Di. 04. Oktober 2016 um 16:08

Review: Das „sicherste Smartphone der Welt“ Blackberry DTEK50 im Test

von Marcel Laser0 Kommentare

Heute im Test, das neue DTEK50 aus dem Hause Blackberry mit dem Betriebssystem Android. Der Hersteller selbst nennt es das „sicherste Smartphone der Welt“, was wohl an der hauseigenen DTEK-Software liegen soll, aber das Device hat auch noch ganz andere Dinge zu bieten. Wir haben uns das einmal genauer angeschaut. An dieser Stelle einen grossen Dank an den Online-Versandhändler notebooksbilliger.de für die Bereitstellung des DTEK50.

Inhaltsverzeichnis

  1. Erster Eindruck und Design
  2. Hardware und Performance
  3. Die Software: Sicherheit dank DTEK-Software
  4. Gutes FullHD-Display mit toller Farbdarstellung
  5. Kamera mit ordentlichen Schnappschussqualitäten
  6. Akkulaufzeit und Sprachqualität
  7. Fazit – Das sicherste Smartphone der Welt mit Schwächen

Erster Eindruck und Design

Wer glaubt, das DTEK50 von BlackBerry schon einmal gesehen zu haben, der täuscht in erster Linie nicht. Auch uns kommt das Gerät nach dem Auspacken sichtlich bekannt vor. Kein Wunder, denn das BlackBerry DTEK50 ist ein Lizenzsmartphone, welches sich die Hardware und das Gehäuse des Alcatel Idol 4 ausgeliehen hat. BlackBerry selbst hat bereits vor ein paar Tagen mehr oder weniger still und heimlich angekündigt keine eigenen Smartphones mehr zu bauen und das DTEK50 darf als Hinweis genommen werden, dass das auch in Zukunft wirklich so ist.

 

Anstatt wir nun hier die Daten des Alcatel Idol 4 kopieren, schreiben wir die Dimensionen dennoch einmal kurz gerne aus: So misst das Gehäuse recht handliche 147 x 72.5 x 7.4 mm und liegt damit wirklich ausserordentlich gut in der Hand. Das Gewicht von 135 Gramm ist dabei weder zu schwer noch zu leicht und sorgt ebenfalls für eine angenehme Haptik, auch wenn der Rücken aus härterem Kunststoff besteht. An der Verarbeitung gibt es eher wenig zu beanstanden. Grate und übergeordnete Spaltmasse findet man vergeblich und tragen daher zum guten Gesamteindruck bei. Alcatel bewies ähnliches bereits mit dem Idol 4 und das DTEK50 bildet hier keine Ausnahme.

 

Die Rückenschale soll allerdings mit einer geriffelten Oberfläche für einen guten Halt sorgen, allerdings empfanden wir diese dennoch etwas rutschig, was nicht zuletzt auch am Kunststoff selbst lag. Eine Eigenheit, die allerdings bei nahezu allen Geräten mit Plastikrückseite zu beobachten ist, sobald die Hände mal etwas feuchter sein sollten. Schlimm ist das allerdings nicht und das BlackBerry DTEK50 bleibt dennoch relativ griffig.

 

Hardware und Performance

Gleich vorne Weg: Das BlackBerry DTEK50 ist kein Leistungsmonster sondern mit Hardware der unteren Mittelklasse ausgestattet. Der im Gerät verbaute Snapdragon 617 ist seinem in der Mittelklasse etablierten Bruder Snapdragon 625 bei weitem unterlegen und das spürt man tatsächlich auch in höherer Performance-Last. Allerdings kommen beim DTEK50 grosszügige 3 GB RAM zum Einsatz. Der interne Speicher misst 16 GB, kann aber per microSD aufgestockt werden. Laut Hersteller sogar bis zu 2 TB finden per microSD im Gerät ihren Platz, jedenfalls wenn irgendwann mal solche Karten gefühlt im Jahr 2025 auf dem Markt sind. Das Display kommt auf 5.2 Zoll und löst in scharfen 1080p auf. Weitere Daten sind eine 13 sowie eine 8 MP Kamera, microUSB 2.0 und ein 2’610 mAh starker Akku, der das System mit Strom versorgen soll. Löblich: Das DTEK50 beherrscht WLAN ac, was in dieser Gerätekategorie nicht immer der übliche Standard ist.

