Sa. 16. August 2014 um 20:55

Review: Das AllView X2 Soul mit Octa Core im Test

von Marcel Laser0 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Schickes Design mit prominenter Kamera-Platzierung
  2. Yeah! OctaCore Prozessor! Und wo bleibt die Leistung?
  3. SAMOLED mit tollen Farben und einem leichten Stich
  4. Android 4.2 und eine Benutzeroberfläche zum Schreien
  5. Schnappschuss-Kamera mit durchschnittlicher Leistung
  6. Sehr guter Lautsprecher, mässiger Empfang
  7. Gute Akkulaufzeiten ohne Glanzmomente
  8. Fazit

Schickes, ultradünnes Design mit prominenter Kamera-Platzierung

Eins muss man dem X2 Soul von Allview durchaus lassen: Das Design ist ansprechend und fühlt sich deutlich edler an als so manches Topsmartphone! Vorne sowie hinten sorgt Gorilla Glass 3 für eine kratzfeste Oberfläche, während der Rahmen aus mattem Aluminium gefertigt wurde. Spaltmasse und andere Ärgernisse sucht man vergebens, da alles aus einem Guss gefertigt zu sein scheint. Allerdings kann so kein Akku gewechselt werden: Er ist fest im Gerät verbaut und das X2 Soul lässt sich definitiv nicht öffnen. Dafür sitzen alle Buttons stramm mit knackigem Druckpunkt im Gehäuse.

 

Was allerdings am meisten beeindruckt, ist die 5.5 mm dünne Tiefe des Flunder-Smartphones! Das Ascend P7 von Huawei ist schon nicht besonders dick mit seinen 6.2 mm, doch das X2 Soul legt noch eine ganze Schippe drauf. Oder sollte man in dem Fall besser sagen, es nimmt noch eine ganze Menge weg. Allerdings fühlt es sich keinesfalls zerbrechlich an, denn die kühle und metallische Haptik verleiht dem Gerät durchaus einiges an Stabilität.

 

Die Kamera ist allerdings sehr prominent platziert und steht aus dem Gehäuse heraus und das nicht zu knapp. Während das Lumia 1020 mit seiner Power-Cam keinen Hehl aus seiner Dicke macht, weil es einfach sein muss, kommt das 5.5 mm X2 Soul schon mit seiner 13 MP Kamera an seine Grenzen. Um das Ganze ein wenig mit Stil aufzupolieren, wurde die Kamera in eine markant geformte Plastikschale gedrückt und es sieht ein wenig so aus, als wäre sie an das Smartphone geklebt worden. Das führt natürlich zum ungleichmässigen Kippeln des Smartphones und es blieb zudem auch ab und an Mal in der Hose hängen.

Yeah, OctaCore Prozessor! Und wo bleibt die Leistung?

Nicht nur das schicke Design scheint abenteuerlich, die Hardware liest sich ebenfalls ansprechend. Neben 2 GB RAM und 16 GB internem Speicher gesellt sich als Antrieb ein OctaCore mit acht Kernen von Mediatek hinzu. Ja, man liest hier richtig! Ein OctaCore mit 1.7 GHz Takt pro Kern. Des Weiteren hat man mit einem SAMOLED von Samsung eine hochwertige Display-Einheit im X2 Soul verbaut und löst, wie es dem Standard gebührt, mit 1920 x 1080 Pixel auf. Bluetooth 4.0 und WLAN b/g/n sind definitiv mit an Bord. LTE sucht man allerdings vergeblich, hier ist bei HSPA+ Schluss. Der Kamerasensor ist von Sony und ist 13 MP „schwer“, die Frontkamera beeindruckt mit 5 MP und soll sich daher gut für den derzeit sehr weit verbreiteten Selfie-Wahn eignen.

 

So, und wo bleibt nun die Leistung? Der MediaTek Prozessor mit acht Kernen ist ein gutes Beispiel für Marketing-Granaten. Ja, wir haben acht Kerne und alle takten mit 1.7 GHz. und schliesslich sind 2 GB RAM auch im oberen Rahmen. MediaTek nennt seinen Achtkerner auch einen „True Octa“, da alle Kerne gleichzeitig genutzt werden können. In der von Qualcomm und Samsung Exynos Prozessoren genutzten ARM big.LITTLE Architektur werden jeweils Cluster aus vier oder zwei Kernen gebildet, die aktiv genutzt werden können. MediaTek geht hier durchaus einen anderen Weg. Doch fehlt es dem Prozessor durch den Verbund aus acht Cortex A7 Kernen einfach an Leistung.

