Di. 22. März 2016 um 17:48

Review: auvisio VRB80.3D Virtual Reality Brille von PEARL im Test

von Marcel Laser0 Kommentare

Die Virtual Reality Brillen vieler Hersteller, wie beispielsweise die Gear VR von Samsung oder die LG VR sind nur für bestimmte Smartphones gemacht. Ein leichter Einstieg ist das Vergnügen anhand des Preises dann ebenfalls nicht, da man nicht nur das entsprechende Gerät braucht, sondern oft auch noch einmal knapp 100 Euro/SFr. zusätzlich ausgeben muss. Mit dem Google Cardboard hat man einen enorm günstigen Einstieg, doch ist es mehr als eigenes Experiment gedacht, ohne qualitativ hochwertige Linsen oder einer (wichtigen) Kopfhalterung. Die auvisio VRB80.3D ist eine günstige Lösung für die meisten Smartphones auf dem Markt. Wir haben uns die VR-Brille einmal angeschaut und sind positiv überrascht.

Verarbeitung gut, Design zweckmässig und ein nicht ganz angenehmer Sitz

Ehrlich gesagt kann man sich hier sowieso nicht all zu sicher sein, wie man ein „elegantes“ Design auf einen riesigen Klotz anwenden kann, der einem eh nur vor den Augen hängt und damit generell von einem selbst nicht gesehen wird. Sony bringt mit der Playstation VR-Lösung schon einmal entsprechendes Future-Feeling auf den Schädel und auch die Gear VR von Samsung sieht nicht gerade schlecht aus. Die auvisio VRB80.3D ist jetzt kein futuristischer Hingucker aber allemal zweckmässig, wie es eben sein sollte. Durch die vordere Klappe wird per Saugnapfmechanik das Smartphone vor die Linsen eingesetzt und zugedrückt. Die Linsen können über kleine Hebelchen in eine für die Augen angenehme Position geschoben werden und das Kopfband besteht aus gut anliegendem Stretch. Die Ränder des Aufsatzes für Stirn und Nase sind mit kleinen Schaumstoffpolsterungen versehen, allerdings fallen diese nicht so üppig wie bei manchem Konkurrenzmodell aus.

 

Die Verarbeitung an sich ist wirklich gut gelungen. Keine scharfen Kanten, keine übermässigen Spaltmasse . Natürlich darf man keine Wunder erwarten, da es sich hier um eine günstige Allroundlösung handelt, doch das Ergebnis ist zufriedenstellend. Für rund 40 Euro bzw. 50 SFr. ist die Brille ordentlich zusammengebaut und recht robust. Gut gemacht sind auch die beiden Aussparungen an der Seite der Klappe, welche für Kabel gedacht sind, um Ladestecker oder Kopfhörer nutzen zu können. Sollte man die entsprechenden Anschlüsse nicht erreichen können, hilft es ab und an das Gerät einmal um 180 Grad zu drehen und wieder einzusetzen, denn dann sind sie meist auf der anderen Seite zugänglich.

 

Die erwähnten Schaumstoffpolsterungen hätten allerdings ein wenig üppiger ausfallen dürfen. Wie auf den Bilder zu sehen ist, sind die Streifen recht dünn und das Nasenteil wird nur zu den oberen Flügeln hin geschützt. Zwischen dem Streifen der die Augen-Seiten und die Stirn bis hin zur Nasenpartie schützt, ist zur Einmündung für die Nase ein freier Raum mit freiliegenden Plastikteilen. Ist die Nase nun etwas dicker oder auch die Wangenknochen etwas ausgeprägter, kann bei längeren Sessions mit der VRB80.3D dadurch ein unangenehmer Druck entstehen. Länger als 20 Minuten konnte ich die Brille nicht tragen, was vor allem bei längeren Videos unvorteilhaft ist. Das obere Kopfband ist ebenfalls mit einem Kunststoffteil verstärkt, welches nur von innen mit Schaumstoff überzogen ist. Drückt das Band etwas fester von oben auf die Kopfhaut, können auch hier die Plastikränder sehr unangenehm werden.

Smartphones von 3.5 bis 5.7 Zoll werden unterstützt

Zwar wird in der Beschreibung angegeben, dass man Smartphones mit Display-Grössen ab 3.5 Zoll bis maximal 5.7 Zoll einsetzen kann, allerdings wird schnell klar, dass es sich hier nur um eine allgemein gültige Regel handelt. Grade im Bereich von 5.7 Zoll wird es langsam eng in dem kleinen Klappkasten und das Gerät drückt stellenweise ungewollt auf die Lautstärketasten oder den Standbyknopf. Hier sollte man vielleicht vorher die Abmessungen im Auge behalten. Ein Galaxy Note 4 war jedenfalls kein Problem und daher empfehlen wir auch nur Smartphones zu nutzen, die nicht grösser sind als Samsungs eigenes Note Flaggschiff.

