Mi. 25. März 2015 um 15:38

App-Review: TomTom GO Mobile Navigation im Test

von Marc Hoffmann1 Kommentare

Schon seit Jahren, spätestens mit dem Beginn der grossen Smartphone-Ära, haben Navigations-Apps die eigenständigen Geräte nahezu abgelöst. Seit dem spriessen immer wieder neue Anbieter von Software-Navigationslösungen aus dem Boden und versuchen, sich gegen die grossen Anbieter zu behaupten. Vor allem die kostenlosen Navigationssysteme von Google, Apple und Nokia machen es den traditionellen Anbietern immer schwerer. TomTom, einer der beliebtesten Anbieter von Navigationssoftware, bringt deshalb demnächst die komplett überarbeitete TomTom GO Mobile App heraus, welche zudem auf einem neuen Bezahlsystem aufbaut. Wir durften einen ersten Blick in die Beta der neuen App werfen und haben diese direkt einer ausführlichen Review unterzogen. Dabei sei noch einmal deutlich gemacht, dass es sich bei dieser Review um einen Beta-Test handelt, welcher eine nicht vollständig finale Version der Software zeigt.

Der erste Eindruck

Die App selbst ist mit knapp 100 MB Speicherplatz kein Leichtgewicht, sollte aber trotzdem etwas ältere Geräte nicht gleich überfordern und auch nicht gleich für Speicherknappheit sorgen. Nach dem ersten Start wird man mit einem Einrichtungsassistenten begrüsst, durch den man Schritt für Schritt die grundlegenden Optionen erklärt bekommt. Hier wird auch der erste Kartendownload durchgeführt, bei welchem man sich alle verfügbaren Karten weltweit aussuchen kann. Die Map für Deutschland, Österreich und Schweiz wiegt dabei etwa 1 GB. Der Clou: Die App erkennt automatisch, welcher Speicher verfügbar ist und lädt die Karten automatisch auf eine SD-Karte, sofern diese vorhanden ist. Die Möglichkeit, manuell den Speicherort festzulegen, bietet TomTom aber nicht an, was aber nicht notwendig sein sollte, sofern die Speicherwahl auf allen Geräten zuverlässig funktioniert.

 

In den Kartendaten sind zudem gleich alle POIs (Points of Interest) enthalten, aber auch 3D-Gebäude in Grossstädten, welche die Navigation erleichtern sollen. Auch die Standorte von stationären Radarfallen sind hier gespeichert und es werden selbst ohne Internetverbindung entsprechende Warnungen ausgegeben. Für aktuelle Verkehrsinformationen, Staumeldungen und Hinweise auf mobile Blitzer wird allerdings eine Internetverbindung vorausgesetzt.

 

 

Bedienung und Start der Navigation

Auch bei der Bedienung hat sich TomTom keine gröberen Schnitzer erlaubt. Die Kartenansicht selbst ist im Verfolgungsmodus sehr aufgeräumt und zeigt keinerlei überflüssige Buttons an. An der linken Seite findet sich lediglich ein Bedienelement, welches das Umschalten zwischen der Karten- und der 3D-Ansicht erlaubt, sowie zwei Zoom-Tasten, damit man auch mit einem Finger den Ausschnitt der Karte vergrössern und verkleinern kann. Sämtliche weiteren Optionen finden sich im Hauptmenü, welches man durch den Dreipunkt-Button unten links erreicht. Ist man im Verfolgungsmodus unterwegs, werden zudem auch die aktuelle Geschwindigkeit, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit und eventuelle Hindernisse oder Radar-Warnmeldungen der näheren Umgebung angezeigt.

 

Das Hauptmenü ist in Listenform aufgebaut und lässt sich im Querformat seitenweise und im Hochformat fliessend blättern. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn man das Navi in der Halterung bedient und eine Wischbewegung weniger Präzise ist. Während der Fahrt sollte man aber ohnehin die Bedienung des Smartphones vermeiden. Ausserdem kann man hier direkt die Lautstärke von Ansagen und Warnmeldungen regeln und hat die Möglichkeit, mit einem Klick die Sprachausgabe zu deaktivieren, sowie zwischen Tag- und Nacht-Modus zu wechseln. Jeder Menüpunkt wird zudem durch ein grosses und klar definierbares Symbol dargestellt, was die Bedienung vor allem aus grösserer Distanz zum Display und auf kleinen Smartphones angenehm erleichtert.