 

Das äussert sich vor allem anfänglich in der Bedienung der Oberfläche. Dort ruckelt es unregelmässig alleine schon beim Durchblättern der Screens. Es gibt allerdings auch Phasen, in denen es ohne Stottern funktioniert, jedoch ist das tragischerweise nicht der Regelfall. Am Testgerät liegt es jedenfalls nicht, da wir den „Fehler“ auch auf anderen Geräten des X2 Soul feststellen konnten. Es hilft allerdings, die Standard-Oberfläche zu deaktivieren oder einen schlanken Launcher zu installieren und das Problem weitestgehend zu minimieren. Benchmarks sind ebenfalls ernüchternd: Trotz der acht Kerne liegt der Prozessor auch in Multicore-Benchmarks weit hinter der Konkurrenz. Single-Core Messungen werden dem System sogar zum Verhängnis. Ein Galaxy S5 ist mit einem Kern ist mehr als doppelt so schnell, das iPhone 5s sogar fast viermal schneller als das X2 Soul. Die ARM Cortex A7 Kerne sind einfach nicht „stark“ genug.

 

Das äussert sich auch beim Spielen: Real Racing 3 ruckelt sich an einigen Stellen beim normalen Spielablauf mit mehreren Kontrahenten zurecht. Solange man nur Beschleunigungschallenges oder Zeitrennen ohne Gegner absolviert, geht es noch einigermassen. Doch sollte man Rennen mit mehreren Leuten bestreiten und dazu noch während des Rennens den ein oder anderen Erfolg freischalten, welcher dann im Display per Overlay angezeigt wird, kann es schon zu recht unangenehmen Stottern kommen. Interessante Nebeninfo: Das Ascend P7 hat mit der Mali-T450 GPU denselben Grafikbeschleuniger unter der Haube und leidet unter weniger Performanceproblemen. Generell bleibt das Game aber durchaus spielbar, auch wenn die Qualität beispielsweise nicht einem Galaxy S4 oder vergleichbarem Gerät nahe kommt.

SAMOLED mit tollen Farben und einem leichten Stich

Das Display ist durchweg als gut zu bezeichnen. Mit 5 Zoll löst der Screen mit AMOLED Technologie in 1080p auf und gibt uns so ein schönes und scharfes Bild. Die Farben sind – wie bei AMOLED Geräten gewohnt – mit einem extrem hohen Kontrast versehen, doch scheint dieser nicht allzu grell zu übersteuern. Ein gutes IPS ist hier allerdings in der Darstellung immer noch natürlicher, doch ist es auch reine Geschmackssache. Auf den ersten Blick wirkt das SAMOLED des X2 Soul allerdings sehr warm und das liegt vor allem am etwas übertönenden Gelbstich, der in hellen Inhalten doch deutlich zu sehen ist. Dieser hält sich zwar noch so gerade eben im Rahmen, zu erkennen bleibt er aber allemal.

 

Das kann am Ende vor allem dazu führen, dass das Betrachten von Bildern einen leicht unnatürlichen Farbton wiedergibt. Jetzt habe ich mich im Test relativ schnell an das „überwarme“ Display gewöhnt, doch wer sich ständig daran erinnert, wird es auch jedes Mal wieder vor Augen sehen. Die gute Leuchtkraft des Displays ist allerdings wiederum ein netter Pluspunkt. Selbst in stärkerem Sonnenlicht war es weiterhin möglich einigermassen mit dem Gerät zu arbeiten, wenn auch gleich nur im Rahmen der bei AMOLEDs möglich ist. IPS Panels haben hier noch einige Vorteile.

