Di. 17. November 2015 um 12:53

Gaming Review: Lara Croft GO für Android und iOS im Test

von Marcel Laser2 Kommentare

Die Wintertage sind immer der beste Grund zum Zocken! Jedenfalls wenn es nach mir geht. Morgens lange dunkel, immer sehr diesig, Abends dann schnell wieder dunkel und meist viel Regen. Wer nicht immer am PC oder der Konsole sitzt, wird auch mal das Tablet oder Smartphone auf der Couch rausholen. Lara Croft GO von Square Enix ist eines dieser Spiele, die einem nicht nur unterwegs Einiges an Spielspass einbringen können!

Sehr wenig Story im rundenbasierten Taktik-Puzzle, aber es gibt einen Drachen!

Wer in Lara Croft GO eine Story sucht, wird wohl leider enttäuscht, denn diese ist nicht existent. Es gibt weder Text zu lesen, noch treibt irgendeine Geschichte euch hier in die Triebe eines Schatzjägers. Wer allerdings die ersten vier bis fünf Gebiete absolviert hat, wird feststellen, dass das auch nicht wirklich sein muss. Lara Croft ist mal wieder als Tomb Raider unterwegs und untersucht einen Dungeon in irgendeinem Tempel irgendwo auf der Welt. Sie geht rein und will eine bestimmte Reliquie haben, doch sie wird von einem Drachen überrascht und nun gilt es, da irgendwie wieder heil raus zu kommen. That’s it? Jop, mehr nicht. Schlimm ist das aber nicht! Denn der Tiefgang der Story ist hier völlige Nebensache. Was zu gefallen weiss, sind andere Aspekte und die liegen eher in der Optik, dem Sound und dem Gameplay.

 

Das Spiel führt euch in den nur kleinstmöglichen Schritten in die Steuerung ein, welche allerdings ebenfalls alles andere als komplex ist. Mit Wischgesten in die jeweilige Richtung, geht Lara einen Schritt in eben jene Richtung. Landet ihr auf einem Feld mit einem Gegenstand, so nehmt ihr diesen auf. Wollt ihr Hebel betätigen, müsst ihr auf dem jeweiligen Feld stehen und diesen antippen. Gegner erledigen kann man aus der Ferne mit Wurfspeeren. Wenn man allerdings nahe hinter einem Gegner steht und noch ein Feld vortritt, so zückt Lara ihre beiden markanten Doppelpistolen und entledigt sich des Feinds. Das war’s auch schon! Also perfekt an die mobilen Verhältnisse angepasst.

 

So simpel die Steuerung und Story, so einfach ist auch das Gameplay erklärt: Lara Croft GO ist ein rundenbasiertes Taktik-Puzzle. Jeden Schritt den ihr im Spiel macht, markiert eine ganze Runde, denn immer wenn ihr euch bewegt, dürfen auch die Gegner ihren Zug machen, egal ob diese im Sichtfeld sind oder nicht. Das gilt also für das gesamte zu bespielende „Brett“ auf dem ihr euch befindet. Neben all dem taktischen Zeug könnt ihr zudem während des Spiels noch in der Umgebung versteckte Schätze finden, die je nach gesammelter Anzahl neue Outfits für Lara freischalten können. Einen spielerischen Mehrwert haben diese allerdings nicht.

Starke Optik und ein herausragender Soundtrack sorgen für „Tomb Raider“-Atmosphäre

Auch wenn Lara Croft GO nur wenig mit den grossen Tomb Raider Games auf den Konsolen und PC zu tun hat, so definiert sich das Spiel auf seine ganz eigene Weise. Die stark kantige Polygonoptik ist gewollt und versprüht einen wundervollen Charme, der nahtlos in die malerische Umgebung einfliesst. Lara Croft GO sieht nie wirklich spektakulär aus, doch setzt das Spiel ganz eigene Akzente und vermittelt immer ein „das passt einfach alles Gefühl“. Besonders schön sind die ersten Gebiete in Form von Aussenarealen und die dort gezeigte Vegetation. Relativ schnell im Spiel findet man sich dann in der Höhle für die Schatzsuche wieder, was ebenfalls streckenweise toll aussieht, allerdings dann nicht mehr so fasziniert, wie die malerische Welt ausserhalb des Dungeons.

