Sa. 15. Oktober 2016 um 12:27

Gaming Review: Gears of War 4 im Kurztest für Xbox One

von Alexander Spindler1 Kommentare

Verpatzte Storymomente für den Aha-Effekt

Wenn Gears of War 4 mit einem Rückblick beginnt, werden Gears Veteranen direkt melancholisch. Der kurze Part, in dem man auf Aspho Fields kämpft ist klasse und gerne hätte man dort einen längeren Abschnitt erlebt. Aber auch alte Gefährten wie Lt. Kim zu treffen beziehungsweise neben ihm zu kämpfen ist klasse.

 

Wer Gears kennt, ist direkt mitten drin im neuen Teil. Aber auch Neulinge werden keine Schwierigkeiten haben sich einzufinden, denn der vierte Teil beginnt doch recht langsam und gemächlich und wirkt stellenweise sogar etwas zu ruhig.

 

Die Story spielt 15 Jahre nach den Ereignissen von Gears of War 3. Die KOR entpuppt sich mittlerweile als Bösewicht und so schlüpft man in die Rolle von James Fenix, den Sohn von Marcus Fenix. Dieser gehört nicht der KOR an, sondern einer Rebellenbewegung, die sich nicht der neuen Regierung untergliedern möchte. Wieso und warum? Da verpasst es GoW4 zu Beginn besser in die neue Storyline einzuführen. Vieles bleibt unangesprochen. Warum kämpft der Trupp nun zusammen? Wieso haben sie sich zusammengeschlossen und warum haben sie etwas gegen die KOR Regierung?

 

The Coalition ist das neue Gears Studio, welches Microsoft nach der Übernahme der Marke gründete. Und hier fehlt mir die Liebe zum Detail. Denn einen Grund, wieso man nur so ungenügend in den Start der neuen Triologie einführt, lässt sich nicht erkennen.

 

Das Spiel beginnt recht düster, wird aber dann, sobald man den Prolog hinter sich gebracht hat recht bunt. Erst im zweiten Akt wendet sich das Blatt etwas und das Spiel wirkt zumindest etwas ernster. Die bunten Farben zu Beginn des Spiels, insbesondere die ganzen Blau- und Gelbtöne, passen indes nicht so recht in das Gears Universum.

 

Das Tempo der Kampagne wurde angezogen. Es gibt nur wenig ruhige Momente. Die Action wirkt dabei zu jeder Minute absolut solide. Die Gefechte fordern einen angenehm auf dem normalen Schwierigkeitsgrad. Veteranen dürfen aber mindestens auf Hardcore beginnen.

Gears 4 bietet altbekannte Shooteraction

Dennoch fehlt es dem Spiel an gezielter Dramaturgie. Die Regie ist manchmal einfach nur schlecht. Zwei Beispiele: In einem Level müsst ihr eine Siedlung vor einem Angriff verteidigen. Das Spiel switched dann plötzlich in den bekannten Hordemodus, eine Zeit läuft oben am Bildschirm ab, innerhalb der ich die bekannten Fallen oder Geschütze bauen soll. Aber den Angriff kann ich (als Spieler_in!!!) auch selber starten, wenn ich schon vor Ablauf der Zeit fertig bin mit den Vorbereitungen. Wie soll da situative Spannung oder Dramatik aufkommen?

 

Zweites Beispiel: Später im Spiel wird einer eurer Kollegen von einem "Tier" entführt. Man flüchtet in einen Raum, verbarrikadiert die Tür und urplötzlich ist Stille. Die Tiere, die einen eben noch verfolgten, schlagen nicht gegen die Tür oder Fauchen oder dergleichen. Alles still plötzlich und man geht im Gebäude eben weiter. Hier wirkt die Regie der Entwickler einfach nicht rund. Schlimmer noch: Sie ist quasi nicht vorhanden. Anstatt den Spieler hier in eine hilflose Lage zu versetzen und ihn dadurch mitfiebern zu lassen, spielt man halt vor sich hin.

 

Während Neuerungen eher vergeblich gefunden werden, gibt es jedoch einen spassigen und coolen Abschnitt mit einem Motorrad. Von solchen frischen Einlagen hätte ich mir mehr gewünscht, grade weil die neue Gegnerart zu Beginn doch eher enttäuscht.

 

Vom Storyverlauf möchte ich nichts spoilern. Die Geschichte ist aber alles andere als mitreissend und die Charaktere bleiben aufgrund der viel zu kurzen und oberflächlichen Zwischensequenzen bis zum Ende hin blass. Gears 4 verpasst es einen mitzunehmen. Weder ein alter Fan noch Neulinge werden hier grossartig überzeugt sein. Übrigens nimmt das Spiel erst ab Akt 3 richtig Fahrt auf.

