Mi. 12. Oktober 2016 um 19:35

Gadget Review: DASQ Beamie Smart-Hoverboard im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Hover-Boards sollte es ja, alle Fans von Zurück in die Zukunft wissen es, in einer ganz anderen Form bereits geben. Dem ist leider nicht so – Marty McFly muss leider mit Rädern vor Biff fliehen. Dafür gibt es andere Produkte, die sich mit ausgeklügelten Sensoren und Motoren dem Gefühl des Schwebens schon nähern. Das Beamie von DASQ Electronics ist ein solches Hoverboard, welches wir heute für euch testen.

Viel Technik, viel Plastik, viel Spielzeug

DASQ Electronics GmbH brachte zur IFA 2016 ein selbst-balancierendes Hoverboard auf den Markt. Dabei handelt es sich um ein Gerät, welches aus zwei zueinander schwenkbaren Stehflächen mit jeweils einem grossen Gummirad und einem eigenen Elektromotor besteht. Gesteuert wird es, ähnlich wie ein Segway, allein durch Gewichtsverlagerung. Die Person auf dem Beamie darf zwischen 20 und 120 kg wiegen.

 

Das Hoverboard selbst ist in Schwarz zu haben. Weiss, Rot, Blau sollen bald auch verfügbar sein. Das Board selbst verfügt über 8 Zoll (20.3 cm) grosse Räder mit Vollgummireifen und ist 60 x 21 x 22 cm gross sowie 11 kg schwer. Die Stehfläche ist 15 cm über dem Boden und die Motoren leisten satte 700 Watt, womit Steigungen bis ca. 30 Grad gemeistert werden können. Im Inneren steckt ein 4400 mAh starker 36 V Li-Ionen Akku, der dem Beamie eine Reichweite von bis zu 20 km ermöglicht. Zwischen den beiden Standflächen, welche über Drucktaster das Aufsteigen einer Person registrieren und so das Board aktivieren, sind jeweils drei Status-LED untergebracht. Vorne und hinten sind jeweils zwei weisse, grosse LED angebracht, die während der Fahrt leuchten. Darüber hinaus sind in der Unterseite des Hoverboards zwei Bluetooth-Lautsprecher verbaut, die einerseits Funktionsbenachrichtigungen wie Geschwindigkeitswarnungen ausgeben, anderseits aber auch per Smartphone zur Musikwiedergabe genutzt werden können.

 

Das Hoverboard wird mit einem passenden 42V-Netzteil sowie Gummipolstern zum Schutz des Beamie und einer deutsch- und englischsprachigen Anleitung geliefert. Die Gummipolster muss man selbst ankleben, zum Teil mit passendem Alleskleber, der nicht mitgeliefert wird. Dabei gilt zu beachten, dass die Teile vorher gründlich entfettet werden sollten, sonst fallen Sie schnell wieder ab!

Zum Aufladen wird an der Unterseite des Geräts eine Gummikappe abgenommen und das Kabel vom Netzteil in eine dreipolige Buchse gesteckt. Dieses kann nicht falsch eingesteckt werden, erfordert jedoch etwas Fummelei. Der Ladevorgang dauert circa drei Stunden bei vollständig leeren Akkus.

 

Gefahren wird der DASQ Beamie wie erwähnt durch Gewichtsverlagerung. Ein leichtes Neigen nach vorne beschleunigt das Gadget auf bis zu 15 km/h, ein Neigen nach hinten bremst bzw. führt zum Rückwärtsfahren. Durch das Neigen der Füsse bzw. alleinig durch die Gewichtsverlagerung auf einen Fuss werden kurven gefahren. Es ist durch die schwenkbare Achse zwischen den beiden Stehflächen auch ganz einfach möglich, sich auf der Stelle zu drehen.

 

Das Ganze klappt nach einem ersten Eingewöhnen sehr leicht und gut. Zuerst muss das ungewohnte Gefühl, sich nach vorne zu neigen obschon das Gleichgewichtszentrum einem meldet, dass man dann doch umfallen würde, überwinden, aber es ist bei weitem einfacher, als es aussieht und nach wenigen Minuten schon macht es riesigen Spass. Die präzise Sensorik und die schnelle Signalverarbeitung machen es leicht, das Gerät schnell zu beherrschen und exakt zu bewegen. Dennoch ist gerade das Anhalten etwas, was länger geübt werden sollte. Nicht, weil man wie beim Skateboard sich öfter mal hinlegt, sondern weil das Hoverboard beim Absteigen gerne umkippt und zerkratzt. Das sieht auch trotz der mitgelieferten Gummi-Protektoren schnell unschön aus. Sollte das Gerät sich nicht mehr genau lenken lassen, kann es auch einfach auf einer ebenen Fläche neu kalibriert werden.

Beamie als Lautpsrecher für Musik oder Kalibrierung per App

Fahren mit dem Hoverboard funktioniert auch ohne App und wird von verschiedenen Mitbewerbsprodukten so ähnlich auch geleistet. Doch das DASQ Beamie kann mittels Bluetooth auch per App konfiguriert werden. Die kostenlose App dazu gibt es für Android und iOS, aber leider nicht für Windows Phone/10.

