Sa. 27. Februar 2016 um 17:38

Review: Das LG V10 im Test – Ein LG G4 mit erweiterten Extras

von Marcel Laser1 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Edelstahl-Rahmen in SAE 316L-Qualität und ein wechselbarer Akku
  2. Hardware: Snapdragon 808. Kein Highend, aber schnell genug
  3. Display über Display: LG V10 mit erstem Second Screen Feature
  4. Second Screen ist interessant, verschenkt aber Potenzial
  5. Herausragende Kamera mit RAW-Modus und vielen manuellen Features
  6. Akkulaufzeit reicht gerade Mal fürs Mittelmass
  7. Fazit – Ist das LG V10 das bessere LG G4?

Edelstahl-Rahmen in SAE 316L-Qualität und ein wechselbarer Akku

Das LG V10 ist vor allem in der Designsprache ein sehr interessantes Smartphone, welches im Netz bereits auf verschiedenste Weise polarisierte. Verstehen kann man das durchaus, was allerdings auch an der interessanten Optik liegt. Eingefasst von einem Edelstahlrahmen rechts und links an den Seiten zum Display und dem markant geriffelten Rücken, ist das LG V10 ein rustikaler Hingucker. Erfreulich ist vor allem die Tatsache, dass das Smartphone trotz aller Robustheit immer noch einen wechselbaren Akku vorweisen kann. Hierfür nehmt ihr einfach den Polycarbonat-Deckel auf dem Rücken ab und schon entblösst sich der Akku.

 

Das Second Screen-Display über dem 5.7 Zoll Hauptbildschirm sorgt zudem dafür, dass das LG V10 nach oben hin etwas höher wird. Auch wenn der Unterschied zum LG G4 nicht all zu gross ist, so ist er in der Hand deutlich spürbar. Mit 192 Gramm gehört es zu den schwereren Boliden und auch mit 159.6 x 79.3 x 8.6 mm ist es alles andere als klein. Durch den Edelstahlrahmen bekommt man allerdings ein wirklich aussergewöhnliches Feeling in die Hände. Ein Gefühl von Stärke und Unzerstörbarkeit reiht sich hier in den Premium-Ansatz des Edelstahls hinein. Unzerstörbar ist aber auf keinen Fall, denn ein kleines Bad im Wasser überlebt das LG V10 laut Hersteller nicht. Stürze aus Hüfthöhe sollen das LG V10 allerdings weniger vor Probleme stellen.

 

LG nennt für die Robustheit des Smartphones vor allem drei Aspekte: Das Dura-Glass, der Dura-Guard Rahmen und der Dura-Skin-Rücken. Vor allem der Rahmen soll in SAE 316L-Qualität gefertigt sein, eine Materialfertigung die sonst nur bei extrem hochwertigen Uhren zum Einsatz kommen soll. Für die LG-Reihe typisch sind die Bedienelemente für die Lautstärke und der Standby-Button weiterhin im Rücken verbaut.

Hardware: Snapdragon 808. Kein Highend, aber schnell genug

Nachdem der Snapdragon 810 im LG Flex 2 für rege Diskussionen und starke Leistungsverluste sorgte, stellte LG schon direkt beim nachfolgenden Flaggschiff LG G4 auf den Snapdragon 808 um, welcher statt acht nur noch sechs CPU-Kerne beherbergt und damit auch in der Spitzenleistung deutlich hinter dem 810er Modell verkehrt. Allerdings drosselt der grössere Prozessor teilweise so stark, dass es das 808er Modell trotz schwächerer CPU oftmals vor dem Klassenprimus landete.

 

Aber nun einmal die Hardware im Detail: Das LG V10 ist mit erwähntem Snapdragon 808 Hexacore-Prozessor ausgestattet, bekommt 3 GB RAM zur Seite gestellt und stellt einen internen Speicher von 32 GB zur Verfügung. Die Kamera im Rücken löst mit 16 MP auf und beherbergt LGs eigenen und hervorragenden Laser-Auto-Fokus. In der Front kommen zwei 5 MP Knipser zum Einsatz, die unterschiedliche Aufgaben haben. Der Akku kommt auf 3’000 mAh und soll für eine annehmbare Laufzeit sorgen, dazu aber später mehr. Das interessanteste Hardwarefeature im LG V10 ist aber auf jeden Fall das kleinere Second Screen-Display über der 5.7 Zoll Hauptanzeige. Letztere löst übrigens in QHD, also mit 2560 x 1440 Pixel auf. Endlich auch integriert wurde ein Fingerabdruckscanner, welcher sich auf dem Standby-Button im Rücken des LG V10 befindet.

