Sa. 20. September 2014 um 21:32

Review: Apple iPhone 6 Plus im Test

von Marcel Laser20 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

Rundes Design mit erhabener Verarbeitungsqualität

Starke Hardware: Im Fall vom A8 SoC ist weniger definitiv mehr

Exzellentes IPS Display mit neuer Technologie präsentiert sich wie gemalt

Apple passt iOS 8 speziell an das 5.5 Zoll Display an

Die Kamera: Und noch einmal – weniger bleibt mehr

Überragende Akkulaufzeit und eingemauertes NFC

Gute Empfangsqualität und ein klangvoller Lautsprecher

Fazit

Rundes Design mit herausragender Verarbeitungsqualität

iPod Touch der 5th Generation lässt grüssen! Apple hat eine Menge am Design geändert und nähert sich hier nun der Produktlinie der iPads und iPod Touches an. Die vom iPhone 5s bekannten Ecken an den Rändern fallen nun komplett weg und wurden zu einem kreisrunden Handschmeichler „umgeschliffen“. Auf der Rückseite verzichtet Apple beim iPhone 6 Plus zudem komplett auf Glaselemente und hat nun auch im unteren und oberen Bereich eloxiertes Aluminium bekommen. Unterbrochen wird das aus einem Stück gefertigte Aluminium-Chassis des iPhone 6 Plus allerdings durch die Antennentrenner aus Kunststoff, die wie ein Rahmen um die oberen und unteren Bereiche angebracht sind. Ich musste mich zunächst an dieses optische Konzept mit den Trennern gewöhnen und bin bis jetzt noch nicht warm geworden, tatsächlich muss man gestehen, dass es real in der Hand bei weitem nicht so schlimm rüber zu kommen scheint, wie man im ersten Augenblick denken mag.

 

Die Verarbeitung ist, wie von Apple gewohnt, herausragend! Die Kunststofftrenner im Gehäuse sind nahtlos im Chassis integriert und die Knöpfe sind fest mit knackigem Druckpunkt im Gehäuse eingesetzt. Das Glas des Displays ist an den Rändern abgerundet und trägt zum zeitlosen und ästhetischen Design bei. Die nun runden Kanten liegen beachtlich viel besser in der Hand und waren bei einer solchen Grösse des iPhone 6 Plus wohl auch dringend nötig. Mit 158 x 77.8 x 7.1 mm ist das 5.5 Zoll grosse Phablet-Schiff aber auch ein regelrechter „Klopper“ in der Hose, allerdings ist es auch erstaunlich dünn. Mit 172 Gramm ist es rund 4 Gramm leichter als das Note 4 von Samsung und zudem fast 1.5 mm dünner. Dafür allerdings auch in der Höhe fast 5 mm länger als Samsungs Phablet-Konkurrenz.

 

Wir haben es also im Design in erster Linie mit einem iPod Touch der 5. Generation auf Steroiden zu tun, der sogar noch telefonieren kann und im Tablet-Modus läuft. Ob die Antennentrenner auf der Rückseite nun ein Überbleibsel von Krampfadern im Muskelaufbautraining sind und als Schönheitsindiz bezeichnet werden können, bleibt letztendlich dem Geschmack der jeweiligen Interessenten überlassen. Hinsichtlich der Verarbeitungsqualität macht Apple ein weiteres Mal nahezu keine Fehler und zeigt sich beim iPhone 6 Plus von seiner guten Seite.

 

Was wir als gar nicht einmal als so schlimm empfanden – zumindest beim grösseren Modell – ist das Herausstehen der Kamera. Das iPhone 6 Plus ist so gross, dass die Hebelwirkung für ein starkes Kippeln nicht ausreicht und das Gerät auch mit einer Hand auf einem Tisch bedient werden kann. Beim iPhone 6 sieht es schon etwas anders aus. Aber das erklären wir im Testbericht zum kleineren Modell noch etwas genauer.

Starke Hardware: Im Fall vom A8 SoC ist weniger definitiv mehr

Holen wir erst einmal die nackten Zahlen raus: Angetrieben wird das iPhone 6 Plus von Apples brandneuem A8 Prozessor, welcher wieder einmal nur als Dual Core ausgelegt, mit 1.4 GHz Takt und 1 GB RAM ausgestattet wurde. Die GPU ist zwar noch nicht bekannt, aber man geht von einem G6650XT Six Core Chip aus, der die Leistung zum Vorgänger deutlich steigern soll. Der interne Speicher ist neu unterteilt und bietet nun 16, 64 und 128 GB. Die Kamera auf der Frontseite bietet 1.2 Megapixel für HD-Telefonie und Selfiebilder, die Version auf der Rückseite wurde innerlich zwar komplett überarbeitet, bietet allerdings weiterhin die obligatorischen 8 MP des Vorgängers. Bluetooth 4.0, NFC (nur für Apple Pay!), WLAN 801.11 a/b/g/n/ac DualBand sind ebenfalls mit an Bord, genau wie LTE mit bis zu 150 Mbit.

