So. 08. Juni 2014 um 9:07

Review: Albrecht DR 56 DAB+ Adapter

von Robert Beltle1 Kommentare

Digitales Radio über die Antenne gibt es schon seit einer ganzen Weile, der Standard dafür nennt sich Digital Audio Broadcast (DAB). Trotz besserer Tonqualität und wesentlich mehr Sendern hat sich der Durchbruch aber anders als beim Fernsehen über Antenne nie einstellen wollen. In letzter Zeit versuchen aber vor allem die öffentlich rechtlichen Sender den Neustart mit der Weiterentwicklung DAB+. Zusätzlich zu den genannten Vorteilen bietet DAB+ auch die Übertragung von zusätzlichen Informationen wie Wetter- oder Staumeldungen, Albumcovern oder Ähnlichem. Mit dem neuen Anlauf steigt jetzt auch die Anzahl verfügbarer Empfangsgeräte. Allerdings sind die meisten Geräte nicht gerade günstig und wenn man im Auto den digitalen Radiogenuss erleben will, dann verlangen die Autohersteller ebenfalls hohe Aufpreise.

Funktionsbeschreibung

Genau hier setzt der Albrecht DR 56 an. Dabei handelt es sich um ein DAB+ Radio, welches für den Einsatz im Auto gedacht ist. Dabei ist das Gerät aber explizit als Nachrüstmöglichkeit für den digitalen Empfang gedacht. Es besitzt zwar auch einen kleinen Lautsprecher, aber ein Verstärker für die Autolautsprecher ist nicht eingebaut. Auch das Einbauformat ist eher ungewöhnlich für ein Autoradio, es wird nicht wie normale Geräte in einen DIN Schacht in der Mittelkonsole eingebaut, sondern wie viele Navigationsgeräte mit einem Saugnapf an der Frontscheibe befestigt. Das hat auch seinen guten Grund, das DR 56 ersetzt das bisherige Autoradio nämlich nicht, sondern nutzt es weiterhin für die Audioausgabe. Die digital empfangenen Sender lassen sich dabei auf zwei Arten weiterleiten: Besitzt das vorhandene Radio einen analogen Audioeingang in Form eines 3.5 mm Klinkensteckers oder zweier Cinch Anschlüsse kann man ein passendes Kabel für die Übertragung nutzen. Wenn kein Anschluss vorhanden ist oder aber dieser sich auf der Rückseite befindet und man den Aufwand scheut, das Kabel zu verlegen, kann der integrierte FM Transmitter einen eigenen analogen Radiosender erzeugen. Dieser lässt sich dann mit jedem handelsüblichen UKW Radio, also praktisch jedem Autoradio, empfangen. Zusätzlich zur Hauptfunktion beinhaltet das Radio auch noch ein Bluetooth Modul. Damit lässt es sich einerseits als Freisprecheinrichtung nutzen und andererseits kann Musik von verbundenen Geräten wiedergegeben werden. Zu guter Letzt kann der eingebaute 3.5 mm Klinkenanschluss statt für den Anschluss an das Einbauradio auch zur Verbindung externer Quellen genutzt werden, die dann ebenfalls über den FM Transmitter wiedergegeben werden.

Lieferumfang

Neben dem eigentlichen Radioempfänger liegen in der Packung noch einige Zubehörteile bei. Die Folienantenne dient dem Empfang des DAB Signals. Die Stromversorgung ist über einen Micro USB Anschluss gelöst. Damit orientiert man sich am Standard bei Handys, was den einfachen Austausch der Kabel fördert. Das passende USB zu Micro USB Kabel liegt bei. Angeschlossen wird dieses an das USB Netzteil für den Zigarettenanzünder. Dieses besitzt erfreulicherweise zwei Buchsen und kann so parallel beispielsweise zur Versorgung eines Smartphones genutzt werden, was sehr praktisch ist, wenn man Bluetooth nutzt, um vom Handy Musik zu hören. Um das Gerät zu befestigen, liegt auch eine Saugnapfhalterung bei, wie man sie von Navigationsgeräten kennt. Wer den analogen 3.5 mm Anschluss nutzen möchte, findet auch dafür ein passendes Kabel im Lieferumfang welches 3.5 mm Klinke mit 3.5 mm Klinke verbindet.

