Do. 10. September 2015 um 20:34

Gaming Review: Deponia für iPad im Test

von Marcel Laser0 Kommentare

Seit dem heutigen 10. September steht das erfolgreiche Adventure-Spiel Deponia endlich auch für das iPad zur Verfügung und kann für 9.99 Euro bzw. 10 SFr. aus dem App Store bezogen werden. Wir durften das Spiel schon eine Woche vor dem Start auf Herz und Nieren testen und sind begeistert von der reibungslosen Portierung für mobile Endgeräte. Vor allem die Touch-Steuerung ist hervorragend integriert.

Technisch makelloser Port eines grandiosen Indie-Adventures

Wichtig war hier vor allem der technische Aspekt, eine Umsetzung für den iPad-Touchscreen zu schaffen, denn dieser verhält sich nun einmal komplett anders als eine reine Maus- und Tastatursteuerung. Da in einem Point’n’Click Adventure hektische Buttonsmasherei ausfällt, ist die Plattform für solche Spiele aber auch gerade ideal. Daedalic löst das ganze sehr souverän und hat sich auch Gedanken bei der Steuerung und dem Inventarsystem gemacht.

 

Daher sind vor allem die elementaren Dinge wie Rufus Bewegen, Gegenstände miteinander Kombinieren oder das Ansprechen von Personen sehr simpel gelöst. Ihr tippt mit eurem Finger einfach an die Stelle, an die ihr Rufus bewegen wollt. Wollt ihr mit einem Objekt im Umfeld interagieren, so tippt dieses einfach an und es öffnet sich ein Kreismenü, in dem ihr wiederum mehrere Aktionen auswählen könnt. Dieses Kreismenü erscheint bei allen Interaktionen in der Welt und kann unterschiedliche Dinge auslösen. Tippt ihr mit dem Finger ein Objekt an, so erscheinen unter Umständen mehrere Symbole: Ein Auge, eine Hand oder das gerade in der Inventarleiste ausgewählte Objekt. Nun müsst ihr eine der Aktionen einfach nur durch Berührung ausführen. Wollt ihr Gegenstände im Inventar miteinander kombinieren, könnt ihr dieses auf dieselbe Weise machen oder ihr zieht einfach einen Gegenstand auf den nächsten. Letzteres funktioniert auch ausserhalb eurer Kiste.

 

Das Ganze funktioniert sehr intuitiv und wird euch sogar in einem kleinen Tutorial vor dem eigentlichen Spiel erklärt, sofern ihr dieses Abspielen möchtet. Kommt ihr dann am Start endlich in Rufus Hütte an, so könnt ihr die unterschiedlichen Aktionen einmal ausprobieren. Die Grundzüge sind dadurch schnell erlernt.

 

Ebenfalls gut gelungen ist die grafische Anpassung an die sehr hohe Auflösung der iPad-Modelle. Nativ läuft das Spiel somit in der von Apple vorgesehenen Auflösung von 2048 × 1536 Pixel. Die sehr schön gezeichnete Welt rund um Deponia und Elysium ist dementsprechend knackscharf. Beeindruckend ist hier vor allem die liebevolle und sehr detailreich gestaltete Umgebung, welche dem Display sehr entgegen kommt.

Liebevolle Geschichte, treffsicherer Humor und tiefgründige Charaktere

Rufus hat es satt auf der Erde, dem unendlichen Müllplatz, zu leben. Er will raus aus Deponia und dem unbändigen Müll und Schrott entfliehen. Seit Jahren träumt er davon, in die geheimnisvolle Stadt in den Wolken zu kommen: Elysium. Wagemutig schmiedet er – mal wieder! – einen haarsträubenden Plan, welcher… direkt wieder schief geht und er in Deponia landet. Allerdings begegnet er auch der schönen Frau Goal aus Elysium, welche ebenfalls notgedrungen in Deponia strandete. Auf der Suche nach der ebenfalls abgestürzten Goal und dem Drang der Müllkippe auf Erden zu entfliehen, gilt es ebenso irrwitzig wie verrückt und total zufällig, irgendwie die Welt zu retten. Bei dem Versuch, Deponia vor dem Untergang zu retten, hinterlässt Rufus allerdings eine aberwitzige Schneise der Verwüstung. Dabei schwankt das Spiel zwischen sich immer wechselndem Humor, teils ironisch bis fast sarkastisch und verzettelt sich dabei zunehmend in eine interessante Liebesgeschichte. Lachen ist hier jedenfalls schon einmal nahezu garantiert.

