Mi. 31. August 2016 um 7:50

Review: Das Honor 8 im Test

von Marcel Laser1 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

Blau, blau, blau blüht das Smartphone

Eines kann man Honor an dieser Stelle lassen, das Honor 8 ist ein echter Hingucker geworden. Natürlich ist das Design und Farbgebung sehr stark vom subjektiven Empfinden geprägt, aber uns gefällt das interessante, aquamarinblaue Smartphone aus China ausserordentlich gut. Die Front- und Rückseite des Honor 8 sind von Gorilla Glass 3 eingefasst und an den Rändern hin im 2.5D-Trend leicht abgerundet. Das fühlt sich nicht nur edel an, sondern sieht auch ganz gut aus. Der Rand darum herum besteht aus Aluminium und trägt zum hochwertigen Eindruck bei. Keine scharfen Ecken oder Kanten sind zu finden und trotz der unterschiedlichen Materialwahl könnte das Gerät auch aus einem Block gefräst worden sein.

 

Die Masse orientieren sich weitestgehend am hauseigenen Konkurrenten Huawei P9. Nicht nur der absolute Grossteil der Hardware ist identisch, sondern auch die Dimensionen siedeln sich in ähnlichen Regionen an. Mit 145.5 x 71.0 x 7.45 mm ist das Gerät sehr angenehm zu halten, allerdings mit 156 Gramm für diese Klasse leicht übergewichtig. Letzteres stört hingegen so gut wie gar nicht und trägt ebenfalls zum guten Gefühl in der Hand bei. Viele Smartphones sind derart leicht für ihre Grösse, dass das Feeling eher Richtung Spielzeug tendiert. Falsch kann man mit ein paar Gramm mehr oft nichts mehr machen.

 

Viele waren bei den ersten Gerüchten von Blautönen für das neue iPhone mehr als nur skeptisch. Das so etwas allerdings durchaus sehr gut anzuschauen ist, beweist das Honor 8 mit Bravour! Wie allerdings bereits erwähnt, ist die Optik ein sehr subjektiver Eindruck und lässt sich daher nicht in feste Werte fassen. Mir gefällt es persönlich enorm gut. Schick ist auch der Rücken, welcher durch eine besondere Bearbeitung und einem Verbund aus 15 Glasschichten eine interessant reflektierende Oberfläche aufweist. Laut Honor habe man das Honor 8 um den Faktor des Lichtes herumgebaut, was ziemlig protzig klingt, aber irgendwie auch gelungen ist. Ein Hingucker ist das blaue Honor 8 wie gesagt allemal.

 

Grösster Kritikpunkt der Glasrückseite ist allerdings die enorm hohe Anfälligkeit für Fingerabdrücke. Bereits nach kürzester Zeit sieht diese aus wie ein fettiger Fleckenteppich. Ein Problem, welches andere Geräte mit der selben Design-Philosphie allerdings teilen. Komplett verhindern kann man es also an dieser Stelle nicht.

Die Hardware: Man nehme ein Huawei P9 und baue das Honor 8 drumherum

Das Honor 8 ist ein Huawei-Gerät, daran gibt es keinen Zweifel. Zwar ist Honor eine ausgelagerte Marke des Konzerns, aber der Name steht sowohl auf der Verpackung, als auch auf dem Device selber. Kein Wunder: Das Honor 8 an sich ist eigentlich ein Huawei P9 oder Huawei P9 Plus mit kleinen abweichenden Details.

 

Für die Leistung soll ein Kirin 950 Prozessor mit Mali-T880 GPU sorgen, den wir bereits aus dem P9 kennen. Anders als beim Huawei P9 kommen allerdings hier 4 GB RAM zum Einsatz. 32 GB interner Speicher sind von Anbeginn verbaut und man kann auch auf eine 64 GB Version zurückgreifen. Beide Varianten lassen sich per microSD erweitern. Die Kamera hinten besitzt exakt die identischen Sensoren des Huawei P9: 12 MP RGB und ein 12 MP Monochrom-Sensor für echte Schwarzweissbilder. Die Selfie-Kamera kommt auf 8 MP und der Akku, der dann alles mit Strom versorgen soll, kommt auf 3’000 mAh. Ein Fingerprintscanner ist ebenso wieder im Rücken verbaut.