Beamie
Preis: Kostenlos
Beamie
Entwickler: DASQ
Preis: Kostenlos

 

Die Beamie App erlaubt es nunmehr, nicht nur die aktuelle Geschwindigkeit, den Akkuladestand sowie die zurückgelegte Strecke und die verbleibende Strecke auf Basis der Akkuladung anzuzeigen, sondern auch einige Einstellungen vorzunehmen. So kann der Bluetooth-Name des Beamie sowie das Kennwort verändert werden. Ebenso ist die Höchstgeschwindigkeit, die das Hoverboard fahren kann, per App von 6 km/h bis zu 15 km/h konfigurierbar. Die Beschleunigung und die Lenkempfindlichkeit können ebenfalls eingestellt werden und so den Einstieg erleichtern oder einen waghalsigeren Fahrstil beflügeln.

 

Diese Einstellungen können auch über Profile eingerichtet werden, sodass mehrere Personen ohne viel Mühe das Gerät nacheinander benutzen können und ihre jeweiligen individuellen Einstellungen vorfinden. Daneben zeigt die App aber auch die aktuelle Betriebstemperatur an.

 

Die Verbindung Bluetooth zwecks Musikwiedergabe funktioniert unabhängig von der App mit Bordmitteln des Betriebssystems, so dass hier auch Windows-Geräte ins Spiel kommen können.

 

Die Apps hingegen sind übersichtlich und einfach gestaltet, lassen sich intuitiv bedienen und funktionieren gut, sofern die Verbindung zum Beamie dann mal etabliert ist. Es zeigt sich leider im Alltag, dass Gerade die Android-Version immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat und auch ab und zu unvermittelt abstürzt. Die iOS-App verbindet sich zwar wirklich bei jedem Start zuverlässig, kann aber auch mal zwischendurch abstürzen. Ärgerlich, aber zum Glück nicht sicherheitsrelevant, da das Board ja unabhängig von der App oder der Bluetooth-Verbindung auch funktioniert.

 

Apropos Sicherheit: Ein Sicherheitsfeature ist nicht nur die Akkuwarnung per Sprachnachricht aus den wirklich lauten Lautsprechern, sondern auch die automatische Geschwindigkeitsreduktion. Neigt sich die Akkuladung nämlich zuneige, neigen sich die Trittflächen langsam nach hinten, das Beamie wird langsamer und bleibt balanciert stehen. Eine Weiterfahrt ist dann nicht mehr möglich, obschon der Akku nicht restlos leer ist. So kann man nicht vom leeren Akku überrascht werden und stürzen. Dennoch ist entsprechende Schutzkleidung, nicht nur wenn man neu mit dem Gerät umzugehen lernt, Pflicht.

 

Trotz der Sicherheits-Funktion ist das Beamie nicht für den Strassenverkehr zugelassen und aufgrund der Geschwindigkeit nicht auf dem Troittoir erlaubt. Legal darf man mit dem Beamie also nur in Spielstrassen oder auf Privatgelände unterwegs sein.

Preis

Das Hoverboard Beamie von DASQ Electronics GmbH gibt es für 699 Euro bzw. SFr. UVP beispielsweise bei Mediamarkt. Auch der Hersteller selbst verkauft das Beamie Hoverboard für 699 Euro inkl. Versand und MwSt., bietet allerdings nur PayPal als Zahlungsmittel und den Versand nur innerhalb Deutschlands an. Bisher ist das DASQ Beamie auch nur in der Farbe Schwarz erhältlich. Weiss, Rot und Blau sollen, wie bereits erwähnt, bald folgen.

Fazit

Mit dem Beamie von DASQ Electronics ist ein hochklassiges Hoverboard auf dem Markt, das mit ausgeklügelten Funktionen und toller Hardware aufwartet. Das hat natürlich seinen (stolzen) Preis. Die App-Anbindung ist einfach gestaltet und wenn die Verbindung noch zuverlässiger klappen würde, ein absolut lohnenswertes Extrafeature und Alleinstellungsmerkmal. Die Stereo-Bluetooth-Lautsprecher hingegen sind eine witzige und gute Idee, das Fahrgerät aufzuwerten und ermöglichen den mobilen Musikgenuss, ohne dass auf Gefahren nicht mehr gehört werden könnte.

 

Dass das Kunststoffgehäuse des Beamie nicht besser geschützt ist, ist hingegen sehr schade. Schon nach wenigen Fahrten sieht das Gerät ziemlich arg benutzt aus – selbst der Hersteller gibt in der Anleitung an, dass Kratzer unvermeidbar seien. Hier wäre eine rundum fest angebrachte Gummierung vielleicht besser gewesen.

 

Schade auch, dass die Hoverboards allesamt sich in einer Grauzone bewegen und streng genommen nur sehr eingeschränkt gefahren werden dürfen. Hier bleibt zu hoffen, dass sich die Gesetzesgrundlage bald ändert, wenn in Zukunft auch mal mehr Geräte benutzt werden. Trotzdem: Das Beamie ist kein günstiges Spielzeug, aber es macht wahnsinnig viel Spass! Wir haben unser Kind im erwachsenen Inneren durchaus wiederentdeckt.

vg-wort
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