 

Die Performance bei der Bedienung lässt dabei keine wirklichen Beanstandungen zu. Trotz Übergangsanimationen, durchsichtigem Menü-Design, welches dem permanenten Blick auf die Karte im Hintergrund erlaubt, und detaillierter Kartenansicht lässt sich die Software stets schnell und flüssig bedienen, auch auf etwas schwächeren Smartphones.

 

Einziges Manko: Obwohl die Menüpunkte angenehm gross und treffsicher zu bedienen sind, ist ausgerechnet die Zurück-Taste oben links und auch der Karten-Button oben rechts, welcher direkt zurück zur Kartenansicht führt, recht klein gehalten und beide lassen sich manchmal schwer treffen. Trotz der eindeutigen Übergangsanimationen, welche Untermenüs von rechts herein schweben und beim Zurückspringen zur vorigen Ebene nach rechts heraus gleiten lassen, funktionieren hier keine seitlichen Wischgesten anstelle des kleinen Buttons. Dies wäre bedientechnisch eine tolle Ergänzung für die finale Version.

Navigation und Sprachanweisungen

Kommen wir nun zur Kernaufgabe einer Navigationssoftware: Die Routenführung. Hier gibt sich der TomTom GO Mobile Navigator überhaupt keine Blösse und zeigt deutlich, wie viel KnowHow das Unternehmen in den vielen Jahren angehäuft hat. Wie sich das gehört, liefert die Software im Navigationsmodus alle wichtigen Informationen auf einen Blick ohne überflüssigen Schnickschnack. Und selbst bei einem flüchtigen Blick aufs Display ist die grafische Darstellung klar zu deuten. Die Karte selbst ist in sehr dezenten Farben gehalten, welche genug Kontrast haben, um angenehm und schnell erkennbar zu sein. Dadurch heben sich vor allem Warnmeldungen deutlich ab, damit man als Fahrerin oder als Fahrer nicht mehr abgelenkt wird, als unbedingt notwendig. Die Geschwindigkeitsanzeige ist im Regelfall grau dargestellt, färbt sich aber bei Überschreitung eines eventuell vorhandenen Tempo-Limits erst Orange und dann tiefrot, was selbst aus dem Augenwinkel sofort erkennbar ist.

 

Am rechten Rand befindet sich zudem eine Anzeige über sämtliche Verkehrsinformationen auf der aktuellen Route, zudem bietet sie eine Vorschau über alle Ereignisse auf den nächsten 70 km der Strecke, mit Angabe der Entfernung bis zum nächsten auftretenden Ereignis. Hier werden sowohl Stau-Informationen wie auch Blitzer, Tankstellen und Umleitungen angezeigt. Tippt man nun mit dem Finger auf eines der Ereignisse, wird die Karte sofort darauf ausgerichtet und eine Liste von passenden Optionen angezeigt. So kann man mit einem weiteren Klick einen Stau umfahren oder die nächste Tankstelle auf der Route als Zwischenziel ansteuern, ohne die eigentliche Navigation verlassen zu müssen. Die nötigen Klicks bei der Bedienung werden dabei auf das nötigste Minimum reduziert.

 

Auf Autobahnen oder Schnellstrassen kommt als zusätzliche Hilfe auch wieder ein Spurassistent zum Einsatz. Dieser hat allerdings zwei separate Anzeigestufen. An Strassenabschnitten, bei denen die Autobahn nicht gewechselt oder verlassen werden soll, wird lediglich eine kleine Anzeige am oberen Bildschirmrand eingeblendet, welche andeutet, in welchen Spuren man bleiben soll. Dies sorgt für wenig Ablenkung, wenn man selbst erkennt, in welche Spuren man sich einordnen muss, dient aber bei Unsicherheit dennoch als Hilfe. Die Anzeigen selbst tauchen dabei immer ausreichend weit vor dem entsprechenden Ereignis auf und verschwinden genau dann wieder, wenn sie nicht mehr relevant sind. Sollte doch ein Wechsel der Autobahn oder die Abfahrt notwendig sein, wird eine Grafik angezeigt, welche die vorhandene Spur-Situation optisch darstellt und ein animierter Pfeil zeigt, in welche Spuren man sich einordnen soll. Auch hier ist wieder alles auf möglichst eindeutige und schnelle Erkennung ausgelegt, um die Ablenkung minimal zu halten.

