So. 30. März 2014 um 11:18

Review: Das HTC One M8 im ausführlichen Test

von Marc Hoffmann4 Kommentare

Nun ist es da, das HTC One. Also das neue HTC One. Nicht das vom letzten Jahr, sondern von 2014. Und damit auch gleich die vorprogrammierte Verwirrung beim Namen, denn ich musste bereits mehreren Personen erklären, dass es nicht das Gerät ist, was sie bereits kennen. Wenn die Verwunderung über den Namen, welcher jetzt mit der Gerätekennung M8 ergänzt wurde, erst einmal verflogen ist, steigt auch die Neugier und man erkennt immer mehr die kleinen aber feinen Unterschiede zum Vorgänger, dem M7. Wir haben uns nach unseren ersten Eindrücken (wir berichteten) nun einige Zeit genauer mit dem Gerät befasst und liefern euch hier nun einen ausführlichen Praxistest.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Design und Verarbeitung

Es ist erstaunlich wie ein Smartphone seinem Vorgänger auf den ersten Blick so ähnlich sein kann, doch bei genauerem Hinsehen doch stark überarbeitet – oder besser gesagt verbessert. Bei flüchtigem Augenkontakt sieht man sofort die markante Vorderseite der One-Serie von HTC mit seinem dominierenden Display und dem schwarzen Rahmen, sowie die grossen Stereo Frontlautsprecher oben und unten. Selbst auf der metallischen Rückseite sind wieder die gleichen auffälligen Linien aus Kunststoff zu sehen, welche die Fläche in einzelne Segmente abtrennt, die wiederum als Antennen dienen. Selbst die grosse, runde Fläche aus Glas mit der Ultrapixel Kamera ist wieder mit dabei. Doch dann fallen direkt auch die Unterschiede auf.

 

Die Rückseite besteht, wie beim Vorgänger, aus Aluminium, welches diesmal allerdings in einer gebürsteten Optik auftritt. Dies erzeugt noch einmal eine edlere Optik, als das geschliffene Alu des M7. Das Nächste was auf den zweiten Blick auffällt, ist die kleine runde Öffnung oberhalb der grossen Kamera, die sich als zweite kleinere Kamera entpuppt. Wofür diese gut ist und was sie bringt, klären wir im Abschnitt Kamera, bei dem wir auch auf den seltsamen Dual-LED Blitz eingehen, welcher anscheinend 2 verschiedenfarbige LEDs besitzt. Kommen wir zurück zum Design. Ebenfalls überarbeitet wurde die Form der Rückseite. Die geradlinig abgeschnittenen Seiten sind verschwunden und sind einer sanften Rundung gewichen, welche sich nun fast bis zur Front hin erstreckt. Das sieht in Verbindung mit der gebürsteten Optik und den Spiegelungen gut aus, sondern sorgt auch dafür, dass man das Smartphone gar nicht mehr aus der Hand legen will. Das neue One ist ein Handschmeichler, der seinesgleichen sucht. An den Seiten finden wir rechts lediglich die unauffälligere, aber gut ertastbare, Lautstärkewippe und darüber die Schublade für die MicroSD Karte, welche man nur mit einem kleinen Pin-Werkzeug entfernen kann und auf der linken Seite nur den ebenso gebauten Schacht für die Nano-SIM. Warum hier allerdings der Schacht zwei Zentimeter breit ist und dann nur eine neue, noch kleinere Nano-SIM verbaut wurde, ist etwas unverständlich. Hier kommt auch ein kleines Schönheitsmanko zum Vorschein, denn bei unserem Testmodell sind die Schubladen in einer leicht dunkleren Färbung, als der Rest des Gehäuses, was aufgrund der Form noch verstärkt wird. Dies kann allerdings ein Vorserienproblem sein. An der Oberseite finden wir eine glänzend schwarze Kunststoff-Leiste in welche auch der Power-Button eingelassen ist. Darunter befindet sich der Infrarot Blaster mit welchem man seine TV und HiFi Geräte zuhause fernsteuern kann. Die Unterseite beinhaltet den offenen Anschluss für ein Micro-USB Kabel und eine Kopfhörer Buchse. Diesmal sogar perfekt geschliffen und ohne ausgefranste Aluminium Kanten in den Öffnungen.