 

Was allerdings am meisten beeindruckt, ist anscheinend die Tatsache dass Apple im Vergleich zum Vorgänger bei nur acht Prozent mehr Takt satte 25 Prozent mehr Leistung rausholt und dabei noch den Stromverbrauch senkt. Der neue A8 Prozessor im iPhone 6 und iPhone 6 Plus arbeitet mit 1.4 GHz Takt und ist „lediglich“ ein Dual Core, der allerdings so ziemlich alle bisher verfügbaren Quad Cores in Konkurrenzprodukten stehen lässt. Fast 3’000 Punkte erreicht der A8 SoC im Multi Core Benchmark von Geekbench 3 und mehr als 1’700 Punkte erreicht ein einzelner Kern. Wenn man bedenkt, dass wir hier nur zwei Kerne mit 1.4 GHz haben, ist die Steigerung extrem beachtlich. Apple hat seine Hausaufgaben gemacht und die Leistung anscheinend durch weitere Optimierungen deutlich verbessert, den Stromverbrauch gesenkt und spielt weiterhin mit deutlich weniger Takt in den oberen Leistungs-Ligen mit. Zudem ist der Prozessor auf 20 nm Strukturbreite geschrumpft worden, was zusätzlich die Hitzeentwicklung hemmt. Damit ist Apples A8 Prozessor weiterhin pro Kerntakt deutlich schneller als die Snapdragon Konkurrenz.

 

Bei der GPU geht man derzeit von einem G6650XT Six Core Chip aus, der 50 Prozent mehr Leistung gegenüber der G6430 GPU im iPhone 5s bieten soll. Sicher ist man sich derzeit nicht, da erst noch die Expertinnen und Experten von iFixit.com oder anderen Seiten den Chip aufbrechen und ihn Schicht für Schicht abätzen müssen, um die Oberfläche frei zu legen. Fakt ist allerdings, dass erste Benchmarks, welche nur auf die reine Leistung der GPU abzielen, erstaunliche Werte ermitteln. Das iPhone 6 und iPhone 6 Plus erreichen über 16’000 Punkte im Basemark X. Zudem hat Apple mit iOS 8 die neue Metal API vorgestellt, welche noch einmal bis zu 100 Prozent mehr Leistung bei guter Optimierung bieten kann. Die Programme müssen allerdings Apples API unterstützen und nutzen. Sonst ist von der Leistungssteigerung durch den neuen Kern nicht viel zu spüren. Was allerdings ebenfalls auffällt, ist anscheinend die Tatsache, dass aktuelle Benchmark-Programme die zusätzlichen Kerne der GPU noch nicht umfassend ausnutzen können. Der Leistungsunterschied zwischen der G6430 im iPhone 5s und der G6650XT ist immens, fällt nur bisher noch nicht ins Gewicht. Erste heftige Unterschiede sieht man allerdings bei schon angepassten Spielen wie Asphalt 8, oder der Demo des Zen Garden von Epic Games.

 

Interessant war allerdings ein Satz von Phil Schiller auf der Bühne der Keynote zum iPhone 6, der Technikfans hat aufhorchen lassen: Der A8 Prozessor sei so effizient, dass dieser selbst nach Stunden voller Belastung nicht ein einziges Mal heruntertakten würde, sondern permanent 100 Prozent Leistung abliefern könne. Nach gut 5 Stunden Monster Hunter Freedom Unite auf dem iPhone 6 Plus können wir das auch bisher bestätigen, wenngleich sich das Gerät doch etwas aufheizt. Dies ist aber bei fast allen Glas- oder Metallgehäusen von Smartphones ein bekanntes Phänomen.

