So. 10. Mai 2015 um 9:20

Review: Fitbit Surge im Test

von Yves Jeanrenaud2 Kommentare

Die Fitbit Surge ist der neueste Wurf des bekannten Wearable-Herstellers. Nach dem Fitbit Ultra, Fitbit One, Fitbit Flex, und vor kurzem dem Charge HR zeigen wir euch heute also die Fitness-Superwatch, wie Fitbit sein Produkt anpreist, die schon Barack Obama überzeugt hat.

Lieferumfang und Hardware

In der Display-Box, die mit einem Magnetverschluss zugehalten wird, befindet sich neben der Fitbit Surge ein Ladekabel für den proprietären Anschluss auf der Unterseite der Uhr, ein USB-Dongle sowie eine Schnellstartanleitung. Die Surge selbst wiegt 51 Gramm und besteht aus einem 34 mm breiten Armband mit einem schwarzweissen Touch-LC-Display in der Grösse 20.88 x 24.36 mm, einer Taste links mittig und zwei Tasten auf der rechten Seite. Über das verwendete Displayglas ist nichts bekannt, es scheint jedoch einigermassen kratzfest zu sein. An der dicksten Stelle, der Oberkante des schräg abfallenden Displays, misst die Uhr 15 mm, an der dünnsten 10mm vor dem Übergang zum Armband. Die Unterseite beherbergt einen Anschluss für das Ladekabel, welcher über vier Pins verfügt und leider proprietär ist sowie den optischen Sensor für die Herzfrequenz mit zwei grünen LED. Das Display wird von einem schwarzen Rahmen umrandet und geht nahtlos ins ebenfalls schwarze Armband über. In den Farbvarianten Rot und Blau ist der Rahmen um das Display nicht lackiert, sondern in der Gehäusefarbe gehalten. Das Gehäuse der Uhr selbst ist aus Metall, das Armband aus einem flexiblen, weichmacherfreien Elastomer und wird mit einer Edelstahl-Schnalle verschlossen. Es ist für Handgelenke mit einem Umfang von 140-160 mm (S) bzw. 160-198 mm (L) zu haben. Neben dem Display ist ein Helligkeitssensor untergebracht, der die automatische Hintergrundbeleuchtung des LCD steuert.

 

Im Inneren der Surge sind neben einem 3-Achsen Beschleunigungssensor und Gyroskop ebenfalls ein digitaler Kompass, ein GPS-Modul, ein zusätzlicher Höhenmesser (per Luftdruck) und ein Vibrationsmotor verbaut. Verbunden wird das Smartphone, Tablet oder der Rechner per Bluetooth 4.0, über dem Display ist ein NFC-Chip integriert, der den Befehl für Android-Smartphones enthält, die Fitbit App zu starten bzw. zu installieren. Der eingebaute Lithium-Polymer-Akku hält laut Hersteller mehr als sieben Tage durch und ist etwa zwei Stunden komplett per USB-Kabel aufgeladen. Wasserdicht ist die Surge bis zu 50 Meter Tiefe, jedoch nicht zum Schwimmen konzipiert. Der Hersteller empfiehlt überdies, beim Duschen dennoch die Uhr wegen der Hautgesundheit abzulegen.

Funktionalität und Design

Die Surge von Fitbit funktioniert nur in Verbindung mit einem PC, Mac, Tablet oder Smartphone, denn die Daten müssen von der Uhr synchronisiert werden – ihr Speicher ist auf sieben Tage begrenzt. Smartphones benötigen Bluetooth 4.0 und müssen mit Windows Phone, iOS oder Android laufen, denn hierfür gibt es die passende App. Da über dem Display ein NFC Chip verbaut ist, kann die Android-App auch direkt damit installiert und gestartet werden.

Fitbit
Entwickler: Fitbit, Inc.
Preis: Kostenlos
Fitbit
Entwickler: Fitbit, Inc.
Preis: Kostenlos

 

Eingerichtet wird die Surge ganz einfach via Bluetooth und App bzw. Software auf dem Rechner. Dabei fragt das Programm nach dem Bluetooth-Koppeln einen vierstelligen Code ab, der auf der Uhr angezeigt wird und verbindet so die Smartwatch mit dem eigenen Fitbit-Konto.