 

Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim DTEK50 nicht direkt um einen Hochleistungssprinter. Erste Benchmarkversuche von uns zeigten die deutlichen Abstände zu anderen Mittelklassegeräten. Allerdings blieb es in manchen Fällen auch nur beim „Versuchen“. Seltsamerweise wollte Geekbench sich nicht wirklich zum Starten bewegen, was unter Umständen an der DTEK-Software liegen könnte, die das Gerät zusätzlich absichert und da Geekbench gerne mal Daten hin und her schaufelt, wird dieses wohl von der Software unterbunden. So zogen wir ein paar Spiele heran, um zumindest über die Gaming-Performance einen Rückschluss ziehen zu können.

 

Spiele wie Riptide GP2 und Real Racing 3 stellen das DTEK50 bereits vor kleinere Probleme. Framedrops sind zwar nicht im hohen Masse vorhanden, teils Gameplay-störende Mikroruckler allerdings schon. Zudem schraubt die automatische Erkennung von Real Racing 3 die Grafikqualität enorm runter, um überhaupt flüssige Bildraten zu erzeugen. Vor allem wenn viel auf dem Display passiert, wie etwa in grösseren Wuselspielen wie Clash of Clans bei Grossangriffen, fühlt sich das DTEK50 dann doch überfordert.

 

Aber da Gaming generell eine ganz eigene Leistungskategorie ist und etwas mehr vom Gerät abverlangt, so spürt man das im Alltag eher weniger. Apps öffnen sich ausreichend schnell, Webseiten laden zügig und generell ist die Oberflächenperformance gut. Für eMails, WhatsApp, Facebook und andere derartige Aufgaben ist man also durchaus gerüstet und sie verlangen bei weitem auch nicht die Leistung von aufwendigen Spielen.

 

Die Software: Sicherheit dank DTEK-Software

Das Blackberry DTEK50 wird mit Android 6.0.1 Marshmallow ausgeliefert, doch beim ersten Start wurden gleich erst einmal zwei Updates gezogen. BlackBerry kümmert sich also um seine Geräte, das ist schon einmal schön zu sehen und macht Hoffnung auf weitere Softwareaktualisierungen.

 

Guckt man sich die Oberfläche genauer an, so merkt man, dass BlackBerry eigentlich gar nicht so viel verändert hat. Die UI ist stark an die Grundversion von Android angelehnt und so sucht man Hersteller-Anpassungen eher mit der Lupe. Das schlägt sich übrigens auch positiv auf die oben erwähnte gute Performance im System nieder. Dennoch hat BlackBerry ein paar eigene Softwarefeatures implementiert.

 

Immer dabei ist hier vor allem der sogenannte BlackBerry HUB, welcher für euch als Mitteilungszentrale dient. Er sammelt also alles an Benachrichtigungen von SMS, WhatsApp, E-Mail und andere Nachrichten und listet sie für euch sortiert auf. Ein Feature, das bereits im Z10 mit BlackBerry OS Spass machte und eine Portierung dessen ist gern gesehen. Für BlackBerry Fans definitiv ein positives Argument. Zudem wurde der Taskswitcher leicht überarbeitet und ist ein wenig übersichtlicher als die Stock-Android-Version. Zudem sind noch ein paar BlackBerry Apps, wie ein eigener Kalender oder die BlackBerry eigene Touchscreen-Tastatur.

Gesondert erwähnen muss man aber vor allem die Software, die dem DTEK50 auch seinen Namen verleiht. Hier geben wir an dieser Stelle gerne auch einen Querverweis auf Samsung, die mit Knox ebenfalls ein eigenes Sicherheitssystem gebastelt haben, welches allerdings von… Na? Von wem mitentwickelt wurde? Genau! BlackBerry. Ob die DTEK-Software auf dem DTEK50 allerdings in ähnlicher Weise zu betrachten ist, seit allerdings erst einmal dahingestellt.

