Mo. 07. April 2014 um 12:43

iOS Gaming: Logitech G PowerShell Controller für iPhone im Test

von Marcel Laser0 Kommentare

Vor allem Apples iPhone 5s ist eine riesige Leistungsmaschine – gar teils deutlich stärker als Sonys Playstation Vita – im mobilen Sektor und kann sich zudem über extrem viele Spiele, auch in höherpreisigen Kategorien, erfreuen. Allerdings kämpft das iPhone noch mit einer recht nervigen Macke: Das Display ist mit 4 Zoll nicht gerade gross und wenn man dann mit seinen Fingern noch auf dem Touchscreen rumdrücken muss, wird es sehr schnell sehr eng. Logitech hat sich mit dem G Powershell eine Halterung in Form eines Controllers ausgedacht und setzt dabei auf Apples neue API für Spiele. Wir haben uns das Gerät im Rahmen unserer iOS Gaming Reihe einmal genauer angeschaut.

Physische Tasten machen aus dem iPhone ein Handheld

Einmal in die controllerartige Halterung eingeschoben, verbindet sich das G Powershell mit dem eingelegten iPhone. Ein riesiger Vorteil ist hier der verbaute 1’500 mAh starke Akku, welcher das iPhone während der Spiele-Sessions zusätzlich lädt, sofern ein kleiner silberner Knopf an der Seite dafür umgelegt wurde. Das ist auch dringend nötig, denn sobald die Spiele Gebrauch von den Fähigkeiten des starken A7 Prozessors machen, sieht man die Prozente ohne Stromversorgung nur so purzeln. Mit dem Powershell kann man diese Unliebsamkeit kompensieren und das ist ein deutlicher Pluspunkt.

 

Die von Apple in iOS 7 integrierte MFi-Schnittstelle, welche extra für Spiele in iOS integriert wurde, macht nun Gebrauch von den physischen Tasten und hier kommt einer der wesentlichen Vorteile zum Tragen: Sobald die Spiele diese API integrieren, unterstützen sie automatisch jeden Controller, der mit der Schnittstelle kompatibel ist. Somit müssen die Spiele nicht extra für einzelne Eingabegeräte ausgelegt werden, sondern lediglich MFi unterstützen, was die Entwicklung sowohl für Hardware, als auch Software enorm erleichtert.

 

Die eigentlich auf dem Touchscreen existierenden Softkeys werden so auf den Controller übertragen und können gar zwischen analogen und digitalen Eingabemethoden unterscheiden, was gerade in Bezug auf das Spielen mit feineren Bewegungsstufen von Vorteil sein kann. Die Buttons sind alle sehr gut erreichbar, doch liegt der Controller etwas klein in der Hand. Etwas mehr Fläche bei der Verteilung der paar Knöpfe hätte gerade grösseren Händen durchaus gut getan.  

 

Button-Layout erinnert an Zeiten des SNES

Viele Spiele, tolles Button-Layout, schwammige Steuerung

Ein ganzer Batzen an Entwicklerschmieden haben bereits damit begonnen, Spiele für die neue Schnittstelle tauglich zu machen und so werden bereits laut der eigenen Gaming-Webseite von Logitech mehr als 120 Spiele unterstützt. Darunter sind Perlen wie LIMBO, Bastion, Asphalt 8, Riptide GP2, Tomb Raider Classic und noch viele mehr. Einsehen könnt ihr diese Liste direkt im Entwickler-Blog von Logitech.

 

Sehr gut gelöst ist vor allem das Button-Layout: Logitech lässt sich hier auf keine Experimente ein und nimmt die von Apple vorgegebene Anordnung der Knöpfe. So ähnelt das Layout vor allem dem klassischen SNES-Controller. Wir haben vier Aktionsknöpfe mit der Beschriftung A, B, Y und X, zwei Schultertasten L und R und ein Steuerkreuz. Ein Pauseknopf gesellt sich ebenfalls dazu und sitzt unter den Actionbuttons. Viele der damit getesteten Spiele machten durchaus Spass: Terraria beispielsweise war durchaus schneller zu bedienen und im Inventar konnte man immer noch auf den Touchscreen zum Sortieren zurückgreifen, was einen erheblichen Mehrwert an Komfort mit sich brachte.

 

Kritikpunkte erlaubt sich der PowerShell Controller allerdings gerade da, wo sie am meisten weh tun, denn das Steuerkreuz hat eine ganz besondere Überraschung für euch. Auf den ersten Blick scheint es ein Digitalkreuz zu sein, wie man es vom SNES gewohnt ist, doch die der sehr schwammige Druckpunkt der Richtungstasten ist analog! Das heisst, sie reagieren stufenlos auf die Härte eures Anschlages und das verwirrt am Anfang ungemein, wenn die eigene Spielfigur in Terraria so gar nicht aus dem Quark kommt. Erst wenn man den Druck deutlich erhöht, fängt die Figur an, wie gewohnt loszulaufen. Auch das Lenken in Rennspielen wird so erheblich erschwert. Eine Lösung wie beim Nintendo DS mit einer analogen Scheibe wäre wohl die bessere Alternative gewesen.

 

Mini Gore 2 für iOS unterstützt die benötigte MFi Schnittstelle

Fazit

Die Idee ist unheimlich gut und weiss schon jetzt im ersten Ansatz sehr gut zu gefallen, doch ist vor allem die schwache Auslegung des (Achtung: Tolle Wortkombination!) „analogen Digitalkreuzes“ eine Zumutung und muss erst einmal ausgiebig Probe gespielt werden, damit man sich daran gewöhnen kann. Doch auch nach mehreren Stunden fällt es immer noch relativ schwer. Der Kanal für den 3.5 mm Klinkenanschluss bietet zwar über einen mitgelieferten Adapter Zugang, doch sitzt dieser sehr wackelig im Gehäuse.

 

Teils deutliche Pluspunkte erhält Logitechs PowerShell für den zusätzlich integrierten Akku, der die Laufzeit nahezu verdoppelt. Dank der sehr einfachen Anbindung durch iOS7 und MFi muss nichts am Gerät oder im Spiel eingestellt werden und rund 120 Spiele werden sogar schon unterstützt. Der Lightning-Anschluss im Gehäuse bricht dank seinem sehr flexiblen Sockel nicht ab, hier haben die Entwickler mitgedacht.

 

Wie den Zeilen wohl schon zu entnehmen ist: Die Idee ist mehr als genial, die Ausführung allerdings noch nicht. Alles in allem ist der PowerShell eine spassige Erfindung, die allerdings durch das schwammige Steuerkreuz und der nicht ganz so ergonomischen Haltung dann wieder einiges an Kritik einstecken muss. Die dafür veranschlagten 100 EUR sind eine sehr teure Investition, vor allem wenn man bedenkt, dass Controller für Konsolen mit deutlich mehr Technik im Gehäuse fast nur die Hälfte kosten. Wir raten daher vorsichtig von einer Investition ab, allerdings freuen wir uns tierisch auf einen Nachfolger! Das Konzept macht trotz der Macken allerdings jetzt schon Spass.

vg-wort
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