So. 13. März 2016 um 16:26

Review: Honor 5X im Test – Wenig Geld für sehr viel Smartphone

von Marcel Laser0 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Kein markantes Design, aber zweckmässig
  2. Hardware ist gesunde Mittelklasse mit den üblichen Einschränkungen
  3. Gutes Display für diese Preisklasse, ohne grosse Schwächen
  4. Android 5.1.1 und EMUI 3.1 – Unterschiede zum Huawei G8
  5. Schnappschusskamera, nicht mehr und auch nicht weniger
  6. Sehr gute Akkulaufzeit dank 3’000 mAh und moderater Hardware
  7. Fazit

Kein markantes Design, aber zweckmässig

Ein wirklich kurioses Thema, denn Huawei steht sonst immer für elegantes Design, viele eigene Akzente und ein herausragendes Haptikgefühl in den letzten Jahren. Da ist es völlig egal, ob man sich das Mate 8, Mate S, Huawei P8 oder auch das ältere Ascend Mate 7 anschaut. Alle Geräte sehen nicht nur wirklich herausragend aus, sie fühlen sich auch so an. Das Honor 5X hingegen kann da bei weitem nicht mithalten. Die in unserer Redaktion vorliegende Variante wird als Space Grey bezeichnet und sieht nicht sonderlich spektakulär aus, im Gegenteil, sondern eher sehr unscheinbar.

 

Die Rückseite besteht aus Aluminium mit Plastikstreifen für den unteren und oberen Bereich, um die Funkleistung nicht einzuschränken. Die Optik des rückseitigen Metalls wirkt wie gebürstetes Aluminium, was ganz nett aussieht. Das Displayglas an sich ist allerdings dem Trend entsprechend kein 2.5D Glas oder liegt auf der Oberseite über den Rändern auf, sondern ist ein Bruchteil eines Millimeters im kleinen Plastikteil des Gehäuserahmens hinein eingesetzt. Das wirkt ein wenig billig, auch wenn es das keinesfalls ist!

 

Generell ist das Honor 5X ein absoluter Rip-Off des Huawei G8, was Design und viele Bereiche der verbauten Hardware betrifft. Nur einige Softwarefunktionen und ein zwei kleine Hardware-Details unterscheiden die Geräte voneinander, aber dazu später mehr. Die Abmessungen betragen gesunde und immer noch akzeptable 151.3 x 76.3 x 8.15 mm, allerdings fühlt sich das Honor 5X gegenüber anderen Smartphones mit 8.15 mm in der Tiefe etwas bulliger an, ist aber kein direkter Kritikpunkt. 158 Gramm im Gewicht sind ebenfalls mehr als nur im Rahmen.

Hardware ist gesunde Mittelklasse mit den üblichen Einschränkungen

Reihen wir einmal kurz die Hardwaredaten aneinander: Ein Snapdragon 615 Octacore Prozessor von Qualcomm mit einer Maximalleistung von 1.5 GHz Takt werkelt im inneren des Honor 5X und wird von einer Adreno 405 GPU unterstützt. 2 GB RAM und 16 GB ROM sind für das Multitasking und das Speichern eurer Inhalte verantwortlich, während letzteres per microSD aufgestockt werden kann. Löblich: Das Honor 5X ist Dual-SIM fähig, besitzt aber einen separaten Slot dafür. Die meisten Hersteller verwenden hier heutzutage einen kombinierten Schacht aus microSD-Slot und SIM-Karten-Fach. Legt man also zwei SIM-Karten ein, würde man keine microSD mehr nutzen können. Das ist beim Honor 5X also nicht der Fall. Das Display misst übrigens Phablet-taugliche 5.5 Zoll und löst mit 1080p auch scharf genug auf. Die Batterie ist mit 3’000 mAh ebenfalls ausreichend bestückt und soll für eine angenehme Akkulaufzeit sorgen, ist allerdings nicht austauschbar. Die Kamera im Rücken macht Bilder mit 13 MP und in der Front stehen 5 MP für Selfies zur Verfügung. Was uns an dieser Stelle etwas missfällt ist das fehlende WLAN-Modul für das 5 GHz Band, was aber wiederum für diese Preisklasse auch kein Beinbruch ist. Das Huawei G8 besitzt zwar 32 GB ROM und 3 GB Speicher, was sich vor allem in den Multitaskingfähigkeiten und dem Komfort von mehr Speicherplatz wiederspiegelt, doch kostet dieses auch direkt mal 130 Euro/SFr. bei der unverbindlichen Preisempfehlung.

