt übrigens auch für Riptide GP2, welche mit einer hohen Anzahl Gegnern und der Physikberechnung des Wassers samt Effekte auch eher einen unterdurchschnittlichen Eindruck auf dem Mate S hinterlässt. Das letzte Update von Real Racing 3 hingegen hat dem Spiel auch auf schwächeren Systemen gut getan. Das Mate S stemmt den Simulations-Racer von EA ordentlich, kann allerdings in Stresssituationen mit viel Partikeleffekten und einer grossen Anzahl Gegnern auf dem Display die schwache GPU nicht kompensieren, was sich wiederum in einer unregelmässigen und springen FPS-Zahl widerspiegelt.

 

Und was bleibt dann unterm Strich? Nicht viel, denn wenn wir das Mate S neben ein Huawei P8 legt und vergleicht, hat sich an Leistung kaum etwas geändert. Der Kirin 935 ist nicht wirklich merklich schneller als der Kirin 930 im Huawei P8, was die Frage nach der Preispolitik aufwirft. Allerdings beschäftigen wir uns damit noch im Fazit des Testberichtes. Generell hat das Mate S genug Leistung für viele rechenintensive Aufgaben und die Kirin-Reihe von Huawei ist ein in vielen Preisspannen ernstzunehmender Konkurrent. Allerdings nur in der CPU-Leistung. Betrachten wir die GPU, so muss sich auch das Mate S weiterhin deutlich hinten anstellen.

Mate S goes AMOLED: Samsung-Display für ein überzeugendes Bild

Eines der Highlights, neben dem Design-Faktor, ist vor allem das hervorragende Display auf Basis eines AMOLED-Panels. Die Display-Technik borgt sich Huawei in dem Fall von Samsung und es zahlt sich definitiv aus. Die 1080p-Auflösung ist für die 5.5 Zoll scharf genug und liefert ein kontrastreiches und starkes Bild. Zudem lässt Huawei viele Einstellungsmöglichkeiten für das Erscheinungsbild. Das Bild selber wirkt in der Standardeinstellung aus einem schrägen Blickwinkel arg bläulich, doch kann dies mit Hilfe der Temperatur-Einstellung für die Darstellung etwas korrigiert werden. Die meist frontale Sicht auf die Mattscheibe ist allerdings eine pure Augenweide und so gehört, wie gewohnt, das Huaweis Mate S zu einem der wirklich display-starken Geräte auf dem Markt.

 

Die Helligkeit des Panels könnte jedoch höher ausfallen, sie wird in der maximalen Einstellung immer noch von anderen AMOLED-Panels aus dem Hause Samsung, wie dem des Galaxy S6 oder des Note 5 deutlich übertroffen. Dennoch war die Lesbarkeit unter starker Lichteinstrahlung einigermassen in Ordnung, hätte jedoch besser ausfallen können. Einem IPS-Panel im direkten Vergleich ist das Display daher nicht gewachsen, zumindest was die Leuchtkraft an geht.

 

Überzeugen kann das AMOLED-Panel des Mate S aber wiederum mit sehr stabilen Blickwinkeln, welche durchgehend bestechen. Generell ist das Display eine Augenweide und wie gewohnt eines der kleineren Highlights der Huawei-Geräte. Anders kennen wir es bisher nicht. Wer also mit der etwas geringeren Helligkeit leben kann, wird vom Display ebenfalls nicht enttäuscht.

Huawei Mate S
Huawei Mate S: Ein überzeugendes Display mit kontrastreichen Farben und stabilen Blickwinkeln.