 

Die Verbindung klappt jedenfalls und hält einen mit über zehn Spielstunden deutlich bei Laune. Wer sich alles anguckt und auch jedem Gespräch aufmerksam zuhören will, sollte die Spielzeit zudem noch um einige weitere Stunden strecken können. Die Charaktere sind allesamt greifbar und besitzen alle komplett eigene, total schräge Züge. Rufus als absolut naiver Antiheld und „Frauen-nicht-Versteher“, der lieber beim Weltretten von der Couch aus agieren würde, ist ein tollpatschiger aber auch extrem vielschichtiger Charakter, der im Verlauf von Deponia plötzlich völlig neue Seiten an sich selbst entdeckt. Das merkt man vor allem dann, wenn das Spiel neben all dem Witz, Ironie und Klamauk in die Abgründe des Charakters selbst abtaucht. Das Storytelling ist intensiv und überzeugt daher auf ganzer Linie. Was nicht zuletzt an dem grossen Talent des Geschichtenerzählers Jan Müller-Michaelis liegt, der die Story zu dem Spiel verfasste und zudem die Lieder zwischen den Kapiteln mit Gitarre und eigenen Texten singt.

 

Allerdings ist auch Deponia, wie viele andere Spiele dieser Art, von einer Rätseldemenz befallen. Anfänglich ist das Spiel bis zur Schlussphase ein Traum für findige Rätselforscher und Leute, die gerne alles einmal durchprobieren möchten. Das lässt aber mit der anlaufenden Schlussphase leider nach und zugunsten der Stimmung scheint es, dass auch Deponia nach und nach Abstriche in seinen Rätseleinlagen macht. So scheint es tatsächlich zum Schluss hin immer ein Stückchen leichter zu werden und auch das Inventar schrumpft so stark zusammen, dass überschüssiges Nachdenken nahezu entfällt. Schade. Allerdings scheint das der Story nicht zu schaden.

Fazit – Das neue Deponia für iPad bleibt dasselbe alte Meisterwerk

Deponia war auf dem PC ein Überraschungserfolg und ist für Fans des Genres ein absoluter Geheimtipp. Das gesamte Spiel wurde 1:1 auf das Apple-Tablet portiert und macht auch in der Steuerung eine sehr gute Figur. Die Entwickler_innen haben die Maus- und Tastatursteuerung intelligent aber simpel an den Touchscreen angepasst.

 

Wer den Text oben aufmerksam gelesen hat, wird merken, dass ich dieses Spiel schon damals sehr gemocht habe und irgendwie machte es noch einmal richtig Spass, diese alte Liebe auf dem iPad wieder zu entdecken. Deponia abends wie ein gutes Buch mit ins Bett zu nehmen, hat schon fast was von einer sehr modernen Geschichtenkultur und dieses kann man ohne Zweifel jederzeit bedenkenlos machen. Gute Bücher fängt man im Bett an und meistens hört man zu Uhrzeiten auf zu lesen, zu denen man längst hätte schlafen sollen. Wer kennt das nicht? Jan Müller-Michaelis gelingt mit Deponia ein ähnliches Kunststück, doch spielen wir es nun auch auf einem Tablet und dieses kann man ebenfalls sehr bequem und leicht mit ins Bett nehmen. Wir hoffen an dieser Stelle inständig, dass Daedalic auch die anderen beiden Deponia-Spiele veröffentlichen wird. Denn am Ende wirft der erste Teil der Trilogie viele Fragen auf, doch diese werden in den anderen beiden Teilen alle nach und nach beantwortet. Aber wir sind guter Dinge, dass auch hier bald nachgeholfen wird.

 

Das Spiel ist seit dem heutigen 10. September im Apple App Store erhältlich und kostet als Premium-Titel 9.99 Euro bzw. im Schweizer App Store 10 SFr. Es gibt keine inApp-Käufe und zusätzliche Kosten, was in der Welt unserer heutigen Spiele ebenfalls immer mehr zur Seltenheit wird. 

 

An dieser Stelle empfehlen wir allen Fans des Genres, die Deponia noch nicht erleben konnten, dieses dringend nachzuholen! Nicht nur auf dem iPad ist das Point’n’Click-Adventure ein schönes Stück Videospielkunst.

 

Deponia
Preis: 4,99 €
vg-wort
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