Fr. 22. April 2016 um 15:26

Review: Apple iPhone SE im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud0 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung

  2. Design, Haptik und Verarbeitung

  3. Hardware

  4. Software und Leistung

  5. Akku

  6. Kamera

  7. Display

  8. Sound- und Verbindungsqualität

  9. Fazit

1. Einleitung

Was gab es bei der Vorstellung der iPhone 6-Modelle für ein Raunen! Ein neues Designkonzept für die neuen Apple Smartphones erhielt Einzug. Der Abschied von der 4 Zoll-Grösse tat vielen Leuten in der Seele weh – anders kann man die Kritik, die Apple neben dem Lob für ein endlich einmal verändertes Design erntete, nicht verstehen. Nach Apple-Angaben verkauft sich das mittlerweile fast drei Jahre alte iPhone 5s noch immer sehr gut, was vor allem auf die Grösse zurück geführt werden kann, immerhin ist die Hardware mittlerweile doch ziemlich veraltet. Das iPhone SE soll nun diese Lücke schliessen: Altbewährtes Design gepaart mit aktuellster iPhone-Hardware. Ob das klappt, arbeiten wir in diesem Testbericht für euch heraus. Dafür haben wir das iPhone SE zwei Wochen lang intensiv als Alltagsgerät getestet und immer wieder mit dem iPhone 5s, dem iPhone 6s sowie einem Samsung Galaxy S6 edge verglichen. Viel Spass beim Lesen!

 

2. Design, Haptik und Verarbeitung

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das iPhone SE nicht vom iPhone 5s bzw. iPhone 5. Von aussen sind die beiden Geräte durchweg identisch, allerdings kam beim iPhone SE noch die Farbe Roségold zum Sortiment hinzu. Designtechnische Innovation gibt es also nicht – was irgendwie auch schade ist. Allerdings ist es ja nicht verkehrt, wenn die Kosten, die ins Design gesteckt werden, für ein aktuelles Smartphone gespart werden. Zum Preis des iPhone SE aber später mehr.

 

Grösster Unterschied im Design ist der Übergang von Frontseite zum Rahmen: War er beim iPhone 5 / 5s noch glänzend, zeigt er sich nun matt. Ansonsten ist wirklich alles identisch: Die rückseitige Kamera inklusive Blitz sitzt oben links und steht nicht aus dem Gerät hervor. Ebenfalls auf der Rückseite findet man das Apple-Logo sowie die Gerätbezeichnung „iPhone SE“. Das SE steht übrigens für „Special Edition“. Auf der Vorderseite befindet sich ganz oben die Frontkamera und unter dem Display der physische Home Button, der gleichzeitig als Fingerabdrucksensor fungiert. Der An/Aus-Knopf sitzt oben rechts auf dem Gerät, am unteren Rahmen kommen der Lightning-Anschluss sowie die Lautsprecher und der 3.5 mm Klinkenanschluss zum Vorschein. Auf der linken Seite befinden sich die Lautstärkeregler und der nach wie vor physische Schalter zum Stummstellen.

 

In den letzten Monaten nur noch grosse 5 Zoll + Smartphone gewohnt, war der Umstieg zur kleineren Grösse zunächst erschreckend ungewohnt – nach einer Weile überwiegen aber die haptischen Vorteile. Das Gerät ist komplett einhändig bedienbar, es kann gleichzeitig das Handy genutzt werden, ein Fahrschein am Automaten gezogen und ein Becher Kaffee balanciert werden – das ist etwas, was im Grossstadtdschungel durchaus nützlich ist. Das iPhone SE fasst sich sehr gut an, das Material ist gut gewählt und generell ist das kompakte Smartphone ein echter Handschmeichler.

 

Zur Verarbeitung des Geräts muss man nicht viel sagen: Sie ist wie auch beim Apple iPhone 5s sehr gut. Das Gerät ist absolut solide und stabil, nichts wackelt, biegt oder knarzt. Kratzer, Grate oder Ähnliches sucht man vergebens.

 

Alles in allem kann das iPhone SE in Puncto Verarbeitung und Haptik voll überzeugen – beim Punkt Design hätte man mehr machen können. Ob es schon zum klassischen Kultdesign reicht, wird sich zeigen. Für Retro ist selbst das iPhone 5s noch etwas zu jung.