Gameplay bleibt gleich, bietet aber auch wenig neues

Das Gameplay ist unverändert. Mit A geht man in Deckung, sobald man A gedrückt hält rennt man und mit dem rechten Bumper wird nachgeladen. Alles beim Alten. Und das ist teilweise etwas Schade. Die Gefechte wirken wie aus Gears 1 und können nicht immer mit fulminanter Action überzeugen.

 

In einem Level verteidigt man eine Basis und das spielt sich teilweise schon ruhig, steril und gemächlich. Ganz anders als in Teil 3 am Ambosstor, wo die Hölle über einen einbrach. Gerade in den ersten Kapiteln kommen kaum richtige Gegnermassen auf einen zu. Der ausschliessliche Kampf gegen die Roboter, der sich fast drei Akte lang herzieht, wird echt ermüdend. Ich habe die ersten drei Stunden am Stück gespielt und die Roboter konnte ich danach echt nicht mehr sehen.

 

Dieser neue Gegnertyp gefällt ganz und gar nicht, weil er zu einem simplen Moorhuhn-Schiessen verleitet und weder grossartige Laufwege aufweist, noch andere Schwierigkeiten mit sich bringt. Erst in Akt 3 wird es interessanter. Das möchte ich aber nicht spoilern. Nur soviel: Es bleibt nicht bei den schnöden Robotern als einzigem Gegnertyp. Gott sei Dank!

 

Teilweise ist Gears 4 einfach zu bunt geraten

Gewohnt gute Grafik und knackiger Sound

Technisch kann Gears of War 4 absolut überzeugen. Bei 1080p und 30fps bekommt man wirklich gutes Bildmaterial geliefert. Mit Brettern wie Ryse oder Uncharted 4 kann der neue Teil der Reihe jedoch nicht mithalten. Die Unreal Engine 4 bietet einem zu wenige Details, gerade bei zerstörten Gebäuden, und immer wieder teils matschige Texturen.

 

Dafür zeigt das Bild aber so gut wie kein Kantenflimmern. Auch die Bildrate wird nahezu immer bei 30fps gehalten.

Der Sound ist ebenfalls überzeugend und auch die deutsche Synchronisation ist hervorragend. Allesamt bekannte Sprecherinnen und Sprecher, die zu den Charakteren passen. So wird James Fenix beispielsweise von der bekannten Synchronstimme von Jack aus Lost gesprochen.

 

Die Effekte schallen euch mit gutem Wumms entgegen. Aber auch hier fehlt der Knalleffekt. Hier und da könnte der Sound durchaus knackiger sein.

Fazit – Gears bleibt Gears und verpasst die Chance auf etwas Neues

Hier schreibt ein Gears of War Fan. Daher bin ich an das Spiel sehr kritisch rangegangen und wurde doch eher enttäuscht.

 

Meine persönliche Enttäuschung habe ich aber bewusst für den Test zurückgestellt. Nichts desto trotz bekommt die Xbox One mit Gears of War 4 einen soliden Actiontitel, aber auf der anderen Seite kein mitreissendes Exclusive spendiert. Was 2006 noch richtig einschlug, wirkt mittlerweile eher altbacken. Dass darüber hinaus weder Story noch Charaktere richtig zu überzeugen wissen, führt uns das Spiel zu einer eher glimpflichen Versöhnung. Von einem Vorzeigetitel erhofft man sich aber eigentlich mehr, auch wenn Gears of War 4 an sich kein schlechter Titel ist. Schade.

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Eine Antwort zu “Gaming Review: Gears of War 4 im Kurztest für Xbox One”

  1. Tempest2k sagt:

    Interessant. So unterschiedlich können Geschmäcker sein. Ich empfinde die neuen Helden als sympathisch. Vor allem die Dialoge (auf Englisch) sind super.

    Die Kampagne finde ich bisher als die Beste der 4 Teile. Teil 3 knapp dahinter. Ich finde sie deutlich spannender und gerade dramaturgisch besser erzählt. Klingt ein wenig als wäre der Tester da mit der Einstellung: Ich will aber mit Markus und seinen Kumpanen spielen heran gegangen.

    Auch bei der Graphik kann ich nicht beipflichten. Gerade ab Akt 3 feuert die Unreal 4 Engine ein wahres Feuerwerk ab. Vor allem mit HDR auf der Xbox One S. Hier kommt gerade das Lighting exzellent zur Geltung. Auch die Farbgebung an sich finde ich mehr als gelungen. Und düster genug wird es noch. Und die neuen Gegner sind auch fordernd. Und teilweise einfach eklig, dass man sie noch viel lieber abknallt. 😉

    Also mein Fazit bis zu Akt VII (weiter bin ich noch nicht). Das Action geladenste Gears, für mich mit der besten Story und auf der Xbox neben der Forza Reihe und Ryse, eine der audiovisuell beiindruckendsten Teile.

    Ich bin vom Werk von The Coalition sehr beeindruckt und kann es nur wärmstens empfehlen.

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