Mi. 14. Oktober 2015 um 17:46

Hands-on: Das Jolla Tablet ausgepackt und vorgestellt

von Elvis Maccarone1 Kommentare

Das erste Tablet von Jolla, der Schmiede des alternativen mobilen Betriebssystems Sailfish OS, ist endlich da. Die Indiegogo-Crowdfunding-Campagne war eigentlich darauf ausgelegt, dass im Mai dieses Jahres ausgeliefert wird. Die Finanzierung klappte ja schon schnell und schoss über das Minimalziel hinaus. Auf dem MWC konnten wir uns einen ersten Blick auf den Prototypen erlauben, welcher den Titel Bestes Tablet der Messe bekommen sollte, allerdings nicht von der GSMA. Da waren wir noch sehr zuversichtlich, was den geplanten Projektverlauf an geht und die Auslieferung im zweiten Quartal 2015. Doch die Produktion hatte ein paar Schwierigkeiten und der Termin wurde weiter nach hinten verlegt, zum Unmut vieler Unterstützer_innen, bis es endlich an die Auslieferung des Jolla Tablet ging.

 

Seit Montag haben wir endlich auch ein Jolla Tablet in der Hand und wollen euch vor der eigentlichen Review schon mal vorab vom finalen Produkt einen ersten Eindruck liefern.

Jolla Tablet – Was lang währt, wird endlich gut?

Das Jolla Tablet wird in einem hübschen, schlichten Karton geliefert. Darin enthalten sind das Tablet, zwei Sticker für das Segelschiff, ein USB-Ladekabel und die Bedienungsanleitung sowie ein Garantieschein. Klingt etwas spartanisch und das ist es auch, aber im Prinzip verfügen die meisten ohnehin schon über zu viele Kopfhörer und Ladeadapter, so dass hier vielleicht an der richten Stelle gespart wurde.

 

Die Verarbeitung des Tablets ist sehr gut. Die schwarze Rückseite ist aus kühlem Metall und fühlt sich gut an. Die weissen Seitenränder vermöfen optisch durchaus zu gefallen. Links findet man die Schaltwippen für die Lautstärke und den Ein/Aus-Knopf. Rechts sind der Stromanschluss und ein Slot für die Speicherweiterung bis 128 GB per microSD-Karte untergebracht. Die Lautsprecher befinden sich auf der Rückseite des Tablets, was für das optimale Sounderlebnis nicht immer ganz perfekt ist.

 

Schaltet man das Tablet an, kann man sich mit seinem Jolla-Account anmelden oder diesen neu erstellen. Danach folgt ein Tutorial, um die Eigenarten von Sailfish OS näher kennenzulernen. Wer schon das Jolla Phone hat und die Version 2.0 des Betriebssystem bereits installierte, ist mit dem Tutorial bereits vertraut. Ansonsten aber eine gute Idee, wenn man keine Erfahrung mit Sailfish OS hat. Zudem kann man die wichtigsten Standard-Apps direkt herunterladen. Genau wie die drei möglichen Stores für Android-Apps: Aptoide, den chinesischen Store AnZhi und den russischen Store Yandex. Den Google Play Store muss man wiederum mit einem kleinen Trick unterbringen.

Das IPS-Display des Jolla Tablets ist knackig und scharf. Im Vergleich zum Phone sieht ihm man die höhere Auflösung deutlich an.

 

Von der Bedienung her unterscheidet sich das Tablet nicht vom Phone. Die Gestensteuerung funktioniert identisch: Mit einem Wisch von oben nach unten öffnet sich das Menü für die Bildschirmsperre und die Ambiences. Von unten nach oben gewischt kommt man zu den Apps. Einzig im Benachrichtigungszentrum, das man durch einen Wisch vom linken oder rechten Bildschirmrand zur Mitte erreicht, gibt es einen Unterschied zum Phone: Dort sieht man dank des grösseren Displays noch Shortcuts, wie den Flugzeugmodus, WLAN oder man kann direkt ein Selfie schiessen.

 

Die Kameras, auf dem Papier schwächer als beim Phone, haben wir auch kurz getestet. Hier darf man nicht zu viel erwarten, zumal die Kamera vom Phone schon nicht mit den Top-Smartphones anderer Hersteller mithalten kann. Für Schnappschüsse reicht es.

 

Soweit so gut, alles läuft flüssig und sauber. Und dann kam die Enttäuschung: Der Jolla Harbour, also der hauseigene Store für native Sailfish-Apps, ist leer. Alle wichtigen Apps, die vom Phone bekannt sind, sind nicht vorhanden. Noch nicht – wahrscheinlich – hoffentlich. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Developer noch nicht alle Anpassungen an das Tablet fertiggestellt haben. Dies ist eine ziemlich ernüchternde Tatsache, weil das Tablet somit aktuell leistungsfähiger als das Phone ist, von der Grösse her produktiver sein kann und die Wiedergabe multimedialer Inhalte sicher mehr Spass macht, aber wo bleiben die Apps, welche eingefleischte Segler_innen wollen? Ich fühle mich etwas in der Zeit zurückgesetzt: Dezember 2013 als ich das Phone bekam und die Entwicklungen step by step voran gingen. Bei einem Preis von 267 Euro ist das doch etwas unverständlich. Schade.

Der Akku verliert gefühlt etwas schnell an Kapazität. Allerdings kann dies auch der Tatsache geschuldet sein, dass das Tablet aktuell intensiv ausprobiert wurde.

Fazit

Insgesamt fällt der erste Eindruck gemischt aus. Sailfish OS 2.0 überzeugt, Multitasking ist super, die Kamera spielt eine untergeordnete Rolle, Android-Apps sind alle da, aber die nativen Sailfish-Apps fehlen und der Akku muss auch noch beweisen, was er on the long run leisten kann.

Wir freuen uns jedenfalls schon mal auf den eigentlich Testbericht.

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Eine Antwort zu “Hands-on: Das Jolla Tablet ausgepackt und vorgestellt”

  1. Thomasmas sagt:

    Falls ich nicht irgendeine moderne Schreibweise verpasst habe: es sollte entweder „hands on“ oder „hands-on“ heissen.

    Ansonsten danke für den Bericht. Finde die ganze Jolla-Sache insgesamt interessant, aber für mich bisher nicht nützlich genug.

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