 

Besondere Unterschiede gibt es allerdings dann doch: Der Fingerprintsensor im Rücken ist sogar ein physischer Knopf, der mit drei unterschiedlichen „Shortcuts“ bestückt werden kann. So kann man Apps oder Aktionen wie Screenshots oder dergleichen auf diesen legen lassen. Die Aktionen sind in die Gesten per einfachem Klick, Doppelklick und lange gedrückt halten aufgeteilt. Zudem verbaut Honor einen IR-Blaster, damit das Smartphone auch als Fernbedienung beispielsweise für TV-Geräte genutzt werden kann.

 

Was die Leistung anbelangt, geht die grundsätzliche Performance in Ordnung. Die Oberfläche EMUI 4.1, welche als Aufsatz für den Android 6.0 Unterbau dient, rennt zu jeder Zeit absolut flüssig und ruckelfrei. Wie alle Huawei-Geräte – auch die aktuellen P9 Flaggschiffe kämpfen mit diesem Problem – sind grafikintensive Spiele die Achillesverse des Honor 8. Real Racing 3 hat auf dem Mazda Raceway Laguna Seca mit rund 20 Fahrzeugen Probleme und fällt stellenweise auf unter 20 Vilder pro Sekunde. Dasselbe gilt übrigens auch für intensive Schlachten im MOBA-Spiel Vainglory. Die verbaute Mali-T880MP4 GPU ist alles andere als zukunftssicher und hat bereits mit aktuellen Titeln, je nach Lage, Probleme. Auch die CPU kommt nicht ganz an heutige Highend-Chips, wie dem Snapdragon 820, Exynos 8890 oder dem Apple A9 Chipsatz. heran. Alle genannten Topmodelle sind in nahezu allen Lebenslagen deutlich schneller. Allerdings ist Huawei mit seinem Kirin 950/955-Prozessor m Vergleich zum Vorgänger-Chip Kirin 920 deutlich näher an die Spitze herangerückt. Ganz heran kommt Huawei mit dem SoC aber immer noch nicht. Der Spielebenchmark 3DMark Slingshot zeigt auf recht ernüchternde Weise mit circa 860 Punkten, wie sehr die GPU gegenüber der Konkurrenz hinterherhinkt. Das aktuelle Topmodell iPhone 6s Plus erreicht weit über 1900 Punkte.

 

Für den Alltag bietet das Device aber ausreichend viel Leistung mit einigen Kraftreserven nach oben hin. Spieler_innen werden ebenfalls auf ihre Kosten kommen, da alle aktuellen Spiele recht passabel laufen. Allerdings sollte man den ein oder anderen Performance-Einbruch beachten, sofern es grafisch intensive Spiele sind. Phänomene, die wir allerdings bereits beim Huawei P9 im Testbericht festgestellt haben und uneingeschränkt auch hier für das Honor 8 gelten.

Sehr gutes Display mit eher kühler Temperatur

Das Huawei Dispalys kann, zeigten sie bereits beeindruckend beim Huawei P9 und dem etwas älteren Huawei Mate S. Auch das Honor 8 bildet hier keine Ausnahme und zeigt vor allem bei der Anzeige, wo eine der Stärken des Konzerns aus Fernost liegen. Das Display ist farbenfroh, kann mit 423 PPI genug Schärfe einbringen und bietet auch eine recht passable Blickwinkelstabilität. Wie? Nur passabel?

 

Das Problem ist ein recht ausgeprägter Blaustich, der bei direkter Draufsicht auf das Display erst einmal gar nicht so stark auffällt. Neigt ihr nun das Smartphone, wächst dieser allerdings stark an, was beim Huawei P9 an sich so nicht der Fall war.