 

Ebenfalls überzeugen kann der intensive Soundtrack, welcher nicht mit unheimlich viel Getöse zu Werke geht, sondern im Hintergrund auf sanfte Art und Weise zum Gesamtbild beiträgt. Trotz der fast nicht vorhandenen Geschichte trägt hier vieles zu einer dichten Atmosphäre bei, die einen beim Spielen ein wenig ins Träumen versetzt. Dank der rundenbasierten Mechanik kann man auch gut und gerne einmal stehen bleiben und einfach nur zuhören oder sich die Landschaft angucken. Hier empfehle ich dringend den Einsatz von Kopfhörern! Da ist eine gemütliche Runde Abends auf der Couch oder im Bett ein wirklich entspanntes Erlebnis.

 

Enttäuschen wird allerdings die nahezu nicht vorhandene Vielfalt der Feinde im Spiel. Bis auf Spinnen, mannshohe Echsen und Schlangen, wird man nicht viel zu Gesicht bekommen. Der Drache hingegen ist als grosser Hauptgegner im Spiel recht ansehnlich gestaltet und auch wenn man diesen über mehrere Ebenen hinweg bekämpfen muss, bringt das auch keine wirkliche Abwechslung. Schade. Aber hey! Der Drache ist cool und sorgt zumindest in der Zeit, in der er immer wieder auftaucht, für Stimmung.

Lara Croft GO iOS
Ein Drache! Einer der ganz grossen Gegner in Lara Croft GO.

Schwache Gegnervielfalt und eine kurze Spielzeit trüben den Gesamteindruck

Wie bereits erwähnt, gilt es in Lara Croft GO, Spielzüge zu machen dadurch entsprechend Rätsel zu lösen. Generell geht es darum, immer zur nächsten Ebene zu gelangen, also bahnt ihr euch quasi von Anfang bis Ende, Zug für Zug, euren Weg durch die Welt von Lara Croft GO. Hier gilt es, Fallen auszuweichen, zu deaktivieren, Gegner zu umlaufen oder auszuschalten. Auch das Betätigen der richtigen Hebel zur richtigen Zeit verlangt ab und an etwas Hirnschmalz von euch. Auch wenn das Spiel an einigen Stellen nicht ohne das eigene Nachdenken funktioniert, so ist Lara Croft GO oftmals eher ein „Trial and Error“-Titel, als wirkliches Gerhinjogging. Die Lernkurve steigt in leicht verdaulichen Häppchen an und überfordert zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil, sie unterfordert sogar relativ schnell. Wirklich schwer wird es also nie, auch wenn ab und zu mal eine Passage etwas Denkarbeit erfordert, so kann man am Ende immer noch im Trial and Error-Prinzip anrennen und sich dank sehr engmaschiger Checkpoints gemütlich die Situation auf dem „Spielbrett“ anschauen. Nach kurzer Zeit oder einfach nur nach mehrmaligen Versuchen unterschiedlicher Spielzüge, kommt man recht schnell ans Ziel, ohne sich gross Gedanken zu machen.

 

Das liegt aber auch nicht zuletzt an den maximal drei unterschiedlichen Gegnertypen, welche das Rätseln im Lara Croft GO erschweren sollen. Auf der einen Seite haben wir die Schlangen, welche sich niemals bewegen und nur angreifen wenn ihr direkt vor ihnen steht. Dann gibt es noch riesige Echsen, welche sich erst bewegen, wenn ihr auf bis zu drei Felder in ihr Sichtfeld lauft. Diese verfolgen euch dann die gesamte Zeit über und können sogar Wände überwinden. Und dann wären da noch die Spinnen, welche einem vordefinierten Pfad folgen.