 

Kommen wir zur Performance des Systems, so kann man definitiv festhalten, dass das Honor 5X für alle alltäglichen Dinge mehr als ausreichend schnell ist. Man sollte es nur nicht mit diversen leistungsfordernden Applikationen, wie grösserer Video-Kodierung oder grafisch sehr aufwändigen Spielen übertreiben. Letzteres ist vor allem für die Adreno 405 GPU kaum zu Schultern, denn diese unterstützt nicht einmal den ES 3.1 Standard, welcher bereits in einigen Spielen implementiert wurde. Real Racing 3 ist auf dem Mazda Raceway mit entsprechender Anzahl von gegnerischen Autos schon ein kleines Geduldsspiel, zumal das Spiel auf optikverschönernde Aspekte wie Kantenglättung und andere Dinge verzichtet, um die Performance halten zu können. Das Ergebnis sieht am Ende nicht wirklich toll aus. Ausgebremst wird die CPU also grösstenteils von der unterdimensionierten GPU, zumindest was Spiele anbelangt.

 

Unterm Strich ist der Snapdragon 616 eben mittlerweile die untere Mittelklasse der Smartphone-Prozessoren. Aber wer ein Gerät für 230 Euro bzw. 250 SFr. kauft, wird in erster Linie auch keine Gaming-Maschine erwarten, was das Honor 5X auch absolut nicht ist. Für die meisten Spiele in geringerem Umfang ist das Smartphone aber durchaus sehr gut zu gebrauchen und alle alltäglichen Geschäfte wie Mail, WhatsApp, SMS, einigermassen schnelles Surfen etc. verrichtet das „kleine“ Gerät einwandfrei.

Gutes Display für diese Preisklasse, ohne grosse Schwächen

Displays von Smartphones erreichen mittlerweile enorme Qualitäten und es gibt oft selten etwas zu beanstanden, meistens eher fast nur noch Lobeshymnen. Die Preisklasse des 5X ist wiederum dann doch von dem ein oder anderen Makel geprägt. Doch wir geben an dieser Stelle gerne eine Entwarnung, denn die Mattscheibe des Mittelklasse-Smartphones hier ist durchweg als gut zu bezeichnen.

 

Es misst in der Diagonale ganze 5.5 Zoll und siedelt sich damit in der Phablet-Klasse an, in der auch Geräte wie das Mate S aus selbem Hause, das iPhone 6s Plus oder auch das Galaxy Note 4 spielen. Die Auflösung mit 1080p und den damit verbundenen 400 ppi ist für alle Bereiche des Alltags mehr als ausreichend scharf. Die Qualität der Farben ist ebenfalls sehr gut und werden kontrastreich dargestellt. Ebenfalls gut ist die Blickwinkelstabilität die erst bei extremen Situationen zu einer dunkleren Ansicht führen, die aber in der Praxis nicht auftreten sollte. Sehr gut gefallen hat uns auch die enorme Helligkeit, die uns etwas an das iPhone 6s Plus erinnert hat, welches ebenfalls ein sehr helles Panel aufbieten kann. Einen Vorteil bietet das vor allem im direkten Sonnenlicht, denn so bleibt das Display weiterhin akzeptabel ablesbar.

