Sa. 25. April 2015 um 15:32

Review: HomeMatic Hausautomation näher angeschaut

von Dimitrios Kuckhoff0 Kommentare

Was kann man eigentlich unter dem Begriff Hausautomation oder aktuell auch Smart Home verstehen? Im Grunde genommen ist es das intelligente Vernetzen verschiedener Komponenten im Haus. Die meisten kennen bestimmt schaltbare Steckdosen, doch nur deswegen sind diese nicht smart. Vernetzen wir jetzt aber die Steckdosen mit einem Bewegungsmelder und wird beim Betreten der Wohnung nach Feierabend die Kaffeemaschine eingeschaltet, sprechen wir vom Smart Home.

Was ist HomeMatic überhaupt?

Das Unternehmen eQ-3 AG vertreibt mit den Marken HomeMatic oder auch der Max!-Heizungssteuerung Produkte, die den automatisierten Betrieb verschiedener Geräte im Haushalt realisieren. Hierbei werden verschiedene Produktgruppen (teilweise Bausätze) verkauft, um beispielsweise Lampen, Rollläden oder die Heizung zu steuern. Als zentrale Einheit dient die CCU2, deren Software für Entwicklerinnen und Entwickler und alternative Plattformen (HM-OCCu2-SDK: ARM, MIPS und x86) zur Verfügung steht. So könnte man die Steuereinheit auch mit einem Raspberry Pi und entsprechenden CUL-Funkstick mit 868 MHz realisieren. Der Fokus beim kompletten System wird auf das einfache Einbinden neuer Komponenten gelegt.

 

Es besteht die Möglichkeit, drahtgebundene (RS485) und Funk-Komponenten (868 Mhz, BidCoS, also Bi-Direktional, AES verschlüsselt) einzusetzen, die nächste Generation an IP-Funk-Komponenten (IPv6) inklusive HomeMatic App für iOS und Android wurde bereits für den Sommer 2015 angekündigt.

 

Auf dem HomeMatic Usertreffen 2015 in Kassel vom 18.04. – 19.04. wurden interessante Apps und Hardware von Programmierern und Herstellern rund um das Thema Smart Home veröffentlicht.

Review: HomeMatic Hausautomation im Test
Die neue IP-Produktlinie aus dem Hause eQ-3

Produktsortiment

Die Produktpalette umfasst ein grosses Sortiment um ereignisbasierte Aktionen zum autonomen Erfassen, Steuern und Regeln des Hauses oder der Wohnung zu realisieren:

Zentralen und Gateways

z. B. die CCU2 als zentrale Steuereinheit oder das Funk-LAN Gateway als Repeater für Funk-Komponenten

Sender und Controller

z. B. Wandtaster, Fernbedienungen oder Schalterschnittstellen zum Anschluss von handelsüblichen Schaltern (Wechsel- oder Kreuzschalter)

Aktoren

z. B. schaltbare Steckdosen, Dimmer für das Deckenlicht, Rollladenaktoren oder ein Türschlossantrieb (KeyMatic) zum automatischen Auf- und Zuschliessen der Haustür

Sensoren

z. B. Bewegungs- und Rauchmelder, Fensterkontakte, Wetterstationen oder Wassermelder, die Alarm schlagen, falls der Keller voll läuft

Adapter für Markenschalter

Adapter für die Schalterserien von Berker, Busch-Jaeger, duwü/Popp, Gira, Jung, Kopp und Merten, damit nicht alle Schalter in der Wohnung ersetzt werden müssen

Wired

z. B. Rolladen- oder Dimmaktoren zum Einkauf in den Schaltschrank. Verkabelt und ohne Funk und Batterie nutzbar

 

Diese Komponenten können entweder per Direktverknüpfung oder über umfangreichere Programme gesteuert werden. Bei Direktverknüpfungen werden zwei Geräte miteinander verbunden und können ohne Zentrale geschaltet werden (z. B. Taster und Schaltaktor am Deckenlicht). Programme werden in der CCU berechnet und ermöglichen das Ausführen komplexer Aufgaben. Die Kollegen von HomeMatic-INSIDE haben das Thema sehr schön erklärt. Erweitert werden kann die Funktionalität durch Addons und Zusatzhardware, um so beispielsweise LED-Leuchtmittel, die den Philips HUE ähnlich sind, oder 433 MHz Funksteckdosen mittels Mediolas AIO Gateway V4 zu steuern.