 

Herausstechendes und so bei Fitbit bisher nicht dagewesenes Merkmal der Surge ist das GPS-Tracking. Damit können Strecke, Tempo und Höhendifferenz gemessen und aufgezeichnet werden. Diese sind dann in der App und auf der Fitbit-Seite im Dashboard verfügbar. Die kontinuierliche Überwachung des Pulses mittels optischem Herzfrequenzmesser am Handgelenk hingegen ist ein weiteres tolles Feature, welches wir schon von der Fitbit Charge HR kennen. Damit kann man seinen täglichen Stresslevel sowie die sportlichen Aktivitäten genauer betrachten. Hinzu kommt die bei Fitbit traditionell starke Aufzeichnung von Schritten, Strecke, verbrannten Kalorien, Stockwerken (seit der Charge wieder im Programm) und aktiven Minuten des Tages, um so die Aktivität zu beobachten und die körperliche Fitness kontinuierlich und nachhaltig steigern zu können. Der Wecker ist und bleibt bei Fitbit stumm und weckt durch Vibration. Im Gegensatz zur Withings Activité und Activité Pop jedoch ist der Alarm der Surge durchaus kräftig genug, um wirklich aufzuwecken. Auch der Schlaf wird, im Gegensatz zum Fitbit Flex, automatisch aufgezeichnet und kann so ausgewertet werden. Beim Training kann man die Uhr konfigurieren, Laufen, Crosstraining oder Kardioworkouts aufzuzeichnen und danach Trainingszusammenfassungen anzeigen.

 

Doch was wäre eine Smartwatch ohne Verbindung zum Smartphone? Richtig, nur ein Fitness-Tracker. Doch die Fitbit Surge kann ebenfalls eingehende Anrufe sowie SMS-Nachrichten anzeigen und die Musikwiedergabe des Smartphones fernsteuern. Das geht jedoch nur mit iOS- und Android-Geräten vollständig, sicherheitstechnisch bedingt. Die Windows Phone App muss sich damit begnügen, die Fitness-Daten aufzuzeichnen und die Musik fernzusteuern, da Apps von Drittanbietern keine API für derartige Informationen zur Verfügung stehen. Für die SMS und Anruferkennung fehlen leider unter Windows Phone (8.1) die technischen Voraussetzungen für Apps.

 

Die Bedienung der Uhr erfolgt über den Touchscreen und die Tasten gleichermassen. Mit einem Wisch über das Display werden die verschiedenen Werte angezeigt: Uhrzeit, Schritte, Puls, Distanz, Kilokalorien und Stockwerke. Als Startanzeige dient immer die Uhrzeit. Spannend sind die vier Ziffernblätter, die für die Uhrzeit zur Auswahl stehen. Das erste namens Flare zeigt die 24-Stunden Uhrzeit digital in der Mitte und im Kreis darum wird pro Minute ein Punkt aufgeführt, bei Aktivität mehr. Das ist interessant, weil so direkt auf einen Blick das Aktivitätslevel der aktuellen Stunde angezeigt wird. Orbit zeigt die Stunden zweistellig in der Mitte und in einem Punkt auf einem Kreis darum die Minuten. Digital ist eine klassische digitale Uhrenanzeige mit Datum. Analog stellt, wie der Name schon sagt, ein analoges Ziffernblatt mit Datumsziffern auf die Uhr.

 

Mit einem Druck auf die linke Taste wird ein weiteres Menü geöffnet oder geschlossen, indem man zwischen „Laufen“ als Standardtraining, Training, Alarme und Einstellungen wählen kann. Was unter Training angezeigt wird, kann mit bis zu sieben Einträgen frei eingestellt werden. Die zwei rechtsseitigen Tasten erfüllen verschiedene variable Funktionen. Geht ein Anruf oder eine SMS ein, wird dies mit der oberen Taste angezeigt. Die Untere dient zum Bestätigen des ausgewählten Trainings oder zum Überspringen der GPS-Suchphase.

Benutzung

Der Akku der Fitbit Surge hält bei aktiver Nutzung mit ca. einer Stunde Training am Tag und immer mal wieder eine SMS- oder eine Anrufbenachrichtigung gut vier Tage durch. Die Synchronisation geht sehr zügig voran und dauert nur wenige Sekunden, auch im Hintergrund. Will man den Akku des Smartphones nicht belasten und nur manuell oder am Rechner synchronisieren, werden die Daten sieben Tage lang auf dem Wearable gespeichert, inklusive GPS-Tracks, pro Sekunde gibt es eine Positionsbestimmung. Die Herzfrequenz wird im Alltag jede fünfte Sekunde gespeichert, im Training jede Sekunde.