 

Neben dem Design hat sich HTC hier auch sehr viel Mühe beim Zusammenbauen gegeben. Die Qualität des Gehäuses kann man beinahe als perfekt beschreiben. Während das M7 bis heute oft mit fransigen Graten an den Öffnungen des USB Ports zu kämpfen hat oder mit spalten zwischen den Metallkomponenten des Gehäuses und den Kunststoff Isolatoren, wirkt hier alles wie aus einem Guss und sauber bearbeitet. Streicht man mit dem Finger über die Rückseite, so spürt man die Isolatoren nicht einmal, da sie anscheinend zusammen mit dem Aluminium auf eine Fläche geschliffen wurden. Auch die Front weiss zu überzeugen. Zwar gibt es eine winzige Kante zwischen Display Glas und den Lautsprecher Abdeckungen, diese ist jedoch in keiner Weise störend. Allerdings ist hier auch eine kleine Enttäuschung versteckt. Während beim Vorgänger auch auf der Front mit Metall gearbeitet wurde, bestehen diesmal die Lautsprecher Gitter aus einem dünnen Kunststoff. Allerdings hat dies auch den Vorteil, dass nun die 5 Megapixel Frontkamera durch eine Abdeckung geschützt ist und nicht mehr so leicht verschmutzen kann. Das einzige Manko in der Verarbeitung betrifft jedoch die Kunststoffkanten, welche das Metallgehäuse von der Front abgrenzen. Im Bereich der Lautsprecherabdeckungen steht dieses minimal über die Oberfläche hervor und das auch noch leicht unregelmässig. Störend ist dies bei der Bedienung und der Haptik allerdings nicht.

 

 

Hardware


Bei der Ausstattung liefert HTC keine überragenden Werte gegenüber der Konkurrenz, was aber auch schwierig wäre, da sowohl das Samsung Galaxy S5, als auch das Sony Xperia Z2 alles verbaut haben, was momentan technisch machbar ist. Angefeuert wird die Software von einem Qualcomm Snapdragon 801 Prozessor mit der Kennung MSM8974-AB, also dem selben Chipsatz, den Sony in seinem neuen Flaggschiff verwendet und maximal 2.3 GHz Takt des Hauptprozessors erlaubt. Dies reicht nicht ganz an die 2.5 GHz AC Variante des Galaxy S5 heran, sollte jedoch – ausser auf dem Papier – in keiner Anwendung einen merklichen Unterschied ausmachen. Zur Darstellung grafischer Elemente kommt wieder der leistungsstarke Adreno 330 Grafikchip zum Einsatz. Für aktive Anwendungen stehen dem neuen One 2 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung. Zwar haben andere Geräte wie das Samsung Galaxy Note 3 und auch das Xperia Z2 bereits 3 Gigabyte verbaut, doch das dürfte lediglich bei der Aufnahme und dem Abspielen von Videos in 4K Auflösung eine Rolle spielen, was bei der Kamera vom One ohnehin nicht möglich ist. Samsung Hat es beim Galaxy S5 sogar geschafft, dies mit ebenfalls nur 2 Gigabyte zu realisieren. Somit sollte auch der kleinere RAM noch eine ganze Weile ausreichend sein. Als Speicher für Apps, Spiele, Medien und sonstige Daten stehen im One M8 16 Gigabyte zur Verfügung. Zwar kann man den Speicher mit MicroSD Karten um bis zu 128 GB erweitern, aber diese sind nicht für Spiele und Navigationssysteme nutzbar, sofern die Entwickler diese nicht speziell darauf ausgelegt haben. Leider ist das noch äusserst selten der Fall. Die nutzbaren 10 GB stossen dabei schnell an ihre Grenzen.