 

3. Hardware

Das iPhone SE verfügt über die Hardware des iPhone 6s. Verbaut ist der Apple A9+M9 SoC – und das merkt man auch an allen Ecken und Enden: Das SE haut rein. Man erwartet es nicht von einem Gerät dieser Grösse und plötzlich zischt es ab. Genial! Alle Apps starten blitzschnell, wie man es vom iPhone 6s gewohnt ist. Lässt man es im direkten Vergleich gegen das iPhone 5s antreten, sieht man es sofort – klar, der Prozessor ist ja auch doppelt so stark. Mit 2 GB RAM liegt das iPhone SE ebenso im Bereich des grossen Cousins. Als Speichervarianten werden 16 GB und 64 GB angeboten, das 16 GB Modell ist dabei erfrischend günstig und soll vor allem die Märkten in Asien erobern, bisher gelingt dies auch in der Schweiz und Deutschland, wie wir bereits berichteten.

 

Der Fingerprintsensor ist der im iPhone 5s verbaute, nicht der Touch ID-Sensor des iPhone 6s. Das hat auch Vorteile: Er löst nicht so übereifrig aus wie beim grossen Gerät, arbeitet aber nicht weniger präzise. Das extrem schnelle Reagieren des Sensors in den 6s-Modellen hat nämlich den Nachteil, dass man das Gerät auch beim schnellen auf-die-Uhr-Schauen immer entsperrt und es allzu oft ungeschützt in die Hosentasche zurückgleiten lässt.

 

4. Software und Performance

iOS 9.3.1 sorgt für reibungslose Performance. Die Ruckler und Probleme, die es mit der ersten Version von iOS 9.3 noch gab, traten nach dem aktuellsten Update nicht mehr auf.

 

Generell läuft das System flüssig. Erfreulich sind auch die Benchmarks: Nur knapp geschlagen vom iPhone 6s und 6s Plus rangiert es als momentan aktuellstes Gerät des Herstellers aus Cupertino auf Platz 3. Das kann sich sehen lassen!

 

Auch aufwendige Spiele, bei denen das iPhone 5s mittlerweile an seine Grenzen stösst, meistert das iPhone SE problemlos. An keiner Stelle ruckelt es, die Bedienung ist auch unter Volllast problemlos möglich. Lediglich die Zurückgewöhnung an den kleinen Bildschirm ist beim Spielen anfangs etwas schwierig, allerdings soll man seine Augen ab und an ja etwas fordern. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist die Tastatur beim Schreiben von Emails oder Nachrichten. Die Erkennung und Fehlertoleranz ist allerdings gut ausgeklügelt und ausser den üblichen Auto-Correct-Fails gibt es nichts zu beanstanden. Das System lernt schnell und speichert selbst exotische Begriffe schnell ab, ganz im Gegenteil zur Android-Tastatur, die auch nach einem Jahr noch nicht verstanden hat, dass ich öfter das Wort „Luftmatratze“ als „Luftwaffe“ verwende.

 

Weiter ist noch anzumerken, dass das iPhone SE zwar die Hard- und Software des iPhone 6s, also unter anderem auch Always-On-Siri beinhaltet, 3D-Touch allerdings nicht mit an Bord ist. Das ist zwar schade, aber zu verschmerzen. Wahrscheinlich war eine Integration aufgrund des kleinen Displays nicht möglich. Hier könnt ihr euch ein paar Screenshots der Benchmarks anschauen:

5. Akku

Der fest verbaute Akku im iPhone SE ist erfreulich ausdauernd. Einen vollen Arbeitstag mit acht Stunden übersteht es problemlos, auch für das abendliche Surfen und Spielen ist dann noch genügend Energie vorhanden. Bei sehr starker Nutzung, also mehrere Emailkonten oft synchronisiert, Telefonieren, Nachrichten Schreiben, Spielen (Asphalt 8: Airborne, Lara Croft GO sowie mehrere 2D-Spiele wie Candy Crush Saga und die Bibi und Tina Pferdeabenteuer App) und Youtube Videos Schauen, kamen wir im Test auf etwas über elf Stunden Dauernutzungszeit. Aufgeladen ist das iPhone SE sehr schnell, eine Stunde Ladezeit reicht für gute 60% aus. Das iPhone 6s kommt unter voller Last allerdings ein kleines Stückchen weiter als das SE, die Akkuleistung des Samsung Galaxy S6 edge und LG G4 liegt aber weit darunter.

 

Schön ist, dass das Gerät beim Aufladen nicht besonders heiss wird. Eine geringe Wärmeentwicklung ist normal, sie liegt hier aber weit unter der des Samsung Galaxy S6 edge und im selben Bereich wie die des iPhone 6.