 

Einer der grössten Unterschiede zwischen dem Snapdragon 810 und dem 808er Modell ist klar das Performance-Level. Aber nicht nur auf Seiten der CPU – sofern das 810er Modell seine Kraft überhaupt ausfahren kann – sondern auch die GPU. Während der grössere SoC mit einer Adreno 430 ausgestattet ist, fehlen dem Snapdragon 808 mit seiner Adreno 418 GPU mehr als 15 Prozent Leistung in der Pixelberechnung. Das merkt man zwischenzeitlich auch in Spielen: Ein Real Racing 3 auf einem Galaxy S6 mit QHD Panel hat deutlich mehr Luft nach oben und kann mehr Autos pro Frame verkraften als das LG V10 oder das LG G4 mit Snapdragon 808 SoC. Der Umstand ist allerdings meckern auf höherem Niveau, denn das LG V10 stellt alle aktuellen Spiele recht annehmbar dar. Ruckler sind in grossen Teilen nicht zu erkennen, auch wenn diverse Spiele wie eben Real Racing 3 dazu neigen, die Grafikqualität nach unten zu skalieren um die nötigen Framerates zu halten.

 

À Propos Performance: Unterm Strich gibt es allerdings nichts auszusetzen. Der Snapdragon 808 Prozessor ist zwar kein absoluter Topchip im Jahre 2015 gewesen, allerdings war er Qualcomms zweitschnellstes Pferd im Stall und das merkt man dem LG V10 auch an. Die Oberfläche ist enorm schnell, die Kamera reagiert hervorragend zügig und generell lässt sich das Smartphone wie ein geölter Blitz bedienen. Schlecht ist die CPU also bei weitem nicht. Erbsenzähler_innen werden sich allerdings an der damaligen UVP gemessen an den Innereien gestört haben, doch mit erscheinen des LG G5 wird auch das LG V10 noch einmal deutlich niedriger im Preis angesetzt werden.

Display über Display: LG V10 mit erstem Second Screen Feature

Erst einmal das Offensichtlichste vorweg: Die 5.7 Zoll grosse Hauptanzeige ist ein hervorragendes Stück IPS-Technologie. Farben werden satt und kräftig dargestellt, ohne zu übersteuern. Zudem kommen mit 2560 x 1440 Pixel eine extrem scharfe Auflösung hinzu, was dazu führt, dass es zur Augenweide wird, auf der Anzeige Bilder, Text und andere visuelle Medien zu betrachten. Des Weiteren besitzt das LG V10, wie von den Smartphones des Herstellers gewohnt, eine ausgezeichnete Blickwinkelstabilität. Alles in Allem ist die Technik der LG eigenen IPS-Quantum-Screens mal wieder ein gelungenes visuelles Gesamtpaket.

 

Der Second Screen hingegen ist das absolute Highlight des LG V10 und bringt ein neues Feature in die Smartphone-Welt, welche durchaus interessant zu betrachten ist. 2.1 Zoll misst der kleine Kerl über dem Hauptdisplay, löst mit 1040 x 160 Pixel auf und soll vor allem neue Möglichkeiten in der Bedienung bringen, was mal mehr, mal weniger zu gelingen scheint.

Second Screen ist interessant, verschenkt aber Potenzial

Hauptsächlich dient der Second Screen als Shortcut-Ablage. Ist der Hauptbildschirm aktiv, so könnt ihr favorisierte Kontakte, zuletzt geöffnete Apps (Taskswitcher) oder auch hier favorisierte Apps ablegen, um einen schnelleren Zugriff zu bekommen. Insgesamt lassen sich bis zu sechs Seiten für den Second Screen anlegen, welche zudem mit aktiver Hauptanzeige frei konfigurierbar sind.

