Fr. 01. April 2016 um 10:24

Miitomo: Nintendos „Social-Media-App-Spiel“ angeschaut

von Marcel Laser1 Kommentare

Nintendo feiert mit Miitomo einen Einstand und zwar seine erste eigene offizielle App für mobile Endgeräte, wie Smartphones und Tablets. Da gab es in der Unternehmensgeschichte so noch nicht. Seit dem gestrigen Release, haben wir uns mit der App ein wenig beschäftigt und wollen euch nun ein wenig von unseren Eindrücken berichten. Fest steht: Das Konzept der App ist auf spassige Art und Weise doch sehr merkwürdig, aber für Fans definitiv ein interessantes Social-Media-Erlebnis.

Miitomo vs. WhatsApp vs. Facebook vs. Twitter – Nintendos Social Network Antwort?

Was Miitomo in erster Linie sein soll, ist eine berechtigte Frage und mit eindeutiger Bestimmtheit lässt sich das auch nur schwer beantworten. Zwar wird die App im Apple App Store und auch im Google Play Store unter Spiele gelistet, aber wirklich spielen wird man mit Miitomo eher selten. Das Erstellen eines eigenen Mii-Avatars (kennt man bereits vom Nintendo 3DS oder der Nintendo Wii), das Anlegen eines Persönlichkeitsprofils und der darauffolgende Chatverlauf mit Statusanzeigen erinnern extrem an ein soziales Netzwerk. Das verschicken von Nachrichten und die Begrenzung der Zeichen auf 190 pro Antwort weisen Ähnlichkeiten zu WhatsApp und Twitter auf.

 

Schnell wird in den ersten Minuten klar worum es wirklich geht: Nachrichten versenden, Fragen beantworten, Persönlichkeitsprofile erstellen und immer auf dem neusten Stand eurer Freunde bleiben. Was Miitomo allerdings stark von den anderen Social Networks unterscheidet, ist der eng mit euch und euren Aktionen verbundene Avatar, welcher für das nach Aussentragen eurer Persönlichkeit zuständig ist. So wird dieser von euch eingekleidet und er unterhält sich direkt mit den Miis eurer Freunde oder auch mit euch. Zudem könnt ihr persönliche Fotos schiessen und so ein Fotoalbum mit eurem Mii-Charakter anlegen. Ihr dürft auch Fotos mit den Miis eurer Freunde machen, oder sogar euch selbst mit ins Bild bringen und zeigen, dass der Avatar zu euch gehört.

 

Das erstellen des Persönlichkeitsprofils entsteht übrigens durch das Beantworten von Fragen, die euer Mii oder die Miis eurer Freunde euch stellen. So wissen eure Freunde immer was los ist, oder was eure Lieblingsspeisen sind, was ihr gerade macht und vieles mehr. Dadurch soll euer Mii und natürlich auch eure Freundesliste euch besser kennenlernen. Die Miis besuchen sich auch von Zeit zu Zeit gegenseitig, um weitere Fragen zu stellen, die ihr dann beantworten könnt. Einige davon bleiben sogar persönlich nur unter den beiden Charakteren und werden nicht öffentlich geteilt.

 

Wer zudem sein Nintendo-Konto verknüpft bzw. eines erstellt bekommt Miitomo-Platinmünzen gutgeschrieben, welche wiederum in Spielscheine, normale Münzen und andere Belohnungen investiert werden können. Um eure Freundeslisten zu erweitern könnt ihr auch euer Facebook- und Twitter-Konto verknüpfen und euch so Freunde anzeigen lassen, die Miitomo ebenfalls spielen. Ich musste feststellen, dass ein nicht gerade kleiner Teil meiner Freunde bereits in Miitomo unterwegs ist. Das Interesse nach einer solchen App ist jedenfalls im ersten Augenblick nicht klein.

 

Im Prinzip hievt Nintendo in diesem Punkt die soziale Interaktion auf ein neues Level. Auf ein Level, das Facebook und Twitter so nicht erreichen. Miitomo wirkt extrem persönlich und besitzt durch die Abbildung des Miis auch enormen Charakter. Das macht es erfrischend anders.

Der spielerische Anteil: Charakter Leveln, Minigames und inApp-Käufe

Wie von Nintendo gewohnt, darf auch ein spielerischer Ansatz nicht fehlen oder? Das Einkleiden eures Miis aus tausenden von Kombinationsmöglichkeiten und wiederum aus hunderten von Kleidungsstücken ist schon einmal der erste Ansatz. Diese lassen sich durch Münzen erwerben, die ihr wiederum durch das Beantworten von Fragen, Liken (Herzen verteilen) und diversen Minigames zusammen bekommt. Auch für das stete Auffüllen euerer Freundesliste gibt es Belohnungen in Form von Münzen und Spielscheinen. Die Spielscheine sind die zweite Premiumwährung in dem Spiel mit denen ihr die Minigames bestreiten könnt ohne hunderte von Münzen ausgeben zu müssen. Wer den Vorgang mit den Währungen beschleunigen will, kann auch Echtgeld im Shop liegen lassen und entsprechende Münzen hinzukaufen.

