Review: ASUS ZenFone 2 im Test - PocketPC.ch
Mi. 04. November 2015 um 14:56

Review: ASUS ZenFone 2 im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud0 Kommentare

Das ASUS ZenFone 2 wurde bereits vor fast einem Jahr auf der CES 15 in Las Vegas vorgestellt. Bis es auch in Europa eintraf, verging eine lange Zeit, hierzulande ist es nun seit vergangener Woche vorbestellbar. Hat die lange Wartezeit dem Gerät geschadet und aus einem Highend-Gerät ein Mittelklasse-Device gemacht? In der schnelllebigen Technikwelt ist ein Jahr eine halbe Ewigkeit, es wäre also zu befürchten. Allerdings konnte das ASUS ZenFone 2 in ersten Reviews stark punkten, weshalb es nach wie vor mehr als nur interessant für uns ist. Wir haben nun, kurz vor dem Marktstart in Deutschland, ein Gerät ergattert und es für euch auf Herz und Nieren geprüft.

Inhaltsverzeichnis

  1. Verpackung, Haptik und Design

  2. Technische Daten und Hardware

  3. Akku

  4. Software

  5. Kamera

  6. Sound- und Verbindungsqualität

  7. Fazit

 

1. Verpackung, Haptik und Design

Oh, ein LG G4? Ah, nee, auf der Rückseite prangt ja der Schriftzug „ASUS“, das ist auf den ersten Blick wohl das wichtigste Design-Merkmal zur Unterscheidung. Ansonsten sehen sich das ASUS ZenFone 2 und das LG G4 doch ein bisschen sehr ähnlich. Die abnehmbare Rückseite des Geräts ist in Metall-Optik gehalten, als Material kommt allerdings ein Kunststoff zum Einsatz. Dieser ist leicht geriffelt und fühlt sich angenehm in der Hand an. Die Rückschale ist genau gleich wie die vom LG G4 und G3 abnehmbar, einfach den Fingernagel in die kleine Kerbe stecken und die Schale ablösen. Diese fühlt sich hochwertiger an als die des LG-Geräts, sie scheint ein wenig dicker und steifer zu sein. Darunter liegen die Slots für zwei SIM-Karten, einmal LTE und einmal 2G, der Micro-SD-Slot und der Akku. Dieser ist allerdings nicht herausnehmbar, sondern in einen Kunststoffkäfig eingesperrt. Schade, das wäre für viele User_innen sicher wünschenswert gewesen und zudem einfach realisierbar. Auffällig auf der Rückseite ist zudem die Lautstärkewippe. Auch diese gab es schon bei LG seit dem G2. Die Wippe des ASUS ZenFone 2 ist aber schmaler und länglicher gestaltet, zudem gibt es keinen An/Aus-Button auf der Rückseite. Direkt darüber befindet sich die rückseitige Kamera und der Blitz.

 

An der oberen Kante wurden der 3.5 mm Klinkenanschluss sowie der An/Aus-Knopf angebracht, an der linken Kante befinden sich keinerlei Anschlüsse oder Knöpfe. Unten befindet sich der Micro-USB-Anschluss. An der rechten Seite ist nur die kleine Kerbe zum Ablösen der Rückverschalung untergebracht. Auf der Vorderseite des ASUS ZenFone 2 befindet sich oben mittig der Schriftzug ASUS, rechts davon die Benachrichtigungs-LED. Unter dem Display befinden sich die drei Android-typischen kapazitiven Buttons.

 

Was nicht überzeugen kann, ist, dass der An/Aus-Knopf an der Oberseite angebracht ist, wenn doch schon die Lautstärkewippe für ein Phablet äusserst praktisch an der Rückseite liegt. Ein kompliziertes Greifen ist also immer nötig und eine Einhandbedienung nur sehr eingeschränkt möglich.

 

ASUS wirbt damit, dass das ZenFone 2 ein 5.5 Zoll grosses Display in ein handliches Format bringt, das von den Ausmassen her so gross sein soll, wie ein 5 Zoll-Gerät. Nun, das ist nicht wirklich gelungen, denn das ZenFone 2 ist gross. Es hat einen ziemlich breiten Rahmen um das Display herum und ist definitiv grösser als vergleichbare 5 Zoll-Smartphones. Das LG G3 ist handlicher, das Samsung Galaxy S6 edge ist mit seinen 5.2 Zoll massiv schmaler und kürzer. Vielmehr ist es genauso gross wie das Samsung Galaxy S6 edge Plus, welches mit einem 5.7 Zoll-Display daherkommt. Klein und handlich ist also definitiv anders, war es aber auch schon zur Vorstellung im Januar.