Schneller Fingerabdruck-Scanner und nette Softwarefeatures für EMUI 3.1

Der 360-Grad-Fingerabdruck-Scanner im Ascend Mate 7 war schon ein schönes Stück Technik. Dieser funktionierte wirklich einwandfrei und durch die intuitive Handhaltung war es auch nicht all zu schwer, den Finger hinten auf den Scanner zu legen, auch wenn es erst einmal etwas Eingewöhnung erforderte, diesen blind zu treffen. Das gleiche gilt nun auch für den Fingerabdruck-Scanner im Mate S, welcher mehr als doppelt so schnell reagiert und das spürt man in allen Lebenslagen. Kaum hat man den Finger aufgelegt, ist das Gerät bereits in weniger als 0.3 Sekunden entsperrt, was erheblich viel schneller funktioniert als beim iPhone 6, dem Galaxy S6 oder dem Ascend Mate 7. Zudem hat man dem Scanner im Mate S ein paar nette Funktionen spendiert, welche mittels Streichgesten aktiviert werden. Streicht man von oben nach unten über den Sensor, so öffnet sich das Benachrichtigungscenter. Ein Wisch von rechts nach links geht in der Bildergalerie die geschossenen Fotos durch, ohne das ihr mit dem Finger das Display verdeckt. Fotos oder Videos können per längerem Fingerdruck auf den Scanner ebenfalls ausgelöst werden. Auch wenn es nur kleine Funktionen sind, so sind sie dennoch nützlich integriert und bei konsequenter Nutzung auch ein Teil des guten Bedienkonzepts.

 

Was aber etwas nervt, ist die Tatsache, dass der Fingerabdruck-Scanner standardmässig dauerhaft eingeschaltet ist, auch wenn das Display nicht aktiv entsperrt ist. So löst man beim Schieben in die Hosentasche schnell mal aus Versehen einen Lesevogang aus. Ansonsten ist die Fingerabdruck-Funktion aber absolut tadellos umgesetzt und nützlich erweitert worden.

 

Auch EMUI wurde weiterentwickelt und bietet nun etwas mehr Funktionen als die Vorgängerversion. Absolute Highlights bleiben aber die alten Stärken; negative Erfahrungen weiterhin die alten Schwächen der Huawei-eigenen Benutzeroberfläche. Stark ist vor allem der integrierte Akkumanager, der euch vor stromhungrigen Apps warnt und diese nach eurem Belieben deaktivieren, nur eingeschränkt laufen oder weiter gewähren lässt. Dieser ist bereits seit dem Ascend P7 als Teil des Systems installiert und wurde stetig weiter entwickelt. Auch die Knöchel-Funktionen wurden weiter überarbeitet und so habt ihr die Möglichkeit, Bilder mit einer gezeichneten Linie mit eurem Fingerknöchel zu bearbeiten, beispielsweise um Ausschnitte schnell und unkompliziert zu erstellen. Ein doppeltes Klopfen mit eurem Fingerknöchel löst zudem weiterhin einen Screenshot im System aus, was ebenfalls praktisch ist, aber auch zu Fehlern führen kann. Beim Spielen diverser Games, die ein schnelles Tippen voraussetzen, wird öfter mal Serien-Screenshots ausgelöst. Per Anklopfen mit dem Fingerknöchel kann auch das Gerät bei ausgeschaltetem Display entsperrt werden – Knock-to-Wake sozusagen.

 

EMUI selber erinnert vom Design her stark an iOS und daran hat sich bis heute nichts geändert. Dank Googles Android ist es allerdings in vielerlei Hinsicht stark veränderbar und so können neben den App-Icons und Ordnern auch Widgets auf dem Homescreen abgelegt werden. Zudem stellt Huawei mit seinem eigenen Design-Shop hunderte von Themes für die Oberfläche zur Verfügung, die neben neuer Hintergrundbilder auch neue Symbole und Formen für die Systemapps bereitstellen. Wie gewohnt, gibt es keinen zentral aufrufbares App-Grid mehr, wie man es von anderen Android-Devices kennt, sondern es landen alle installierten Apps – iOS-ähnlich – auf dem Homescreen. Werden sie von dort aus gelöscht, werden diese auch systemweit entfernt.