 

Grösstes Feature der Software ist allerdings die mögliche Vollverschlüsselung des Smartphones. Somit sind die meisten Daten wie Kontakte, Unternehmensdateien, Videos oder Fotos durch aussenstehende Einflüsse nicht einsehbar. DTEK verhindert allerdings auch noch andere Dinge und zwar darunter auch das unter Android-Fans beliebte Rooting. BlackBerry nennt diese Methode Private Key, welcher hardwareseitig in einem speziellen Chip hinterlegt ist und damit Zugriffe fürs Rooting nahezu unmöglich machen. Zudem wurde vom Hersteller noch zusätzlich Secure Boot implementiert, was ebenfalls eine weitere zusätzliche Hürde darstellt. Aber nun gut, das DTEK50 soll ja laut Unternehmen das sicherste Android-Smartphone der Welt sein und da hat ein Rootzugriff nun einmal keinen Platz.

 

Ebenfalls interessant ist die Rechteverwaltung der DTEK-Software, wo ihr Apps und Programme gesondert noch einmal diverse Befugnisse erteilen könnt. Sie soll zum Android-Verfahren noch einmal zusätzlichen Schutz bieten, allerdings hatten wir das Gefühl alle Rechte irgendwie mindestens zweimal bestätigen zu müssen. Gut, dass man diese Prozedur nicht all zu oft wiederholen muss, aber Sicherheit hat wohl auch seinen Preis.

Gutes FullHD-Display mit toller Farbdarstellung

Das Display ist in allen Belangen wohl als gut zu bezeichnen und ist auch ein kleineres Highlight des DTEK50. Die Blickwinkel sind sehr stabil und die Farbwiedergabe durchaus kräftig, was zu einer farbenfrohen Anzeige führt. Mit 5.2 Zoll bewegt man sich zwischen relativ klein und den bekannten Phablet-Grössen ab 5 Zoll und findet hier einen guten Mittelweg. Da die Auflösung mit 1920 x 1080 Pixel auf eine PPI von circa 420 Zählern kommt, ist die Anzeige zudem mehr als nur scharf genug.

 

Die Ergebnisse decken sich hier übrigens eins zu eins mit dem Alcatel Idol 4, welches ebenfalls ein hervorragendes LCD-Panel bot. Die Hardware ist also auch hier identisch, was der Qualität aber keinen Abbruch tut! Im Gegenteil, denn bereits im Zwillingsbruder ist die Anzeige durchaus als gut zu bezeichnen.

Kamera mit ordentlichen Schnappschussqualitäten

Überraschend gut schlägt sich im übrigen auch die Kamera, was für Geräte dieser Kategorie auch nicht immer der Fall sein muss. Dennoch sprechen wir hier gern ein Lob für den 13 MP Knipser mit f/2.0 Blende auf der Rückseite aus. Die Bilder haben eine ordentliche Schärfe und überraschend kräftige Farbdarstellung, wovon letztere aber auch nicht übertrieben stark zur Geltung kommt. Das man mit 12 oder wie in diesem Fall mit 13 MP aber auch kein Monster im Detail erwischt hat, ist ebenfalls logisch. So werden Bilder am PC beim stärkeren Reinzoomen deutlich unscharf und lassen Details stark verschwimmen. Deutlich besser platziert sind allerdings die Knipser von Samsung im Galaxy S7 oder dem iPhone 7 von Apple. Trotz weniger MP sind die Bilder teils deutlich besser. Dennoch spielt das DTEK50 ne einer völlig anderen Preisklasse und misst sich auch mit anderen Geräten.

 

Die Front wird übrigens von einer 8 MP Selfie-Cam unterstützt, welche ebenfalls ausreichend gute Qualität liefert. Für Videotelefonie und tolle Selfies ist hier also ausreichend geliefert worden.

 

Die Kameras an sich schlagen sich aber wirklich gut. Auch wenn der Abstand zur Spitze gross ist, mit der sich das DTEK50 allerdings eh nicht messen will, so sind die Schnappschussqualitäten der Kamera im Rücken ordentlich. Schwach ist zwar die Low-Light-Performance, aber Wunder erhofften wir uns an dieser Stelle sowieso nicht. Bilder bei guten Lichtverhältnissen liefern im DTEK50 dennoch eine annehmbare Qualität.