CCU2

Das Web-UI ist direkt über den Browser erreichbar und erfordert keine Extra-Software. Hier können Geräte angelernt, Programme erstellt, so gesehen das ganze System gesteuert und konfiguriert werden. Die Einrichtung der Hardware ist einfach über den Button Geräte anlernen rechts oben erreichbar. Wichtig beim Anlernen:

  • Warte vor dem Wechsel in den Posteingang (dort landen Meldungen und angelernte Geräte zum Bestätigen) ab, bis der 60-Sekunden-Countdown abgelaufen ist
  • das Gerät sollte mindestems zwei Meter Abstand zur CCU2 haben
  • Addons wie der Browserschutz von Avira können das korrekte Anlernen an die CCU2 und die Darstellung in der Web-UI negativ beeinträchtigen

In Programmen werden komplexe Abläufe abgearbeitet, so unter anderem der Steuerung der Heizung beim Betreten der Wohnung:

Wenn Anwesenheit ist 0 und Bewegungsmelder Flur meldet Bewegung und Heizung ist im Modus Automatik, dann schalte Heizung auf Komforttemperatur

Mit der HomeMatic Scriptsprache kann man auf die komplette Logikschicht der CCU zugreifen und so noch komplexere Aufgaben durchführen. Die Abwesenheit wird z. B. durch das Smartphone festgestellt, sobald die Zentrale das Handy nicht mehr im LAN anpingen kann:

Wenn Anwesenheit ist 1 und Ping auf Handy nicht erfolgreich dann setze Anwesenheit auf 0

Erweiterungen bohren den Funktionsumfang der CCU und somit des gesamten Smart Homes ordentlich auf. Zu nennen wäre hier z. B. XML-API (wird für verschiedene Android– oder Pebble-Apps benötigt) und der CUx-Deamon, der in Kombination mit dem eingangs erwähnten CUL-Stick unter anderem Geräte von EnOcean oder FS20 kompatibel macht. An dieser Stelle wird bewusst auf Details zur intelligenten Heizungssteuerung verzichtet, da dafür ein eigener Artikel erscheinen wird.

Review: HomeMatic Hausautomation im Test
CCU2 – zentrale Steuereinheit, Gehirn des HomeMatic-Systems und ein Ausschnitt aus dem Web-User-Interface

Beispiele für Hausautomation mit HomeMatic

  • Rollläden fahren automatisch nach Dämmerungswert (wird in der CCU berechnet) herunter
  • Ist eine Terrassentür geöffnet, wird dort der Rollladen nicht heruntergefahren, da vermutlich noch jemand draussen ist
  • Werden die Rollläden heruntergefahren und der Stromverbrauch am Fernseher zeigt, dass dieser aktiv ist, wird automatisch die Fernsehbeleuchtung eingeschaltet
  • Beim Betreten der Wohnung und vorheriger Abwesenheit wird das Flurlicht automatisch eingeschaltet
  • Nachts beim Gang auf die Toilette wird das Flurlicht mit einem Dimmwert von 30% für 5 Minuten eingeschaltet
  • Die Heizung wird je nach An- und Abwesenheit der Bewohner für jeden Raum individuell gesteuert
  • Geöffnete Fenster schalten automatisch die Heizleistung des Raumes nach unten
  • Intelligente Alarmsteuerung, die den Bewohnern bei Einbruch eine SMS schickt und einen Alarm auslöst

Fazit und Ausblick

HomeMatic ist für Einsteiger wie auch Profis geeignet: Mit einem vergleichsweise günstigen Preis holt man sich hier ein Stück Luxus, Komfort und Exklusivität in die eigenen vier Wände. Die CCU2 gibt es bereits für 99 Euro bei ELV, ein Funk-Heizkörperthermostat und Funk-Tür-/Fensterkontakt kosten insgesamt 69,90 Euro und schon kann losgelegt werden. Da das System sowohl Einfachheit als auch Vielseitigkeit bietet, sind wir von der Zukunftssicherheit absolut überzeugt und sprechen eine klare Kaufempfehlung aus.

 

In Zukunft werden wir weitere Artikel schreiben, die praktische Beispiele für Hausautomatisierung beinhalten, beispielsweise einen Vergleich der Heizungssteuerung mit HomeMatic und dem Max!-System. Auch wird mit einem bald erscheinenden Artikel über die Möglichkeiten und die Zukunft von diesem System mehr Einblick in die Welt vom Smart Home gegeben.

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