Als Display kommt ein 5 Zoll grosses SuperLCD Panel der neuesten Generation zum Einsatz, welches auf der IPS-Technik basiert und von Gorillaglass-3 der Firma Corning vor Kratzern und Bruch geschützt sein soll. Die Auflösung beträgt zeitgemäss gestochen scharfe 1080 x 1920 Pixel. Im Gegensatz zum Vorgänger setzt HTC aber nicht mehr auf eigene Touch-Buttons unter dem Display, sondern auf Android eigene On-Screen Tasten, welche einen Teil des Displays für sich beanspruchen und nur in entsprechend programmierten Anwendungen ausgeblendet werden können. Als Kamera kommt wieder die Ultrapixel genannte Optik zum Einsatz, welche bereits beim Vorgänger überragende Ergebnisse, trotz der geringen Auflösung von 4 Megapixel, liefern sollte. Ob Display und Kamera den Erwartungen entsprechen, könnt ihr in den folgenden Abschnitten nachlesen.

 

Hardware 
Display-Diagonale5 Zoll (12.7 cm)
Display-TypSuper-LCD 3 (IPS Panel)
Display-Auflösung1080 x 1920
Masse (L x B x H) in mm              146,36 x 70,6 x 9,35                      
Gewicht160 g
Akku2600 mAh
Chipsatz 
SystemSnapdragon 801 (MSM8974-AB)
ProzessorKrait 400 mit 2.3 GHz
GrafikAdreno 330 GPU
RAM2 GB LP-DDR3
Speicher16 GB Intern + MicroSD bis 128GB
Konnektivität 
MobilfunkGSM, UMTS, HSPA+, LTE
WiFi802.11a/b/g/n/ac
Bluetooth4.0
USB2.0 und OTG
InfrarotJa (Ir-Blaster)
NFCJa
Video AusgangMHL + Miracast
Kamera 
Sensor4 MP Ultrapixel Sensor 1/3″; f/2.0
BlitzJa (Dual LED mit Weissabgleich)
Frontkamera4.9 MP

 

Performance und Akkuverbrauch

Das One M8 hat einen der schnellsten Prozessoren verbaut, den man im Smartphone Markt aktuell finden kann. Hier muss man denke ich nicht extra erwähnen, dass Ruckler im gesamten System nicht vorhanden sind. In jeder Ecke von Android und HTC Sense reagiert das Gerät blitzschnell auf Eingaben und Apps öffnen sich sofort. Auch wenn Benchmarks nicht immer eine präzise Aussage über die tatsächliche Bedienperformance liefern, wollen wir für die Interessierten dennoch mal eine Testreihe laufen lassen:

 

Benchmark

Ergebnis

AnTuTu X

33652

AnTuTu 3D Rating OpenGL ES 2.0

7007

AnTuTu 3D Rating OpenGL ES 3.0

2905

SunSpider Java Script 1.0.2

675ms

Anomaly 2 Benchmark HQ

841878

3D   Mark Ice Storm Unlimited

20104

 

Auch der Akkuverbrauch kann sich echt sehen lassen. Zwar ist man nach Lesen der technischen Daten erst einmal skeptisch, da dieser nur mit 2600 mAh angegeben ist, jedoch wird man nach der ersten Einrichtung und spätestens nach dem ersten Tag Nutzung jeden Zweifel über Bord werfen. Einen normalen Arbeitstag sollte das One M8 mit etwa 50 Prozent Akku überstehen. Somit bleibt noch genug Reserven, dass auch Hardcore Nutzerinnen und Nutzer ohne grosse Gefahr über den Tag kommen sollten. Mit aktiviertem Google Now, 2 Exchange Konten, Whatsapp, Skype und Facebook Messenger im Push Betrieb sowie diversen Social Network Apps, lag auch der Standby Verbrauch ohne zusätzliche Energiesparfunktionen bei unter einem Prozent pro Stunde. Ein sehr guter Wert, der selbst das Xperia Z1 mit seinem 3’000 mAh Kraftwerk in den Schatten stellt. Leider können wir nicht die genaue Zeit messen, in der das Display eingeschaltet war, da HTC diese Angabe in seinem System nicht mitliefert und seit Android 4.4.2 auch Drittanbieter Apps diese Berechtigung nicht mehr bekommen. Diese sollte aber bei meiner normalen Nutzung bei ungefähr 2,5 bis 3 Stunden pro Tag liegen. Somit sind mehr als 5 Stunden Displayzeit mit einer Akkuladung über den Tag gerechnet durchaus realistisch, wenn man sich auf Messaging, ein bisschen Surfen und Social Networking beschränkt und keine leistungshungrigen Spiele nutzt.

