Review: Garmin Vivosmart - Fitness-Tracker meets Smartwatch
So. 01. Februar 2015 um 7:25

Review: Garmin Vivosmart – Fitness-Tracker meets Smartwatch

von Jan Gehrig0 Kommentare

Während die Welt noch erwartungsvoll der Markteinführung der Apple Watch im kommenden April entgegenfiebert, erlebt der Markt für mobile Gadgets, in Form von Fitness-Trackern und Smartwatches, gerade seinen zweiten Frühling. Die kleinen mobilen Helfer sind praktisch überall ein beliebtes und heiss diskutiertes Thema und der Markt für diese Geräte wächst kontinuierlich weiter. Während es für die grossen Betriebssysteme Android und iOS bereits diverse Produkte zu kaufen gibt, sind universell einsetzbare Geräte derzeit noch Mangelware. Einzige Ausnahme bildet hier bisher die Pebble Smartwatch, welche sich uneingeschränkt auf allen Plattformen nutzen lässt.

 

Für viele Leute haben Smartwatches bisher allerdings noch eine eher fragwürdige Daseinsberechtigung. Zugegeben, aktuelle Modelle wie z. B. die Moto 360, oder die G Watch R von LG haben allesamt ein sehr ansprechendes Design. Als vollwertiger Ersatz für einen hochwertigen Chronographen kommen sie für viele aber nach wie vor nicht in Frage. Der grösste Kritikpunkt stellt dabei, nebst den zum Teil doch sehr klobigen Abmessungen, in erster Linie die Akkulaufzeit dar. Sorry, aber eine Uhr, die jeden Abend an die Steckdose muss, ist in der heutigen Zeit einfach nicht zu gebrauchen. Hierbei scheiden sich aber selbstverständlich die Gemüter. Zudem dürfte sich dieser Umstand durch stetige Optimierungen seitens der Hersteller und auch durch die Weiterentwicklung von Android Wear vielleicht schon bald ändern.

 

Auf der Suche nach einem geeigneten Gadget bin ich dann eher zufällig auf Garmin gestossen. Garmin dürfte wohl vielen bereits als Hersteller von Navigationsgeräten ein Begriff sein. Neben den praktischen Routenführern hat Garmin aber auch diverse Fitness-Tracker und GPS-Uhren, samt vielfältigem Zubehör, im Sortiment. So hat man mit dem Vivosmart ein schickes und funktionelles Gerät, welches die Funktionen von Fitness-Tracker und Smartwatch in einem eleganten und leichten Armband vereint. Neben den bekannten Fitnessfunktionen verfügt das Vivosmart nämlich auch über ein kleines OLED-Display samt Benachrichtigungsfunktion. Verbindet man das Armband via Bluetooth mit dem Smartphone, werden alle eingehenden Benachrichtigungen beinahe verzögerungsfrei weitergeleitet. Welche Funktionen das Garmin Vivosmart im Detail bietet und wie es sich im Alltag schlägt, wird im nachfolgenden Test etwas genauer erklärt.

Hardware und Tragekomfort

Da ein Fitness-Tracker meistens 24 Stunden am Tag getragen wird, gilt es bei der Wahl des verwendeten Materials einiges zu beachten. Garmin setzt beim Vivosmart auf eine nahezu ideale Materialbeschaffenheit für ein Fitness-Armband. So ist der eingesetzte, von Gummi ummantelte, Kunststoff weder zu hart, noch zu weich. Beides würde sich negativ auf den Tragekomfort auswirken. Ist das verwendete Material nämlich zu weich, bildet sich schnell Schweiss und bei zu harten Materialien entstehen sehr schnell Druckstellen. So fühlt sich das Armband aber angenehm weich an und wirkt dabei trotzdem sehr robust. Obwohl das Armband in den ersten ein bis zwei Tagen am rechten Handgelenk doch eher unangenehm auffiel, war es nach einer Woche kaum noch zu spüren. Zusätzlich ist das Vivosmart nach Spezifikation 5 ATM bis zu 50 Metern wasserdicht. Duschen und Schwimmen ist demnach also bedenkenlos möglich.