 

Interessant ist vor allem ein Software-Feature des Herstellers, der euch die Temperatur des Displays in vielen Bereichen selbst festlegen lässt. So könnt ihr aus entsprechenden vorgegebenen Profilen wählen oder sogar selbst in umfangreichen Farbräumen Hand anlegen. Zudem integriert Honor eine Funktion, die dem Apple Night-Shift-Modus oder der neuen Funktion aus Android 7.0 nachempfunden ist und die Belastung für die Augen am Abend deutlich reduzieren soll, da sie nahezu alle stärkeren Blauanteile im Licht des Display eliminiert.

Honor 8 Display
Huawei kann Display: Auch beim Honor 8 steckt ein ordentliches Panel drin.

Honor 8 mit Huawei P9 Kamera, nur ohne Leica-Schriftzug

Rein theoretisch könnten wir hier an dieser Stelle eins zu eins den Text der Huawei P9-Kamera aus dem Testbericht kopieren oder einfach nur einen Link auf diesen setzen. Viel zu sagen gibt es da wirklich nicht mehr, ausser das diese wirklich hervorragende Ergebnisse liefert und das alles ganz auf identischem Niveau der Kamera des Huawei P9. Das Einzige, was fehlt, ist der Leica-Schriftzug. Ansonsten wie gehabt: Zwei Sensoren bestehend aus 12 MP RGB und 12 MP Monochrom-Sensor, eine f/2.2 Blende und ein spezieller ISP stehen auf dem Datenblatt. 

 

Das die Huawei-Kamera ausserordentliche Ergebnisse liefert und zu den besseren auf dem Markt gehört, da gibt es wohl wenig Zweifel. Das Huawei diese nun auch im 400 Euro/SFr. teuren Honor 8 verbaut, ist schon irgendwie sensationell.

 

Die Bilder sind scharf, sehr kontrastreich, wirken dennoch recht natürlich und der Monochrom-Sensor bleibt weiterhin einzigartig. Der Fokus geht schnell von der Hand und durch das Zusammenfügen der Bilder aus beiden Sensoren entsteht so ein tolles und stimmiges Bild. Auch das Spielen mit der Tiefenschärfe bietet sich durch die Dual-Kamera-Lösung regelrecht an.

 

Kleines Manko an sich: Der Monochrom-Sensor kann einzeln nicht verwendet werden. Er wird zwar immer noch dazu genutzt, um die Bildergebnisse der Farbvariante zu verbessern, allerdings darf er wohl aus Lizenzgründen (Leica steht nur am Huawei P9, nicht am Honor 8) nicht alleine zum Einsatz kommen, was den Gesamteindruck ein wenig schmälert.

 

Wie beim Huawei P9 gibt es allerdings auch hier einen Kritikpunkt: Videos können nur maximal mit 1080p-Auflösung, also FullHD, aufgenommen werden. Eine 4K-Option bietet auch das Honor 8 nicht, dafür aber eigentlich eine identische Software mit allen Funktionen der grösseren Schwester, nur das diese nicht mehr Leica-gebrandet ist.

Akkulaufzeit auf einem ordentlichen Niveau, nur Laden unter Last geht nicht

So ist das wohl nun einmal, wenn man die Hardware eines Smartphones in ein anderes Kleid steckt. Oft transportiert man die Probleme des anderen Gerätes nämlich mit ins neue Device. Das gilt auch beim 3’000 mAh Akku des Honor 8, denn dieser kämpft ebenfalls mit einem kuriosen Problem, aber alles der Reihe nach.

 

Das Honor 8 bietet in etwa die selbe Akkulaufleistung wie das Huawei P9 und so können wir an dieser Stelle sagen, dass selbst bei intensiverer Nutzung ein ganzer Tag nahezu immer durchgehalten werden kann, ohne das Honor 8 zwischendurch an die Steckdose muss. Das schliesst ein wenig Spiele, viel Social Media und Surfen im Web natürlich mit ein.