 

Display

Wie bereits im Abschnitt Hardware erwähnt wird ein FullHD IPS Display verwendet, welches HTC Super-LCD 3 nennt. Dass Auflösung und Markennamen wie X-Reality nicht alles sind, was ein Display ausmacht, musste bereits Sony vor einem Jahr mit dem Xperia Z und seiner schlechten Blickwinkelstabilität erfahren und auch der Vorgänger des One M8 war in dieser Disziplin nicht unbedingt ein Paradebeispiel. Bereits auf dem Mobile World Congress 2014 haben wir festgestellt, dass inzwischen nahezu alle Hersteller Qualitativ hervorragende Displays liefern können und das ist auch bei HTC nun nicht anders. Sobald man das Gerät das erste Mal einschaltet, stellt sich sofort ein Wow-Effekt ein. Das Display ist sehr leuchtstark, dennoch sind die Schwarzwerte durchaus akzeptabel. Es gibt zwar Geräte mit LCD Display, welche ein noch satteres Schwarz bei voller Helligkeit erzeugen können und AMOLED Displays haben hier ohnehin die Nase vorn, doch wirklich Kritik üben kann man in diesem Fall nicht. Auch die Blickwinkel sind absolut hervorragend und bis auf die typische leichte Abdunkelung bei starker Neigung, gibt es auch hier nichts zu beanstanden.

 

Nun aber zu einem Kritikpunkt, bei dem man zugegebenermassen vorsichtig sein muss. Das One stellt wirklich brillante Farben da: Etwas zu brillant. Gewisse Farben, vor allem die Grundfarben, werden so grell überzeichnet, dass man denken könnte man schaut auf einen AMOLED Bildschirm, welcher auf höchste Sättigung gestellt wurde. Für viele mag das Geschmackssache sein, ob man dies schön findet, oder doch eher realitätsnahe Farben haben will. Doch wenn man ein Foto einer ungepflegten dunkelgrünen Wiese macht und diese auf dem Display sieht, wirkt diese als wäre sie in Neon grün eingefärbt, was dann doch ein wenig zu weit geht. Leider fehlt dem Smartphone eine Option, um die Farbintensität anzupassen, wie Samsung es bisher geboten, oder es der Vorgänger noch mit dem deaktivierbaren Colour-Enhancement hatte. Hier arbeitet HTC hoffentlich noch einmal nach.

 

 

Kamera

Bei dem Werbe-Tamtam, den HTC zur Ultrapixel Kamera veranstaltet hat, sind wir mit grossen Erwartungen an den Test gegangen. Vor allem da der Vorgänger nicht gänzlich den Versprechungen gerecht werden konnte. Nun, der Nachfolger kann es ebenso wenig. Aber erst einmal Eines nach dem Anderen! In unserem Artikel zum ersten Eindruck haben wir die Kamera noch als überraschend gut gelobt, allerdings sehen die Bilder auf dem Display des Gerätes wirklich besser aus als sie es wohl in Wirklichkeit zu sein scheinen. Und wo wir gerade davon sprechen: Falls euch am linken Rand der Fotos etwas auffallen sollte, möchte ich gern noch einmal auf folgenden Artikel vom Januar hinweisen: http://www.pocketpc.ch/c/4947-blackys-gedanken-qualitaetskontrolle-blindschleichen-smartphone-kameras.html

 

Auf den ersten Blick sind Fotos, welche unter idealen Lichtbedingungen aufgenommen wurden, eine echte Augenweide. Und das bleiben sie auch auf dem zweiten Blick noch. Wenn man die geringe Auflösung von nur 4 Megapixel, also gerade einmal 2688 x 1520 Pixel unbeachtet lässt und die Bilder auf einem maximal FullHD auflösenden Monitor anschaut, ohne sie zu vergrössern, liefern die Bilder eine enorm gute Darstellung von Farben. Exakt so wie man sie auch real sehen würde. Aber eben nur unter den erwähnten idealen Lichtbedingungen. Diese sehen für die Kamera so aus, als wenn man entweder komplett im Schatten, oder bei bedecktem Himmel fotografiert. Sobald nämlich die Sonne scheint, reicht der viel zu geringe Kontrast der Bilder nicht mehr aus und jeder kleine Schatten auf dem Bild wirkt wie ein schwarzes Loch, in welchem nichts mehr zu erkennen ist. Hier kann man nicht einmal mehr mit manuellen Einstellungen korrigieren, da die Dynamik des Rohbildes vom Sensor einfach zu gering ist.