 

Ist das grosse Display ausgeschaltet, zeigt er uns im abgedunkelten Zustand quasi eine Schnellansicht der Android-Benachrichtigungsleiste an, mit einigen kleinen abgespeckten Anzeigemöglichkeiten. Eingehende Nachrichten werden zwar in einer Art Vorschau eingeblendet, sind aber nach zwei Sekunden wieder verschwunden und nur das Android-typische Benachrichtigungssymbol bleibt übrig. Sich die Vorschau ein weiteres Mal einblenden zu lassen, funktioniert leider nicht. Dafür sind die Quicksettings fürs WLAN, Bluetooth, Kameraknopf und Taschenlampe ganz praktisch. Allerdings muss man für einige Features auf dem Second Screen recht viel hin und her wischen. Es kann also durchaus sein, dass man über den natürlichen Weg, über die Hauptanzeige, sogar schneller ans Ziel kommt.

 

Eine der nützlichsten Features des Second Screens zeigen sich allerdings in ein paar der LG-eigenen Apps. So lagert die geöffnete Kamera-App einige Funktionen auf den zweiten Bildschirm aus. So könnt ihr über den Second Screen zwischen Automodus, manueller Fotografie und/oder Video-Snippets anlegen. Zwar nicht nativ integriert, doch macht die Anzeige auch beim Spielen Sinn, wenn man darüber erkennt, ob neue Nachrichten eingegangen sind, was in der Testphase positiv auffiel.

 

Der Second Screen fühlt sich auf der einen Seite wahnsinnig praktisch an und auf der anderen scheint er viel Potenzial zu verspielen. Hält man das LG V10 mit nur einer Hand und tätigt so ein paar Eingaben, ist der Second Screen unerreichbar. Generell unterbricht er ab und an ganz gerne die Nutzererfahrung, da er recht abgeschnitten vom Rest der Anzeige agiert. Auf den ersten Blick scheinen die Konfigurationsmöglichkeiten recht üppig auszufallen, doch im Grossen und Ganzen ist der Second Screen nur ein Shortcut-Portal, welches teilweise so viele Seiten haben kann wie euer aktueller Homescreen. Somit hinterlässt das zweite Display ein eher gemischtes Gefühl im Test.

Herausragende Kamera mit RAW-Modus und vielen manuellen Features

Die Kamera im LG G4 gehörte zu den besten Kameras und galt vielleicht sogar als die Beste im Smartphone-Bereich. Da der südkoreanische Hersteller nahezu die identische Technik auch im LG V10 verbaut, gibt es hier kaum etwas auszusetzen. Im Gegenteil, denn die 16 MP-Kamera im Rücken schiesst enorm gute Bilder, reich an Details, einer tollen Farbgebung und Temperatur und die Grundschärfe ist ebenfalls als ausgezeichnet zu betiteln. Unterstützt wird der Knipser von LGs bekannter Laser-Autofokus-Technologie und einer lichtstarken f/1.8 Blende. Die Ergebnisse sind, natürlich im Rahmen einer Smartphone-Kamera, herausragend gut und wissen zu gefallen.

 

In der Front setzt das LG V10 zudem auf ein kleines 5 MP Dual-Kamera-Setup, wo die beiden Linsen unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Eine von den beiden Knipsern schiesst eure Selfies im 80 Grad Winkel und ist eher für Soloportraits geeignet. Die zweite Kamera hingegen schafft mit seinem Weitwinkel-Modus bis zu 120 Grad und bekommt eine ganze Menge mehr Leute aufs Bild. Auch hier ist die Qualität gut und misst sich stellenweise mit den 8 MP Selfie-Cams in den Huawei-Geräten, kommt allerdings nicht ganz heran.

 

Dass LG bereits mit dem LG G4 die Kamera-Enthusiast_innen für sich entdeckt hat, ist kein Geheimnis und so geht das Feature-Treiben für Smartphone-Fotograf_innen auch im LG V10 in die nächste Runde. So könnt ihr von der Blende bis hin zum RAW-Modus für Bilder alles einstellen und aktivieren, was das Herz begehrt. Wer einfach nur ein paar Schnappschüsse machen will, könnte sich unter Umständen etwas erschlagen fühlen, aber für eben jene gibt es dann den Auto-Modus. Schlecht werden die Bilder im Automodus ebenfalls nicht, nur wer mehr herausholen will, kann das definitiv dann durch zahlreiche Einstellungen auch tun.