Insgesamt ist der Lithium-Ionen-Akkumulator oberer Durchschnitt und tut der Leistung des Geräts keinen Abbruch. Sehr schön.

 

6. Kamera

Sie sieht zwar von aussen genauso aus wie die des iPhone 5 /5s, doch es steckt deutlich mehr darin: Die Kamera des iPhone SE ist baugleich mit der des iPad 9.7. 12 Megapixel schmücken das gute Stück und sie produziert durchweg ordentliche Bilder. In der Grössenklasse unter 4.5 Zoll sucht sie wohl ihresgleichen: Bei guten Lichtverhältnissen entstehen sehr gute, detailreiche Fotos, die mit denen vom iPhone 6s vergleichbar sind. Bei schlechteren Lichtbedingungen oder Nachts sieht es hingegen nicht ganz so gut aus, mit Blitzlicht wirken die Bilder überbelichtet, ohne Blitz ist nicht viel zu erkennen. Die Kamera verfügt nicht über einen optischen Bildstabilisator, dafür ist aber HDR sowie das Live-Picture Feature mit an Bord. Sehr schön ist auch der Panorama-Modus, mit dem wirklich hübsche Bilder kinderleicht gelingen.

 

Weiss wirkt bei genauerer Betrachtung leicht gelblich, insgesamt ist die Farbwiedergabe gut und natürlich, allerdings können Konkurrenzprodukte wie etwa das Huawei Mate S oder das betagte Nokia Lumia 1020 hier mit mehr „Wumms“ punkten.

 

Als Frontkamera ist leider die alte iPhone 5s Face Time HD Cam verbaut, die lediglich mit 1.2 Megapixel auflöst. Das ist im Selfie-Zeitalter kaum mehr tragbar. Zwar ist sie super zum Telefonieren, Hochglanz-Selfies gelingen mit ihr aber nicht.

 

Die Videoaufnahme ist mit 4k möglich und funktioniert auch sehr gut. Einzig die Farbwiedergabe könnte, wie auch bei den Fotos, etwas intensiver sein.

 

7. Display und Touchscreen

Verbaut ist ein IPS Display mit Apples Retina-Technologie. Beim täglichen Nutzen fällt auf, dass es insbesondere bei maximaler Helligkeit etwas mit der Wiedergabe von Schwarz zu kämpfen hat und somit im Vergleich zu OLED-Displays wie denen von Samsung nur verlieren kann. Setzt man die Helligkeit herunter, fällt dies aber nicht auf. Die Auflösung des Displays liest sich eher unterdurchschnittlich: 1’136 x 640 sind heute nicht berauschend, allerdings wirkt dies auf dem 4 Zoll Display alles andere als schwach. Mit blossem Auge sind jedenfalls keinerlei Pixel zu erkennen. Es gibt kein „Ausbluten“ an den Rändern und auch bei grossen gleichfarbigen Flächen sind keine Darstellungsunterschiede wahrnehmbar.

 

Der Touchscreen reagiert sehr gut auf die Eingabe per Finger. Es gibt einen leicht spürbaren Widerstand, wenn man auf dem Bildschirm arbeitet, was ein sehr angenehmes Nutzungsempfinden gibt. Alle Eingaben werden prompt ausgeführt, hier gibt es rein gar nichts zu beanstanden.

8. Sound- und Verbindungsqualität

Der Klang der beiden am unteren Rand verbauten Lautsprecher ist gut genug, um damit Videos zu schauen oder jemandem ein Lied vorzuspielen. Auch beim Spielen ist der Klang ordentlich, wenn man es denn schafft, die Speaker nicht mit den Händen zu verdecken. Schön wäre es, wenn man dem iPhone einmal Lautsprecher wie dem iPad Pro spendieren würde, damit es in allen Lagen gut klingt.

 

Bei Telefonieren ist das Gegenüber stets optimal zu verstehen, auch über den Lautsprecher. Man selbst wird auch gut verstanden, die Mikrofone funktionieren also ordnungsgemäss.