 

Aus welchen Gründen Apple nun wieder die 1 GB RAM gewählt hat, ist uns in erster Linie allerdings schleierhaft. Etwas mehr hätten es an dieser Stelle schon sein können. Zwar haben die 1 GB keine Auswirkung auf die mehr als nur exzellente Performance des Systems, doch kann es schon öfters vorkommen, dass Safari beispielsweise die Tabs mit geöffneten Webseiten nachlädt, weil nach dem Öffnen von anderen Apps einfach der RAM zu klein wurde. Ein etwas nerviges Detail, welches Apple User aber schon länger kennen. Die Gesamtperformance im Alltag bleibt aber weiterhin herausragend hoch: Ein Vorteil den Apple mit der Verzahnung der eigenen Hardware samt Software optimal zu nutzen weiss.

Exzellentes IPS Display mit neuer Technologie präsentiert sich wie gemalt

Die Bewertung von Displays hat schon ein bisschen Ähnlichkeit mit dem Bewerten von Design. Stellt man zwei exzellente Technologien wie IPS und AMOLED gegenüber, ist es am Ende die reine Geschmacksfrage, welche Kontrast-Ebenen man für seine Augen bevorzugt. Speziell für meinen Teil bin ich von beiden Techniken in vielen Situationen mehr als nur überzeugt und nutze täglich beide Versionen im Beruf. Was erwartet uns aber beim neuen iPhone 6 Plus? Wie all die Jahre zuvor setzt Apple auf ein IPS Display, welches bisher zu jedem Release der iPhone Generationen absolut überzeugen konnte: Tolle und natürliche Farben, extreme Blickwinkelstabilität und klare Darstellung wurden durch die Bank weg.

 

Einmal die technischen Daten vorne weg: Wir gucken auf ein 5.5 Zoll grosses IPS Display mit der mittlerweile im Highend-Bereich üblichen 1920 x 1080 Pixel Auflösung (401 PPI). Konkurrenten wie das LG G3 oder das Galaxy Note 4 von Samsung sind dem iPhone 6 Plus allerdings schon voraus und bieten höhere Auflösungen im Bereich von mehr als FullHD. Apple nutzt zudem eine neue Technologie, die den Polarisierer nicht mehr wie eine Schicht über das Display unter dem Glas legt, sondern direkt im Display integriert. Dadurch wird der Screen vor allem dünner und sitzt deutlich näher am Display-Glas, was den Eindruck vermittelt, als sei die Oberfläche aufgedruckt.

 

Das Ganze resultiert dann in einem der besten IPS Displays, die man derzeit in einem Smartphone finden kann. Der Schwarzwert ist beim iPhone 6 Plus sogar noch deutlich höher als beim iPhone 6 und die Blickwinkelstabilität ist enorm. Mit etwas mehr als 550 Candela ist der Screen des Apple-Phablets zudem sehr hell und auch unter starker Sonneneinstrahlung sehr gut zu erkennen. Auch Fans von höherem Kontrast kommen auf ihre Kosten: Das Display stellt die Farben zwar hauptsächlich natürlicher als AMOLEDs dar, doch ist der Fortschritt zum Vorgänger für kontrastreichere Farben deutlicher zu erkennen.

Apple passt iOS 8 speziell an das 5.5 Zoll Display an

Über das Betriebssystem selber muss man wohl nicht mehr all zu viel sagen. iOS 8 wurde im Kern nahezu runderneuert und zeigt den Menschen vor dem Screen daher nur relativ schüchtern neue Techniken, da diese oft nicht wirklich visueller Natur sind. Dennoch gibt es mit einer nun auf WhatsApp Niveau arbeitenden iMessage Version, dem neuen Widget-System und den Apps für Fitness sowie überarbeitete Tastaturen und der neuen Mail-Anwendung auch einige sichtbare Neuerungen für Anwenderinnen und Anwender. Die meisten Verbesserungen wie Apples neue Metal Schnittstelle oder die deutlich angehobenen Kommunikationsfähigkeiten der installierten Apps untereinander hält Apple mehr oder weniger unter der Haube verdeckt. Wer sich noch einmal genauer über alles informieren will, darf gerne auf unsere Zusammenfassung der iOS 8 Highlights aus der Apple Keynote im letzten Juni zurückgreifen.

 

Immerhin kann das iPhone 6 Plus sich über spezifische Features freuen und erfährt somit eine komplett eigene Anpassung an die völlig neue Display-Grösse, welche zudem mit 1920 x 1080 Pixel eine für Apple sehr untypische Auflösung darstellt. Apple selber integriert daher einen Skalierer auf Desktop-Niveau, der die Anwendungen auf die neue Auflösung hin anpasst, ohne das Developer vorher etwas dafür tun müssen. Zudem glättet dieser Schriften und Texte selbstständig, um das Bild nicht unnötig zu verzerren. Das klappt mit Text auch mehr als nur sehr gut, doch sind vor allem Bilder ein weniger tolles optisches Highlight. Apps, welche noch nicht an die neue Auflösung angepasst wurden, sehen vom Design der Bilder für Bedienelemente, Logos oder andere „Picture-Elemente“ etwas verwaschen aus. Daher sind vor allem nun die Entwicklerfirmen gefragt, ihre Programme nativ an die Auflösung anzupassen, um dem optischen Verwaschen der Apps entgegenzuwirken. Erfahrungsgemäss sind vor allem populäre Apps recht schnell bei der Stange, sofern wir einmal WhatsApp aussen vor lassen.