 

Insgesamt wirkt das ASUS ZenFone 2 recht dick und klobig, es fühlt sich schwer an, liegt aber dabei nicht unangenehm in der Hand. Durch die rückseitige Rundung schmeichelt es der Handinnenfläche. Das Design ist hübsch, aber nicht innovativ. Das Smartphone wirkt hochwertig verarbeitet, robust und stabil, dabei gleichzeitig vorzeigbar und elegant. Die leicht strukturierte Rückschale ist ein Hingucker und ist nicht rutschig. Die Knöpfe sind fest eingesetzt und verfügen über einen guten Druckpunkt, lediglich der An/Aus-Button ist recht schwergängig.

2. Technische Daten und Hardware

 

Display5.5 Zoll IPS Full-HD-Display (1920 x 1080 Pixel)
Masse152.5 x 77.2 x 3.9 – 10.9 mm, 170 g
BetriebssystemAndroid 5.0 Lollipop
Prozessor64-Bit Intel 3580 Quadcore, 2.3 GHz
Arbeitsspeicher4 GB LPDDR 3
Interner Speicher32 GB 
VerbindungenLTE Cat 4, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, Miracast, Bluetooth 4.0
Kamera13 Megapixel Hauptkamera, 5 Megapixel Frontkamera
Akku3’000 mAh, nicht austauschbar
GPSGPS, A-GPS, Glonass, QZSS, BDS, SBAS
FarbeSchwarz
SensorenG-Sensor, E-Compass, Näherungssensor, Hall Sensor (Flipcover), Umgebungslichtsensor

 

4 GB RAM sind definitiv eine Hausnummer. Gepaart mit dem Intel 3580 Quadcore-Prozessor kommt mit dem ZenFone 2 ein echtes Arbeitstier daher. Dass der Prozessor hier nur vier Kerne besitzt, ist nicht weiter relevant, die gesamte Architektur des Intel 3580 ist eine andere als bei den üblichen Snapdragons. Am ehesten vergleichbar ist der Prozessor mit dem Tegra K1 oder Snapdragon 801 bzw. 805, welche unter den Top-Chips des Jahres 2014 waren, verbaut etwa im Nexus 6, teilweise im Samsung Galaxy Note 4 und Note Edge oder auch im Nexus 9. Hier zeigt sich einfach, dass die Markteinführung des ASUS ZenFone 2 einige Monate zu spät kam, Anfang 2015 war die Hardware noch absolut zeitgemäss für ein Highend-Gerät, mittlerweile reicht es hier zumindest auf dem Papier nur noch zur oberen Mittelklasse.

 

Im Alltag zeigt sich der Prozessor arbeitsam, im Test lief das Gerät stets flüssig. Hakler oder Abstürze gab es nicht zu verzeichnen und auch aufwendige Spiele wie Real Racing 3 liefen ordentlich und ohne Probleme, selbst wenn im Hintergrund noch andere Programme liefen. Auch eine abnorme Hitzeentwicklung konnte nicht beobachtet werden, selbst unter Volllast behielt das ZenFone 2 einen kühlen Kopf, ganz im Gegenteil zum HTC One M9 mit seinem Snapdragon 810.

 

Das Display löst in Full-HD auf und liefert scharfe, knackige Farben, wie es für IPS-Panel üblich ist. Es wirkt an keiner Stelle pixelig und Farben bluten auch nicht aus. Im direkten Vergleich zum Samsung Galaxy S6 edge schneidet es zwar etwas schwächer ab, jedoch kann man IPS-Displays auch nur bedingt mit SAMOLED vergleichen.

3. Akku

Der 3’000 mAh starke Akku hält, was er verspricht. Er versorgt das ASUS ZenFone 2 mit ausreichend Energie für den ganzen Tag, auch bei starker Nutzung. Leider ist er nicht wechselbar, obwohl die Rückschale des Geräts abnehmbar ist. ASUS verspricht bis zu 297 Stunden Standby-Zeit und unter 2G bis zu 28.5 Stunden reine Sprechzeit. Diese Tests haben wir nicht wiederholt, die Alltagsbelastung interessiert uns und euch einfach mehr. An einem gewöhnlichen achtstündigen Arbeitstag mit starker Messenger- und Emailkonten-Nutzung sowie fünf ca. zehnminütigen Telefonaten kam das Gerät bis zum Feierabend gut hin. Nach Feierabend war noch genügend Energie für eine ausgedehnte Partie Real Racing 3 sowie ein paar Youtube-Videos da. Mit einem Restakkustand von 12% kam es an einem typischen Arbeitstag vor dem Schlafengehen an den Strom.

 

Komplett aufgeladen ist das Smartphone übrigens durchschnittlich schnell in etwa drei Stunden, es verfügt nicht über Quick-Charge oder ein ähnliches Feature. Was schade ist, ist das Fehlen von QI-Charging, was bei der verbauten Rückschale zumindest technisch kein Problem gewesen wäre.