 

Bei den Verbindungen, UMTS, GSM und LTE, gab es nichts zu beanstanden. Innerstädtisch kam es zu keinen Aussetzern oder Leistungsabfällen. LTE ist mit 150 Mbit im Downstream bzw. 50 Mbit im Upstream vertreten. Es werden bis zu 19 LTE-Bänder unterstützt, ausgedehnten Weltreisen steht also nichts im Wege. WLAN-Verbindungen werden schnell und stabil hergestellt, die Reichweite entspricht derjenigen der aktuellen Konkurrenzgeräte, iPhone 6s und 6s Plus eingeschlossen. Auch über die Bluetooth 4.2 Verbindung gibt es nichts Negatives zu berichten. Im Test musste das iPhone SE auch im Auto mit der Freisprecheinrichtung funktionieren – und tat es ohne Schwierigkeiten. Letzte Woche machten Meldungen die Runde, nach denen das Gerät hierbei Probleme habe, wir konnten es nicht rekonstruieren.

 

NFC ist an Bord, allerdings nur für Apple Pay, was bei uns in der Schweiz, aber auch in Liechtenstein, Deutschland und Österreich noch immer nicht verfügbar ist.

 

9. Fazit

Apple goes classic: Wer das iPhone 5s geliebt hat und aufgrund der Grösse nicht zu den 6er Modellen umgestiegen ist, nun allerdings gern mehr Leistung hätte, sollte zugreifen! Das iPhone SE kann als kleiner Alleskönner überzeugen und trotz der zwei kleineren Schwächen bei den Kameras, zum einen bei der veralteten -aber immer noch genügenden – Technik der Face Time HD-Kamera und zum anderen der ausbaufähigen Farbintensität der Hauptkamera, empfohlen werden. Wobei man hier auf sehr hohem Niveau meckert – es handelt sich in jedem Fall um eine Kamera der Oberklasse. Lediglich bei grösseren hellen Flächen fällt ein leichter Stich ins Beige auf.

 

Um es kurz zu machen: Display gut, Akku erfreulich, Kamera sehr ordentlich, Sound und Verbindungen sehr gut, Hard- und Software im Zusammenspiel wunderbar. Alles zusammen macht ein sehr gutes Smartphone aus, das sich im direkten Vergleich zu den grossen Cousins, iPhone 6s und iPhone 6s Plus, nicht verstecken muss, obwohl es das von den Ausmassen her locker könnte. In dieser Grössenklasse bekommt man derzeit kein anderes so gutes Gerät und vor allem keine bessere Handykamera.

 

4 Zoll haben einige unschlagbare Vorteile: Es passt in jede Hosentasche und wird sich dabei ganz sicher nicht verbiegen, es ist einhändig zu bedienen und in seiner Kompaktheit auch für Teenager sehr gut geeignet. Auch in einer Clutch macht es sich besser als ein 6 Zoll grosser Bolide. Wer natürlich auf grosse Smartphone steht und sich nicht umgewöhnen möchte, wird mit dem iPhone SE nicht glücklich. Genauso ist niemand gezwungen, vom iPhone 5s auf das iPhone SE umzusteigen – das 5s ist nach wie vor ein gutes Gerät, nur eben in manchen Punkten wie der Kamera, Prozessor, Display und Arbeitsspeicher doch unterlegen. Hier kommt es auf die individuelle Nutzung an, ob einem die Leistung des älteren Geräts ausreicht oder man mehr Power „braucht“.

 

Wer allerdings als Trendsetter_in grossen Wert darauf legt, dass man zu jeder Zeit erkennt, welch tolles, neues Gerät sich in der Tasche bzw. auf dem Cafétisch befindet – oder mit Understatement nichts anfangen kann – wird Schwierigkeiten bekommen, denn das Design ist nicht gerade innovativ. Klar, es ist bewährt, aber eben nichts Neues. Wer noch nichts vom iPhone SE gehört hat, hält es auf jeden Fall für das iPhone 5 oder iPhone 5s. Bewunderungsstürme wird es nicht erleben, ausser, ihr packt über die verbaute Hardware aus (und euer Gegenüber versteht dann noch, worüber ihr eigentlich sprecht!).

 

Für ein Kultdesign ist das iPhone 5 bzw. iPhone 5s selbst noch zu jung. Es ist allerdings schön, dass durch das Beibehalten des Designs und damit auch das Vorhandensein von Bauteilen und -plänen der Preis relativ niedrig gehalten werden konnte. So kostet das iPhone SE 479 SFr. bzw. 489 Euro in der 16 GB Variante und 599 SFr. bzw. 589 Euro als 64 GB Modell. Bedenkt man, dass das iPhone 6s mit nahezu identischer Hardware und Leistung ganze 749 SFr. bzw. 744,95 Euro kostet, ist das dann doch ziemlich günstig. Der kleine Handschmeichler ist in den Farben Silver, Space Grey, Gold und Roségold zu haben.

vg-wort
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