 

Eine Option, welche zwar auf beiden iPhones integriert wurde, allerdings erst wohl auf dem iPhone 6 Plus richtig zur Geltung kommen soll, ist das doppelte Berühren (nicht drücken!) des Homebuttons, was dann die Bedienelemente der oberen Reihen auf eine Einhandbedienung herunter fährt. Es ist ein nettes Gimmick, doch wirkt es irgendwie deplatziert, da man mit dieser Geste auch einen extrem reduzierten Informationsbereich in Kauf nimmt, somit ging es Apple tatsächlich nur um das Erreichen erhöhter Bereiche für das Bedienen von Apps und anderen Dingen, doch wurden wir in erster Linie nicht so recht warm mit der Technik. Genutzt wurde sie lediglich zum Ausprobieren, vermisst wurde sie schlussendlich dann nicht mehr.

Die Kamera: Und noch einmal – weniger bleibt mehr

Apple hat zwar naturgemäss nicht die höchsten Zahlen bei Prozessoren und Kameras auf dem weissen Blatt Papier der grossen Theorie stehen, allerdings wissen sie diese in der Praxis oft am besten zu nutzen. Nicht nur der Prozessor feuert enorme Leistungen aus seinen 1.4 GHz ab, auch die Kamera macht einen positiven Eindruck. Die 8 MP sind vom iPhone 5s übernommen worden, doch präsentieren sich die Innereien als komplett überarbeitet. Der Sensor ist gegen ein neuentwickeltes Modell ausgetauscht worden und besitzt nun ein Feature, welches Apple als eine Unterart von Technik in DSLR-Kameras anpries: Fokus-Pixels. Die Fokussierung soll somit deutlich beschleunigt worden sein und in der Tat konnten wir ein solches Verhalten praxistauglich nachvollziehen. Das iPhone 6 Plus fokussiert nun unheimlich schnell! Und auch die Auflösung von Panaroamafotos wurde deutlich erhöht, was vor allem der schnelleren CPU verdanken ist.

 

Was das iPhone 6 Plus in der Technik der Kamera vom kleinere iPhone 6 unterscheidet, ist der im grösseren Modell vorhandene optische Bildstabilisator. Dieser nutzt das Gyroskop und den M8 Co-Prozessor für die Stabilisierung bei Bildern und Videos und richtet die Optik entsprechend der Bewegungen aus. Das funktioniert erstaunlich gut! Das unten eingebettete Video ist ein Gang durch meinen Garten und ich habe mit Sicherheit nicht die ruhigsten Hände. Ein Feature welches sich vom kleinen iPhone 6 Modell wohl deutlich absetzen kann und für den ein oder die andere vielleicht zum Kaufargument wird? Wer weiss. Das Video liefern wir separat auf unserem YouTube Kanal nach. Es stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung leider noch nicht zur Verfügung.

 

Neben den wirklich sehr guten Fotos und Videos beherrschen beide neuen iPhones auch wieder Slow-Motion-Effekte. Während das iPhone 5s noch Videos mit 120 FPS bei einer Auflösung von 720p unterstützte, gibt es bei beiden iPhone 6 Geräten nun die Möglichkeit, diese Videos auch mit 240 Bildern pro Sekunde aufzunehmen, was den Effekt noch einmal deutlich verstärkt. Ebenfalls angewachsen ist die Bildwiederholrate bei Videos in 1080p Qualität, diese werden nun mit bis zu 60 FPS aufgenommen. Zudem ist endlich auch ein Time-Laps-Modus integriert worden und steht auch dem iPhone 5s zur Verfügung.