 

4. Software

Das ASUS ZenFone 2 kommt mit der eigenen Benutzeroberfläche ZenUI daher. Diese ist recht hübsch gemacht, allerdings hoffnungslos überladen. Von Haus aus sind etliche Apps vorinstalliert, die sich höchstens deaktivieren, aber nicht deinstallieren lassen. Das verbraucht massiv Speicherplatz. Zu nennen sind hier unter anderem die Programme von Google Apps, ZenTalk, ZenCircle, sehr viele Apps im Unterordner „Werkzeuge“ und die vorinstallierte Wetter App. Zudem sind einige Apps aus unterschiedlichen Funktionsbereichen mit dabei, die man deinstallieren kann.

 

Das UI wirkt ein wenig unaufgeräumt, obwohl es von Haus aus in Ordnern verpackt daherkommt. Man muss sich aber erst einige Zeit mit dem Gerät beschäftigen, um den richtigen Ort zu finden. Was hingegen gelungen ist, ist das Notification Center und die Einstellungsleiste, die auftaucht, wenn man von oben nach unten wischt. Hier ist alles Wichtige an einem Ort und übersichtlich dargestellt.

 

Eine Besonderheit von ZenUI ist, dass es stark personalisierbar ist. Es gibt verschiedene Themes im Play Store und die Möglichkeit, durch bestimmte, selbst einstellbare, Gesten Apps aufzurufen. Ausserdem kann man neben Tap to Wake auch andere Bewegungsgesten ausführen, zum Beispiel durch zweifaches Schütteln des Geräts den gerade offenen Screen auf die To Do-Liste setzen oder durch Doppel-Tap auf den Homescreen den Einhandmodus auslösen. Dieser ist im Übrigen recht gut gelöst, zwar nicht für alle Handgrössen perfekt, jedoch eine Erleichterung der Arbeit mit dem Gerät. Einen Handschuh-Modus für den Winter gibt es auch, genauso wie einen kindersicheren, privaten und Do not Disturb-Modus.

 

Wäre die viele Bloatware nicht, könnte man sagen, dass ZenUI durchweg gelungen ist. Leider muss man aber Abstriche machen. Von den 32 GB fallen schon einmal 10 GB nur für das System mit den vorinstallierten Apps weg – das ist eindeutig zu viel, zumal, wie gesagt, diese Programme nicht deinstallierbar sind. Wer solche Apps mag oder wen sie nicht stören, kann mit ZenUI aber durchaus glücklich werden, zumal die Personalisierungsmöglichkeiten wirklich hübsch gemacht sind.

 

Unklar ist, wie die Update-Politik von ASUS aussehen wird. Das ZenFone 2 kommt zum Marktstart mit der mittlerweile doch etwas betagten Version Android 5.0 in die Läden. Android 5.1 wäre schön gewesen, darauf wird es sicherlich noch ein Update geben. Ob es allerdings auch noch auf Android 6.0 Marshmallow aktualisiert wird, ist nicht klar.

5. Kamera

In Puncto Kameraqualität hätte es etwas mehr sein können. Zwar ist die 13 Megapixel starke Hauptkamera nicht schlecht, aber es fehlt so ein Quäntchen an Schärfe und Qualität bei nicht-optimalen Lichtbedingungen. Für Schnappschüsse reicht es, dennoch gibt es auf dem Markt auch in vergleichbaren Handys bessere Kameras. Auf dem Full-HD-Display des ZenFone 2 machen die meisten Fotos eine gute Figur, schaut man sie sich aber auf dem Rechner im Grossformat an, so bemerkt man schnell die Schwächen der Kamera: Ein Rauschen hier, verschwommene Kanten dort.

Bei schlechten Lichtverhältnissen macht die Kamera schlapp. Ein Rauschen ist selbst auf dem Smartphone-Display deutlich zu erkennen, auf dem PC angeschaut wirken die Bilder verrauscht. Gute Ergebnisse erzielt man bei strahlendem Sonnenschein im Freien.

 

Eine durchschnittliche Kamera ist es in jedem Fall, etwas schade ist dies nur, weil die Kamerasoftware allererste Sahne ist. Es gibt unglaublich viele Modi, mit denen man vieles einstellen kann. So kann man die ja wieder sehr beliebten gif-Filmchen aufnehmen und vorwärts und rückwärts abspielen, HDR- und Nachtaufnahmen machen sowie Panorama-Bilder aufnehmen, die zwar gut zusammengesetzt werden, jedoch recht unscharfe Ränder aufweisen. Der Profi-Modus ist gut ausgestattet und erlaubt eine feine Einstellung. Der Automatik-Modus ist schnell und gut, auch nicht-Profis können also an ordentliche Bilder kommen.