 

Dafür punktet der Einbau der Gegner in einige der Rätsel um so mehr. Während ihr die unbeweglichen Schlangen am Anfang nur geschickt umlaufen müsst, so sind die Verfolger-Echsen oft Teil von Schaltermechanismen. Es kommt also ab und an mal vor, dass ihr euch von ihnen absichtlich verfolgen lassen müsst, um diese passgenau in perfekter Entfernung über einen Schalter locken müsst. Das Ganze wird noch interessanter, wenn ihr gleichzeitig noch irgendwelche Säulen verschieben müsst.

 

Durch die sehr mässige Lernkurve, die am Ende eher unterfordert, als euch wirklich mit Hirnschmalz Akrobatik zu bombardieren, spiegelt sich dieses dann auch in der Spielzeit wieder. Auf einer Zugfahrt mit ungefähr fünf Stunden Fahrtzeit (inklusive Umsteigen) war ich kurz vor meinem Heimatbahnhof schon so gut wie durch. Wer es darauf anlegt, kann auch deutlich unter dieser Zeit fertig werden. Um die Spielzeit künstlich zu strecken, kann man – sofern man für sowas etwas übrig hat – auch die Sammelobjekte im Spiel suchen. Je mehr man findet, desto mehr Outfits kann man für Lara freischalten. Einen spielerischen Mehrwert sucht man allerdings vergeblich.

Fazit: Kleiner aber genialer Puzzle-Ableger der Tomb Raider-Serie!

Trotz der kleineren Kritikpunkte ist Lara Croft GO einfach ein herausragender Titel für unsere Smartphones und Tablets! Der Soundtrack ist herausragend gut und die Optik bringt ihren ganz eigenen und harmonischen Charme mit. Für Rätsel-Einsteiger_innen oder Gelegenheitsspieler_innen ist die Lernkurve wohl nahezu perfekt, andere wiederum werden wohl in wenigen Stunden schon durch sein, was den Gesamteindruck etwas trübt.

 

Dafür bekommt man aber einen grundsoliden Ableger der Reihe und für circa 4.99 Euro bzw 5.00 SFr in den jeweiligen App Stores von GoogleApple und sogar Windows Phone ein wirklich hervorragendes Rätsel-Spiel, welches nicht nur gut aussieht, sondern durch den tollen Sound auch noch Couch-Charakter hat. Gerne sass ich noch zu Hause bei einer Tasse Tee und einer sehr entspannten und melodisch angehauchten Rätsel-Einlage von Lara Croft GO am Abend auf dem Sofa. So kann man mit ein bisschen Spielspass den Abend ausklingen lassen. Zudem ist der Titel frei von inApp-Käufen und präsentiert sich daher als gelungener Premiumtitel.

 

Von daher bleibt an dieser Stelle eine klare Empfehlung! Aber es sollten nicht nur Fans der Tomb Raider-Spiele einmal reinschauen, um sich das Lara Flair aufs mobile Endgerät zu holen, denn da der Titel nicht einmal im Entferntesten was mit den Geschichten der Konsolen- und PC-Versionen zu tun hat, kann man diesen auch als Neuling in dieser Serie absolut geniessen.

 

Kleiner Tipp: Der Soundtrack des Spiels ist von Square Enix übrigens kostenlos zum Download freigegeben worden. Die insgesamt 11 Titel des OST von Lara Croft GO findet ihr auf SoundCloud. Wer also gerne möchte, kann sich den melodischen Soundtrack vorab schon einmal anhören.

Lara Croft GO
Entwickler: SQUARE ENIX INC
Preis: 4,99 €+
Lara Croft GO
Entwickler: SQUARE ENIX Ltd
Preis: CHF 1.00+
Lara Croft GO
Entwickler: Square Enix Ltd.
Preis: 4,99 €+

vg-wort
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2 Antworten zu “Gaming Review: Lara Croft GO für Android und iOS im Test”

  1. Thomasmas sagt:

    Ja, sehr nettes Spiel. Gibt’s auch für Windows Phone und Windows 10 (Cross-buy).

  2. Marcel Laser sagt:

    Stimmt! Hatte ich sogar im Kopf O__o Habs auch mal hinzugefügt 🙂 Danke dafür!

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