 

Die Bildqualität ist sowohl bei Fotos, als auch bei Videos hervorragend. Das Bild ist jeweils immer sehr klar, scharf und die Farben werden natürlich in Szene gesetzt. Wie allerdings auch der Vorgänger ist die Qualität unter schlechteren Lichtbedingungen zwar ein ganzes Stück nach oben verbessert worden, doch gibt es immer noch Geräte, die besser damit klar kommen. Ein Rauschen lässt sich hier je nach Intensität des Lichteinfalls auf Dauer nicht vermeiden, doch haben auch andere Smartphones hier zu kämpfen. Abschliessend bleibt zu sagen: Es bleiben beim iPhone weiterhin 8 „kleine“ Megapixel, doch diese haben es faustdick hinter dem Sensor. Apple bessert an den richtigen Stellen nach, um das Kamera-Erlebnis auf dem iPhone grundlegend zu verbessern.

 

Weniger von Highlights durchzogen ist die Frontkamera mit 1.2 Megapixel, welche zwar ebenfalls verbessert wurde, allerdings der Konkurrenz wie dem Selfie-Monster Huawei Ascend P7 hinterherhinkt. Wer nicht unbedingt die höchsten Ansprüche an seine Selfies hegt, sollte allerdings auch hiermit zurechtkommen. Ein Highlight ist die Facetime Kamera allerdings wahrlich nicht.

 

Hinweis: Die Bilder nach dem Foto von dem Haus, sind Fotos in Umgebung mit schlechtem Lichtverhältnis. Rollos wurden heruntergelassen und der Raum somit stark abgedunkelt.

Überragende Akkulaufzeit und eingemauertes NFC

Das Plus im Namen des neuen iPhone 6 Plus steht wohl ohne jeden Zweifel für das „Plus“ an Display, was man hier gegenüber dem iPhone 5s und dem iPhone 6 bekommt. Doch könnte das ebenso auch ein Indiz für die extrem hohe Akkulaufzeit sein. Etwas mehr als zwölf Stunden Videowiedergabe waren ebenfalls drin, genauso wie etwas mehr als 20 Stunden durchgehende Telefonate. Apple nutzt die rund 2’800 mAh Batterie im iPhone 6 Plus gekonnt aus und präsentiert ein sehr gut auf den Verbrauch abgestimmtes System. Bei meiner täglichen Nutzung für die Arbeit, was einige Zeit in Facebook, bei uns im Forum und Magazin, einige Mails und Telefonate mit sich bringt, war ein Tag ohne Ladevorgang absolut möglich. Den zweiten Tag schaffte das iPhone zwar dann nicht mehr komplett, aber die Hälfte war definitiv noch drin. Bei normaler oder moderater Nutzung sollten zwei volle Tage durchaus kein Problem darstellen. Bedenkt aber bitte, dass das Nutzungsverhalten ein extrem variables und individuelles Kriterium ist. Wer ein iPhone 6 Plus schon deutlich unter einem Tag leer bekommen will, wird das auch schaffen.

 

Als man Apple Pay während der Präsentation in Augenschein nehmen konnte, freute man sich insgeheim über den verbauten NFC Chip, doch wurde schnell klar: Dieser funktioniert leider ausschliesslich mit Apple Pay! Wer schon vorher auf Smartphones von Apple setzte, wird mit der Umstellung weniger ein Problem haben, doch von anderen Systemen kommend, wenn vor allem auch NFC genutzt wurde, tritt erst einmal Ernüchterung ein. Somit ist ein einfaches Koppeln von Geräten nicht möglich, da Apple den Chip absichtlich „einschränkt“.

 

Wenn man der Situation allerdings auch was Gutes abgewinnen möchte, könnte dieses vielleicht als Sicherheitskriterium werten: Der NFC Chip in Apples neuer Smartphone-Reihe ist ausschliesslich dazu gedacht, mit den entsprechenden Apple Pay Systemen zu funktionieren und das tut dieser auch. Er kann also nicht einfach für andere Zwecke missbraucht werden. Wenn man bedenkt, dass Apple Pay nun mit den neuen Geräten und denen, die noch kommen werden, einen ordentlichen Push erfahren könnte, um das mobile Bezahlen weiter in die Welt hinaus zu tragen, ist dieser Aspekt tatsächlich nicht zu verachten. Auf der anderen Seite muss man allerdings auch festhalten, dass wir hier in Europa nun einen NFC Chip im System haben, mit dem wir in nächster Zeit noch nicht einmal bezahlen können, da dieser Dienst erst einmal nur in den USA startet und wir definitiv noch warten müssen. Schade an dieser Stelle! Wir hätten uns dann doch mehr Einsatzmöglichkeiten gewünscht.