 

Etwas Abhilfe kann man noch mit dem HDR Modus bekommen, welcher jedoch zum Einen nur für unbewegte Objekte geeignet ist und zum Anderen stösst dieser unter Extrembedingungen ebenfalls schnell an seine Grenzen. Wenn wir daran zurück denken, was für HDR Bilder das One im letzten Jahr schoss, scheint das erschreckender Weise ein massiver Rückschritt zu sein. Wir werden uns auf jeden Fall noch einmal mit HTC, bezüglich der Kamera Qualität, in Verbindung setzen. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir ein Review Gerät mit defekter Kamera bekommen.

 

Positives gibt es aber dennoch zu berichten: Sollte es sich doch um ein Software Problem handeln, kann dieses von HTC per Update gelöst werden, oder es bleibt nur bei einem versehentlichen Defekt unseres Testmusters. Im Manuellen Modus lässt sich nahezu alles was die Kamera kann auch wirklich per Hand regeln. Neben einem Weissabgleich, der sich von 2300K bis 7500K nahezu stufenlos regeln lässt, kann man auch die Belichtungszeit von 1/8000 Sekunde bis hin zu 4 Sekunden setzen. Und besonders für Makro Aufnahmen kleiner Objekte darf man sich über einen komplett manuellen Fokus freuen.

 

Will man Fotos bei Nacht schiessen, wird man von einem dualen LED Blitz unterstützt. Dieser hat als Besonderheit 2 LEDs mit verschiedenen Farbwerten, wie man es erstmals beim iPhone 5s gesehen hat. Damit lässt sich die Farbtemperatur je nach fotografiertem Motiv und umgebendem Restlicht anpassen, damit reines weisses Licht nicht die reale Atmosphäre verdirbt. Dies funktioniert erstaunlich gut! Der Blitz ist dabei sogar so extrem Hell, dass man selbst bei völliger Dunkelheit noch einen Bereich von 3 bis 5 Meter beinahe taghell ausleuchten kann und noch weiter entfernte Objekte erkennt. Leider kann die Ultrapixel Kamera auch bei Dunkelheit nicht punkten und liefert eine vergleichsweise schlechte Qualität gegenüber dem Z1, welches wir als Vergleichswert herangezogen haben. Pixel Oversampling mit hohen Auflösungen ist anscheinend gegenüber grossen Pixel klar im Vorteil.

 

Zum Schluss sei noch kurz die zusätzliche zweite Kamera angesprochen. Über dessen Sinn kann man nämlich gut streiten. Sinn dieser Kamera ist es, durch das versetzte, aber geringer auflösende Bild, mit einer Fix-Fokus Optik eine Art 3D Sicht zu erzeugen, über die dann softwareseitig die Entfernung von Objekten zur Kamera gemessen werden kann. Den einzigen praktischen Vorteil ist, dass der Fokus auf diese Weise sehr viel schneller einen ungefähren Fokuspunkt ermitteln kann, der dann nur noch feinjustiert werden muss. Dadurch wird die Zeit für den Autofokus bei gutem Licht auf unter 300ms herabgesetzt. Das schafft bisher nur Samsung mit seinem Phasensensor im Galaxy S5. Ganz nebenbei ermöglichen diese Tiefeninformationen noch nachträgliche Bildeffekte, wie eine künstliche Tiefenunschärfe, oder auch eine Art "Wackelbild" mit 3D Effekt aus einem normalen Foto zu machen. Qualitativ lassen sich diese Effektbilder allerdings lediglich in die Kategorie "Spassiges Gimmick" einsortieren, denn für künstlerisch schöne Fotoalben taugt die Qualität der Effekte nur in den seltensten Fällen. Schade eigentlich, denn auch wenn die Idee gut gemeint war, scheitert diese an der Umsetzung.

