Mi. 28. Oktober 2015 um 21:04

3D Touch: Der praktische Nutzen einer neuen Bedienmöglichkeit

von Marcel Laser2 Kommentare

Vorgestellt wurde die Technologie erstmals im neuen Macbook 12 und der Apple Watch. Force Touch fügt der Benutzeroberfläche eine neue Dimension in der Bedienung hinzu und erlaubt es, Aktionen auch jenseits eines „langen Touches“ auszuführen. Dabei verwechseln viele 3D Touch in den neuen iPhones mit einer langen Berührung auf diversen Bedienelementen. Natürlich geht der Grundgedanke deutlich weiter und wir beleuchten nun nach ein paar Wochen Test die Praxistauglichkeit der neuen 3D Touch-Technik von Apple.

Wie funktioniert 3D Touch und die Verwechslung mit einer langen Berührung

Im Netz sind die Diskussionen stellenweise kontrovers und gehen nicht zuletzt wegen Verständnisschwierigkeiten auseinander. Nicht wenige Menschen glauben, dass 3D Touch lediglich ein längeres Berühren von Bedienelementen darstellt. Das ist natürlich grundsätzlich falsch und hat rein gar nichts mit 3D Touch zu tun. Die in der Apple Watch und dem neuen Macbook auch Force Touch genannte Technik, macht das Display Druckempfindlich und kann auch zwischen unterschiedlichen Druckstärken unterscheiden, um so jeweils auch unterschiedliche Aktionen ausführen zu können. Die lange Berührung auf einem Bedienelement im System bleibt dabei vollständig erhalten und wird auch nicht ersetzt.

 

Apple nutzt hierfür eine kapazitive Schicht mit Sensoren unter dem Display, welche sehr feinfühlig reagiert. Denn auch wenn ihr nur einen sehr leichten Druck auf das Display ausübt, so biegt sich dieses in einem winzigen Bruchteil eines Milimeters durch. Die kapazitive Sensorschicht ist also in der Lage, diesen Druck zu fühlen und entsprechende Signale an das System weiterzuleiten, was somit unsere Aktionen auf der Oberfläche auslöst. Das erlaubt dem iPhone 6s (Plus) auch entsprechend unterschiedliche Aktionen bei unterschiedlichen Druckstärken auszulösen.

 

3D Touch kann also bei richtiger Integration sehr spannend sein und iOS somit eine weitere Möglichkeit der Bedienung spendieren. Ein Feature, das erst einmal für sich alleine steht und zeigt, dass wir neben Multitouch und Wischgesten auch noch andere Methoden für die Bedienung unserer Geräte einsetzen können. Schade finden wir allerdings, dass sich 3D Touch im gesamten System der iPhones nicht gerade aufzudrängen scheint. Man weiss von Anfang an leider nicht, wo es Konsequent eingesetzt werden kann und wo nicht. Probieren geht also über studieren und so versucht man überall einmal einen stärkeren Druck aufzulegen.

iPhone 6s 3d touch
Eine kapazitive Sensorschicht liegt unter dem Display und misst die Druckstärke.

Shortcut-System verkürzt Laufwege in iOS 9 erheblich

Was einem direkt ins Auge springt, dient uns also für die ersten Experimente mit 3D Touch. Natürlich! Der Homescreen. Schliesslich haben wir auf der Keynote von Apple gesehen, wie man das neue Feature bei App-Icons anwendet. Also, drücken wir erst einmal alles runter was sich so unter unseren Finger befindet: Das Google+ App? Nichts. Facebook-Seiten? Nichts. YouTube? Nichts. Hmmm, schwierig. Gut, man sollte vielleicht nicht direkt mit Drittanbieter-Apps beginnen, denn die Entwickler_innen müssen ja auch erst einmal alles Nötige dafür einbauen. Besser man fängt mit den Apple eigenen Apps an. Safari, Mail, Telefon, Kontakte oder App Store zeigen einem sofort, was passiert, wenn man diese kurz „andrückt“.

 

Heraus kommt in erster Linie ein Shortcut-System, welches euch einige virtuellen Laufwege ersparen kann. So könnt ihr euch sofort nach Hause navigieren lassen, ohne das ihr erst in der App den Heimweg eingeben müsst. Oder man kann sofort einen privaten Tab in Safari öffnen, ohne das man Safari erst starten und dann den privaten Tab erstellen muss. Es ist zwar auf den ersten Blick nicht wirklich viel, aber die Umsetzung ist Konsequent und fügt sich nahtlos in iOS 9 ein. Wer viel bekannte Funktionen nutzt, kann so ganz schnell direkt in den entsprechenden Ort hinein navigieren, ohne dass man dieses noch in der App machen müsste.