 

Gute Empfangsqualität und ein klangvoller Lautsprecher

Die Empfangsleistung ist endlich auch gestiegen. Mein Haus blockt durch seine elektrische Fussbodenheizung relativ erfolgreich viele Provider-Netze ab. Mit einem Samsung Galaxy S5, iPhone 5s oder dem Note 3 ist nur GPRS mit 1-2 Balken möglich. An EDGE muss man nicht einmal denken und vor allem über 3G/LTE muss man hier nicht diskutieren. Zwar schwankt die Empfangsleistung hier zu Hause immer noch recht stark, doch ist mittlerweile konstant EDGE mit 2-3 Balken im Display möglich. Auch wenn das Device in der Hand liegt, verschiebt sich der Balken nicht mehr, was vor allem aber auch der Grösse geschuldet zu sein scheint, da man nicht einmal ansatzweise in die Nähe der Antennentrenner kommt.

 

Wirklich toll ist aber wieder einmal der Lautsprecher: Schon im iPhone 5s gelang es Apple, einen ordentlichen Mono-Ton zu generieren, der weit vom Scheppern oder Klirren einiger anderer Smartphones entfernt war. Auch im iPhone 6 Plus braucht sich das Ergebnis nicht zu verstecken. Das Ascend P7 von Huawei ist „in unseren Ohren“ allerdings auf einem ähnlichen Niveau, auch Samsungs Lautsprecher im S5 ist nicht schlecht. Doch finden wir eine Platzierung hinten im Gehäuse nicht wirklich optimal, da hat es das iPhone 6 Plus mit dem Lautsprecher in der unteren Seite etwas einfacher.

Apple iPhone 6 Plus
Der Lautsprecher versteckt sich hinter einem „Löcher-Grill“ und produziert angenehme Klänge.

Fazit: Top-Smartphone zum extrem hohen Preis

Eins ist klar: Das iPhone 6 Plus ist gross. Extrem gross! Nahezu riesig, auch im Vergleich zur Konkurrenz wie dem LG G3 oder dem Galaxy Note 4 von Samsung. Auch wenn es nur stellenweise wenige Millimeter sind, fühlt sich das neue iPhone bedingt der Proportionen grösser an. Zudem hat die Welt wohl nie mit solchen Dimensionen eines iPhones gerechnet. Doch entspricht Apple nun einem Wunsch vieler williger Menschen aus anderen Lagern, die umsteigen würden, sofern das Display endlich die Grösse der Phablet-Konkurrenz hat. Unser Forum zeigt es mittlerweile deutlich: Ja, Apple hat einen überfälligen Schritt gemacht, der schon vor Jahren hätte kommen sollen und trifft den Nerv der Käuferschaft. Nun zu den positiven Punkten auf der Habenseite:

 

Das iPhone 6 Plus bietet uns eine Fülle an Highend-Hardware. Der extrem fortschrittliche A8 Prozessor, welcher mit starker Leistung überzeugt, besitzt einen völlig neuen Six Core GPU Chip, arbeitet effizienter als der Vorgänger und schöpft die Leistung des Systems noch nicht einmal ansatzweise aus. Das Display besitzt das bisher beste IPS Penal in einem Smartphone mit tollem Kontrast, natürlichen Farben und präsentiert sich wie gedruckt. Wir haben eine wirklich gute Kamera mit einer herausragenden Bildstabilisation und einmal mehr – sehr Apple typisch – eine Verarbeitung auf Königsklassen Niveau. Gepaart wird das Ganze nun mit einem starken Akku, der das Gerät zum Dauerläufer werden lässt.

 

Bei all der Flut an Licht beim neuen iPhone 6 Plus gibt es aber auch einige Stellen die Schatten werfen: NFC ist nur mit Apple Pay nutzbar, was Europa erst einmal gar nicht interessiert, da das Unterfangen von Apple erstmal in den USA startet. Die Balken für die Antennentrenner zerstören zumindest aus meiner persönlichen subjektiven Sicht das schöne iPod Touch Design und die Gewöhnungszeit ist für mich noch nicht zu 100 Prozent abgeschlossen. Und ein Kriterium, mit dem man sich allerdings auch aus persönlicher Sicht anfreunden muss: Es ist RIESIG! Stellenweise auch grösser als die Konkurrenzmodelle. Man muss es also generell mögen. Bei all der riesigen Leistung des A8 Prozessors sieht man auch die 1 GB RAM im iPhone 6 Plus mit Verwunderung, zwar hätte mehr RAM die Performance des Systems nicht grundlegend erhöht, doch hätte man in Betracht auf Safari und vieler geöffneter Apps einen kleinen Schritt in Richtung Komfort machen können.