 

Was uns allerdings bereits beim Huawei P9 enttäuschte, scheint beim Honor 8 auch wieder zuzutreffen: Wir können das Smartphone unter Last nahezu gar nicht aufladen, streckenweise entlädt es sich sogar langsam aber stetig. Egal ob Pokémon GO an einer Powerbank oder Real Racing 3 am Ladegerät – entweder bleibt die Prozentanzeige selbst nach über einer Stunde gleich, pendelt sehr stark oder im Fall von Pokémon GO entlädt sich dieser sogar noch ganz langsam. Spass macht das absolut nicht und so sollte man das Gerät nicht mit rechenintensiven Apps in Berührung bringen, solange es am Stromkabel hängt.

 

Vorbildlich ist allerdings die Integration einer Technologie ähnlich der Qualcomm Quick Charge: Das Device ist in gut unter einer Stunde nahezu vollständig geladen und Honor legt dem Device sogar direkt einen entsprechenden Schnelllader bei. Das gibt es so beim Huawei P9 nicht.

Fazit – Für den Preis kann man hier kaum etwas falsch machen

Es ist schon fast ironisch: Huawei hat sich mit seiner P-Serie fast vom Preisleistungs-Thron verabschiedet und stösst in deutlich höhere Kostenregionen vor. Honor macht allerdings mit nahezu identischer Hardware weiter und drückt den Preis deutlich in dieser Kategorie. Eins steht an dieser Stelle auf jeden Fall fest: Das Honor 8 ist das deutlich bessere Huawei P9 mit einigen Extra-Features.

 

Der physische Button im Fingerprintscanner ist ein praktisches Gimmick, aber kein Game Changer. Der IR-Blaster ist ebenfalls eine nette Sache und generell legt Honor immer 4 GB RAM in ein Gerät, wo es beim Huawei P9 in der 32 GB Version nur 3 GB RAM gibt. Der mit Abstand positivste Aspekt am Honor 8 ist die Kamera, welche zwar identisch zum Huawei P9 ist, aber damit eine herausragende Leistung im Bereich von 400 Euro bzw. SFr. mitbringt. Stark! Auch wenn der Monochrom-Sensor einzeln nicht nutzbar ist um herausragende Schwarzweiss-Bilder zu produzieren, so hilft er dennoch beträchtlich bei der Verbesserungen der Farbvarianten.

 

Allerdings nimmt das Honor 8 generell auch alle Schwächen des Huawei P9 mit. Darunter befinden sich kein 4k-Video-Recording und das Problem beim Aufladen des Smartphones unter Last, was doch recht merkwürdig anmutet. Auch die Leistung des Kirin 950 SoC ist alles andere als optimal, wenn man diesen mit der hochpreisigen Konkurrenz vergleicht, aber wir reden hier von einer ganz anderen Preiskategorie.

 

Der Preis ist vielleicht aber auch derzeit eines der kniffligsten Angelegenheiten, denn das Honor 8 muss sich mit einem ganz besonderen Klassenprimus messen, dem OnePlus 3! Dieses kostet ebenfalls um die 400 Euro bzw. SFr., hat 64 GB internen Speicher, gleich 6 GB RAM und besitzt den aktuellen Snapdragon 820 Prozessor, der den Kirin 950 in allen Belangen einfach stehen lässt. Auf der anderen Seite bietet das Honor 8 einen microSD-Slot, das in manchen Belangen etwas bessere Display und eine deutlich bessere Kamera.

 

Egal wie man es sieht, das Honor 8 ist für den Preis keine schlechte Wahl. Wer die brachiale Leistung des OnePlus 3 für den selben Preis bevorzugt, greift ohne zu überlegen zum Flaggschiff-Killer. Das Honor 8 hingegen wird den Kamera-Enthusiasmus ansprechen und da kommt das OnePlus 3 eben nicht mit. Das kann durchaus ein Kaufkriterium sein. Fest steht jedenfalls: Man kann beide Smartphones zu diesem Preis empfehlen, je nach Vorliebe sogar sehr gut abwägen, was einem nun besser gefallen würde.

vg-wort
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Eine Antwort zu “Review: Das Honor 8 im Test”

  1. ART_ sagt:

    Ich habe gehört, dass der Monochrom Sensor bei schwarz/weiss Bildern mit dem RGB zusammenarbeitet, das aber beim P9 nicht so ist.

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