Mi. 06. Juli 2016 um 14:56

Review: LG X Screen im Test

von Barbara Walter-Jeanrenaud0 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung
  2. Design, Haptik und Verarbeitung
  3. Technische Daten
  4. Leistung und Performance
  5. Software und Second Screen
  6. Kamera
  7. Akku
  8. Sound- und Verbindungsqualität
  9. Preise und Verfügbarkeit
  10. Fazit

 

1. Einleitung 

Das LG V10 kam in unserem Test Anfang des Jahres recht gut weg und sorgte mit seinem Second Screen für ein Alleinstellungsmerkmal, das User_innen und die Weltpresse anerkennend lobte. Ein Manko des Geräts war aber sein Preis: Nicht so wirklich das alleraktuellste Gerät und um die 400 Franken war vielen Leuten dann doch zu teuer. Mit dem LG X Screen bringt das südkoreanische Unternehmen nun ein Mittelklasse-Smartphone für 249 SFr. bzw. Euro auf den Markt, welches über dasselbe Zusatzfeature „Second Screen“ verfügt. Das LG X Screen ist nur ein Teil der neuen LG X-Serie, es gibt nun, angelehnt an die X-Men, spezialisierte Smartphone, so gibt es neu auch das LG X Cam, ein Mittelklasse-Gerät, dass mit der sehr guten Highend-Kamera von LG ausgestattet ist.

 

Das LG X Screen ist nun also die Auskopplung aus der X-Serie, die mit dem schon vom LG V10 bekannten Second Screen ausgestattet ist. Während das V10 aber durch recht starke Hardware und ein sehr edles Äusseres trumpfte, kommt das LG X Screen nun deutlich günstiger daher. Ob es den Alltagstest besteht, lest ihr nun in diesem Testbericht.

 

2. Design, Haptik und Verarbeitung

Nimmt man das LG X Screen zum ersten Mal aus dem in weiss und silber gehaltenen Karton, sucht man wahrscheinlich zunächst mal den Akku zum Einlegen. Dieser ist aber fest verbaut – und das Gerät selbst leicht wie eine Feder. Es ist gute 5 Zoll gross und so erwartet man doch ein ganz anderes Gewicht als die vorhandenen 120 Gramm. Das Hauptdisplay misst 4.8 Zoll, hinzu kommt noch das 1.8 Zoll grosse zweite Mini-Display, welches sich am oberen rechten Rand befindet. Um das gesamte Display herum befindet sich ein recht dicker Rand, wodurch das gesamte Gerät noch einmal grösser wirkt. Auf der Vorderseite befinden sich neben den Displays die Kamera oben links sowie ein LG-Logo unten in der Mitte. Auf der Rückseite kommt die Kamera oben in der Mitte zum Vorschein, direkt darunter der Blitz und wiederum das LG-Logo. Am rechten Rand befinden sich der Micro-SD- und SIM-Karten-Slot sowie der An/Aus-Knopf, links die Lautstärkewippe und unten der 3.5 mm Klinkenanschluss, der Micro-USB-Anschluss sowie der Mono-Lautsprecher in Form eines Schlitzes. Es gibt keinen Homebutton oder Fingerabdrucksensor.

 

Alles in einem wirkt das Gerät absolut schnörkellos und klassisch. Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick hebt es sich nicht wesentlich von der grossen Masse an Mittelklassegeräten ab. Das LG X Screen ist komplett aus Kunststoff gefertigt, die Umrahmung kommt in einem Edelstahl-Design daher, ist aber ein Imitat. In der Farbe schwarz macht es einen guten, soliden Eindruck. Allerdings ist das verwendete glänzende Kunststoffmaterial ein echter Magnet für Staub, Fussel und Fingerabdrücke. Kaum fünf Minuten in Betrieb und es sieht aus wie drei Tage lang in der Handtasche vergessen. Es ist auf jeden Fall ratsam, in eine Hülle zu investieren, wenn man nicht den ganzen Tag mit einem Microfasertuch herumfeudeln möchte. Dasselbe zeigt sich auch beim Display: Einmal (mit frisch gewaschenen, sauberen Händen) eine Nachricht geschrieben und schon zieht sich ein sehr deutlicher Schmierfilm über die ganze Vorderseite. Hübsch ist das nicht, allerdings muss man fairerweise sagen, dass das X Screen hier keinesfalls ein Einzelfall ist.