 

Die besten Navigationssysteme sind aber immer noch die, auf die man gar nicht schauen muss. Dazu benötigt man entweder einen Beifahrer, welcher sich im Kartenlesen versteht oder eine besonders gute Sprachausgabe im Navi. Wenn man aber mit dem TomTom GO Mobile Navigator unterwegs ist und eine synthetisch generierte Sprache aktiviert hat, könnte man fast meinen, man hat beides dabei. In der von uns getesteten Beta stand zum Testzeitpunkt lediglich die männliche, deutschsprachige Stimme mit dem Namen Yannik zur Verfügung. Diese leistet aber so gute Arbeit, dass man fast das Gefühl bekommt, ein echter Mensch würde uns per Radio die Sprachansagen durchgeben, wenn da nicht kleinere Patzer in der Aussprache von Strassennamen währen. Dennoch liefert die Stimme fast immer einen sauberen und verständlichen Satzbau, gab immer zu den richtigen Zeitpunkten ausreichende Informationen und ist vom Klang her klar und deutlich zu verstehen. Besonders angenehm wird es sogar, wenn man die Stimme über Bluetooth oder Kabel über das Autoradio wiedergibt. Wer die Sprachausgaben lieber minimalistisch haben möchte, kann aber jederzeit auf die aufgezeichneten Stimmen zurückgreifen, welche lediglich grundlegende Richtungsangaben geben, allerdings wirken ausgerechnet diese recht künstlich und abgehakt, da nach jedem Wortbaustein eine kurze Pause eingelegt wird.

 

Als kleine Anmerkung am Rande: Gerade bei der Nutzung des Navigationssystems auf dem Motorrad hat man nicht immer die Möglichkeit, das Smartphone am Lenker zu befestigen. Besonders hier sind präzise, deutliche und zuverlässige Sprachangaben unverzichtbar. Als Motorradfahrer, der schon oft mit Navigationssystem ohne diese Möglichkeiten fahren musste, kann ich guten Gewissens sagen, dass ich mich auf das TomTom GO Mobile sprichwörtlich blind verlassen würde.

 

Wer sich selbst einen Eindruck über die Navigation und die Sprachausgabe machen will, für den haben wir eine kleine Probefahrt gemacht und verschiedene Fahrsituationen in einem Video zusammen geschnitten.

Verschiedene weitere Funktionen

Der Umfang der TomTom GO Mobile Navigationssoftware beschränkt sich allerdings nicht nur auf das reine Navigieren mit aktuellen Verkehrsinformationen. Für eine bereits eingegebene Route hat man zusätzlich die Möglichkeit, den Routenweg nach verschiedenen Kriterien anzupassen. Dabei stehen, neben Fussgänger- und Fahrrad-Routen sowie der kürzesten und schnellsten Route, auch noch Optionen zur Verfügung, um unterschiedliche Strassentypen zu vermeiden oder auch die umweltfreundlichste Strecke zu nutzen. Bei Letzterer wird darauf geachtet, dass unnötige Stadt-Fahrten und Ampelstops gemieden werden, was auch den Benzinverbrauch minimieren soll. Bestimmte Routen können auch gespeichert werden, was vor allem für Motorradfahrer interessant sein dürfte, um beliebte Strecken zu speichern. Die Navigation leitet euch dann als erstes zum Startpunkt und dann exakt entlang der gespeicherten Strecke.

 

Solltet ihr einmal eine Radarfalle oder einen mobilen Blitzer entdecken, benötigt es lediglich zwei Klicks auf die Menü-Taste und dann auf den entsprechenden Punkt im Hauptmenü. Schon wird automatisch die letzte Position als Standort des Blitzers an TomTom übermittelt und man hilft so, diese dann anderen Verkehrsteilnehmern mitzuteilen. Auch die Suche nach Parkplätzen oder Tankstellen ist kinderleicht umgesetzt. Tankstellen werden mit ebenfalls zwei Klicks in der näheren Umgebung und bis auf eine gewisse Strecke entlang der Route gezeigt, bei der Parkplatzsuche wird man dagegen direkt zu Parkplätzen verwiesen, welche bei aktiver Routenführung in der Nähe des Zielortes liegen.