 

Der Hauptkritikpunkt gilt aber dem Preis… 799 EUR bzw. CHF 879 für die 16 GB Version ist damit weit über der Konkurrenz angesiedelt. Der Preis geht zudem auch nun ein Jahr lang nicht runter, wer also nach gut zwei bis drei Monaten auf einen Preisfall hofft, wird bei Apple warten müssen, bis das neue Gerät kommt. Zudem sind 16 GB alles andere als hilfreich: Schon nach kurzer Zeit ist der Speicher voll und bei der hohen Auflösung werden Apps (allem voran Spiele) das System schnell „überfluten“. Es ist daher unerklärlich, warum Apple hier nicht schon auf 32 GB setzt. Die Frontkamera bleibt ebenfalls relativ unspektakulär.

 

Wer das Geld aufbringen kann und auf ein grosses iPhone der Phablet-Klasse gehofft hat, wird allerdings nicht enttäuscht. Man bekommt Highend-Hardware mit exzellenter Verarbeitung und Leistung samt Top-Display und viele Apps wurden schon auf die neuen Modelle angepasst. Wer also ein grosses iPhone haben will, bekommt mit dem iPhone 6 Plus das beste iPhone, das Apple wohl je gemacht hat und misst sich mühelos mit der Konkurrenz aus anderen Lagern.

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20 Antworten zu “Review: Apple iPhone 6 Plus im Test”

  1. happyone sagt:

    Sehr guter Bericht, werde mir aber wahrscheinlich den „kleinen“ Bruder holen 😉

    Jedoch hat sich ein kleiner Tippfehler eingeschlichen, die neuen iPhones unterstützen WLAN 802.11 sowie den schnelleren ac Standard 🙂

  2. Valentin Moser sagt:

    Du hast natürlich recht, wurde korrigiert 🙂

  3. terraoutlaw sagt:

    Auch von mir, vielen Dank für den aus der Masse herausragende Testbereicht.

    Allerdings muss ich auch hier vehement widersprechen. Der Preis ist im Prinzip kein Kritikpunkt. Denn wie ihr schon richtig festgestellt hattet:

    „Man bekommt Highend-Hardware mit exzellenter Verarbeitung und Leistung samt Top-Display“

    Man kann keinen Ferrari mit einem BMW vergleichen und ebenso wenig deren Preispolitik.

    Liebe Grüße

  4. fumo sagt:

    Was eine Ferrari so teuer macht ist nicht die erhöhte Leistung gegenüber einen BMW sondern die Handfertigung verglichen mit der Laufbandfertigung in Bayern ;). Deswegen ist der Preis beim iPhone 6+ sehr wohl zu hoch angesetzt aber ist bei Apple ja normal. Beim Benchmark erkennt man auch der Flaschenhals Speicher, wird aber natürlich nicht erwähnt genau so wenig wie dass es unter den Konkurrenten nicht nur Android Geräte gibt sondern auch Lumias.
    Die Fotos in angeblich schlechten Lichtverhältnissen sind auch etwas „Schleierhaft“ da die Objekte noch einen relativ klaren Schatten werfen.
    Im grossen und ganzen ein typisches Apple Produkt. Es sieht schön aus, funktioniert perfekt und erfüllt seinen Zweck. Ist aber zu teuer, zu beschränkt und ist eher ein Statussymbol.

  5. fritz_ch sagt:

    wow, danke für den tollen Testbericht. Jetzt weiss ich ganz ohne Marketingblabla, was das Gerät kann und was nicht. Wäre es nur nicht so teuer

  6. fritz_ch sagt:

    aber vielleicht mit dem nächsten Natelabo…

  7. Matrixrevolution sagt:

    Ich habe keine Ahnung vom Iphone weil ich mich schlicht einfach nicht dafür interessiere. Ich habe aber Augen im Kopf und sehe dass es einfach wirklich sehr teuer ist trotz Fliessbandarbeit aus China (nehme ich einfach mal so an). Ich kenne das 6 nur aus Fotos, finde aber dass ein Iphone 5 s Gold 1000 mal edler aussieht. Das hier sieht nach mainstream aus und Plastik .(Ferrari? Lol)

  8. Ney sagt:

    kann matrix nur zustimmen – ich hab das 5s und würds definitiv nicht für das 6er tauschen wollen

  9. terraoutlaw sagt:

    Solange es so viele Leute kaufen, ist es sicher nicht zu teuer. Das ist nur das Argument der Gegner.