Konkurrenzfähige Kamera mit guten Bildern

Aber nicht nur das Display weiss seit längerer Zeit in Geräten von Huawei zu überzeugen. Im Mate S kann sich auch die Kamera sehen lassen, welche mit einer hervorragenden Schärfe glänzen, einen tollen Kontrast aufweisen und kaum Rauschen beinhaltet. Auch Fotos unter schwächeren Lichteinflüssen sind bedenkenlos möglich, dennoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass es sich um eine kompakte Kamera in einem Smartphone handelt. Wunder sind bei keinem Device unter schwachem Licht zu erwarten, dennoch schlägt sich das Mate S von Huawei erstaunlich gut in allen Disziplinen. Möglich macht das der 13 MP-Sensor, welcher durch eine f/2.0 Blende besticht. Der Sensor ist zudem vom RGBW-Typ, der neben Rot, Grün und Blau auch Weiss als zusätzliche Pixelfarbe implementiert, um so hellere Bilder auch bei schwachen Lichtverhältnissen zu erzeugen und den Kontrast zu erhöhen. Die Ergebnisse sind jedenfalls sehr konkurrenzfähig.

 

Das Huawei vor allem die Kamera wichtig ist, zeigen man mit der chinesischen Gesandtschaft auf jedem neuen Event. Fast gut die Hälfte der Präsentationen macht die Vorstellung der Kamera aus. Dazu werden unzählige Modi präsentiert, darunter auch der aus dem Huawei P8 bekannte Regisseur-Modus, das Lichtermalen in den Bildern oder aber auch ein Profi-Modus der euch viele Detaileinstellungen serviert. Interessant ist auch der Beauty-Modus, welcher ebenfalls schon im P8 zum Einsatz kam. Damit könnt ihr eure Selfies in zehn Stufen pro Setting verschönern lassen, während die stärkste Einstellung euer Gesicht so glatt wischt, dass man meinen könnte, es gab Botox-Spritzen im Schlussverkauf. Ob das wirklich praxisnah ist und mit jedem Gesicht einigermassen funktioniert, darüber lässt sich streiten. Allerdings scheint es ein nettes Party-Feature zu sein, um die Stimmung anzuheben, auch wenn Huawei das so wohl nicht gedacht hatte. Als Bewerbungsfotos eignen sich diese Bilder zumeist kaum, witzig ist der Modus aber dennoch.

 

Huaweis Kamera im Mate S ist nahezu deckungsgleich mit dem Modul im Huawei P8 und schiesst auch sehr ähnliche Bilder. Die Ergebnisse sind hervorragend und messen sich mit den grossen der Konkurrenz. Allerdings hat das Galaxy S6 immer noch die Nase vorn, wenn es um Detailreichtum und generelle Schärfe geht. Das Huawei Mate S hingegen ist allerdings nicht all zu weit entfernt. Das man in China also Smartphone-Kamera kann, haben die leute von Huawei nun oft genug bewiesen. Uns gefällt jedenfalls das Gebotene sehr gut.

Guter Empfang, durchschnittliche Akkulaufzeit und wo bleibt Force Touch?

Der Empfang des Mate S bleibt wie gewohnt leicht über dem Durchschnitt. Ein Haus, das als wahrer Bunker, was die Abschirmung von Netzsignalen angeht, zeigt, dass selbst hier das vom Mate S recht konsequent Empfang hat. Zwar kam es nicht über den Edge-Standard und zwei Balken Signalqualität hinaus, andere Smartphones wie das Galaxy S6 oder das iPhone 6 Plus kommen aber nicht mal über GPRS und einen Balken hinaus. Damit ist zumindest der Alltagstest ein gelungenes Unterfangen. Auch das WLAN-Modul scheint recht empfangsfreudig zu arbeiten und hatte keine Schwierigkeiten auch über zwei Stockwerke hinweg, die FritzBox zu empfangen. Allerdings besitzt das Mate S einen nicht zu vernachlässigen Nachteil: Funken auf dem 5 GHz-Band kann das Gerät nicht. Daher stehen dem Mate S nur die WLAN-Standards b/g/n zur Verfügung. Da viele 2.4 GHz-Bänder mittlerweile mit einer grossen Flut an Geräten verbunden ist, trägt das Mate S nicht gerade zur Entlastung dieser Frequenz bei. Ein Gerät dieser Preisklasse sollte zumindest auch das 5 GHz-Band unterstützen. Ansonsten ist alles weitere mit an Bord, darunter auch Bluetooth 4.0 und NFC sowie GPS und GLONASS natürlich auch.