 

Akkulaufzeit und Sprachqualität

Die Akkulaufzeit in grossem Masse eigentlich als in Ordnung bezeichnet werden, auch wenn grosse Sprünge absolut nicht möglich sind. Der Akku selbst misst eine Kapazität von 2’610 mAh was zum Beispiel im Vergleich mit einem Huawei P9 mit identischer Display-Diagonale rund 90 mAh weniger sind. Die Laufleistung reicht allerdings immer (alles andere wäre auch schon eine Farce) für einen guten Arbeitstag aus, sofern man das System all zu stark belastet. Grösster Stromfresser ist hier vor allem das Display, aber wenn man seine Gaming-Ambitionen, welche man eh auf dem DTEK50 nicht vollends auslegen kann (siehe Abschnitt Performance), so sollte man durchaus durch den Tag kommen.

 

Blackberry selbst hat die Quick Charge 2.0 Technologie implementiert und liefert auch entsprechendes Zubehör mit. Allerdings wird, wie beim Idol 4, hier noch microUSB 2.0 gesetzt statt des bisher sich nach und nach durchsetzenden USB-Type-C Standards.

 

Etwas stutzig machte uns allerdings die Sprachqualität, welche wir in unseren Tests bereits seit längerem „kein Gehör“ (tolles Wortspiel) mehr schenken, da eigentlich alle Smartphones durch die Bank weg sehr gute Ergebnisse erzielen. Das DTEK50 hat hier aber so seine Probleme und so kommt es durchaus vor, dass die Sprachausgabe an der Ohrmuschel sehr kratzig klingt. Zudem hatten wir das Gefühl, dass nicht immer alles ankam, was man uns mitteilen wollte, was durchaus ein deutlicher Kritikpunkt ist, da hier eine Grundfunktion des Telefons stark negativ belastet ist.

Fazit – Das sicherste Smartphone der Welt mit Schwächen

Rollen wir das Ganze doch noch einmal im Schnellverfahren auf: Das DTEK50 von BlackBerry ist ein Alcatel Idol 4 mit Schwarzbeeren-Logo. Eigentlich kann man das im Grossen und Ganzen auch so stehen lassen. Das Display ist wirklich ausserordentlich gut und BlackBerry selbst legt natürlich eigene Softwarefeatures drauf, die nicht nur zur Sicherheit beitragen, sondern auch noch einige nützliche  Eigenentwicklungen Mitbringen: Stichwort BlackBerry HUB. Auch die sehr gute Touchscreen-Tastatur des Herstellers hat uns hier überzeugt.

 

Auf der anderen Seite müssen wir allerdings den Preis der Hardware gegenüberstellen und dann fällt das Device doch deutlich zurück. Mit 330 SFr. in der Schweiz und knapp 315 Euro in Deutschland, beispielsweise bei Notebooksbilliger.de, wird es eng im Mittelfeld. Zumal viele Geräte bereits auf den Snapdragon 625 setzen der an die Leistungen des Snapdragon 810 herankommen kann. Wer übrigens im Highend-Himmel suchen will kann mit einem kleineren Aufpreis beispielsweise schon Richtung Huawei Honor 8 oder zum OnePlus 3 schielen. Vor allem letzteres ist noch einmal um ein vielfaches stärker, hat allerdings nicht die Sicherheitsfunktionen des DTEK50, sofern ihr darauf gesonderten Wert legen solltet.

 

Alles in allem ist das BlackBerry DTEK50 ein grundsolides Smartphone, nicht herausragend, aber für ein Gerät im Bereich der (noch sehr positiv ausgedrückt) unteren Mittelklasse eben ein annehmbares Device. Als BlackBerry-Fan könnten hier die Software-eigenen Features durchaus punkten. Interessanter könnte es allerdings mit dem Highend-Smartphone DTEK60 werden, welches bereits in den Startlöchern stehen sollte.

 

 

vg-wort
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