 

Als etwas nervig wirkt allerdings die von Haus aus aufgetragene Schutzfolie auf dem Display. Diese zieht Fingerabdrücke magisch an und diese sind zudem nur recht schwer wieder zu entfernen. Zudem wirkt das Gleitgefühl der Finger auf der Oberfläche als nicht ganz optimal. Die Folie kann aber relativ leicht vom Display entfernt werden und es beeinträchtigt auch nicht die Garantie (laut Hersteller). Wer allerdings gerne mit Folien hantiert, wird sich über den bereits aufgetragenen Schutz freuen.

honor-5x-display Review: Honor 5X im Test - Wenig Geld für sehr viel Smartphone
Honor 5X Display: Tolle Farben und eine gute Blickwinkelstabilität.

Android 5.1.1 und EMUI 3.1 – Unterschiede zum Huawei G8

Wer Huaweis Geräte kennt, kennt auch die Software. EMUI komm in der etwas älteren 3.1 Version zum Einsatz, wird aber in Verbindung mit dem Honor 5X noch mit ein paar zusätzlichen Features angereichert, damit man überhaupt einen Unterschied zum Huawei G8 Smartphone bemerkt. Dieser liegt vor allem darin, dass die Honor Club App auf dem System vorinstalliert sind, wo ihr euch anmelden und im Honor Shop einkaufen könnt. Zudem gibt es immer wieder Vorteile mit diversen Rabatten, die mit der Anmeldung entstehen.

 

Interessant ist aber vor allem der Unterschied in der Nutzung des Fingerprintscanners: Beim Huawei G8 könnt ihr diesen als Navigationsfläche für die Galerie nutzen um durch Bilder zu wischen oder im Homescreen kann man damit das Notification Center herunter ziehen. Das Honor 5X erlaubt es euch allerdings Apps auf dem Fingerprintsensor zu legen, die ihr dann per Fingertip öffnen könnt, da jeder eingescannte Finger dann jeweils für ein Programm steht. Bis zu fünf Programme lassen sich so favorisieren und über den Scanner starten, ohne das diese über den Homescreen angewäölt werden müssen. So lassen sich aber auch Shortcuts für Anrufe anlegen, die dann selbst bei gesperrtem Telefon angerufen werden können. Legt man also den Ringfinger auf, weil auf diesem einen favorisierten Kontakt abgelegt wurde, wird dieser auch prompt angerufen.

 

Schade ist nur, dass das Honor 5X immer noch auf Android 5.1.1 stehengeblieben ist. Das Device ist mittlerweile über ein halbes Jahr alt und wurde bereits im Herbst für die asiatischen Märkte vorgestellt. Im Februar kam es nun auch nach Europa aber Android 6.0 ist noch nicht in Sicht. Auf Nachfrage wollte man uns auch keinen Termin nennen, doch soll es definitiv noch ein Update geben. Das Selbe gilt auch für die bereits etwas ältere Version von EMUI, die mit 3.1 der 4.0 Version bereits hinterherhinkt. Wir hoffen, dass das Update noch im laufe der ersten Jahreshälfte eintreffen wird.

Schnappschusskamera, nicht mehr und auch nicht weniger

Während das Display eine wirklich gute Figur macht, vor allem in dieser Preisklasse, so scheint die Kamera sich schon deutlich eher am 230 Euro bzw. 250 SFr. Preisschild zu orientieren. Die Bilder erreichen gerade einmal Schnappschuss-Niveau, sind zwar insgesamt nicht fürchterlich schlecht, aber auch weit entfernt von einem guten Foto. Die Bildschärfe kommt nicht einmal annähernd an einem Huawei P8 oder Mate S heran. Selbst bei ausreichend Licht ist vor allem bei Aufnahmen mit „ruhigen“ Farbverläufen – wie beispielsweise eines blauen Himmels – ein deutliches Rauschen zu erkennen. An den Rändern verlieren die Bilder besonders an Schärfe und zudem fehlen oft viele Details, die bei anderen 13 MP Kameras in höherwertigen Geräten gut zu sehen sind. Auch die Farben wirken relativ Stumpf.