Wer Cinch Anschlüsse an seinem Radio hat, muss sich das passende Kabel noch besorgen. Als Zubehör sind eine Ersatzantenne und eine alternative Klebehalterung erhältlich.

Montage

Entgegen der ersten Vermutung erweist sich die Montage leider als nicht so einfach, wie gedacht. Zwar ist das Gerät selbst in wenigen Augenblicken angebracht und wenn man auf eine verkabelte Verbindung zum Autoradio verzichtet, fällt auch dieser Aufwand weg, aber die Montage der Antenne ist zumindest dann kompliziert, wenn man den Empfehlungen des Herstellers folgt. Dieser rät nämlich dazu, die Klebeantenne so auf der Frontscheibe anzubringen, dass die daran befestigte Kupferfolie direkt auf die Karosserie des Autos geklebt werden kann. Heutzutage haben allerdings die wenigsten Modelle noch eine offenliegende Karosserie im Innenraum. Um dieser Empfehlung Folge leisten zu können, muss man daher die Innenverkleidung abnehmen. Zwar kann diese nach der Montage wieder angebracht werden, aber je nach Auto dürfte das dennoch ein ziemlich grosser Aufwand sein. Wenn man Pech hat, befindet sich an der sogenannten A-Säule auch noch ein Airbag. In diesem Fall, erkennbar meist an einem Airbag Schriftzug, ist von der Demontage der Verkleidung durch einen Laien auf jeden Fall abzuraten. Auch ich habe für den Test darauf verzichtet, diesen Aufwand zu betreiben. Der Hersteller gibt aber an, dass die Empfangsqualität auch ohne diese Massnahme gut sein soll.

Verarbeitung

Die Verarbeitung und der optische Eindruck des Adapters wirken leider etwas billig. Dominierendes Material der Oberfläche ist schwarzer Kunststoff. Bei meinem Exemplar bemerkte ich beim Auspacken, dass der Drehknopf schief sass und etwas zu weit nach vorne stand. Durch leichten Druck auf den Knopf lies er sich aber wieder einrasten.

Nutzung und Tonqualität

Wie bereits erwähnt, besitzt das DR 56 zwar einen eingebauten Lautsprecher, aber der dient nur der Freisprechfunktion. Der Ton des Telefonats lässt sich zwar auch über die Autolautsprecher ausgeben, aber bei Verwendung des FM Transmitters sollte man sich das zweimal überlegen, den Sender kann nämlich jeder in der Nähe empfangen. Je nachdem für welche Übertragungsart man sich zwischen dem DR 56 und seinem Einbauradio entschieden hat, wählt man an Letzterem jetzt entweder den Audioeingang aus oder man stellt den im DR 56 gewählten Sender ein. Sinnvoll ist es hier, auf die manuelle Sendereinstellung zu wechseln, man kennt ja die genaue Frequenz. Es bietet sich an, nach dem ersten Einstellen diesen Sender im Senderspeicher abzuspeichern, um ihn künftig einfacher auswählen zu können. Bei den meisten Radios reicht es dafür aus, die gewünschte Sendertaste länger gedrückt zu halten, bis man eine Bestätigung bekommt

Bedient wird das Radio über vier Tasten und einen Drehknopf unter dem Display. Entgegen heutiger Gewohnheiten sollte man nicht versuchen, das Display mit den Fingern zu drücken, ein Touchscreen ist nämlich nicht verbaut.