 

Die Akkulaufzeit und -kapazität ist im Gegensatz zum Mate 7 allerdings deutlich nach unten korrigiert worden. Während das Ascend Mate 7 noch einen enormen Akku von 4’100 mAh aufweisen konnte, sind es beim Mate S nun deutlich niedrigere 2’700 mAh. Im direkten Vergleich hält das Mate S auch bei weitem nicht so lange durch. Was allerdings nun sehr erschreckend klingt, ist weiterhin aber kein Problem! Denn während das Mate 7 ein wahres Akkumonster war, geleitet euch das Mate S ebenfalls sehr gut über den Tag. Auch mit überdurchschnittlicher Nutzung sollte ein ganzer Tag mehr als machbar sein und noch Restenergie für weite Strecken des nächsten Tages vorhanden sein. Das Enegeriemanagement greift hier sehr gut und lässt euch einen Überblick über stromhungrige Apps behalten, um diese bei Bedarf zu deaktivieren. Zu bemängeln gibt es hier nicht viel, ausser, dass man vielleicht mit einer leicht dickeren Bauweise noch mehr hätte rausholen können, aber das gilt wohl mittlerweile für fast alle Devices auf dem Markt.

 

Enttäuschend ist allerdings das abwesende Force Touch-Feature, welches zwar grossspurig angekündigt wurde, allerdings nur im Mate S Premium mit 128 GB zum Einsatz kommen wird. Eine konsequente Umsetzung des Features im eigenen Lineup sieht also anders aus. Zudem ist derzeit völlig unklar, ob das Device mit Force Touch uns überhaupt erreichen wird und falls doch, wird der Preis sich in Anbetracht des vorliegenden Basismodells ebenfalls jenseits von Gut und Böse befinden. Wir waren allesamt gespannt darauf, was Huawei mit Force Touch im eigenen Gerät, Apple und seinen iPhone 6s Modellen mit 3DTouch gegenüberstellen würde, wurden allerdings völlig im Dunkeln gelassen. Schade.

Fazit – Bestes Huawei-Smartphone ohne Preis-Leistungs-Krone

Ohne Zweifel: Das Mate S ist das derzeit beste Smartphone, das Huawei auf den Weg gebracht hat. Es kommt mit einem sehr edlen Design, gepaart mit einer Verarbeitungsqualität nahe an die Perfektion. Es liegt unheimlich gut in der Hand und die Materialwahl aus Glas und Metall im Zusammenspiel ist ein absoluter Hingucker. Das Gesamtpaket bekommt zudem ein hervorragendes AMOLED-Panel und eine ausserordentlich gute Kamera mit sehr vielen Features. Auch die Integration des Fingerabdruck-Scanners mit seinen kleinen Zusatzfunktionen für das Betriebssystem scheint eine nette Weiterentwicklung zu sein. Gibt es überhaupt etwas zu bemängeln? Ja, das gibt es durchaus noch.

 

Zum einen wäre hier die eher bescheidene Weiterentwicklung des Prozessors zu nennen. Sollte das S für Speed stehen, wäre der Name in erster Linie nicht verdient, da dieses sich nicht viel vom Mate 7 absetzen kann und sogar nahezu identisch schnell zum Huawei P8 aus dem April dieses Jahres ist. Der Sprung vom Kirin 930 zum Kirin 935 Prozessor ist einfach zu gering. Die GPU ist zudem ebenfalls wiederum nicht auf der Höhe der Konkurrenz und schafft es nicht einmal Ansatzweise, diese Lücke zu füllen. Allerdings war das bei Huawei-Geräten bisher leider immer so und dank des mehr als nur herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnisses waren all diese Punkte nicht nur nachvollziehbar, sondern auch deutlich zu verschmerzen. Und genau beim Thema Preis sitzt nun unser Hauptkritikpunkt.