 

Im Lieferumfang befinden sich neben dem Smartphone selbst ein Paar Ohrstöpsel mit Steuermodul, eine Kurzanleitung, ein Micro-USB zu USB-Kabel sowie ein Netzteil. Alles ist recht platzsparend in einer weissen Pappschachtel mit dem in Silber aufgeprägten X Screen Schriftzug verpackt, das Gerät selbst liegt obenauf, unter einen dünnen Pappschicht kommt dann das Zubehör und die Anleitung zum Vorschein. Das Smartphone liegt gut in der Hand, alle Anschlüssen und Knöpfe funktionieren einwandfrei. Die Druckpunkte sind gut, es genügt ein sehr leichter Impuls auf die Buttons, ohne dass sie dadurch schwammig wirken. Allgemein ist die Verarbeitungsqualität ausgezeichnet, nichts wackelt, knarzt oder quietscht. Alles sitzt an seinem Platz und bleibt auch dort.

 

 

3. Technische Daten

GerätLG X Screen
BetriebssystemAndroid 6.0 Marshmallow
Grösse142.6 x 71.8 x 7.1 mm
Gewicht120 Gramm
Akku2’300 mAh, nicht wechselbar
Display4.8 Zoll LCD Display, 1’280 x 720 Pixel Auflösung
Hauptkamera13 Megapixel
Frontkamera8 Megapixel
Blitz LED
ProzessorQualcomm Snapdragon 410 mit 1.2 GHz Takt
Arbeitsspeicher2 GB RAM
Flash-Speicher         16 GB, erweiterbar per Micro-SD-Karte
VerbindungenBluetooth 4.1, LTE, HSPA

 

Die technischen Details zeigen sich durchwachsen. Die Kamera sticht mit ihren 13 Megapixel positiv hervor, die restliche Hardware ist eher mau. Allerdings ist das LG X Screen mit Android 6.0 Marshmallow ausgestattet, was vergleichbar günstige und ähnlich ausgestattete Geräte nicht immer von sich behaupten können.

4. Leistung und Performance

Der Snapdragon 410 mit 1.2 GHz Takt macht seine Sache nicht schlecht. Unterstützt von 2 GB RAM arbeitet er zuverlässig und in einem soliden Tempo vor sich hin. Riesige Sprünge sind nicht zu erwarten und bei aufwendigen Spielen wie Real Racing 3 kommt der Chip schon an seine Leistungsgrenzen, allerdings ist das Gerät in Punkto Leistung und Performance absolut alltagstauglich. Wer keine Power-Maschine braucht, wird mit dem Smartphone zufrieden sein. Die üblichen täglichen Anforderungen, also Nachrichten schreiben und empfangen, telefonieren, Emailkonten checken und ab und ein kleines Spiel spielen ist überhaupt kein Problem und alles läuft flüssig. Auch mehrere Apps im Hintergrund trüben die Performance nicht, schwierig wird es erst, wenn man Gas gibt und mehrere Spiele gleichzeitig startet.

 

Natürlich ist der Prozessor nicht der schnellste, das kann man zu dem Preis auch nicht erwarten. Die Verzögerungen, die es im Vergleich zu deutlich teureren Highend-Smartphones gibt, halten sich aber in Grenzen und werden im Normalfall der Zielgruppe überhaupt nicht auffallen.

5. Software und Second Screen

Schaut man sich die Benchmarks an, so liegt das LG X Screen auf einem Niveau mit dem Samsung Galaxy S III von 2012. Man kann es also nicht gerade als Kraftpaket bezeichnen. Nichtsdestotrotz läuft die Software sauber und ruckelfrei, die Apps öffnen sich in angemessener Zeit und stürzen nicht ab. Positiv hervorzuheben ist Android 6.0 Marshmallow, das Betriebssystem läuft einwandfrei und mit allen Finessen auf dem doch eher schwachen Gerät.

 

Das vorinstallierte User Interface ist LGs eigenes UX und wie gehabt: Ein wenig zu bunt, einfach zu bedienen und mit vielen praktischen und hilfreichen Tipps zur Benutzung ausgestattet, die sich aber auch ausschalten lassen. Das besondere Feature des Smartphones von LG ist allerdings der Second Screen, der in dieser Form auch schon im LG V10 verbaut war.

 