 

Um die Grenzen etwas auszureizen, haben wir aber dann doch grössere Geräte versucht einzusetzen. Getestet haben wir das übrigens mit einem Mate 8 von Huawei, welches mit seinem 6 Zoll Display dennoch eine relativ kompakte Bauweise bieten kann. Funktioniert hat es zwar einigermassen, doch musste ich das Mate 8 mehrmals neu einlegen, bis ich eine vertretbare Position gefunden hatte, die nicht auf irgendwelche Tasten drückte, um die Bedienung nicht zu gefährden. Das Mate 8 wird mit 6 Zoll zwar nicht offiziell unterstützt, aber es ist bei sehr kompakter Bauweise mit wenig Rändern zu allen Seiten hin möglich, auch Displays mit mehr als 5.7 Zoll zu nutzen. Empfehlen würden wir das aber an dieser Stelle nicht!

 

Durch einen kleinen Button auf der Oberseite wird die Virtual Reality Brille vorne aufgeklappt und entblösst den Schacht für eure Smartphones. Dort findet ihr auch die Matte mit den 24 Saugnäpfen, die das einzulegende Smartphone fest im Griff haben. Letzteres ist auch wirklich nicht gelogen, teilweise hatte ich ein paar Schwierigkeiten, das iPhone 6s Plus (Aluminiumrücken) oder das Mate 8 (ebenfalls Aluminium) aus den Fängen der Saugnäpfe zu befreien. Der Halt ist also mehr als ordentlich. Auch Kunststoffrückseiten sind für die kleinen Sauger kein Problem. Man sollte lediglich darauf achten, dass die hintere Oberfläche vom Smartphone einigermassen eben ist bzw. eine gleichmässige Rundung aufweist und relativ glatt ist. Löblich: Die VRB80.3D hat einen Magnetschalter verbaut, der die Smartphones und deren VR-Apps (Google Cardboard kompatibel) bedienen kann. Viele Brillen in diesem Preissegment unterstützen diese Bedienung nicht, was dann eher umständlich werden kann.

 

Das iPhone 6s Plus oder auch das Galaxy Note 4 haben eine ebene Rückseite und werden optimal auf der Saugnapfmatte festgehalten. Das Mate 8 hat einen gebogenen Rücken, genau wie das HTC One M9, welche allerdings ebenfalls sehr gut im Gerät fixiert werden konnten. Unser Lumia 1020 hingegen wird nicht einmal richtig angesaugt, da der grosse Kamerabuckel hinten das Gerät stark in Schieflage versetzt. Mit den meisten Smartphones sollte das aber dennoch einwandfrei funktionieren. Mit den folgenden Geräten haben wir die VRB80.3D testen können und hat auch funktioniert:

  • iPhone 6s Plus (5.5 Zoll)
  • iPhone 6 (4.7 Zoll)
  • Galaxy S7 (5.15 Zoll)
  • Galaxy Note 4 (5.7 Zoll)
  • Huawei Mate 8 (6.0 Zoll) – Würden wir aber generell nicht empfehlen!
  • Huawei P8 (5.2 Zoll)
  • HTC One M9 (5.0 Zoll)
  • Lumia 930 (5.0 Zoll)
Auvisio VRB80.3D
Passt von den Abmessungen ideal in die auvisio VRB80.3D – Das iPhone 6s Plus

Apps und Möglichkeiten der Virtual Reality – Kann mehr als nur ein Spielzeug sein

Während der Trend derzeit enorm zulegt, wird auch die Frage nach dem Sinn immer lauter. Natürlich stehen wir mit dieser Art der Technik erst am Anfang. Oculus Rift ist eine teure Variante für Highend PCs, genauso wie HTC Vive, die durchaus ein enormes Erlebnis bieten können. Ein Smartphone hingegen übernimmt das Tracking des Kopfes, also das Auslesen der Kopfbewegungen über die eingebauten Gyro- und Lagesensoren vor, was aber erstaunlich gut funktioniert. Bewegt ihr also euren Kopf entsprechend, verändert sich auch der Blickwinkel und das ist die erste Grundstimmung, die hier die virtuelle Realität ausmacht. Einfach das Mittendringefühl zu transportieren, welches durch eine solche Sicht entsteht.

