Di. 10. November 2015 um 8:47

Gaming Review: Rise of the Tomb Raider im Test

von Marc Hoffmann1 Kommentare

Im Jahr 2013 hatte das Entwicklerstudio Crystal Dynamics unter dem Publisher Square Enix mit Tomb Raider einen erfolgreichen Reboot des Jump and Run Adventures geschaffen, in welchem das erste Abenteuer der jungen Archäologin Lara Croft gezeigt wurde. Nun stürzt sich Lara erneut in Gefahr und muss dabei gegen Bären, Lawinen, Sturzfluten und eine gefährliche Sekte antreten, welche die Weltherrschaft an sich reissen will. Ob Lara hier wieder eine so gute Figur macht wie im letzten Teil, wollen wir in dieser Review einmal genauer anschauen.

Technik und Grafik von Rise of the Tomb Raider

Bereits vom Vorgänger gab es im Jahr 2014 eine überarbeitete Version, welche auf die neue Konsolengeneration angepasst wurde. In Tomb Raider: Definitive Edition, welche speziell für die Xbox One und Playstation 4 überarbeitet wurde, hatte man noch einmal Hand angelegt und die ursprüngliche Optik leicht verbessert, was vor allem das Aussehen und die Haarphysik von Lara betraf. In Rise of the Tomb Raider dagegen hat man noch einmal richtig Holz aufgelegt und liefert ein echtes grafisches Feuerwerk ab. Dies geschieht allerdings auf Kosten der Bildrate, denn das gesamte Spiel läuft nur in 30 Bildern pro Sekunde, welche in Zwischensequenzen zum Teil auch nicht mehr ganz gehalten werden können.

 

Während des Gameplays wird die Bildrate allerdings anstandslos konstant gehalten, sodass man keine störenden Ruckler oder eine Verzögerung der Eingaben feststellen kann. Trotzdem kann die Optik durchaus überzeugen. Bereits im ersten Abschnitt des Spiels, bei welchem man einen Berg erklimmen muss und durch tiefen Schnee stapft, weiss Rise of the Tomb Raider durchaus zu beeindrucken. Tiefschnee, in welchem Fussspuren extrem realistisch dargestellt werden und die Füsse präzise Furchen in den Schnee ziehen, Eis und Gletscherwände in schimmerndem Blau, bei denen man auch tief im Eis noch Strukturen und Risse erkennt sowie dichter Schnee mit unzähligen Partikeln, welcher eine bedrückende Atmosphäre zaubert. All das sorgt für eine realistische Optik und das bisher schönste Tomb Raider.

 

Natürlich kann auch Lara mit einer wunderschönen Optik glänzen, insbesondere bezogen auf die Grafik. Gerade in kurzen Animationssequenzen wirkt die Haut der Charaktere enorm realistisch und hat schon Animationsfilm-Qualität. Auch die Haare von Lara bestehen aus unzähligen Strähnen mit eigenen Schatten und fallen in den meisten Fällen sehr realitätsnah und wehen im Wind. Vor allem in den Story-Sequenzen, welche zwischendurch immer wieder auftauchen, legt man noch einmal ordentlich nach und zeigt enorm realistisch wirkende Umgebungen. Auch bei der Mimik der verschiedenen Charaktere hat man sich viel Mühe gegeben und selbst kleinste Emotionen werden dargestellt. Kleine Fältchen in den Gesichtern, die durch Stirnrunzeln oder Lächeln entstehen und realitätsnahe Augenbewegungen runden das ganze noch ab. Hier gibt es nichts zu meckern.

 

Doch auch etwas Kritik gibt es gerade in den Cinematics zu üben. Zum einen wären da die gelegentlichen FPS-Einbrüche, welche wir zwar nicht messen können, aber durchaus wahrnehmbar sind. Störender aber ist die teilweise übermässig eingesetzte dynamische Auflösung. Grundlegend läuft das Spiel in voller 1080p Auflösung, setzt aber die dynamische Auflösungsskalierung, wenn die Leistung etwas eng wird. Während des Gameplays hält sich dies zwar in Grenzen und ist nur bei genauem Hinsehen wahrnehmbar, doch in den Zwischensequenzen wird das Bild teilweise sehr verschwommen. Hier scheint man sogar bis auf eine sehr niedrige 720p-Auflösung herunter zu skalieren und das äussert sich durch eine starke Unschärfe aufgrund des verwendeten Antialiasing-Filters. Eventuell hätte man hier doch auf vorab gerenderte Videos setzen sollen, wenn kein direkter Übergang ins Gameplay stattfindet.