Nachdem ich das Radio in zwei verschiedenen Autos getestet habe, bleibt bei der Tonqualität ein gespaltener Eindruck. Wie bereits eingangs erwähnt, wurde darauf verzichtet, die Innenverkleidung zu demontieren, um die Antenne auf die Karosserie kleben zu können. Laut Hersteller soll das die Empfangsqualität verbessern, aber auch ohne die Massnahme soll ein guter Empfang erreicht werden. Im Test zeigte sich, dass in Gebieten mit guter Sendeabdeckung auch ein guter Klang erreichbar war. Bei Überlandfahrt zeigte sich aber, dass der Empfang ausserhalb von Städten sehr gut ist, kommt man aber in dichter und vor allem höher bebaute Gebiete bricht er sofort ein was auch unmittelbar durch Störgeräusche wahrnehmbar ist.

Der andere entscheidende Faktor ist der FM Transmitter. Hier hängt die Qualität der Übertragung massgeblich auch vom verwendeten Auto und dessen Radioanlage ab. Während der eine Testwagen über eine fest eingebaute Scheibenantenne in der Frontscheibe verfügt und sehr gute Klangqualität lieferte, war beim zweiten Modell mit einer am Heck auf dem Dach montierten Antenne ein permanentes Rauschen wahrnehmbar, welches vor allem in leisen Passagen durchaus störend wirkt. Wer kann, sollte auf jeden Fall auf die verkabelte Übertragung setzen, diese liefert eine einwandfreie Qualität.

Die Zuspielung per Bluetooth bereitete keine Schwierigkeiten. Die Kopplung funktioniert schnell und bietet eine gute Klangqualität. Praktisch ist die eingebaute Freisprechfunktion, die die Wiedergabe stoppt wenn ein Anruf registriert wird.

Ebenfalls als Störfaktor hat sich die Stromversorgung erwiesen. Hier wird ein Doppel USB Netzteil verwendet, welches am Zigarettenanzünder angeschlossen wird. Diese Verbindung ist nicht gerade dafür bekannt, dass sie sehr stabil ist. Je nach Auto kann die Stromversorgung durchaus mal unterbrochen werden wenn man dranstösst oder einfach durch das daran hängende Kabel. Auch hier zeigten sich Unterschiede zwischen den verwendeten Autos. Da das DR 56 nicht über einen eingebauten Akku verfügt, geht es sofort aus wenn die Stromversorgung wegfällt. Sobald sie wieder hergestellt ist, wird der letzte Betriebsmodus wieder aufgerufen. Ein kleiner Akku hätte dies verhindern können.

Fazit

Die unkomplizierte und schnelle Montage des Geräts ist eigentlich prädestiniert dafür, es in mehreren Autos zu nutzen. Leider wird dies erst mal durch die Klebeantenne vereitelt, die man nicht so einfach mitnehmen kann. Eine andere Antennenlösung wäre daher praktischer gewesen, ob damit allerdings eine zufriedenstellende Empfangsqualität möglich gewesen wäre, ist fraglich. Somit bleibt nur die Möglichkeit, sich für einen Zweitwagen auch eine Zweitantenne zu besorgen.

Wie auch bei Handys und Navigationsgeräten leidet das DR 56 unter der Abschirmwirkung der Autokarosserie. Mit einer Aussenantenne währen sicherlich deutlich bessere Empfangswerte erreichbar, was sich durch testweise Montage der Klebeantenne ausserhalb bestätigte.

Wer relativ einfach drei nützliche Funktionen an seinem Autoradio nachrüsten will, dem bietet das Albrecht DR 56 eine einfache Lösung, Wunder darf man allerdings gerade beim DAB Empfang nicht erwarten.

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Eine Antwort zu “Review: Albrecht DR 56 DAB+ Adapter”

  1. Setter sagt:

    Sehr schön geschriebener Testbericht. Hier kann ich mir ein gutes Bild über das Produkt einschließlich seiner Vor und Nachteile machen.

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