Sa. 28. Februar 2015 um 16:27

Review: Google Nexus 6 im Test

von Christian Fritsch0 Kommentare

Bisher gab es vor allem zwei Personengruppen, die ein Nexus Gerät gekauft haben: Developer und Technik-Fans. Für einen guten Preis bekam man ordentliche Hardware und war bezüglich der Software immer auf dem neusten Stand. Mit dem Nexus 6 hat Google einiges geändert und möchte das Nexus 6 nun an die breite Masse verkaufen. Zwar ist es weiterhin ein Referenzgerät, aber zu diesem Preis eher kein reines Entwicklergerät mehr.

Hardware/Technische Daten

 

Display-Diagonale 

5.96 Zoll 

Display-Typ 

AMOLED capacitive touchscreen

Display-Auflösung 

1440 x 2560

Masse (L x B x H) in mm 

159.3 x 83 x 10.1 mm

Gewicht 

186 Gramm

Akku 

3220 mAh Akku (nicht wechselbar)

Chipsatz 

 

System 

Qualcomm Snapdragon 805

Prozessor 

Quad-core 2.7 GHz Krait 450

Grafik 

Adreno 420

RAM 

3 GB 

Speicher 

32/64 GB intern 

Konnektivität 

 

Sim Karte 

Nano-Sim 

 

Mobilfunk 

2G

GSM 850 / 900 / 1800 / 1900 Mhz 

3G

800 / 850 / 900 / 1700 / 1800 / 1900 / 2100

4G

700 / 800 / 850 / 900 / 1800 / 2100 / 2600 / TD-LTE 2500

WiFi 

Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac, dual-band, Wi-Fi Direct, DLNA

Bluetooth 

v4.1, A2DP, LE

USB 

microUSB v2.0 (SlimPort), USB Host

Infrarot 

Nein

NFC 

Ja

Video Ausgang 

Unbekannt

Kamera 

 

Backkamera 

13 MP, 4128 x 3096 Pixel, Autofokus, OIS, 

Blitz LED 

Ja  (Dual-LED Ring)

Frontkamera 

2 MP

Sonstiges

 

GPS

Ja

Sensoren

Accelerometer, gyro, proximity, compass, barometer

Betriebssystem

Android 5.0

Farben

Midnight Blue, Cloud White

 

Verarbeitung und Design

Wie immer bei einem Nexus Gerät gibt es ein Referenzmodell. In diesem Fall ist es das aktuelle Moto X. Wer unseren Test zum Moto X gelesen hat, findet hier einige Merkmale wieder. Das Design wurde in seinen Grundzügen komplett übernommen, allerdings wurde alles etwas in die Länge gestreckt. Die Verarbeitung ist wie beim Moto X wirklich sehr gut.

 

Auch die kleinen Details, wie der geriffelte Standby-Button, bleiben bei diesem Gerät erhalten. Der Rahmen ist aus Metall und fühlt sich wirklich sehr hochwertig an. 

Die Besonderheit des „Moto Maker“ geht beim Nexus 6 verloren.  Es wird aktuell nur in zwei Farbvarianten angeboten: Midnight Blue und Cloud White. Wer schon mal ein „Phablet“ wie beispielsweise das Note 3 oder ein Lumia 1520 bedient hat, weiss, dass ein 6 Zoll Display für ein Smartphone wirklich gross ist. Eine Einhandbedienung ist bei diesem Gerät kaum möglich.

 

Leider ist die Rückseite des Nexus 6 ein wenig rutschig, was dazu führt, dass die Bedienung leider noch ein wenig schwieriger wird. Die Grösse des Smartphones ist allerdings, wie bei allen Geräten, reine Gewöhnungssache. Nach ein paar Tagen denkt man sich: „Warum hatte ich immer so ein kleines Smartphone?“

 

Sehr auffällig ist bei diesem Nexus Modell der „NEXUS“ Schriftzug. Dieser geht beinahe über die gesamte Rückseite. Manchmal ist weniger auch mehr, vielleicht hätte man hier das Logo etwas kleiner ausfallen lassen können. Auch auffällig am Design sind die leicht herausragenden Frontlautsprecher. Zu dem Sound aber später mehr.

Display

Beim Display des Nexus 6 handelt es sich um ein AMOLED Display. Zum Glück wirken die Farben nicht so kräftig wie bei anderen AMOLED Geräten. Leider gab es ein paar Probleme bei unserem Testmodell. Wenn man seitlich auf das Gerät geschaut hat, hatte das Display einen Grünstich.  Das passiert wohl ab und zu bei AMOLED Displays. Die Displayauflösung beträgt 1440 x 2560 Pixel, sprich QHD. Diese Auflösung kennen wir bereits von dem LG G3 oder dem Samsung Galaxy Note 4

 

Über den Sinn und den extra Stromverbrauch des Modells lässt sich allerdings streiten. Mir persönlich würde ein Full-HD Display bei dieser Grösse völlig ausreichen. Der PPI (Pixel per Inch) Wert wäre immer noch relativ hoch mit 369. Ein bekanntes Feature des Moto X ist seit der ersten Generation das „Active Display“. Google hat in Android 5.0 dieses Feature teilweise übernommen und nennt es „Inaktivitätsdisplay“. Wenn man das Gerät in die Hand nimmt, bzw. aus der Hosentasche holt, wird der Sperrbildschirm in schwarz-weiss angezeigt. Über eine Berührung geht das Display komplett an und kann ganz normal bedient werden.