Akkulaufzeit reicht gerade Mal fürs Mittelmass

Während das LG V10 im Gesamteindruck eine recht gute Figur macht, sticht die Akkulaufzeit alles andere als positiv heraus. Normalerweise sollte der Akku mit 3’000 mAh ordentlich bemessen sein, ist er auch ohne Frage, doch scheint der Second Screen so seine Spuren zu hinterlassen. Wir kamen zwar bei normaler alltäglicher Nutzung für Soziale Netzwerke, Mails, viel WhatsApp, ein wenig Real Racing 3 und Riptide GP 2 noch einigermassen über den Tag, doch auch hier nur knapp. Wer das Gerät nur ein wenig mehr in Anspruch nimmt, oder gerne auch mal ausgiebiger spielt, kommt gerade einmal so noch bis zum Nachmittag. Somit liegt es stellenweise schon weit hinter einem iPhone 6s Plus, welches gerade mal 2’700 mAh zu bieten hat.

 

Alles in Allem ist es aber mit normaler Nutzung möglich, den Tag grundlegend zu überstehen. Doch hier lässt sich auch ein positiver Vermerk verzeichnen: Der Akku lässt sich ohne Probleme austauschen und wer anstatt einer Powerbank mehrere Zweitakkus in der Tasche mit sich herumschleppt, wird diese auch problemlos austauschen können.

Fazit – Ist das LG V10 das bessere LG G4?

Ja und nein, vielleicht sogar irgendwas dazwischen und das liegt an mehreren Faktoren. Das LG V10 bietet mit seinem neuen Design, dem Militärzertifizierungs-Standard und dem Second Screen ein paar grundlegend eigene Features, doch muss man hier deutlich abwägen, denn in Puncto Leistung unterscheiden sich die Geräte absolut nicht. Der Second Screen ist eine tolle Idee, verschenkt aber einiges an Potenzial. Dennoch kann man den zweiten Bildschirm als interessante Idee bezeichnen und er sollte durchaus weiterentwickelt werden, schliesslich hebt man sich damit deutlich von anderen Geräten ab und weitere Möglichkeiten sind wohl bereits in Arbeit. Überragende Pluspunkte sammelt das Smartphone noch in der Kamera und steht seinem Geschwisterchen LG G4 in nichts nach.

 

Ein deutlich positives Unterscheidungskriterium ist allerdings der Militärstandard für das LG V10, der es sturz- und bruchsicher macht, aber leider nicht wasserfest, was wir in letzterem Fall als schade empfinden, aber man kann ja nicht immer alles haben. Der starke Edelstahlrahmen, das feste Glas und der geriffelte Rücken schützen das Gerät auf eine neue Art und Weise, geben dem LG V10 aber auch ein sehr eigenes Design, welches wohl nicht jedem gefallen wird, schlicht ist es jedenfalls nicht mehr gehalten. Es fällt also definitiv auf.

 

Grundsätzlich unterscheiden sich die Geräte von den inneren Werten gar nicht bis maximal kaum. An sich sollte man sich genau überlegen, ob der Militärstandard und das Second Screen Display mehr als 200 Euro Aufpreis in Deutschland/Österreich oder 100 SFr in der Schweiz wirklich lohnen. Die Dual-Kamera in der Front ist zwar ebenfalls ganz nett, dient allerdings lediglich dazu, zwischen Weitwinkel- und Soloselfies zu wechseln und sollte kein ausschlaggebendes Kriterium werden. Zudem gibt es noch kein Update auf Android 6.0 und unter Umständen wird das auch noch ein wenig dauern. Bisher kommt noch Android 5.1.1 zum Einsatz und wir sind gespannt, wann LG hier das Softwareupdate raushaut.

 

Das LG V10 ist alles andere als ein schlechtes Gerät, im Gegenteil! Denn bereits das LG G4 war ein tolles Smartphone und das LG V10 scheint eine Art kleines Upgrade darzustellen. Schlimm finden wir das nicht und sehen viele der Punkte sogar als sinnvoll, einzigartig und in manchen Fällen auch praktisch an. Wir würden aber in erster Linie zum LG G4 raten, um doch noch einige Euro/SFr zu sparen, sofern einem die neuen, oben genannten Features nicht wichtig sind. Aber nun steht ja sowieso schon das LG G5 in den Startlöchern und hier dürfte man in nahezu in allen Punkten noch einmal deutlich einen drauf setzen. Daher bleibt die Frage, inwiefern das LG V10 am Ende nicht zwischen den Stühlen des Vorgängers und des neuen G5 stecken bleibt.

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Eine Antwort zu “Review: Das LG V10 im Test – Ein LG G4 mit erweiterten Extras”

  1. Sven Rutten sagt:

    Ausführliches Review, danke!

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