 

Beim Vivosmart kann man sich zwischen den Grössen S (Armumfang von 127 bis 172 mm, Gewicht: 18.7 Gramm) und L (Armumfang von 155 bis 221 mm, Gewicht: 19.5 Gramm) entscheiden. Mit einer Breite von nur 15 Millimetern sichert sich das Vivosmart zudem die Krone des schmalsten Fitness-Trackers mit Display auf dem Markt. Die Dicke fällt mit gerade mal 10.5 Millimetern ebenfalls sehr moderat aus. Erhältlich ist der smarte  Fitness-Tracker in den Farben Blau, Grau, Lila, Pink und Schwarz.

 

Der Verschluss besteht aus zwei Gumminoppen, über welche sich das Armband in neun Öffnungen fixieren lässt (Grösse S). Unterhalb dieser beiden Noppen befindet sich eine kleine Aluminium-Plakette mit eingraviertem Garmin-Schriftzug. Wer sich darum sorgt, dass sich der Verschluss allenfalls lösen könnte, kann das Armand zusätzlich mit dem im Lieferumfang enthaltenen Vivokeeper fixieren. Dabei handelt es sich um einen vergleichsweise harten und dicken Clip aus Hartplastik, welcher den Verschluss zusätzlich sichert. Alternativ sind als Zubehör auch verschiedenfarbige und deutlich weichere Bitbelts erhältlich. Da der Verschluss im Test aber jederzeit für ausreichend sicheren Halt sorgte und auch nach rund 1.5 Monaten noch keine Anzeichen von übermässiger Ausdehnung oder Lockerung festgestellt werden konnten, dürfte sich diese zusätzliche Fixierung aber wohl in den meisten Fällen erübrigen.

Display, Speicher und Konnektivität

Das Garmin Vivosmart verfügt über ein beleuchtetes OLED Touch-Display, welches mit 128 x 16 Pixeln auflöst und nur in eingeschaltetem Zustand als solches zu erkennen ist. Jedenfalls ist es bei dem vorliegenden schwarzen Testexemplar in ausgeschaltetem Zustand praktisch unsichtbar. Wie bereits von der Samsung Gear Fit bekannt, ist die Anzeige auch hier im Querformat ausgerichtet. Dies ist anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, kann in den Einstellungen der Garmin Connect App aber jederzeit geändert werden. Hier muss man selbst entscheiden, was den eigenen Bedürfnissen besser entspricht. Das Display verfügt über eine automatische Helligkeitsregelung und ist unter alltäglichen Bedingungen sehr gut ablesbar. Alternativ kann die Helligkeit auch direkt am Armband manuell eingestellt werden. Aktiviert wird das Display durch doppeltes Antippen, was im Test allerdings nur selten beim ersten Versuch klappte. Ist das Display aber aktiviert, werden weitere Wisch- und Tipp-Gesten sehr flüssig umgesetzt.

 

Bewegungsdaten und Aktivitäten werden auf dem Garmin Vivosmart bis zu drei Wochen gespeichert. Werden durch die Verwendung zusätzlicher Sensoren weitere Daten aufgezeichnet (z. B. Herzfrequenz), kann sich der Speicherzeitraum auf rund zwei Wochen reduzieren. Sobald der Speicher voll ist, werden die ältesten Daten wieder überschrieben.

 

Die Verbindung zum Smartphone erfolgt über den energiesparenden Bluetooth Standard 4.0 LE. Die Kopplung funktionierte im Test unter Android 5.0 (LG G3) und iOS 8.1.2 (iPhone 6 Plus) ohne Probleme. Die Bewegung erkennt das Garmin Vivosmart über den integrierten 3D-Beschleunigungssensor. Zusätzlich lassen sich über die Bluetooth-Smart-, respektive ANT+-Schnittstelle, auch noch weitere Sensoren zur Herz-, Geschwindigkeits- und Trittfrequenzmessung koppeln. Die entsprechenden Produkte sind bei Garmin als Zubehör erhältlich.