Nexus 6
Nexus 6 mit aktiviertem Display

Software

Der wohl wichtigste Punkt bei einem Nexus Gerät ist die Software. Hier findet man als erstes die neueste Android Version. Im Falle des Nexus 6 Android 5.0 aka Lollipop. Die grösste Neuerung in Sachen Lollipop ist die neue Designsprache: Material Design. Mit Hilfe von Animationen möchte man zeigen, woher das Objekt kommt und wohin es verschwindet. Die Farben sind etwas greller als bei der alten Designsprache Holo.

 

Neben „Material Design“ gibt es noch weitere Neuerungen in Android 5.0 (entschuldigt sollte ich welche vergessen). Der Sperrbildschirm zeigt nun dieselben Notifications an wie das Notification Center. Dieselben Interaktionen sind damit möglich. Das Notification Center hat sich in Sachen Design auch ein wenig verändert. Es gibt nicht mehr zwei Seiten, sondern nur noch eine. Wenn man das Notification Center herunterzieht, werden die Benachrichtigungen angezeigt. Wenn man es dann erneut herunterzieht, erscheinen die Quicksettings. Also die Möglichkeit, Wlan,Bluetooth etc. an- bzw. auszuschalten. Weiterhin ist es leider nicht möglich, die Quicksettings anzupassen.

 

Um das „lästige“ Entsperren via Pin/Code etc. zu vereinfachen gibt es nun Smart Lock. Damit kann man ein Bluetooth Gerät als vertrauenswürdig einstufen und wenn dieses in der Nähe ist, kann man sein Smartphone ohne Pin/Code etc. entsperren. Auch das Teilen (Share) soll mit Android 5.0 einfacher werden. Hat man beispielsweise einen Artikel über den Browser in Pocket gespeichert, zeigt der Browser neben dem Teilen Icon die letzt verwendete App – in diesem Fall Pocket.

 

Wer möchte, kann auf eine App fixieren, das funktioniert  über das „Stecknadel“ Icon. Ihr müsst als erstes diese Funktion über die „Einstellungen – Sicherheit – Bildschirm anheften“ aktivieren. Als nächstes geht ihr in die App, die Ihr fixieren wollt und geht in die Multitasking Ansicht. Nun bestätigt ihr das Fixieren durch die Stecknadel. Nach dem Auswählen ist es nicht mehr möglich, aus dieser App heraus zu kommen. Gut um beispielsweise einem Kind das Smartphone zu geben für ein kleines Spiel oder einen Film. Um die Fixierung zu deaktivieren, drückt Ihr gleichzeitig die Zurück und die Multitasking Taste.

 

 

Wenn wir schon bei Multitasking sind, hier hat sich auch das ein oder andere getan. Die Ansicht wurde geändert, es handelt sich nicht mehr um eine Liste. Es sieht eher aus wie in einem Karteikasten. Jedes Browserfenster will nun als einzelnes Multitasking-Fenster angezeigt, was sehr praktisch ist. Auch eine Neuigkeit ist der integrierte Ruhemodus. Hier kann man entweder alle Benachrichtigungen anzeigen lassen (Alle), nur besonders wichtige (z.b. nur Anrufe, Nachrichten oder Termine und Erinnerungen). Eigene Apps kann man hier leider nicht einstellen. Der dritte Modus ist, dass man „keine“ Benachrichtigungen angezeigt bekommt. Durch diesen Ruhemodus ist der Lautlosmodus entfernt worden – nervig!

 

Neben dem Ruhemodus gibt es einen weiteren neuen Modus, den Energiesparmodus. Das kennt man ja bereits von diversen Herstellern wie z.b. HTC,Samsung und Co. Nun wurde er auch in Stock-Android integriert. Man erkennt, dass der Energiesparmodus aktiviert ist, wenn die obere und untere Leiste Orange gefärbt sind (siehe Screenshots). Aber nicht nur visuell hat sich etwas geändert, auch unter der Haube steckenm einige Neuerungen. Mit „Project Volta“ soll Android 5.0 akkuschonender sein als alle anderen Android Version bisher. Ausserdem werden 64-Bit Prozessoren unterstützt.

Akkulaufzeit

Das Nexus 6 hat aufgrund seiner Grösse natürlich mehr Platz für den Akku. Motorola hat in das Nexus 6 einen 3320 mAh starken Akku eingebaut. Bisher waren die Akkus der früheren Nexus Gerät eher schlecht. Ich durfte sowohl mit dem Nexus 4, als auch mit dem Nexus 5 diese Erfahrung machen. Durch den grösseren Akku hat sich die Akkulaufzeit um einiges verbessert. Man kommt mit dem Gerät locker durch den Tag, nach einem Tag Nutzung sind meistens noch um die 30 -35% Kapazität. Das hat dann aber leider nicht mehr für den kompletten nächsten Tag gereicht.