Die Story und die Charaktere von Rise of the Tomb Raider

Wie auch im letzten Teil der Reihe,spielt in Rise of the Tomb Raider die Story eine sehr wichtige Rolle. Im vorigen Teil fiel dem Fokus auf die Geschichte allerdings auch die Menge an Rätseln zum Opfer, welche zu selten und oft viel zu einfach waren. Doch in Laras aktuellem Abenteuer hat man sich dies zu Herzen genommen und wieder Einiges zum Knobeln integriert. Angefangen bei kleinen Rätseln, bei denen man Räume fluten muss, um höhergelegene Punkte zu erreichen, bis hin zu kniffligen Knobeleien, bei denen es auf Timing und Kreativität ankommt.

 

Rise of the Tomb Raider liefert eine spannende Story, bei der es darum geht, ein antikes Artefakt zu finden, welches ewiges Leben und die Heilung aller Krankheiten verspricht. Natürlich sind wieder die obligatorischen Bösewichte mit am Start, welche diesmal Anhänger einer Trinity genannten Sekte sind und uns auf Schritt und Tritt verfolgen. Dabei führt uns die Story des Spiels abwechselnd durch Berge und Wälder Sibiriens, aber auch durch das durch den Bürgerkrieg zerrüttete Syrien, wo wir verschiedene Abenteuer bestehen müssen. Zwischendurch tauchen immer wieder andere Charaktere auf, zu denen auch Laras bester Freund Jonah gehört, den wir bereits im letzten Spiel kennenlernen durften. Die Charakterdarstellung ist dabei ebenso gelungen wie die Optik und dank Motion Capturing wirken die Figuren sehr natürlich und realistisch. Auch die Synchronisation ist gelungen und Emotionen kommen so rüber, wie man sie erwartet. Lediglich die Abstimmung der deutschen Sprachausgabe auf die Lippenbewegungen lässt etwas Kritik zu. Gegenüber den sonstigen Animationen wirkt diese etwas billig. Hier hätte man entweder die Übersetzungen besser anpassen sollen oder am Besten gleich die Lippenbewegungen für andere Sprachen neu aufnehmen.

 

In Rise of the Tomb Raider wurde der Multiplayer-Modus komplett gestrichen, welcher im letzten Spiel zumeist negative Kritik einstecken musste, um das volle Potential in die Geschichte stecken zu können. Nach den ersten Spielstunden können wir auch sagen, dass dies definitiv die richtige Entscheidung war. Denn auch ohne den Multiplayer kann man viele lohnenswerte Stunden in der Story verbringen. Bei normalem Gameplay und gelegentlichem Suchen nach Artefakten, sind hier problemlos 15 Stunden Spielzeit zu holen. Sucht man aber intensiv nach den vielen versteckten Objekten und will man Lara auch mit den besten Waffen ausstatten und aufrüsten, kann sich diese Spielzeit schnell mehr als verdoppeln.

 

Insgesamt wird die Story von Rise of the Tomb Raider wirklich spannend erzählt. Gelungene und filmreife Zwischensequenzen, welche die Hauptstory erzählen, kurze Wechsel in verschiedenen Kameraperspektiven an bestimmten Punkten des Gameplays, die einem das Gefühl geben, man würde in einem echten Film mitspielen und das Ganze noch durch kleinere Schreckmomente und Jumpscares abgerundet. Trotz einiger etwas zu sehr vorhersehbarer Ereignisse bleibt die Geschichte des Spiels permanent spannend und ist wunderschön in Szene gesetzt.

