So. 11. Oktober 2015 um 1:14

Apple Watch: WatchOS 2 genauer angeschaut

von Barbara Walter-Jeanrenaud2 Kommentare

Die Apple Watch gilt als eine der besten Smartwatches derzeit und nicht wenige Menschen haben sie bereits am Handgelenk. Doch wie es mit Smartwatches nun einmal so ist, fehlte irgendwie noch der Wow!-Effekt, was die App-Auswahl und Handhabung anging. Mit WatchOS 2 soll sich nun gewaltig etwas daran geändert haben. Wir haben die Neuerungen einmal unter die Lupe genommen.

Neue Ziffernblätter, Zeitraffer-Watch Face und Wecker-Modus

Die Änderungen, die wohl als erstes ins Auge fallen, sind die neuen Ziffernblätter und das Time Travel-Feature. Apple spendierte der hauseigenen Smartwatch zwei neue Möglichkeiten für das Watch Face. Die erste erlaubt der Apple Watch Zugriff auf eigene Fotos, die auf dem iPhone gespeichert sind. Hier kann man sich ein bestimmtes Bild aussuchen oder aber die Uhr zufällig Fotos als Hintergrund des Ziffernblattes anzeigen lassen, die dann mit Uhrzeit und Datum versehen werden. Eine sehr individuelle und hübsche Lösung, die je nach Foto auch sehr lustig sein kann.

 

Möchte man als Weltenbummler_in immer wissen, wie es am nächsten Bestimmungsort ums Wetter bestellt ist, bietet sich das Feature Zeitraffer an. Besonders cool ist dabei, dass die Watch Faces an die jeweilige Uhrzeit und Wetterlage angepasst sind und beim Daraufschauen jeweils ein kurzes Zeitraffer-Video abgespielt wird. Als Orte sind hier New York, London, Shanghai, Hongkong, Paris und der Mack Lake auswählbar, einem hübschen See in den Vereinigten Staaten.

 

Alles in allem sind dies nette Designänderungen, die die Uhr ein wenig besser personalisierbar machen, vom sprichwörtlichen Hocker reissen sie einen aber nicht. Drittanbieter von Watch Faces werden nach wie vor nicht unterstützt und so kann man, neben dem Basteln von eigenen Fotos zu Ziffernblättern, lediglich auf den Apple-Fundus zurückgreifen.

 

Time Travel ist ein neues kleines Feature, mit dem man durch Betätigung der Digital Crown einfach vor- und zurückscrollen kann. Apple bewirbt die Funktion damit, dass man Komplikationen sofort auf dem Home-Screen im Blick hat, also etwa das Wetter, Kalendereinträge, Flugdaten etc. Mit bestimmten Apps wie Inseon kann man so beispielsweise auch die Heizung daheim steuern oder das Licht einschalten, wenn man denn über ein Smart Home verfügt. Time Travel ist recht nützlich, denn man kann, ohne das iPhone aus der Tasche zu holen, auf wirklich viele Informationen zugreifen.

 

Eine schöne Sache ist der Wecker-Modus: Steckt man die Apple Watch über Nacht an das Lade-Dock, so erscheint eine Art Glance-Screen, wie man ihn von Windows Phones und manchen Android-Smartphones kennt. Wenig scheinend wird die Uhrzeit angezeigt, auch wenn sich die Watch im Nicht-Stören-Modus befindet. Dabei erhellt sie den Raum nicht merklich, der Schlaf wird nicht getrübt. Um die Uhrzeit anzuzeigen, muss nur die digitale Krone bewegt werden. Ausserdem fungieren in diesem Nacht-Modus die Taste und die Krone als Wecker-Ausschalter: drückt man die Krone, aktiviert man den Schlummer-Modus, betätigt man den seitlichen Button, so schaltet man den Wecker ab. Diese Funktionen laufen sehr zuverlässig. Ein Wecker, auf den man sich verlassen kann – im kleinen Format.

Apps, Apps, Apps – sogar jetzt auf der Uhr

Mit WatchOS 2 verspricht Apple eine neue Vielfalt an Apps. Diese sollen zudem schneller laden und zuverlässiger funktionieren. Viele neue Anwendungen können nun auch auf den Aktivitäts- und Herzfrequenzmesser zugreifen. Beispielsweise gibt es eine Golf-App, die anhand der Bewegung des Handgelenks den perfekten Schwung errechnet und Tipps zur Verbesserung an der Driving Range gibt. Aber auch viele andere Applikationen kamen hinzu, manche mehr, manche weniger nützlich. Apps, die bereits zuvor installiert waren, können nun deutlich mehr: Auf Nachrichten und Emails kann man nun mit der Apple Watch antworten – entweder per vorgefertigter Antwort, Emoji oder aber man diktiert der Uhr seine Nachricht. In vielen Städten ist es nun möglich, sich in der Maps-App Informationen über die öffentlichen Verkehrsmittel anzeigen zu lassen. In China und den USA sind eine Vielzahl an Städte mit am Start, in Deutschland Berlin und ansonsten in Europa London. Ob und wann Zürich, Bern oder Wien hinzukommen, ist nicht bekannt. Auch Siri wurde verbessert und reagiert tatsächlich präziser und vielseitiger. Im Test verstand sie uns wesentlich besser und konnte mit mehr Informationen dienen als noch unter der alten Version des Betriebssystems.