Beim zweiten Screen, der ja auch für das Gerät namensgebend ist, handelt es sich wie beim V10 auch um einen kleinen Abschnitt in der oberen rechten Region des Bildschirms. Dieser ist von Haus aus „Always On“ und bietet einem auch bei abgeschaltetem Screen die wichtigsten Informationen auf einen Blick: Also Uhrzeit, Akkustand, Benachrichtigungen und aktive Apps. Das Ganze mutet an wie das von Windows Phone 8.1 und Windows 10 Mobile bekannte Glance. Die Daten erkennt man sehr gut und deutlich, ohne dass von ihnen viel Licht ausginge. Man kann das Gerät also auch bequem neben dem Bett liegen haben, ohne dass der Schein der Anzeige den Schlaf stört. Ist das Display aktiv, so bekommt man durch Wischen nach links sehr schnell wichtige Funktionen zur Auswahl, ohne den Hauptbildschirm zu verdecken. Man kann nun über den Second Screen die Lautstärke regeln, WLAN ein- oder ausschalten, die Taschenlampe benutzen, Bluetooth aktivieren oder deaktivieren sowie zu den zuletzt verwendeten Apps wechseln. Ausserdem ist es nach Einstellung möglich, den Musik-Player über den X Screen zu steuern, sich die nächsten Termine im Kalender zeigen zu lassen oder auch bestimmte Kontakte auf diese Weise blitzschnell auszuwählen. Der Second Screen erlaubt also wesentlich mehr als zum Beispiel die Kante an den Samsung Galaxy S6 und S7 edge-Geräten, mit denen man zwar die Apps aufrufen, nicht aber benutzen kann, wie etwa den Musik-Player.

 

Der Screen ist eine feine Sache und man gewöhnt sich sehr schnell daran, ihn regelmässig zu benutzen. Es ist sicher kein Must Have, aber doch sehr schön zu haben, da es die Nutzung doch etwas vereinfacht und beschleunigt. Insbesondere die Möglichkeit, die Schnellkontakte mit einem Wisch aufzurufen und dann auch gleich kontaktieren zu können, ist schon cool und wurde im Test viel genutzt.

 

6. Kamera

Die Kamera des LG X Screen verfügt über 13 Megapixel, die kleinere Frontkamera über 8 MP. Die Bildqualität ist nicht schlecht, allerdings zeigen sich schon einige Schwächen. Insgesamt wirken die Bilder zu hell und etwas verwaschen. Details sind teilweise etwas verschwommen, insbesondere, wenn sie aus etwas Entfernung aufgenommen werden. Wer die herausragende LG-Kamera-Qualität braucht, sollte aber zum LG X Cam greifen. Hier gibt es zu einem ähnlichen Preis ein Handy mit der Top-Kamera und ansonsten ähnlicher Ausstattung, nur eben ohne den zweiten Bildschirm. Die Kamera selbst löst relativ langsam aus und wirkt etwas träge in der Nutzung, allerdings fokussiert sie sehr gut und genau.

 

Im Folgenden findet ihr ein paar Beispielbilder, um euch die Fotoqualität selbst anzuschauen.

 

7. Akku

Geht der Second Screen auf die Akkuleistung? Nun, so pauschal lässt sich das nicht sagen. Der Akku des LG X-Screen hält einen Arbeitstag von etwa acht Stunden sehr gut durch und hat auch noch genügend Reserven für den Feierabend übrig. Lediglich beim Spielen und beim Musikhören kann man die Prozente bildlich purzeln sehen. Im Test waren vier Emailkonten über die App eingerichtet und wurden regelmässig synchronisiert, es wurden ca. zehn Telefonate von zwei bis zwanzig Minuten Länge geführt, einige Messenger verwendet und ein wenig gespielt. Sehr spezielle Games wie Ingress bleiben hier aussen vor, diese überleben im Normalfall kein Akku über längere Zeit. Mit Real Racing 3 zieht man aber schon genug Leistung vor allem über die Grafik, nicht umsonst ist es ein klassisches Review-Game bei neuen Geräten.

 

Die 2’300 mAh reichen also bei normaler Nutzung recht gut über den Tag. Spielt man allerdings viel oder aufwendige, moderne Spiele, sollte man eine Powerbank dabei haben. Unter sehr intensiver Nutzung und Spielen konnte der Akku innert vier Stunden komplett leergesaugt werden.

 

Wenig Einfluss hingegen hat die Nutzung des zweiten Screens, auch wenn man ihn oft benutzt oder antippt, schlägt er beim Akkuverbrauch kaum zu Buche.  Es macht im Alltag vielleicht einen Unterschied von zehn Minuten Akkulaufzeit aus, wenn er deaktiviert ist, allerdings ist kein Testtag wie der andere, so sehr man sich auch bemüht, immer gleiche Bedingungen zu schaffen – Labortests wiederum sagen einfach nichts über den Alltagsnutzen eines Geräts aus.

 

Alles in einem ist der Akku brauchbar, er könnte allerdings stärker sein, um noch komfortabler über den Tag zu kommen. Leider ist er nicht wechselbar, was bei einem Gerät dieser Grösse und Preisklasse doch immer wünschenswert wäre.

