So. 01. Februar 2015 um 16:50

Google Cardboard von 3D360.ch im Hands-On

von Simon Burgermeister0 Kommentare

Google Cardboard ist eines der vielen 20-Prozent-Projekte, die Mitarbeitende des Suchmaschinen-Konzerns in Eigenregie umsetzen dürfen. Herausgekommen dabei ist eine Virtual-Reality-Brille, die wie Modelle anderer Hersteller als Anzeigegerät gleich das Smartphone-Display benutzen.

Die zugrunde liegende Idee ist eine ganz einfache:

„Experience virtual reality in a simple, fun, and inexpensive way.“ –

„Entdecke die virtuelle Realität auf eine einfache, spassige und günstige Weise.“

Virtual Reality in Kombination mit Smartphones ist noch nicht ganz so weit gediehen, wie man sich das vielleicht wünscht. Insbesondere Aushängeschilder wie die Oculus Rift sind noch immer nicht für die breite Masse verfügbar und daher eher uninteressant. Wer aber bereits jetzt diese Technologie mit möglichst einfachen Mitteln ausprobieren will, sollte zu Google Cardboard greifen.

 

Aufbau

Kommen wir also zu dieser VR-Brille aus Karton, die freundlicherweise von 3D360.ch zur Verfügung gestellt wurde.

Geliefert wird Cardboard als flacher Karton, von dem ein Teil, der als Verpackung diente, abgetrennt werden kann. Der Rest ist bereits an den richtigen Stellen vorgefalzt und muss nur noch auf die richtige Seite gefaltet und dann zusammengesteckt werden. Folgendes Video zeigt den Vorgang:

 

Danach ist die VR-Brille auch schon einsatzfähig. Natürlich wird ein Smartphone benötigt, auf dem mindestens Android 4.1 oder iOS läuft. Empfohlen wird aber ein Gerät um die fünf Zoll, namentlich das Samsung Galaxy S4 oder Galaxy S5, das HTC One M8, das Nexus 4 oder das Nexus 5, da bei diesen Smartphones ein Magnetfeld-Detektor verbaut ist, der den am Cardboard angebrachten Magnetschalter erkennt. So lässt sich das Smartphone (rudimentär) steuern, auch wenn das Touchdisplay und die anderen Buttons nicht zugänglich sind. Zudem ist NFC von Vorteil, denn im Cardboard ist ein NFC-Sticker angebracht, der beim Einlegen des Smartphones automatisch die Cardboard-App startet (dazu später mehr).

 

Dass Google Cardboard aus Karton besteht, ist Fluch und Segen zugleich: Die VR-Brille ist nicht wirklich stabil und schon nach kurzer Zeit riss einer der Klettverschlüsse ab. Doch mithilfe von Klebeband und etwas Leim konnte dieser problemlos wieder festgemacht werden. Zudem kam es vor, dass die Lautstärke-Taste des Nexus 5, mit dem ein Grossteil des Hands-On bestritten wurde, dazwischen funkte. Also habe ich kurzerhand an der entsprechenden Stelle ein Loch in den Karton geschnitzt, sodass die Taste nun nicht mehr stören kann.

Cardboard im Einsatz

Gleich im Vornherein muss gesagt werden, dass diese VR-Brille nicht für längerfristiges Tragen geeignet ist. Zum einen fehlt ein Befestigungsband, zum anderen sind die Kanten des Kartons recht kratzig und auch insgesamt ist Cardboard nicht wirklich ergonomisch konstruiert. Das Augenmerk lag vielmehr auf einer einfachen Funktionalität.

Dennoch macht Cardboard viel Spass und funktioniert gut, zumindest nach einigem Tüfteln. Anfangs tat sich mein Verstand schwer damit, die beiden getrennten und durch die eingebauten Linsen noch veränderten Bilder zu einem einzigen wahrnehmbaren Bild zusammenzufügen. Mit etwas Geduld und Übung klappte dies jedoch.