 

Die verschiedenen Sportarten separat aufzuzeichnen ist äusserst hilfreich, da sie so gleich in der App verbucht werden. Aber auch ohne aktives Auswählen der Trainingsart erkennt die Fitbit App Trainingssequenzen und belohnt per Auszeichnung dafür. Das motiviert durchaus, bei der Stange zu bleiben. In der App werden, wie von Fitbit schon gewohnt, nicht nur die Fortschritte und Statistik aufgezeigt, auch das Training und der Schlaf kann gut verfolgt werden. Ebenfalls kann man Lebensmittel, die man zu sich nimmt, aufzeichnen und so seinen Kalorienhaushalt im Blick behalten. Dazu kommt der Wettbewerb mit einem eigenen Freundeskreis sowie das schon erwähnte Sammeln von Auszeichnungen. Das Ganze funktioniert einwandfrei und reibungslos. Der GPS Fix dauert nur wenige Sekunden, sofern ein direkter und ungetrübter Blick zum Himmel möglich ist. Schade nur, dass die Windows Phone App nicht den selben Funktionsumfang bieten kann wie diejenige auf den anderen Betriebssystemen. Das ist aber leider technisch bedingt. Dank der Wasserdichte kann man auch nach dem Training gleich unter die Dusche, ohne die Uhr abnehmen zu müssen oder Angst zu haben, sie bei Vergessen zu beschädigen. Das ist nützlich.

 

Die Uhr lässt sich gut tragen und wirkt nicht wie ein Fitness-Wearable auf den ersten Blick. Über das Design lässt sich bekanntlich streiten. Wie eine halbwegs moderne sportliche Digitaluhr kommt die Surge daher und passt so zu vielen Anlässen. Vielen Leuten könnte sie allerdings zu klobig sein, dies ist jedoch wie gesagt Geschmacksache.

 

Preis

Die Fitbit Surge gibt es beim Hersteller für 249,95 Euro mit kostenlosem Versand, 30 Tage Geld-Zurück- und zwei Jahren Garantie. Bei Amazon fallen 249 Euro an. Für die Schweiz ist beispielsweise digitec aufzuführen, wo die Fitness-Superwatch 264.- SFr. kostet, bzw. 266 SFr. für die Varianten Rot und Blau.

Fazit

Die Smartwatch-Funktionen wie Musiksteuerung, Anruf- und SMS-Benachrichtigungen machen zusammen mit dem GPS-Tracking die Fitbit Surge zu einem tollen Wearable. Ein Fitness-Tracker mit Smartwatch-Ambitionen für alle drei grossen mobilen Betriebssysteme. Das hat selbst Barack Obama überzeugt, er hat die Surge schon seit Längerem und wurde schon einige Male damit abgelichtet. Warum die Mischung aus Touch- und Tastensteuerung gewählt wurde, erschliesst sich mir nicht ganz, aber man gewöhnt sich schnell daran. Die Messungen sind für Wearables dieser Preisklasse angemessen präzise, das Design scheint funktional und auch die Grösse, immerhin misst die Uhr an der dicksten Stelle 15 mm und wiegt stolze 51 Gramm, stört nicht sonderlich. Irgendwo muss die Technik ja auch untergebracht werden.

 

Schade ist nur, wie gesagt, dass die Windows Phone App, mal wieder aufgrund fehlender API, nicht die ganzen smarten Funktionen bekommen kann. Auch kann keine der drei Apps die Trainingsdaten exportieren, wie das etwa beim Jabra Pulse der Fall ist. Das geht nur über das Dashboard auf Fitbit.com, benötigt aber zum Glück keine Premium-Mitgliedschaft mehr und ist im CSV- wie XLS-Format verfügbar. Schade ist auch, dass ebenfalls kein Apple Health unterstützt wird. Aber dennoch: Klare Kaufempfehlung für die Fitbit Surge für alle, die ihr Training und ihre tägliche Bewegung und Aktivität im Blick behalten möchten sowie Smartwatch Funktionen haben möchten.

 

 

vg-wort
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2 Antworten zu “Review: Fitbit Surge im Test”

  1. Yves Jeanrenaud sagt:

    Übrigens gibt es immer noch eine Fitbit Gruppe PocketPC.ch: https://www.fitbit.com/group/22C3JT
    🙂

  2. Wolfgang D sagt:

    Will ich sehen, sieben Tage GPS Tracks ohne aufzuladen. Nach den interessanten Amazon Rezensionen taugt die Software nichts, und das nicht standardisierte Armband geht schnell kaputt.

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