8. Sound- und Verbindungsqualität

Die Audiotalente des LG X Screen sind recht gut ausgebildet. Spielt man Videoclips ab oder lauscht dem Geschehen in Spielen, so ist alles angenehm zu verstehen. Über Kopfhörer kann man Musik für den alltäglichen Bedarf hören, ohne dass sich die Fussnägel hochbiegen, allerdings sind die Lautsprecher des Geräts nicht mit spezialisierten Smartphones, wie zum Beispiel den HTC-Geräten mit Boom Sound, zu vergleichen. Der Sound scheppert etwas und klingt längst nicht so satt wie aus dem Lautsprecher des HTC One M9. Dies ist in dieser Preisklasse aber meckern auf recht hohem Niveau: Immerhin funktionieren die Speaker einwandfrei und man versteht alles klar und deutlich.

 

Bei Telefonieren verhält es sich ähnlich, das Gegenüber ist gut verständlich. Man selbst ist auch recht gut zu verstehen, Umgebungsgeräusche werden ordentlich herausgefiltert. Im Test beschwerte sich das Gegenüber hin wieder über Lautstärkewechsel, obwohl das Gespräch im Sitzen in ruhiger Umgebung ohne Netzwechsel oder Ähnliches durchgeführt wurde.

 

Die Verbindungsqualität ist gut, es kam im Test zu keinerlei Abbrüchen, die am Gerät liegen könnten (wir waren vom Ausfall des Telekom-Netzes vor einigen Tagen betroffen). Das gewählte Netz ist stabil verfügbar, im direkten Vergleich zum iPhone 5s und dem Samsung Galaxy S6 edge kommt es sogar besser weg und verfügt über etwas besseren Empfang im 3G-Bereich. Der WLAN-Empfang war im Test durchschnittlich gut, das LG X Screen erreichte aus ebenso weiter Entfernung den WLAN-Router wie die anderen Geräte auch, hier gibt es nichts zu beanstanden.

9. Preise und Verfügbarkeit

Das LG X Screen hat eine UVP von 249 Euro bzw. 259 SFr. Es ist allerdings schon ab 199 Euro bzw. 229 SFr. bei manchen Händlern zu bekommen. In der Schweiz fanden wir es im Shop von digitec und den anderen üblichen Verdächtigen, in Deutschland ist es zum Beispiel über Amazon, notebooksbilliger und einige weitere Händler zu bekommen. Bei Media Markt und Saturn scheint es noch nicht ins Sortiment aufgenommen worden zu sein, zumindest konnten wir es weder online, noch vor Ort im Geschäft finden. Auch ein Bestellen über LG ist möglich, allerdings zur UVP.

10. Fazit

Es bleibt abschliessend die Frage: Ist der Second Screen ein so einschlagendes Verkaufsargument, so dass es sich für LG lohnt, ein solches Gerät zu bringen? Nun, der zweite Mini-Bildschirm ist eine schöne, praktische Sache und im Test wurde er viel genutzt. Als Alleinstellungsmerkmal wird er es aber schwer haben, man kann nämlich auch gut und gern darauf verzichten. Anders sieht dies natürlich bei Kamerahandys oder welchen mit extra-starker Akkuleistung aus.

 

Alles in einem ist das LG X Screen ein schnörkelloses, angenehmes Gerät. Es funktioniert einwandfrei und erfüllt seinen Zweck: Es hält einfach, was es verspricht. Es ist allerdings etwas langsam und verfügt über zu wenig Power für ein aktuelles Smartphone. Es ist technisch auf demselben Stand wie ein vier Jahre altes Flaggschiff – und das ist nun nicht das Gelbe vom Ei – auch wenn es über sehr gut funktionierendes Android 6.0 Marshmallow verfügt.

 

Ansonsten ist das Gerät sehr ordentlich verarbeitet und extrem leicht. Es liegt gut in der Hand und ist angenehm zu bedienen. Was etwas stört, ist, dass es extrem anfällig für Fingerabdrücke, Staub und Fussel ist, es zieht jeden Schmutz magisch an und sollte, wenn man hier empfindlich ist, auf jeden Fall in einer Hülle aufbewahrt werden. Dies ist aber nicht weiter tragisch, da das Gesamtdesign doch eher klassisch und ein wenig bieder ist. Man versteckt also nicht das Nonplusultra des Smartphone-Designs in einer Hülle, sondern eher ein nicht hässliches, aber doch unscheinbares Telefon.

 

Der Akku hält ausreichend lang, könnte aber doch einen Ticken grösser bemessen sein. Die Kamera ist in Ordnung für Schnappschüsse, Foto-Fans werden mit ihr aber sicher nicht glücklich und sollten sich das Schwestergerät LG X Cam genauer anschauen, welches zu einem ähnlichen Preis erhältlich ist. Die UVP von 249 Euro bzw. 259 SFr. ist in unseren Augen zu hoch gegriffen, der derzeitige Preis im Handel von rund 200 Euro / SFr. ist hier realistischer und sicher auch angemessen.

vg-wort
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