 

Für recht ordentliche Schnappschüsse reicht das zwar allemal aus, aber wer etwas höhere Anforderungen an seine Smartphonekamera stellt, kommt mit dem Honor 5X schnell an die Grenzen. Die Kamera in der Front knipst übrigens mit 5 MP und liefert ebenfalls ordentliche Ergebnisse, ohne sonderlich beeindrucken zu können.

Sehr gute Akkulaufzeit dank 3’000 mAh und moderater Hardware

Ein richtig dickes Plus kann man allerdings der Akkulaufzeit zuschreiben, die wahrscheinlich ein Stück weit von der moderaten Hardware getragen wird. Gehen wir von alltäglichen Dingen wie Facebook, Mail, WhatsApp aus, so hielt das Gerät bis zu zwei gute Arbeitstage durch. Spielt auch das ein oder andere Game eine Rolle, verkürzt sich die Laufzeit schon drastischer auf rund einen Tag. Generell ist das allerdings kein Problem, denn einen Tag schaffte man grundsätzlich immer, sofern man es nicht übertreibt. Eine genauere Angabe zur Akkulaufzeit bekommt man auch, wenn man versucht ein FullHD-Video in Dauerschleife abzuspielen. Bei voller Displayhelligkeit kamen wir so auf rund sechs Stunden, was einen wirklich guten Wert darstellt.

 

Das Honor 5X ist also ein kleiner Dauerläufer, was durchaus positiv zu sehen ist. Die Akkulaufzeit bringt einen bei normalem Gebrauch deutlich über den Tag und sogar zwei Tage sind absolut nicht unwahrscheinlich. Das ebenfalls 5.5 Zoll Display grosse Mate S von Huawei schafft diese Leistung definitiv nicht.

Fazit

Wir halten uns zu Beginn des Fazits noch einmal den Preis vor Augen: Huawei gibt eine UVP von 229 Euro und 249 SFr. aus, was für das Gebotene erstaunlich wenig ist. Denn das Gerät ist mit allerhand guter Technik ausgestattet, die man zu dem Preis nahezu nirgends findet. Für den Alltag ist es eindeutig schnell genug, es können zwei SIM-Karten und eine microSD-Karte verwendet werden, das Display ist ebenfalls gut und die Akkulaufzeit beeindruckend. Kaum ein Gerät kann zu dem Preis diese Punkte auch nur annähernd erfüllen, es sei denn, man importiert beispielsweise ein Xiaomi- oder Meizu-Smartphone und lässt Zollgebühren ausser acht.

 

Leider hinkt die Kamera den eigentlichen Huawei-Standards hinterher, was den Gesamteindruck etwas trübt. Auch die Performance bei Spielen wie Real Racing 3 oder Riptide GP2 ist nicht wirklich auf einem annehmbaren Level, aber Gamer kaufen sich auch ganz andere Smartphones für das bessere Spielerlebnis.

 

Unterm Strich bietet sich hier aber ein Smartphone das extrem viel für sein Geld. Zwar ist noch nicht die aktuellste Software aufgespielt, doch hat Honor versprochen, dass bald nachzuliefern, allerdings ohne einen Termin zu nennen. Die Softwarefeatures für den Fingerprintscanner sind eine nette Abwechslung zu den anderen Huawei Smartphones, wie dem Mate S oder Mate 8. Betrachten wir also den Preis und das Honor 5X mit all seinen Aspekten der Hardware gibt es einfach nicht mehr Smartphone für das Geld.

 

In Kurz: Huawei selbst gab damals mit dem Mate S die Preisleistungskrone ab und ist mit hohen Preisen im Flaggschiffsektor angekommen. Das Honor 5X ist aber nun endgültig wieder ein Preisleistungshammer aus China und erbt die Werte, für die die Marke bis zum Huawei P8 noch stand. Wer preisbewusst ein ordentliches Gerät für sich entdecken möchte, macht mit dem Honor 5X bestimmt nicht viel falsch.

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