 

 Multimedia

Das Sense System von HTC ist nicht gerade für seine überragenden Multimediafähigkeiten bekannt. Das ändert sich auch mit Sense 6 und den neuesten Medien-Apps leider nicht. Es gibt leider nur zwei Apps für diverse Inhalte: das Album und den Musik Player. Eine separate Anwendung für Videos und Filme, wie sie die meisten Konkurrenten anbieten, gibt es nicht. Das übernimmt hier die Album App. Vor allem ist der Musik Player auf das absolute Minimum an Funktionen reduziert. Es gibt eine Reihe von Tabs, welche verschiedene Sortier-Ansichten ermöglichen und weitere, die man aktivieren kann. Auch Podcasts kann man separat auflisten, allerdings bleibt hier die Frage unbeantwortet: Wie füge ich Podcasts hinzu? Auch eine Auswahl an Soundverbesserungen ist nicht zu finden, geschweige denn ein Equalizer. In den Einstellungen des Musik Players finden sich ausschliesslich Optionen für den Download von Musikinformationen und in den Einstellungen von Android finden sich nur Optionen für Klingeltöne und System Sounds. Von Anpassungen für Musik ist weit und breit keine Spur zu sehen. Schade eigentlich, denn die mitgelieferten Kopfhörer sind gar nicht mal so schlecht für eine in der Verpackung liegende Dreingabe und mit einer ordentlichen Anpassung könnte man akustisch noch mehr herausholen.

 

Umso mehr hat uns die Album App überrascht. Nach dem ersten öffnen waren wir etwas verdutzt, weil man auf eine lange Liste von allen durcheinander gewürfelten Bildern gefasst war, wie das bei den meisten Herstellern mittlerweile so ist, aber nein: Die App legt wunderbar übersichtlich einzelne Alben an, die man per seitlichem Wechsel der Tabs nach Zeitplan, Ordner oder nach Standort sortieren kann. Zudem wird in der Vorschau jeder einzelnen Bildergruppe eine kleine Diashow mit vielen Effekten abgespielt, die man sogar mit einem Klick mit Musik hinterlegen, oder aber auch als Video exportieren kann. Das Beste an der Foto App ist dennoch die Übersichtlichkeit: Man kann hunderte und tausende von Bildern schiessen und verliert dennoch nicht den Überblick. Sogar das Sortieren der Bilder in eigene Alben, also als Ordner im Telefonspeicher, ist möglich ohne einen Dateimanager zu benutzen. An dieser Stelle möchte ich als Xperia Nutzer einmal zu Sony winken und sagen "So wird’s gemacht!". So gehört sich das bei einem Smartphone, welches die Kamera in den Fokus rückt. Geöffnete Bilder landen zudem mit einem Klick im Bearbeitungsmodus, wo man entweder ganz traditionell Filter hinzufügen, oder mithilfe der speziellen Daten aus der zweiten Kamera auch Unschärfe, oder 3D Effekte erzeugen kann.

 

Software und Bedienung

"The Sixth Sense" war die Bezeichnung von HTC auf der Pressekonferenz in London. Damit will der Hersteller vor allem Blink Feed beschreiben, welches nun in der sechsten Version der Sense Oberfläche deutlich überarbeitet wurde und wissen soll, was man als Nutzerin oder Nutzer lesen will, bevor man es selbst weiss. Und was sollen wir da sagen? Es ist verdammt Cool. Neben den Standard Features, die man bereits aus der vorigen Version kennt verschiedene Rss und Social Network Streams anzuzeigen, kann man nun Themenbezogene Streams anlegen. Man öffnet das Seitenmenü, sucht nach einem Thema und klickt dann auf Abonnieren. Schon sucht Blink Feed aus allen Bereichen Artikel, Videos und Posts zusammen, die zu dem Thema passen und präsentiert alles was wichtig erscheint. Das sind dann nicht nur Artikel aus Magazinen und Rss Feeds, sondern kann sogar Facebook Posts (von Freunden oder Seiten), Tweets, Instagram Bilder, Google+ Beiträge und YouTube Videos beinhalten. Gebe ich beispielsweise "WM 2014" in die Suche ein habe ich sofort alle relevanten Nachrichten auf dem Schirm. Tolle Sache und es funktioniert hervorragend.

