So. 12. Oktober 2014 um 9:58

Review: Ferguson FBOX Android TV Stick im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Fernsehgeräte mit smarten Funktionen sind ja mittlerweile weit verbreitet. Dabei reichen die Möglichkeiten vom simplen Internetzugang via Browser (meist Opera) und Anbindungen an Online-Videotheken wie Netflix oder Watchever bis zu spezifizierten Anwendungen und Apps für E-Maill, Börsenticker und Social Media. Wer nun aber einen TV hat, der noch über keine SmartTV-Eigenschaften verfügt, hat die Qual der Wahl der Möglichkeiten, um diese Funktionalität nachzurüsten.

 

Wir stellen euch heute die FBOX des polnischen Herstellers Ferguson auf Android-Basis, von dem wir schon andere Geräte wie ein Tablet oder eine Sat-Box testen konnten, vor. Laut Hersteller soll dieser kleine Stick jeden Fernseher in einen SmartTV verwandeln können.

Hardware und Lieferumfang

Die FBOX selbst ist ein sogenanntes Dongle Board mit flexiblem HDMI-Anschluss und 136 x 30 x 14 mm gross sowie 40 Gramm schwer. Das Gerät besitzt zwei USB-Anschlüsse, wobei einer ein microUSB-OTG darstellt sowie einen microSD-Slot zur Speicherweiterung. Mit dabei sind ein USB-Netzteil und ein USB-2.0-Hub mit zwei USB-Anschlüssen, integriertem SD-Kartenleser und eingebautem WLAN-n-Adapter. Zwei Kurzanleitungen, in Englisch und Polnisch, ein Garantieschein und eine Bestätigung, dass das Gerät kompatibel zum Angebot des polnischen Privatsenders TVN ist, liegen ebenfalls bei.

Im Inneren des Sticks schlummert ein Amlogic AML 8726 – MXS DualCore ARM Cortex A9 mit 1.5 GHz, Mali 400 GPU und 1 GB Arbeitsspeicher. Der interne Speicher umfasst 4 GB. Neben Miracast wird auch DLNA (inkl. DRM) sowie NFS, CIFS und Apple Airplay unterstützt. Dank der vorinstallierten Apps, XBMC und MX Player werden eine Vielzahl an Datei- und Medienformaten unterstützt. Das Ausgangssignal kann bis zu 1080p FullHD via HDMI 1.4 auflösen. Ebenfalls wird Hardware-Videokodierung unterstützt, sofern die Apps dies denn beherrschen.

 

Der HDMI-Anschluss ist flexibel gestaltet, um an jeglichen erdenklichen HDMI-Anschlüssen benutzt werden zu können. Die mitgelieferte Funkfernbedienung kommt mit eigenem Nano-USB-Dongle daher und bietet die üblichen drei Android-Tasten zuoberst sowie ein Wegekreuz mit OK/Enter-Taste und vier Colortasten, wie von TV-Fernbedienungen bekannt. Sie haben jedoch anscheinend keine Funktion bei diesem Gerät von Ferguson. Hinzu kommen Lauter-Leiser sowie Zoomtasten, eine Ein-Aus-Taste und eine Taste, um die Mausfunktion ein- und auszuschalten. Diese Maus ist natürlich notwendig, da Benutzeroberfläche von Android ja nicht wie bei einer dezidierten SmartTV-UI auf die Bedienung mittels Tasten ausgelegt ist. Zwar kommt die FBOX mit einer eigenen UI (dazu später mehr), aber die Mausfunktion ist dennoch wichtig für die Bedienung  von Android-Apps. Und hier der Clou: Die Fernbedienung verfügt über Neigungs- und Beschleunigungssensoren und arbeitet so, ähnlich wie die Nintendo WiiMote, erstaunlich intuitiv als Mauszeige-Gerät. Man zeigt also einfach mit der Fernbedienung in Richtung TV-Gerät und der Cursor bewegt sich entsprechend. Im Gegensatz zur WiiMote wird hier jedoch nicht auf eine Ausrichtung mittels Infrarotsensoren gesetzt, so dass kein Sichtkontakt zum Gerät bestehen muss.