 

Hier haben mir vor allem ein paar Horror-Apps gefallen, die zwar auf Smartphones grafisch nicht die absolute Oberliga darstellen, aber mir dennoch eine Riesenangst eingejagt haben. Darunter auch die App „Sisters“, welche wirklich nichts für schwächere Nerven ist. Die Idee mit diesem Spukhaus ist allerdings wirklich gut geworden. Zudem gibt es hübsche Dokumentarvideos über Tiere, bei denen Elefanten oder Robben beim Spielen beobachtet werden können oder auch die mittlerweile in hoher Zahl verfügbaren Rollercoaster-Apps, die für mich aber auch die Schattenseite des VR-Erlebnisses darstellen.

 

Es macht aber auch Spass einfach nur einen Film wie in einem Kino zu geniessen, mit den Walen in virtuellen Umgebungen zu schwimmen oder andere Spiele auszuprobieren. Auch gut gefallen hat mir ein Video, bei dem ein Skifahrer die Kitzbühel-Abfahrt mit einer 360-Grad-Kamera abfilmt und man sie praktisch wie selbst herunter fährt. Ich selbst werde diese Abfahrt zwar nie fahren, aber so hat man mal einen Eindruck davon, was diese Sportler_innen sehen, wenn sie dort mit hohen Geschwindigkeiten herunter rasen.

 

Die Erfahrung ist höchst interessant und wird mit Fortschreiten der Technik in den Smartphones auch für unterwegs und nicht nur stationär am Computer, immer besser. Das Erlebnis hängt aber stark vom eigentlichen Gerät an sich ab. Die Samsung Smartphones haben für ihr Gear VR Headset beispielsweise einen eigenen App-Store mit teils sehr interessanten und optimierten Apps. iTunes bietet nicht ganz so viele bzw. qualitativ hochwertige Auswahl, doch sind einige Entwickler_innen bereits bemüht, ihre Programme zu portieren. Ich für meinen Teil kann aber keine Rollercoaster Apps für VR Brillen mehr sehen.

Fazit

Die Technik steckt tatsächlich noch in den Kinderschuhen, aber die auvisio VRB80.3D ist ein günstiger und damit wirklich toller erster Einstieg in die virtuelle Welt durch VR-Brillen. Sie kostet rund 40 Euro bzw. 50 SFr., fast alle Smartphones passen rein und mit den richtigen Apps kann man durchaus einiges erleben und sich einen tollen Vorgeschmack auf das holen, was in den nächsten zwei bis drei Jahren noch deutlich besser werden sollte. Die VR-Brille von auvisio ist durch ihre Kompatibilität zu den meisten Smartphones auch für die Zukunft gewappnet, sofern man keine aussergewöhnlichen Design-Phones oder mehr als 5.7 Zoll in sie hineinquetschen will.

 

Ein paar Minuspunkte sammelt sie allerdings durch den nicht wirklich gegebenen Langzeit-Tragekomfort und die Glaslinsen sind in Ordnung, aber keine absoluten Highend-Gläser. Sie erfüllen ihren Zweck das Bild entsprechend heranzuzoomen, aber an den Rändern können sich teils einige unscharfe Stellen bilden, die für die Augen ermüdend wirken. Für de Preis ist der Einstieg aber wirklich sehr gut gelungen und eine bessere Alternative sucht man mit der Lupe. Hier gewinnen eindeutig die starke Kompatibilität mit vielen Smartphones und der günstige Anschaffungspreis gegenüber vielen Konkurrenzmodellen. Auch der Magnetschalter trägt enorm dazu bei, dass man alle angedachten VR-Apps entsprechend erleben und bedienen kann.

 

Die auvisio VRB80.3D ist also ein toller Schnupperkurs für viele, die sich das einmal genauer anschauen wollen. Wer sich allerdings ein Samsung Galaxy S7 (edge), oder ein LG G5 zulegt und sich ernsthafter mit dem Thema VR beschäftigen will, der sollte auch zu den Brillen der jeweiligen Hersteller greifen, da diese ausgereifter erscheinen und optimierte Software bieten können, dafür kosten sie aber auch mehr. Einziger Vorteil bei Samsung: Vorbesteller eines Galaxy S7 bekommen derzeit noch eine Gear VR zum Gerät dazu, sofern sie ihre Seriennummer auf der entsprechenden Seite des Herstellers angeben. Da brauch man dann auch nicht noch nach Alternativen suchen oder den Preis der Gear VR bezahlen. Erwerben könnt ihr die auvisio VRB80.3D bei PEARL für 39.95 Euro bzw. 49.95 SFr.

vg-wort
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