 

Natürlich kann man auch ganz klassisch RSS-Feeds in den Stream einfügen. Kinderleicht ist dieses Vorhaben sogar mit dem HTC-Browser gelöst. Klickt man auf einer News Seite auf das RSS-Symbol, wird der Link direkt in einer Feed-Vorschau von Blink Feed geöffnet. Nun noch auf Abonnieren klicken und den Namen bestätigen. Hier kann man sich wirklich fragen, warum man bei anderen Hersteller-Lösungen und Drittanbieter-Apps noch immer umständlich die RSS-Links hin- und herkopieren muss.

 

Abseits von ein paar neuen Features hat sich vor allem beim Design einiges getan. Der verspielte 3D-Klapp-Effekt beim Scrollen im Feed ist verschwunden und es ist nun alles in einem komplett flachen Design gehalten. Ausserdem ist das mühselige Blättern durch den Feed ebenfalls verschwunden, da nun bei sehr vielen Inhalten endlich schnell weiter geblättert werden kann, um ältere Artikel auch ohne Krampf im Finger zu erreichen. Generell wurden im ganzen System die optischen Schmankerl und Übergänge auf ein absolutes Minimum reduziert. Das hilft vor allem der Übersichtlichkeit und nebenbei wirkt das System auch deutlich performanter, wenn man nicht erst auf wild herumfliegende Screenshots warten muss, bis sie mal still stehen bleiben und einem den Inhalt der Anwendung zeigen.

 

Kritisieren muss man aber die vergleichsweise grosse Menge an Bloatware im Speicher, die noch dazu fest installiert und nicht entfernt werden kann. Diese bestehen aus fünf Anwendungen von Drittanbietern, welche man sich problemlos bei Bedarf selbst installieren könnte und noch einmal genau so viele HTC-eigene Anwendungen, die kaum jemand brauchen wird und ebenso über den eigenen HTC App-Updater angeboten werden könnten. Diesmal läuft das ganze anders herum und ich zeige zu Sony um zu sagen "So wird’s gemacht!". Hier lässt sich alles unbrauchbare nämlich einfach durch zwei Klicks deinstallieren.

 

Empfang und Gesprächsqualität

Beim Empfang leistet sich das Smartphone keine grossen Schnitzer, jedenfalls was den Mobilfunk angeht. In unserer Testumgebung ist generell ein relativ schwacher Mobilfunk-Empfang im Vodafone Netz, aber das One hält die Verbindung auch mit teils weniger Balken souverän und stellt sie bei einem Abbruch binnen Sekunden wieder her.

 

Seltsam jedoch verhält es sich beim W-Lan. Im Gegensatz zum Vorgänger hat die Reichweite deutlich abgenommen und liegt jetzt in etwa auf dem, ebenfalls schlechten, Level des Xperia Z1. Nach etwa 15 Meter Entfernung, durch 3 dünne und eine dicke Aussenwand ist es vorbei mit dem Surfen im Netz. An der gleichen Stelle konnte man mit dem One M7 noch problemlos Musik streamen, oder Webseiten aufrufen. Lediglich an HD YouTube Videos scheiterte es da. Das Kuriose: Egal wie schlecht das Signal noch zu sein scheint, das Gerät weigert sich die Verbindung zu trennen und auf Mobilfunk zu gehen, auch wenn keine Daten mehr verschickt werden können. Bedingungslose Liebe in allen Ehren, aber das One M8 muss dringend lernen los zu lassen. Trotz der vergleichsweise schlechten Reichweite ist die W-Lan Performance und Stabilität sonst als hervorragend zu bezeichnen und nicht zu beanstanden.

 

Die Gesprächsqualität geht dafür aber voll in Ordnung. Der Anrufer klingt hier ein wenig schrill bei voller Lautstärke, ist aber hervorragend zu verstehen und laut genug, um auch in einer geräuschvollen Umgebung zu telefonieren. Besonders gut und ohne jegliche Beanstandung ist die Qualität, die beim Gesprächspartner ankommt. Man selbst ist klar und deutlich zu verstehen und die Geräuschunterdrückung leistet gute Arbeit.