 

Was jedoch nicht klappte, war das Scharfstellen des Bildes. Mit meinen wenigen Kenntnissen in der Lehre der Optik kam ich jedoch zum Schluss, dass der Abstand zwischen Linse und Smartphone angepasst werden muss – und siehe da, mit einem um ca. sechs Millimeter vergrösserten Abstand war das Bild auf einmal deutlich schärfer. Da ich das Design bei diesem Gadget als zweitrangig einstufe, habe ich einfach zwei Stifte dazwischen geklebt, die nun für den richtigen Abstand sorgen.

 

Nur die Integration des NFC-Stickers scheint ein Konstruktionsfehler zu sein, denn dieser startete mehrmals während des Betriebs einer anderen App wieder die Cardboard-Anwendung, was ziemlich störte. Lösung: NFC auf dem Smartphone deaktivieren und gut ist, denn benötigt wird es nicht.

 

Google Cardboard steht und fällt mit den Apps

Das war natürlich zu erwarten, denn das Smartphone und seine vielen Funktionen können einfach so mit der VR-Brille nicht benutzt werden. Viel mehr sind dazu Apps nötig, von denen es aber bereits einige im Play Store oder auch im Apple App Store gibt. Von Google selbst gibt es im Play Store zudem eine eigene Sektion und auch eine passende App:

Google Cardboard
Entwickler: Google Inc.
Preis: Kostenlos

Diese bietet neben dem Zugriff auf unterstützte Dritt-Apps auch sieben eigene Mini-Anwendungen, darunter Google Earth (mit fest definierten Orten), eine 3D-Ansicht von YouTube, Zugriff auf selbst erstellte Photo Sphere Aufnahmen und natürlich ein Tutorial, das die Bedienung, welche im Wesentlichen aus Kopfbewegungen und dem Magnetschalter besteht, näher bringt.

 

Neben der Cardboard-App besonders empfehlenswert sind auch folgende Apps, die beispielsweise ein Konzert von Sir Paul McCartney bzw. eine Achterbahnfahrt wiedergeben:

Roller Coaster VR attraction
Entwickler: FIBRUM
Preis: Kostenlos+

Alle die getesteten Apps bieten die Möglichkeit der 360°-Rundumsicht, sodass man sich wirklich gut in die Szenerie hinein versetzen kann. Es ist schlicht beeindruckend, wie schnell und zuverlässig das Smartphone sämtliche Kopfbewegungen wahrnehmen und mit welcher Performance die Bild-Veränderungen berechnen kann.

Preis und Verfügbarkeit

Insbesondere der letzte Punkt des oben stehenden Mottos ist interessant – und stimmt auch: Das hier vorliegende Modell wurde von 3D360.ch produziert und ist in der Schweiz für lediglich 13.90 Franken (inkl. Versand) im hauseigenen Online-Shop erhältlich. Wie Christian Schläpfer von 3D360.ch uns gegenüber gesagt hat, wird der Preis in den kommenden Wochen, im Zuge der Einführung weiterer VR-Brillen, gegen 10 Franken sinken.

 

Wer jetzt schon zuschlagen möchte, kann SFr. 2.- sparen, indem man im Warenkorb den Gutschein-Code pocketpc.ch eingibt. Diese Aktion ist gültig bis zum 8. Februar.

 

Leute aus Deutschland und Österreich schauen am besten bei Amazon nach, wo es verschiedene Modelle zwischen 2 und 25 Euro zu kaufen gibt (ein Blick in die Bewertungen lohnt sich!). Und für alle, die sich komplett selbst an einer Cardboard versuchen wollen, stellt Google eine Anleitung und eine Liste mit den benötigten Teilen zur Verfügung.

Fazit

Es macht Spass, mit Google Cardboard zumindest die ersten Schritte in Richtung Virtual Reality zu unternehmen. Insbesondere die Qualität der (meisten) Apps vermag zu überzeugen und für kurze Ausflüge in die virtuellen Welten reicht auch das Karton-Konstrukt, selbst wenn es nach wenigen Minuten bereits hier und dort etwas unangenehm gegen das Gesicht drückt. Wer also für eine kleine Spielerei und erste Erfahrungen mit Virtual Reality nicht zu viel Geld ausgeben möchte, ist mit einem Cardboard bestens bedient.

Das könnte Sie auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Teilen