  10. Ney sagt:

    Dennoch. Es wirkt einfach nicht mehr so wertig wie ein ip 4(s) / ip 5(s). zumal mir die hervorstehende kamera linse absolut bäääh vorkommt. Da gefällt mir nen 1020 mit sonem Buckel besser ^^

  11. Protector-Cat sagt:

    Schon wieder eine Apple Dauerwerbesendung. „Fred, das musst Du gesehen haben, das ist wirklich toll – einfach unglaublich!“
    Besonders abartig finde ich die „weniger ist mehr“ Darstellung. 8 Apple Megapixel sind natürlich mehr und besser als bei allen anderen. Auch bei der CPU hat Apple getrickst und schnellere Gigahertzen als die Konkurrenz gemacht. Selbst das 1GB RAM ist größer. Ja, das ist wirklich unglaublich.

    Zum Test muss hier ein anderes Iphone 6 plus vorgelegen haben als bei Chip, wo die unterdurchschnittlichen Akkulaufzeiten (ca. 6 Stunden bei 4 Stunden Aufladezeit) mit sichtlichem Erstaunen präsentiert wurden.
    http://www.chip.de/video/Apple-iPhone-6-Plus-Review-Video_72732215.html
    Aber vielleicht sind ja 6 Apple Stunden viel schöner und länger als alle anderen.

  12. HomeboyST sagt:

    Weshalb so agressiv gegen Apple ? Hahahaha…

    Muss ja wirklich „abartig“ für dich sein das Apple und IOS mit unter 4 GB Arbeitsspeicher und ohne 12 GH´z Octacore so gut läuft.

    Und das ne Camera mit „nur“ 8 MP erstaunlich gute Bilder macht darf / kann
    ja gar nicht sein. 😀

    Zur Akkulaufzeit kann ich ( und jeder andere ) nur sagen das diese grandios ist.

    Vllt liegt es bei Chip aber auch an speziellen Anwendungen die benutzt
    wurden um den Akku leer zu ziehen.
    Und da würde das Iphone sicher anders abschneiden, da die CPU nicht
    herruntertaktet sondern die volle Leistung beibehält im Gegensatz zu den
    anderen Phones.

  13. fumo sagt:

    @terraoutlaw Das so viele das iPhone haben bedeutet nicht dass es ein vernünftiger Preis hat. Es liegt daran dass so gut wie keiner mehr einen Smartphone zum vollen Preis Bar bezahlt, die meisten sind mit Vertrag geleast.

  14. paradiselostat sagt:

    Vielen Dank für den Test, sehr informativ! Was mich aber noch interessiert und leider bei jedem Test fehlt (außer Gsm Arena): Wie gut und laut ist der Klang über Kopfhörer. Ist das iphone noch immer EU Lautstärken kastriert oder so laut wie ein amerikanisches Gerät?

  15. Marcel Laser sagt:

    Dazu bräuchten wir ein US-Gerät ^^ Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich die Lautstärke für das Empfinden meiner Ohren nicht einmal auf die Hälfte drehen kann, sonst würden die Anfangen zu bluten. Einfach weil es mir viel zu laut wird. Das habe ich aber auch bei anderen Smartphones (auch dem iPhone 5s, welches du ja im Forum im Vergleich erwähnst). Vielleicht findet sich ja im Forum bald einer, der ein US-Gerät des iPhone 6 Plus besitzt 🙂

  16. HomeboyST sagt:

    @ Fumo,

    das ist auch Quatsch das alle nur das Iphone Leasen.

    Aktuell bei den Leuten im Forum die das 6er haben kann man
    gut von einer 50/50 Verteilung ausgehen.

    Wenn man die ganzen Ebay Auktionen dazu nimmt wird es wohl mehr Barzahler als Ratenkäufer geben 😉

  17. fumo sagt:

    Und wie viele davon bezahlen dann den tatsächlichen Verkaufspreis? 😉

  18. Jörg Renken sagt:

    Die, die es jetzt haben, wohl fast alle…

  19. fumo sagt:

    Das mag ich eben zu bezweifeln. Auf ebay gehen sie bestimmt nicht für die UVP raus. In den Läden schon, aber dort gehen die meisten mit Vertrag weg, nur ein Bruchteil kauft es zum vollen Preis. Wurde mir von ein par Freunden die in solchen Läden arbeiten bestätigt.

  20. Kenan Sidali sagt:

    „Da gefällt mir nen 1020 mit sonem Buckel besser ^^“

    @Ney
    Das kann nur Ironie gewesen sein. 🙂

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