 

Google liefert das Nexus 6 mit einem „Turbo Charger“, mit dem Charger ist es möglich, das Gerät in 15 Minuten soweit aufzuladen, dass es sechs Stunden lang benutzt werden kann. Eine echt coole Sache. Wie auch bei den Vorgängern ist der Qi-Standard beim Nexus 6 an Bord. Hier ist leider etwas aufgefallen:

Zwar ist es möglich, das Gerät ohne Kabel aufzuladen, doch ist es schwierig, den Punkt zu finden, wo die Ladeplatte das Gerät auflädt. Mit einem Stand lief das Aufladen des Gerätes ohne Probleme. Es wurde immer direkt aufgeladen. Beim Nutzen einer Ladeplatte gab es jedoch grössere Probleme.

Sound

Bei dem Lautsprecher des Nexus 6 kann man wirklich froh sein, dass Motorola diese an der Front angebracht hat. Frontlautsprecher sollten eigentlich Standard werden, hierfür gibt es einen ganz einfachen Grund. Wenn man mit einer zweiten Person ein Video oder Musik schauen bzw. hören will, hält man das Smartphone entweder in der Hand fest oder legt es auf den Tisch. Hier wird jedes Mal der Lautsprecher verdeckt. Dieses Problem hat man bei  Frontlautsprechern nicht. Leider kommt aktuell kein Lautsprecher an das HTC One M8 heran – auch das Nexus 6 nicht. Dennoch erhält das Smartphone von einen Pluspunkt, da es überhaupt Frontsprecher verbaut hat.

Kamera

Bei Kameras von Nexus Geräten gab es bisher nicht wirklich viel zu freuen, sie waren einfach nicht wirklich toll. Das konnte sowohl bei Nexus 4, als auch beim Nexus 5 festgestellt werden. Die Kamera des Nexus 6 hat einen 13 Megapixel Sensor mit optischem Bildstabilisator. Das klingt wie beim Akku auch nicht schlecht. Leider ist die Kamera des Nexus 6 nur gutes Mittelmass. Dadurch gibt es hier Punktabzug, denn man muss einfach den Preis von 650 Euro mit berücksichtigen.

 

Hier ein paar Beispielbilder:

Fazit

Wenn man nun einmal das Gesamtpaket des Nexus 6 ansieht, gibt es ein paar Dinge, die einem direkt auffallen. Fangen wir beim Positiven an: 

 

Sowohl die Verarbeitung, als auch das Design des Nexus 6 ist wirklich Top (bis auf den riesigen Nexus Schriftzug). Motorola hat hier einen guten Job gemacht. Die Hardware ist aktuell, jedoch mir persönlich etwas zu hoch dimensioniert. Hier muss ich erneut das beinahe 6 Zoll Grosse Display mit der Auflösung von 1440 x 2560 Pixel ansprechen. Wer benötigt eine so hohe Auflösung bei einem Smartphone? Hätte hier nicht ein Display mit 1920 x 1080 Pixel – sprich Full-HD – gereicht? Leider gibt es bei unserem Gerät ein paar unschöne Verfärbungen des Displays, wenn man von der Seite auf das Gerät schaut. Das liegt wohl leider am AMOLED Panel. Ein Pluspunkt ist aber auf jeden Fall das „Active Display“, auch wenn es unter Google anders heisst.

 

Ebenfalls positiv zu bemerken sind die Frontlautsprecher. Sie haben einen guten Sound und können aufgrund ihrer Position nicht verdeckt werden. Auch die Akkulaufzeit hat sich gegenüber seinem Vorgänger, dem Nexus 5, deutlich verbessert. Zwar kommt es noch nicht an die Akkulaufzeit eines Lumia 1520 heran, dennoch ist die Akkulaufzeit durchaus im guten Bereich. Ein wirklich grosser Pluspunkt ist Android 5.0. Mit dem „Material Design“ hat Google das moderne „Flat-Design“ weiterentwickelt, was mir sehr gut gefällt. Bei der Kamera bin ich gespalten, die Fotos sind in Ordnung. Aber ich muss sagen, für den Preis des Smartphones sind die Fotos wirklich zu schlecht. Mit 650 Euro liegt das Nexus 6 deutlich über dem Verkaufspreis seiner Vorgänger.

 

Aber ich weiss: Viel Hardware kostet auch viel! Mir wäre lieber gewesen, wenn Google das Nexus 6 ein wenig kleiner gemacht hätte (Zwischen 5.2 und 5.5 Zoll), „nur“ ein 1080 P Display eingebaut und den Akku ein wenig geschrumpft hätte (um die 3000 mAh). Dann hätte man noch ein wenig an der Preisschraube drehen können und ich denke, dann wäre das Smartphone „besser“ geworden. 

 

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