Preisgestaltung und Abo-Modell

Wie zu Beginn der Review bereits erwähnt, haben Anbieter von Navigationssoftware immer mehr mit der kostenlosen Konkurrenz zu kämpfen. Deshalb bleibt auch hier nichts anderes übrig, als sich dem Markt anzupassen und Angebote zu liefern, welche dennoch attraktiv genug sind. Zwar bietet TomTom hier kein gänzlich kostenloses Navigationssystem an, doch man kann die Software ohne Registrierung oder etwas zahlen zu müssen jeden Monat über eine Strecke von 75 km in vollem Umfang kostenlos nutzen. Will man also nur gelegentlich navigieren und kann damit leben, die Software nur für die letzten Kilometer zum Ziel einzusetzen, hat man hier eine kostenlose und vollwertige Offline-Navi-Lösung, welche den anderen Gratisangeboten in vielerlei Hinsicht deutlich überlegen ist. Allerdings muss man dann auf den Verfolgungsmodus mit Verkehrs- und Blitzermeldungen verzichten, da auch hier die gefahrenen Kilometer auf das kostenlose Pensum angerechnet werden.

 

Für eine unlimitierte Nutzung wird mit der TomTom GO Mobile Navigation auch ein neues Abo-Modell eingeführt. Hier hat man die Wahl zwischen einem Abo für ein Jahr oder direkt für drei Jahre. Dabei stehen einem alle verfügbaren Karten weltweit zur Verfügung und man kann diese sowohl in der Gratis- als auch der Abo-Version immer aktuell laden und offline nutzen. Für das 1-Jahres-Abo werden dabei SFr. 19.- bzw. 19.99 Euro fällig, für die 3-Jahres-Lizenz sind es dann 44 Schweizer Franken oder 44.99 Euro. Kundinnen und Kunden, die bereits eine frühere TomTom-Version gekauft haben, können das 3-Jahres-Abo von TomTom GO Mobile Premium als In-App-Kauf für 50 Cent bzw. Rappen kaufen.

Fazit

Es wird oft behauptet, dass es nicht mehr notwendig sei, eine kostenpflichtige Navigationslösung zu kaufen, wenn es doch auf jeder Plattform auch kostenlose Alternativen gibt. Sobald man aber einmal die aktuellen kostenpflichtigen Systeme genutzt hat, wird man merken, dass diese in Komfort, Zuverlässigkeit und Umfang den kostenlosen Anwendungen in fast jeder Hinsicht überlegen sind. Während beispielsweise Here Maps auf ein traditionelles App-Interface mit zu kleinen Schaltflächen für die Navi-Bedienung und weniger zuverlässigen Sprachansagen setzt, fehlt es Google Maps an vollwertigen Offline-Karten. Blitzer-Meldungen, Spurassistent sowie eine einfache Verwaltung von Routen oder das Einfügen von Zwischenzielen bietet keine der beiden Lösungen an. Hier zeigt sich deutlich die 14 Jahre lange Erfahrung des Herstellers im Bereich Navigationslösungen. Wenn noch ein klein Wenig an der Bedienung des Menüs gefeilt wird, gibt es bei der Software keinerlei Beanstandungen mehr und man bekommt für einen angemessenen Preis eine vollwertige und komfortable Navigationssoftware, die kaum Wünsche offen lässt.

 

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Eine Antwort zu “App-Review: TomTom GO Mobile Navigation im Test”

  1. Wolfgang D sagt:

    Danke für den Vorabtest. Die App ist jetzt auch im Store erhältlich, wie ich gerade sehe.

    Da meine gekaufte Tomtom App mit dem G3 nicht kompatibel ist und wohl nicht mehr angepasst werden wird, muss ich mit einem Grummeln im Bauch umsteigen. Schlechte Erfahrungen mit frischer Tomtom Software…

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