 

Was ebenfalls extrem positiv zu erwähnen ist: Endlich gibt es native Apps für die Apple Watch! Bisher funktionierte das Konzept so, dass Apps vom iPhone in einer angepassten Version auf die Apple Watch gestreamt wurden und damit auch die Performance nicht optimal, sogar noch schlimmer, sehr stark gebremst wurde. Mit watchOS 2 ist es nun möglich, Apps direkt im 8 GB grossen internen Speicher der Uhr zu installieren, was deutliche Performance-Vorteile gibt. Allerdings müssen die Apps erst angepasst werden, doch zeigte die Vergangenheit, dass Programme im Apple-Ökosystem sehr schnell von Entwicklern auf die neusten Technologien hin zurechtgeschnitten werden. Ein paar beliebte Apps, wie beispielsweise Runtastic, können bereits nativ auf der Apple Watch genutzt werden.

Akkuleistung erhöht?

Es gab einige Meldungen und Statements, dass sich die Akkuleistung der Apple Watch mit WatchOS 2 gegenüber der ersten Version des Uhrenbetriebssystems aus Cupertino erhöht haben soll. Dies konnten wir im Test bisher nicht beobachten. Unsere Apple Watch gab bereits nach knapp 13 Stunden das Signal, dass nur noch wenig Akku zur Verfügung stünde. Dabei wurde sie nicht ständig eingeschaltet oder daran herumgespielt. Lässt man sie dann im Stromsparmodus laufen, reicht der Akku noch problemlos für den Rest des Tages – man schränkt allerdings auch die Funktionen ein. Auf jeden Fall müssen wir den Akku noch weiter beobachten und sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen – von einer massiven, stark spürbaren Akkulaufzeit-Verlängerung kann man aber hier wohl nicht sprechen.

Fazit

WatchOS 2 wertet die Apple Watch auf, ganz klar. Es ist mehr möglich, die personalisierten Watch Faces und auch die Zeitraffer-Ziffernblätter der Metropolen der Welt (und des Mack Lakes) sind sehr hübsch. Time Travel ist äusserst nützlich, alle wichtigen Informationen aus dem iPhone sind sofort auf einen Blick am Handgelenk.

Der Wecker-Modus ist nützlich, funktioniert und ist nicht zu grell. Eine schöne Alternative zum Smartphone neben dem Bett und sicher auch sehr praktisch auf Reisen.

Die neuen Apps und die erweiterten Funktionen der bereits vorhandenen Applikationen sind cool. Dennoch bleibt hier natürlich auch noch Luft nach oben, Nachrichten komplett tippen zu können, ohne den Text einsprechen zu müssen – im vollbesetzten Tram stelle ich mir das etwas unangenehm vor – wäre eine schöne Sache für die Zukunft.

Was noch nicht überzeugen konnte, war die Akkulaufzeit. Ein dreiviertel Tag ist definitiv zu wenig. Derzeit kann ich noch nicht sagen, ob es an den Begleitumständen lag oder ob die Energie wirklich nur für die paar Stunden reicht. Sollte dies der Fall sein, muss Apple auf jeden Fall nochmals nachbessern.

Kleines Update: Nach ein paar weiteren Stunden scheint sich die Apple Watch nun eingekriegt zu haben, in den letzten sehr aktiven Stunden wurde vergleichsweise sehr wenig Akku verbraucht. Nach vier Stunden der „Dauerbehandlung“ ging der Akku lediglich um 20% zurück, was bei der Beanspruchung ein gutes Ergebnis ist. Wir werden es auf jeden Fall weiter beobachten.

 

WatchOS 2 ist eine schöne Angelegenheit und man sollte das Update auf jeden Fall mitnehmen. Ein Grund, auf der Stelle loszulaufen, um eine Apple Watch zu kaufen, ist es aber nicht. Wer bisher unschlüssig war, sollte vielleicht auf das Nachfolgemodell warten, in das sicherlich ein stärkerer Akku eingebaut werden wird.

vg-wort
Das könnte Sie auch interessieren

2 Antworten zu “Apple Watch: WatchOS 2 genauer angeschaut”

  1. Vashi sagt:

    Also keine Ahnung was ihr so macht mit der Watch… ich nehm meine ca um 08:00 vom Netz und am Abend habe ich locker noch 50% um 21:00 Uhr.

    Akku-Leistung ist völlig ausreichend meiner Meinung nach.

  2. Wesley_Crusher sagt:

    Steht doch drin, dass der Akku sich beruhigt hat.

Schreibe einen Kommentar

Teilen