Android 4.2 und eine Benutzeroberfläche zum Schreien

Mittlerweile ist man, was Benutzeroberflächen anbelangt, doch recht abgestumpft. Zumal die Optik wie beim Design immer eine sehr starke subjektive Empfindung ist. Geschmäcker sind eben verschieden und das ist auch gut so. Doch ist das AllView X2 Soul eines der ersten Geräte mit einer vom Hersteller angepassten Oberfläche, die mir die Tränen in die Augen trieb. Der Hintergrund hat so etwas wie schwarze Lamellen und die App-Icons für die Links sind mit einem weissen Rahmen umrandet. System-Apps und vom Hersteller vorinstallierte Inhalte sind komplett in weisser Optik gehalten. Auf den Screenshots weiter unten könnt ihr das Problem erkennen und ich muss ehrlich sagen: Mein Fall ist es nicht! Gott sei Dank installiert der Hersteller eine App mit dem Namen „Thema“ auf seinem Gerät, die das Design auf den Android Standard bringt. Wer möchte, kann noch das ein oder andere vordefinierte Theme einstellen, doch blieb ich am Ende beim Standard Android Thema oder habe einfach einen Launcher aus dem Store installiert.

 

À propos Android: So wirklich aktuell ist die gebotene Software auch nicht mehr. Vorinstalliert ist Googles Betriebssystem in Version 4.2 alias Jelly Bean. AllView verspricht zwar noch ein Update auf das mittlerweile schon länger ausgelieferte Android 4.4, allerdings ist noch kein Termin bekannt. Auch ob Android L Verwendung finden könnte, bleibt unklar.

 

AllView bringt zudem ein wenig an vorinstallierter Software mit. Unter anderem finden wir einen Virenscanner von Bitdefender, eine Taschenlampen-App, Sygic Free Navigation und einen Softwaremanager, der bei Bedarf euer Telefon für RAM und ROM optimieren kann. Auch die angesprochene Theme App ist installiert. Ansonsten hält sich das Gerät relativ frei von Werbung und anderen Apps, wie es bei Samsung beispielsweise der Fall ist. In Bezug auf die 16 GB des internen Speichers und ohne MicroSD Slot eine nicht ganz so verkehrte Wahl. Dennoch ist der verfügbare Speicher mit etwas weniger als 9 GB nicht gerade gross. Wenn man den Einstellungen am Ende wirklich glauben soll, wären sogar nicht einmal 4 GB für den Eigenbedarf nutzbar, was wiederum nahezu desaströs ausfällt.

Schnappschuss-Kamera mit sehr guten Ergebnissen

Was am meisten auffallen dürfte, ist die recht prominent platzierte Kamera auf der Rückseite. Umrahmt von einem kleinen Plastikgehäuse ist diese auf der Rückseite angebracht und knipst mit ordentlichen 13 MP Fotos. Ein LED-Blitz ist ebenfalls integriert. Die Art und Weise, wie die Kamera verbaut wurde, muss nun nicht jedem gefallen, aber ich persönlich muss sagen, dass ich es als recht schick empfinde. Allerdings liegt das Gerät dadurch nicht mehr ganz so plan auf, was zu leichtem Kippeln führt, aber verschmerzbar bleibt.

 

Die Kamera löst sehr schnell aus, sobald der Fokus einmal gesetzt ist und die Verarbeitung der Bilder ist auch schneller als gedacht. Bei der Qualität zeigt sich das X2 Soul gar nicht mal so schlecht und reiht sich zumindest neben dem Ascend P7 ein. Aktuelle Flaggschiffe wie das Galaxy S5 oder das Sony Xperia Z2 haben sowieso die Nase vorn, sind aber nicht all zu weit entfernt. Die Bilder haben eine gute Schärfe, auch zu den Rändern hin und bei genug Lichteinfall sind die Farben sauber und kräftig. Sobald es aber ein wenig an Helligkeit fehlt, fängt der 13 MP Sensor stärker an zu rauschen. Ein Problem, dass aber so gut wie jeder Kamera im Smartphone zuzuschreiben ist.

 

Videos können in 1080p aufgenommen werden und sind ebenso in Ordnung. Nichts weltbewegendes, aber auch nicht wirklich schlecht. Bei all zu schnellen Bewegungen zieht das Bild aber gerne einmal seltsam nach, aber da wir keine verwackelte Found-Footage-Doku drehen wollen, geht das noch in Ordnung. Hält man das Gerät für ein kleines Video normal in den Händen, ist die Qualität absolut ausreichend. Der geringe Speicher macht es einem aber schwer, wirklich viele Videos unter zu bringen.