 

Das Huawei Mate S weist eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) von 650 Euro auf, in der Schweiz beginnt diese sogar bei fast 700 SFr. Man bekommt dafür zwar 32 GB internen Speicher, doch muss nun die Hardware im Inneren des Mate S im Verhältnis zu den anderen Highend-Boliden gesetzt werden. Ein solcher Vergleich war bisher durch die teils deutlich günstigen Huawei-Modelle nicht erforderlich. Ein Galaxy S6 Edge oder Galaxy S6 bietet einem Huawei Mate S nicht nur in nahezu allen Belangen Paroli, sondern übertreffen dieses sogar in den meisten Punkten. Wenn wir mal von den netten Spielereien des Fingerprintscanners einmal absehen, wird es schwer, sich in dieser Preisklasse mit einem solchen Gerät durchzusetzen. Weiterhin zu bemängeln ist der fehlende 5 GHz-Band-Support für das WLAN, welches sich in nahezu allen Mittelklasse- und Highend-Geräten befindet. Ebenfalls schade: Der Dual-SIM-Slot ist nur in frei verkäuflichen Geräten benutzbar. Bezieht ihr euer Mate S von einem Provider, dann funktioniert nur eine einzige SIM-Karte im Device und der microSD-Slot.

 

Weitere Punkte sind die Ungewissheit bei den Software-Updates. Das bereits seit vielen Monaten auf dem Markt erhältliche Huawei P8 war vor kurzem noch mit Android 4.4 unterwegs und hat erst vor kurzem ein Update auf Android 5.0 erfahren. Damit ist auch noch nicht abschliessend geklärt, wie schnell das Mate S auf Android 6.0 alias Marshmallow angepasst wird, da Huawei grundsätzlich nicht die schnellsten sind, was Softwareupdates betrifft. Mit Force Touch fangen wir erst gar nicht an, welches erst gross angekündigt wurde, aber niemand weiss, ob es wirklich überhaupt den Weg zu uns finden wird und dann bleibt auch hier noch die Frage, wie hoch der Preis sein wird. Eine wirkliche Konkurrenz zu Apples iPhone 6s (Plus) mit 3D Touch wird das so leider nicht.

 

Schlecht ist das Huawei Mate S aber bei weitem nicht. Viele positive Aspekte bringen das Gerät auf die richtige Spur, allerdings muss Huawei anerkennen, die sonst fest auf dem Kopf sitzende Krone für die beste Preis-Leistung-Ratio mit dem Mate S in dieser Klasse komplett verspielt zu haben. Wer also ein wenig Abstriche in der Leistung machen kann, aber dafür ein Gerät mit herausragender Verarbeitungsqualität haben will, welches nebenbei noch ganz gute Fotos schiesst und generell ein zufrieden stellendes Gesamtpaket bietet, wird mit dem Premium-Phablet Mate S glücklich. Auch zum Premium-Preis.

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2 Antworten zu “Review: Huawei Mate S im Test – Preis-Leistungs-Krone abgegeben”

  1. chief85 sagt:

    Ich würde gerne mal deine Meinung zu Display hören, gerade im Beruf auf die Helligkeit, im vergleich zu den Erfahrungen bei den Kollegen von Computerbase.

    Da ist das Display richtig dunkel. Zu dunkel. Kannst du das so bestätigen?

    http://www.computerbase.de/2015-09/huawei-mate-s-im-test-ein-teures-smartphone-muss-durchweg-gut-sein/

    Hört sich nämlich bei dir ehr so an, ist ok könnte aber besser sein.

  2. Marcel Laser sagt:

    Ja, das Display ist, wie ich es bereits im Test geschrieben habe sehr dunkel. Dunkler als bei der Konkurrenz 🙂 War aber selbst unter Sonnenlicht noch kein schwerwiegendes Problem, allerdings merkt man dem Gerät den Nachteil gegenüber anderen Modellen das Problem schon an. Vor allem im direkten Vergleich.

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