 

Nicht ganz so intuitiv gestaltet sich hingegen die Verbindung mit dem PC. Hat man das Vivosmart nämlich über das beiliegende USB-Kabel mit dem Rechner verbunden, wird das Armband lediglich geladen. Die eigentliche USB-Verbindung wird nämlich erst dann aktiviert, wenn man mit dem Finger einige Sekunden auf die Ladeanzeige drückt. Für die Installation von Firmware-Updates und zur Synchronisation der gespeicherten Daten wird die Garmin Express Software benötigt, welche auf der Website des Herstellers kostenlos heruntergeladen werden kann. Das Vivosmart hat während des Testzeitraums übrigens vier Updates erhalten, was in der heutigen Zeit als äusserst vorbildlich betrachten werden darf! Die Garmin Connect App hat hingegen im gleichen Zeitraum leider kein Update spendiert bekommen.

Funktionsumfang – So muss das sein…!

Nebst den von Fitness-Trackern bekannten Funktionen wie Schrittzähler, die Anzeige der zurückgelegten Strecke und verbrannter Kalorien sowie der Aufzeichnung des Schlaf-Zyklus, wartet das Vivosmart von Garmin auch mit diversen Smartwatch-Funktionen auf. So können zum Beispiel alle unter iOS in der Mitteilungszentrale und bei Android in der Benachrichtigungsleiste eingehenden Nachrichten, auch auf dem zwei Zeilen „grossen“ Display des Armbands gelesen werden. Die Displaygrösse erweist sich im täglichen Gebrauch übrigens sehr schnell als absolut ausreichend. Man sieht auf einen Blick die betreffende App, den Absender und einen Teil des Textes. Wer möchte, kann auch durch die gesamte Nachricht scrollen. Von dieser Möglichkeit dürften aber vermutlich nur die wenigsten regelmässig Gebrauch machen. Während in der Android-App die Apps, welche Benachrichtigungen an das Vivosmart übermitteln dürfen, konfiguriert werden können, sucht man diese Option in der iOS-App leider vergeblich. Da aber alle gängigen Apps wie z. B. WhatsApp, Hangouts, Facebook samt Messenger, Gmail, diverse Twitter-Clients, etc. unterstützt werden, ist dies zu verschmerzen. Natürlich bringt das Vivosmart auch Anrufe direkt ans Handgelenk und Benachrichtigungen machen sich auf Wunsch auch durch einen Vibrationsalarm bemerkbar. Alternativ kann man auch die „Display-On“ Funktion nutzen. In diesem Fall schaltet sich das Display beim Eingang einer Benachrichtigung für ca. drei Sekunden automatisch ein und anschliessend wieder aus.

 

Nicht nachvollziehbar ist hingegen, warum die ebenfalls integrierte Steuerung für den Musik-Player lediglich die jeweiligen Stock-Player von Android und iOS unterstützt. Einen Versuch, diese auch mit Spotify, Google-Music oder einem alternativen Musik-Player (z. B. Power AMP) zu verwenden, quittiert das Vivosmart mit der Anzeige, dass keine entsprechende App gefunden werden konnte. Da direkt vom Vivosmart aus durch die Tracks geschaltet, Lieder pausiert und auch die Lautstärke verändert werden können, hatte ich mich auf diese Funktion natürlich besonders gefreut, nicht zuletzt deshalb, weil die Steuerung über das Armband in verschiedenen Situationen einen deutlichen Komfortgewinn bedeuten würde. Eine kurze Recherche im Web hat ergab, dass sich sehr viele Leute an diesem Umstand stören. So wird das Thema unter anderem auch im Support-Forum von Garmin heiss diskutiert und der Hersteller von den Userinnen und Usern regelrecht um ein entsprechendes Update bekniet. Bleibt also zu hoffen, dass Garmin hier in absehbarer Zeit doch noch reagieren wird, dies wäre jedenfalls noch das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i!