Funktionen und Bedienung

Der HDMI-Stick wird vergleichsweise einfach angeschlossen. Die Stromversorgung geschieht einerseits über den HDMI-Anschluss, andererseits wird über den USB-to-Go-Stecker das Netzteil oder gegebenenfalls der USB-Anschluss am Fernseher benutzt. An dem mitgelieferten Hub sind nicht nur zwei USB-Anschlüsse und ein SD-Kartenslot, sondern wie gesagt ist auch der WLAN-Adapter darin zu finden. Der Hersteller erklärt dies damit, dass so die Wärmeentwicklung des Funkmoduls aus dem Gerät herausgehalten werden soll. Dennoch wird die FBOX unter Vollast ziemlich warm. Per Infrarotthermometer lassen sich gut 48 Grad messen. Daran verbrennt man sich nicht die Finger, auf Dauer gut sein kann das aber auch nicht wirklich. An die USB-Anschlüsse lässt sich dank Host-Funktionalität alles anschliessen, womit Android arbeiten kann, bis zu externen Festplatten und Tastaturen. Das funktioniert ganz gut, Datenträger werden im NTFS- und FAT32-Format erkannt und eingebunden.

 

Nach dem erstmaligen Start des FBOX HDMI-Sticks wählt man erst mal die Sprache aus. Neben Deutsch und Englisch werden auch weitere Optionen angeboten. Anschliessend wird das WLAN-Signal gesucht (nur 2.4 GHz) und konfiguriert, so dass der Internetzugang gewährleistet ist. Wie erwähnt verfügt die Fernbedienung über Sensoren, so dass man diese nur kippt und neigt, um den roten, gut sichtbaren Cursor auf dem Fernseher zu bewegen. Damit kann man relativ einfach und schneller als bei reinen Tasten-Fernbedienungen auch beispielsweise Passwörter eingeben oder durch das Menü navigieren. So kann man auch einfach seinen Google Account konfigurieren und so Google Play in vollem Umfang nutzen. Der Stick tut nämlich so, als wäre er ein Tablet und läuft mit Android 4.2.2.

 

Das Interface von Android ist bekanntermassen auf die Touch-Bedienung ausgelegt. Daher ist ein spezieller Launcher vorinstalliert, der die Apps entsprechend bedien- und darstellbar macht. Gestartet wird somit auf einem Dashboard aus zehn vorkonfigurierten Ordnern, die den halben Bildschirm einnehmen. Öffnet man diese, kann man installierte Apps hinzufügen oder entfernen und so die Apps sortieren. Angeboten werden hierbei Ordner namens Games, Favorites, Video, Social, Tools, Locked, Health, Kids, Finance und All Apps. Der Ordner Locked ist passwortgeschützt und kann mit Apps versehen werden, die nicht für alle zugänglich sein sollen. Das Standardpasswort lautet 0000, was sich übrigens nicht aus der Kurzanleitung erschliesst. Diese hört sowieso nach dem Einrichten von Google Play auf.

Fügt man also eine App via Google Play hinzu, muss diese erst in einen dieser zehn Ordner einsortiert oder über All Apps gesucht werden, um sie zu öffnen.

Benachrichtigungen werden in der Kopfzeile des Dashboards angezeigt und wie von Android gewohnt dargestellt.

Unter diesen Ordnern sind zwei Reihen von Icons zu finden: Video, Google Play, TuneIn Radio, Download, XBMC, Small2Big, Photo sowie File Manager, Samba, Music, Google Maps, Internet, tvn player und Setting.