 

Bisher konnte ich nur ein einziges Minispiel ausmachen: „Mii über Kopf“ lässt euren Avatar (oder einen Mii eurer Freunde) kopfüber eine Pinball-ähnliche Strecke hinunterfallen. Je nachdem wo ihr am Ende landet, bekommt ihr unterschiedliche Belohnungen gutgeschrieben, was unter anderem spezielle Kleidungsstücke oder Bonbons sein können. Ob weitere kleine Games hinzugefügt werden, kann ich an dieser Stelle zwar nicht sagen, aber da Nintendo das Spiel entwickelt und Pflegt, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch.

 

Euer Mii steigt zudem in zwei unterschiedlichen Arten im Level. So könnt ihr im Bereich Kleidung Stufen aufsteigen, wenn ihr Outfits öfters wechselt und neue Kleidungsstücke dazu kauft. Steigt ihr im Level schaltet ihr neue Kleidungsstücke und wie immer… natürlich neue Belohnungen frei. Der andere Bereich des Stufenaufstiegs hat mit den Interaktionen eurer Freunde und der Freundesliste zu tun. Um so mehr ihr euch „Social Network“-mässig am Geschehen beteiligt, um so schneller steigt ihr auch dort im Level. Natürlich wieder mit den entsprechenden Belohnungen.

Fazit – Konzept stark für den asiatischen Markt ausgelegt

Miitomo von Nintendo ist der erste wirklich grosse Einstieg des japanischen Videospielunternehmens in die Smartphone-Welt. Das „Spiel“ (oder Social Media App, wie man es halt sehen will) ist quietschbunt, sehr niedlich und durch seine Animationen und emotionalen Ausdrücke der Miis extrem zum japanischen Markt hin ausgerichtet. Anime- und Manga-Fans und natürlich Japan- bzw. Nintendo-Verrückte werden sich nicht nur wohl fühlen, sondern die App mit all ihren Facetten lieben. Auch mich hat das Miitomo-Fieber erwischt und ich starte die App mehrmals täglich, um zu schauen was passiert. Und ja… ich bin grosser Japan-, Anime- und Manga-Fan, daher kann ich dem Ganzen an dieser Stelle auch was abgewinnen, da mir genau die oben genannten Punkte eben nicht fremd sind.

 

Nichts desto trotz weiss ich auch, dass diese Art von Konzept im Westen eine Gewöhnungszeit braucht oder im schlimmsten Fall sogar eher aneckt. Nicht jeder steht auf dieses „Verniedlichkeits“-Gehabe, wie es die japanische Zeichentrick-Kultur speziell für die Jüngeren immer wieder bis ins letzte Detail praktiziert. Auch ich brauchte, trotz meiner Affinität zu Japan, ein wenig Startzeit. Wer allerdings als Nintendo-Fan schon Mii-Erfahrungen sammeln konnte und sich damit auch verbunden fühlt, wird Miitomo einiges abgewinnen können. Nie war es ein persönlicheres Erlebnis auf eine derartige Weise mit den Miis zu interagieren. Das gilt übrigens auch für den gesamten Social Media Bereich.

 

Ob der Westen allerdings generell etwas mit Miitomo anfangen kann, wird sich zeigen. Twitter läuft jedenfalls derzeit mit den Hashtags #miitomostyle und #miitomo etwas über und viele interessante Fotos sind bereits zusammengekommen, die die Menschen mit ihren Miis zusammen erstellt haben. Fans hat Miitomo also auch bereits bei uns ordentlich gesammelt.

 

Schade nur, dass Nintendo sich bisher gegen eine Windows 10 Mobile App entschieden hat und so wie es aussieht wird auch in Zukunft erst einmal keine kommen. Sollte sich an dieser Stelle etwas ändern, geben wir euch direkt bescheid. Zudem ist die App derzeit nicht in der Schweiz erhältlich, was zumindest für uns ein weiterer Kritikpunkt ist. Hier sollte Nintendo schleunigst zusehen, Miitomo auch bei uns herauszubringen. Durch die deutsche Sprache ist das Spiel ja quasi bereits lokalisiert. Und auch in Frankreich und Italien ist Miitomo bereits veröffentlicht worden. Probleme sollte es also nicht geben.

 

Noch einmal in kurz: Miitomo ist mit Sicherheit ein interessantes Konzept und eine ebenso interessante Weise über virtuelle Welten soziale Kommunikation und Interaktionen zu pflegen. Gewöhnungsbedürftig ist allerdings die Aufmachung, da diese ganz speziell von der japanischen Zeichentrickkultur geprägt und vor allem im niedlichen Nintendo-Stil gehalten ist. Ob sich eine solche App überhaupt im Westen durchsetzen kann bleibt abzuwarten.

Miitomo
Entwickler: Nintendo Co., Ltd.
Preis: Kostenlos+
Miitomo
Entwickler: Nintendo Co., Ltd.
Preis: Kostenlos+

vg-wort
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Eine Antwort zu “Miitomo: Nintendos „Social-Media-App-Spiel“ angeschaut”

  1. MuvOn sagt:

    Vielen Dank für das ausführliche Review!
    Für mich ist auch nicht ganz verständlich warum die App für die Schweiz nicht verfügbar ist. Woran kann das liegen? Weiss da jemand mehr?

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