 

In der Garmin Connect App können zudem diverse Einstellungen (u.a. auch detaillierte Angaben zur eigenen Person) vorgenommen und die vom Vivosmart aufgezeichneten Daten ausgewertet werden. Die App kann im Google Play Store und im App Store von Apple kostenlos heruntergeladen werden. Auf iOS-Geräten hat man zudem die Möglichkeit, die Garmin Connect App mit Health zu verbinden und vorzugeben, welche Daten übermittelt werden sollen. Weiter bietet die App auch zusätzliche Motivation durch die Verleihung von Abzeichen für erreichte Ziele oder eine Top 3-Platzierung bei Community-Events (z. B. Schritt-Challenge).

 

Garmin Connect™ Mobile
Entwickler: Garmin
Preis: Kostenlos

 

Garmin Connect™ Mobile
Entwickler: Garmin
Preis: Kostenlos

 

Ein weiteres Highlight des Vivosmart ist zweifellos die nahtlose Integration anderer Garmin-Geräte. Verfügt man beispielsweise bereits über einen Brustgurt zur Herzfrequenzmessung, über einen Fahrradsensor oder ähnliches, lassen sich diese Gadgets auch mit der Connect App und dem Armband verbinden. Dadurch lassen sich sämtliche Aktivitätsdaten zentral auswerten und verwalten.

Akku und Laufzeit

Beim Vivosmart setzt Garmin, wie die meisten anderen Hersteller auch, auf einen fest verbauten Lithium-Ionen-Akku. Die effektive Laufzeit hängt natürlich sehr stark vom jeweiligen Nutzungsverhalten ab. Die vom Hersteller veranschlagten sieben Tage konnten im Test aber problemlos erreicht werden. Nutzt man das Gerät im „Mischbetrieb“ und ist nicht permanent via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, schafft man auch problemlos das Doppelte. Geladen wird das Armband über das mitgelieferte USB-Kabel mit einer speziellen Klammer, welches gleichzeitig auch für die Verbindung mit dem PC (z. B. für Firmware-Updates) genutzt werden kann. Für eine Vollladung wurden im Test durchschnittlich drei Stunden benötigt. Ein entsprechender Netzstecker liegt allerdings nicht bei. Die Handhabung dieser Ladeklemme hat sich im Test leider oftmals als etwas fummelig erwiesen. Man muss beim Einklemmen des Geräts schon sehr gut aufpassen, damit die Kontakte genau aufliegen. Hier wäre ein konventioneller Micro-USB-Anschluss sicherlich intuitiver gewesen. Vermutlich hätte sich dieser dann aber wiederum nachteilig auf das Design und die Wasserdichtigkeit des Armbands ausgewirkt.

Preise und Verfügbarkeit

Das Garmin Vivosmart ist entweder im guten sortierten Fachhandel oder direkt im Webshop von Garmin zu Preisen von aktuell rund EUR 149,00 oder CHF 160.00 erhältlich.

Fazit

Wie aus dem Testbericht bereits herausgelesen werden konnte, erhält das Garmin Vivosmart von mir eine klare Kaufempfehlung! Durch das sehr angenehme Material, die kompakten Masse und das geringe Gewicht kann das Garmin Vivosmart problemlos 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche getragen werden. Wer also auf der Suche nach einem zuverlässigen Fitness-Tracker ist und gleichzeitig in den Genuss der Annehmlichkeiten einer Smartwatch kommen möchte, ist mit dem Vivosmart von Garmin jedenfalls bestens bedient! Einziger Wermutstropfen ist und bleibt die fehlende Unterstützung alternativer Musikplayer und Streaming-Dienste. Davon abgesehen erhält man mit dem Garmin Vivosmart aber einen hervorragend verarbeiteten und vielseitig einsetzbaren Begleiter, zu einem äusserst fairen Preis.

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