Guter Lautsprecher, mässiger Empfang und akzeptable Akkulaufzeit

Was allerdings zu beeindrucken wusste, war der Lautsprecher auf der Geräterückseite. Startet man das X2 Soul und es kommt der Begrüssungs-Sound, wird man noch von einem leicht blechernen Ton erschreckt. Man denkt zunächst, welch schreckliche Qualität der Speaker haben muss, doch startet man nun Real Racing 3, so zeigt dieser sich von einer ganz anderen Seite. Der Klang ist für die Grösse durchaus akzeptabel und fällt zudem nicht unangenehm auf. Im Gegenteil: Er macht so manches richtig, was beispielsweise das Galaxy S5 nicht hinbekommt.

 

Anders sieht es beim Empfang aus, denn der ist nicht gerade berauschend. Die Testumgebung ist mein eigenes Haus, welches durch eine elektrische Fussbodenheizung zum Funkwellen-Bunker werden kann. Steht man draussen vor der Tür, so ist der Empfang bei zwei bis drei Balken 3G noch ganz ok, allerdings haben einige Geräte in den eigenen vier Wänden kaum noch Empfang. Während iPhone 5s und Samsung Galaxy S5 mit konstanten zwei Balken GPRS auskommen, sucht das X2 Soul deutlich öfter das Netz. Auch die Verbindung zum WLAN Router unter dem Dach ist bescheiden. Andere Geräte schaffen den Funkweg fast anstandslos.

 

Die Akkulaufzeit ist jetzt zwar auch nichts wirklich Besonderes, aber sie liegt im Rahmen des Angenehmen. Durch die sehr stromsparenden Cortex A7 Kerne ist vor allem die Standby-Zeit gigantisch und kann überzeugen. Setzt man das Gerät allerdings unter Last, kann es auch – je nach Anzahl der belasteten Kerne – zu Ausreissern der Akkuleistung kommen und die Prozente schmelzen nur so dahin. Der Eindruck ist also durchwachsen, bei normalem Social Media, Webbrowsing und anderem alltäglichen Gebrauch ist die Akkulaufzeit im Schnitt aber in Ordnung.

Fazit

Schwierige Entscheidung. Das X2 Soul glänzt an vielen Stellen und damit meine ich nicht nur das Gorilla Glas 3 auf beiden Seiten. Das Display macht einen guten Eindruck, die Kamera ist wirklich toll, die Akkulaufzeit in Ordnung und generell ist die Haptik und die Verarbeitung des gerade einmal 330 EUR teuren Android-Smartphones ein kleiner Traum. Doch gibt es beim AllView einige negative Aspekte, die es sogar gegen den wohl direkten Konkurrenten Huawei Ascend P7 nicht bestehen lassen können: Die Performance ist vor allem mit der eigenen Benutzeroberfläche von AllView nahezu indiskutabel. Die schwachen Cortex A7 Kerne brauchen oftmals deutlich länger mit komplexen Apps wie Beispielsweise Navigon oder aufwändigen Spielen. Auch dass die Touch-Buttons unter dem Display kein Feedback geben, ist schade und da die Verarbeitung der Befehle ab und an auch mal etwas dauert, denkt man in erster Linie erst einmal, dass der Knopf nicht reagiert. Die Update Politik ist auch nicht wirklich geklärt.

 

Also was haben wir hier nun? In erster Linie haben wir ein toll verarbeitetes Gerät, welches wir in der Mittelklasse ansiedeln können und das sich durch den Preis definiert. Doch ist es vielen Modellen im gleichen Preisraum dann doch unterlegen. Das Ascend P7 hat aber den stärkeren Prozessor, auch wenn es im Multicore Benchmark schwächer abschliesst und das merkt man durchaus in vielen Situationen. Die Kamera ist aber ziemlich gleichauf mit Huaweis Flaggschiff. Ein schlechtes Gerät ist das X2 Soul von AllView daher nicht, doch wird es einige Schwierigkeiten haben, sich gegen die Konkurrenz im gleichen Preissegment zu behaupten. Vor allem in Bezug auf Updates und Leistungsfähigkeit.

vg-wort
Das könnte Sie auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Teilen