 

Die 5 Megapixel starke Frontkamera nimmt gute Selfies auf. Diese sind zwar keinesfalls Hochglanzbilder, für den Alltag reichen die Fotos aber auf jeden Fall aus. Auch Videotelefonie ist mit der Kamera ohne Weiteres bequem möglich, das Gegenüber erkennt einen gut und scharf genug.

 

Im Folgenden seht ihr eine kleine Auswahl an Beispielfotos, geschossen im Automatik-Modus:

6. Sound- und Verbindungsqualität

Die Verbindungsqualität stimmt. Es kam zu keinen Abbrüchen der Daten- oder WLAN-Verbindung, auch Bluetooth und NFC funktionieren einwandfrei. Beim Telefonieren kam es zu keinen Abbrüchen, das Gegenüber war immer klar verständlich und man selbst auch in geräuschvollen Umgebungen wie dem Volksfest mit Karussells und Wurstbuden für das Gegenüber gut zu verstehen. Die Geräuschunterdrückung funktioniert also sehr gut.

 

Musikhören kann man mit dem ZenFone 2 natürlich auch und für den alltäglichen Hausgebrauch reicht die Wiedergabequalität auch gut aus. Die mitgelieferten Ohrstöpsel verrichten genauso wie das Gerät selbst ihren Dienst und lassen einen ungetrübten Musikgenuss zu. Wunder darf man natürlich nicht erwarten, liegt das ZenFone 2 etwa auf dem Tisch und spielt über Lautsprecher Musik ab, so klingt es etwas blechern. Dies ist aber der Natur eines durchschnittlich guten Smartphonelautsprechers geschuldet und keinesfalls als Problem zu sehen. Ein Multimedia-Smartphone wie etwa die HTC One-Reihe mit ihren Boom Sound-Lautsprechern ist das Gerät jedenfalls nicht, will es aber ja auch gar nicht sein.

7. Fazit

Zu spät, zu spät! Nicht nur die Ärzte singen es, auch die ASUS-Spatzen pfeifen es leider von den Dächern. Das ASUS ZenFone 2 ist ein durchweg ordentliches Gerät ohne grosse Störfaktoren. Der Akku ist kräftig, die Hardware stark, 4 GB RAM sind ein Steckenpferd. Und doch: Es hat unglaublich viel von seinem Potential verspielt. War es Anfang 2015 noch der Oberklasse angehörig, ein Smartphone das der Technikwelt einige „Ohs“ und „Ahs“ abringen konnte, so kommt es nun, im November 2015 fast ein Jahr nach der Präsentation als Device der oberen Mittelklasse daher. Das heisst noch lange nicht, dass es schlecht wäre, um Himmels Willen, nein, aber es ist eben nicht mehr der Knaller. Andere Geräte des Jahres konnten das ZenFone 2 schnell überholen. Die Benchmarks zeigen, wo es steht – im (guten) Mittelfeld. Und das ist schade: Denn schlecht ist das ASUS ZenFone 2 nicht.

 

Die Kamerasoftware ist toll, durchdacht und bietet viele Möglichkeiten, die 13 Megapixel Kamera kommt nicht richtig hinterher, macht aber dennoch ordentliche Fotos. Das Design ist ansprechend, aber dem Werbeversprechen, ein 5.5 Zoll-Display in das Gehäuse eines 5 Zoll-Smartphones zu stecken, wird man nicht gerecht. Der Akku ist nicht wechselbar, verrichtet aber zuverlässig und gut seinen Dienst. Die Sound- und Verbindungsqualität stimmt, allerdings wäre es auch überraschend, wenn nicht in dieser Preisklasse. Leider ist von Werk aus nur Android 5.0 vorinstalliert, zumindest Android 5.1 sollte es mittlerweile schon sein. Ob es noch auf Android 6.0 Marshmallow gewuppt wird, ist derzeit noch unklar.

 

Was kann man abschliessend also sagen? Für einen Preis von 350 Euro bekommt man ein tolles Smartphone, das zuverlässig funktioniert. Möchte man einen Betrag in diesem Bereich ausgeben, sollte man sich das ZenFone 2 genauer anschauen. Falsch machen kann man mit dem Gerät nicht viel. Der fade Beigeschmack, dass man das ASUS ZenFone 2 schon Anfang des Jahres als Highend-Gerät gern gehabt hätte, stört im Alltag herzlich wenig.  ASUS bietet in manchen Märkten übrigens auch noch eine günstigere, schwächere Variante mit nur 16 GB Speicher und 1.2 GHz Takt im Prozessor an, hier auf jeden Fall aufpassen, damit man nicht von einem Super-Sonderrabatt ausgeht, wenn man eigentlich das grosse ZenFone 2 kaufen möchte.

Das könnte Sie auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Teilen