Steuerung und Gameplay in Rise of the Tomb Raider

An der Steuerung im Spiel gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Diese ist fast identisch zum Vorgänger und auf das Xbox One Gamepad optimal abgestimmt und intuitiv. Einige Verbesserungen gibt es aber dennoch. So ist es nun möglich, mit dem Bogen abfeuerbare Spezialpfeile mit der RB-Taste direkt abzuschiessen, ohne diese erst auswählen zu müssen. Auch die Herstellung verschiedener Munitionsarten ist nun per Tastendruck möglich, ohne erst das Inventar aufrufen zu müssen. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt es auch unterschiedliche Stufen der Zielhilfen, sodass selbst Neueinsteiger_innen kein Problem haben werden, sich mit der Steuerung zurecht zu finden.

 

Bei der Erkundung der verschiedenen, weitläufigen Areale, ist auch ein gutes Auge gefragt. Während mit dem Instinkt-Modus alle für die Story relevanten Ziele und viele einfache Fundstücke entdeckt werden können, kann das Finden von besonderen Objekten einige Zeit beanspruchen. Mit freischaltbaren Erfahrungspunkten lassen sich zudem noch viele Fähigkeiten entwickeln und vorhandene Fähigkeiten ausbauen, was auch das Finden von schwierigeren Objekten vereinfachen kann. Zudem gibt es damit immer mehr Möglichkeiten, aus dem Hinterhalt seine Feinde auszuschalten.

 

Etwas unverständlich ist allerdings ab und an die Platzierung von Quick-Time Events, also diese Stellen im Spiel, an denen man im richtigen Moment eine bestimmte Taste drücken muss, um dem sicheren Tod zu entgehen. Oft werden diese grosszügig vorher angezeigt, manchmal sogar mit einer Zeitlupe unterstützt, an anderen Stellen hat man nur einen sehr kurzen Augenblick, um sich an einer Kante oder einem Vorsprung festzuhalten. Schwierig wird es aber, wenn man an einigen Stellen an eine Kletterwand springen soll. Hier wird einfach kein Button Timing angezeigt und auch wenn man weiss, dass man hier die X-Taste drücken muss, verpasst man oft den richtigen Punkt. Bis wir herausgefunden hatten, dass man die Taste bereits lange vor dem Auftreffen an die Wand drücken kann, mussten wir einige Todesschreie von Lara über uns ergehen lassen.

Rise of the Tomb Raider Screenshot
Der Sprung an diese Kletterwand hat uns einiges an Nerven gekostet, bis wir herausfanden, dass man sehr früh auf die richtige Taste drücken muss.

Fazit

Während wir in Tomb Raider von 2013 noch miterleben durften, wie die junge Lara Croft auf ihrem ersten Abenteuer ihre Instinkte entdeckt und sich gezwungenermassen zur Killerin entwickelt, nutzt sie in ihrem neuesten Abenteuer Rise of the Tomb Raider diese Instinkte und stürzt sich in eine Hetzjagd nach einem mächtigen Artefakt und liegt dabei im Clinch mit einer gefährlichen Sekte. Dabei kann Rise of the Tomb Raider nicht nur grafisch überzeugen, auch spielerisch hat das Game viel zu bieten. Dennoch gibt es kleinere Punkte, die man bemängeln kann wie die niedrige Auflösung in vielen Cinematics oder die etwas verwirrende Platzierung und Darstellung von Quick-Time Events. Dass es keinen Multiplayer gibt, sollte wohl auch nur die wenigsten Leute stören und Rise of the Tomb Raider ist auf jeden Fall ein Spiel, welches auch im Singleplayer viele Stunden Spielspass liefern kann. Ab dem 13. November könnt ihr ebenfalls auf Schatzjagd gehen und bei Amazon ist das Spiel für aktuell 65 Euro vorbestellbar. Die Xbox 360 Version bekommt man sogar schon für knapp 40 Euro zum Start. Da es sich hierbei um eine Zeit-exklusive Veröffentlichung für die Xbox handelt, erscheinen die Versionen für Playstation 4 und PC erst im Laufe des kommenden Jahres. Von uns bekommt Rise of the Tomb Raider für die Xbox One aber eine klare Kaufempfehlung.

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Eine Antwort zu “Gaming Review: Rise of the Tomb Raider im Test”

  1. Erzix sagt:

    Das Spiel is schon recht nice aber werde es mir erst später kaufen wenn es im preis etwas gesunken ist 🙂

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