Die meisten davon sind selbsterklärend und aus dem Funktionsumfang von Android bekannt. TuneIn Radio ist eine bekannte und beliebte Internetradio-App und funktioniert einwandfrei. XBMC muss sich beim ersten Start zuerst initialisieren, funktioniert danach aber wie gewohnt komfortabel und schnörkellos. Small2Big ist der Ferguson-Name für Miracast und Apple AirPlay. Über dieses Icon können entsprechende Verbindungen hergestellt werden und so der Inhalt von anderen Android oder iOS-Geräten auf den Fernseher gebracht werden.

Der File Manager ist ebenfalls einfach gehalten und ermöglicht die nötigsten Ordner- und Dateioperationen. Samba ist zur Verwaltung von Windows-Netzwerkfreigaben bzw. SMB- und CIFS-Shares da. Internet öffnet den Stock-Browser von Android und Setting zeigt eine weitere spezifizierte Icon-Ansicht mit den wichtigsten Einstellungen für die FBOX: WLAN, Auflösung, den Zoom-Grad des Bilds, Audio, Sprache, About und More. Der tvn player wäre sicherlich interessant, wenn man denn Polnisch versteht, kann aber aus Lizenzgründen nur in Polen genutzt werden. Sie öffnet sich zwar und zeigt das Angebot von tvn auch an, dieses kann jedoch nicht abgespielt werden. Hinter More verbirgt sich das gewohnte Einstellungsmenü von Android 4.2.2. Über About können auch Updates ausgeführt werden, entweder OTA oder via Speicherdatenträger, (micro)SD oder USB-Stick etwa. Ein Onlineupdate schlägt aber fehl, obwohl eine neue Firmware bei Ferguson.pl zu finden ist. Scheint wohl irgendwas nicht ganz sauber zu laufen.

 

Android Apps lassen sich via PlayStore problemlos installieren und dank der Steuerung der Fernbedienung auch sehr gut nutzen. Allerdings muss man den sehr schwachbrüstigen A9 Cortex DualCore bedenken, der viele Spiele nicht benutzbar macht und schnell an seine Grenzen stösst. Miracast und auch Apple AirPlay funktionieren einwandfrei und tadellos.

 

Die UI an sich ist sehr ansprechend und sinnvoll gestaltet, die Übersetzung lässt allerdings zu wünschen übrig. Nicht nur sind manche Apps und Ansichten einfach nicht auf Deutsch verfügbar, obwohl man dies als Systemsprache einstellt, sondern Englisch. Auch trifft man manchmal auf polnische Ausdrücke, etwa im Benachrichtigungszentrum, das mit „Powiadomienia“ beschriftet ist.

Preis

Die Ferguson FBOX gibt es bei verschiedenen Anbietern für rund 80 €, z. B. bei Satkontor.de

Fazit

Mit dem HDMI-Stick von Ferguson bekommt man ein schönes Stück Technik für den heimischen Fernseher. Die angepasste UI und die komfortable Fernbedienung mit dem Nintendo Wii-Feeling passen gut zusammen und helfen, das System trotz des ungewöhnlichen Betriebssystems sinnvoll zu nutzen. Wer also Android Apps direkt auf seinem TV haben möchte, ist mit dem Stick sehr gut bedient, wenn die Leistungsgrenze bedacht wird. Allein als Screenmirror-Lösung oder zum Streamen vom Tablet oder Smartphone ist der Stick wohl etwas zu viel des Guten und dafür gibt es auch durchaus preisgünstigere Lösungen. Als Mediaplayer mit Android-Basis jedoch macht die FBOX eine gute Figur. Unterdessen ist die FBOX2 veröffentlicht worden, so dass aber angezweifelt werden muss, dass noch Updates für dieses Gerät kommen werden.

 

ProContra
  • Innovative Mediaplayer-Lösung mit Android
  • Einfache Bedienung dank gelungener Fernsteuerung.
  • Übersetzung mangelhaft
  • CPU kommt schnell an ihre Grenzen
  • Android 4.2.2 und kein Update auf eine neuere Version in Sicht
vg-wort
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