 

Besonderheiten

Ganz besonders herausragenden Features und Funktionen gibt es im One M8 nicht gerade in grosser Menge, jedenfalls nichts, was wir nicht schon kennen würden. Dennoch möchten wir hier noch einmal speziell die beiden Stereo-Lautsprecher erwähnen und separat bewerten.

 

Das HTC One M7 hatte bekanntlich die bis dato besten in einem Smartphone integrierten Lautsprecher. Diese nahmen zwar recht viel Platz weg und wurden anfangs dafür heftig kritisiert, jedoch war das alles irrelevant, nachdem sich zeigte, was HTC hier akustisch vollbracht hatte. Nachdem nun Sony fast ein Jahr brauchte, um ein ähnliches Konzept ohne grosses Tamtam in das Xperia Z2 zu integrieren und zudem in Qualität und Lautstärke das alte One links liegen lies, hat HTC, wie zu erwarten war, noch einmal kräftig nachgelegt. Die Lautstärke wurde noch einmal spürbar angehoben und das Klangvolumen und die Klarheit des Sounds lassen uns aus dem Staunen kaum heraus kommen. Hier kann das kleine Klangwunder glatt mit einem mittelgrossen Radio mithalten, wie es viele in der Küche stehen haben. Der nächste Camping-Ausflug mit Musik kann damit definitiv kommen und den freien Platz für Lautsprecher kann man sinnvoller nutzen, zum Beispiel für mehr Bier.

 

Fazit

 

ProContra
Hervorragende verarbeitungEnttäuschende Kamera
Lange AkkulaufzeitRudimentärer Musik Player
Sehr gutes Displaymit etwas übersättigten Farben
Extrem gute Haptik 

 

 

 

 

Ich muss zugeben, das ist eines der schwersten Fazits, die ich jemals schreiben musste. Eigentlich müsste hier stehen, dass das neue HTC One ein grandioses Smartphone ist, welches mit einer vorbildlichen Verarbeitung, grösstenteils edler Materialwahl, einem spitzen Display und bombastischen Lautsprechern glänzt. Generell stimmt das alles genau so. Zwar erlaubt es sich den kleinen Schnitzer mit der Farbwiedergabe des Displays und der Reduzierung des Musikplayers auf eine stupide Abspiel-Anwendung, doch sind beides Punkte die softwareseitig ohne Probleme verbessert werden können.  Wenn, ja wenn da nicht diese Kamera wäre! Nach dem ersten Staunen, als ich die Bilder auf dem Display sah und die Freude über die kleinen Gimmicks kam, könnte man nun fast weinen wenn man die Bilder genauer anschaut. Eventuell ist es nur ein Software Problem, oder ein Defekt unseres Gerätes. Sollte dem so sein und wir können ein Tauschgerät testen, werden wir auf jeden Fall die Kamera noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Für alle, die aber auf die Kamera nicht so viel Wert legen, kann ich hier dennoch eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Alle anderen sollten doch eher überlegen zu einem Galaxy S5, Xperia Z2, oder für Fotoliebhaber direkt zum Lumia 1020 zu greifen.

 

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4 Antworten zu “Review: Das HTC One M8 im ausführlichen Test”

  1. timsah sagt:

    Danke für den ausführlichen Bericht! Es hat mir wirklich Spaß gemacht den Bericht zu lesen.

    Ich kann kaum erwarten das Gerät in der ersten April Woche in den Händen zu halten.

  2. krucki sagt:

    Super Test, vielen Dank.

  3. g0dsCookie sagt:

    Thema Nano-SIM:
    Laut HTC wird deshalb eine Nano-SIM verbaut, da sie das Handy bereits für eine Dual-SIM Variante designed haben.
    Daher würde ich sagen, dass es definitiv noch eine Dual-SIM Variante geben wird. ^^

    Quelle: http://www.engadget.com/2014/03/25/htc-one-2014-review/

  4. Marc Hoffmann sagt:

    Ah dankesehr. Das erklärt den ziemlich langen „Griff“ an der Schublade an dem locker 2 SIM Karten nebeneinander platz hätten.

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