 

Das Beispiel mit den Drittanbieter-Apps oben klingt so, als wenn die meisten Programme 3D Touch noch nicht unterstützen. Das stimmt so natürlich nicht. Mittlerweile ist schon eine grosse Anzahl beliebte Apps auf die neue Technik hin angepasst worden, wenn auch nicht überall mit vielen Funktionen. Darunter befinden sich Number26, WhatsApp, Instagramm, Twitter, Tweetbot, Facebook, Things, Sky Guide und viele weitere.

Viele Funktionen auch innerhalb von Apps

Es bleibt allerdings nicht nur beim Verkürzen von Laufwegen in iOS sondern kann es auch funktional in Apps verwendet werden. Gute Beispiele sind hier Mobile Safari oder Apple Mail, aber auch Instagram und Dropbox verwenden mittlerweile 3D Touch für viele nützliche Funktionen innerhalb der Apps. Einige andere Apps werden allerdings noch auf sich warten lassen, zwar gibt es bisher nette Funktionen für Shorcuts, aber in den Programmen selbst gibt es gar keine bis kaum Möglichkeiten, 3D Touch ausgiebig zu nutzen.

 

Doch gibt es an dieser Stelle auch Ausnahmen. Nehmen wir die Drittanbieter-App Instagram der Firma Facebook. Hier könnt ihr Beispielsweise per sanften Druck auf einen Benutzernamen kurz in das Profil hineinschauen, ohne direkt in dieses direkt hineinwechseln zu müssen. Das selbe funktioniert auch mit Bildern: Solltet ihr dann doch ein anderes Profil direkt begutachten, so könnt ihr in die Bilder in der Liste per Druck kurz hineinschauen, ohne diese ganz öffnen zu müssen. Die Cloud-App Dropbox macht es ähnlich. In der langen Liste von gespeicherten Dokumenten und Bildern ist in der App nicht immer ersichtlich, um welches Bild oder Dokument es sich hier gerade handelt. Einfach auf eines der Elemente „drücken“ und in der Vorschau sehen, was man vor sich hat. Praktisch ist die Funktion allemal.

 

Es bleibt aber nicht nur beim Kurzüberblick in diverse Elemente, denn seid ihr in der Vorschau drin, so lassen sich, sofern unterstützt, weitere Aktionen per Wischgeste ausführen. In Safari lassen sich so Links zur Leseliste hinzufügen oder die geöffnete Vorschau eines Links direkt in einem neuen Tab öffnen. Mails könnt ihr damit sofort löschen, als gelesen Markieren oder in andere Ordner verschieben. Instagram bietet euch die Möglichkeit, so Personen direkt zu folgen oder wieder zu entfolgen. In der Kamera-App von Apple lässt sich 3D Touch ebenfalls als Fotovorschau nutzen, indem ihr einen Druck auf die Vorschau in der linken unteren Ecke ausführt und die zuletzt geschossenen Bilder einmal genauer durchblättert, ohne direkt in die Galerie wechseln zu müssen.

 

Weitere Anwendungsbeispiele sind auf Apples iPhone 6s- und iPhone 6s Plus-Geräten systemnahe Funktionalitäten. Das heisst, wer den Griff zum Homebutton sparen will um den Taskswitcher aufzurufen, kann mit leichtem Druck auf den linken Displayrand und gleichzeitigem nach rechts Hereinwischen den Taskswitcher hervorrufen. Wer zügig bis zum anderen Ende wischt, kann zwischen den zwei zuletzt geöffneten Applikationen hin und her wechseln.

 

Ein kleines aber extrem nützliches Detail ist die Möglichkeit, die Tastatur von Apple auch als Trackpad zu benutzen, was durch die Unterstützung von 3D Touch auch noch extrem einfach zu nutzen ist. Drückt ihr die Tastatur „herunter“ werden sofort alle Zeichen ausgeblendet und ihr könnt den Textcursor völlig frei auf dem Display platzieren. Mit einem weiteren Druck markiert ihr das angepeilte Wort und je nachdem, in welche Richtung ihr den Curser bewegt, wird der nachfolgende Text entsprechend markiert. Das fühlt sich auf seltsame Weise so extrem richtig und leicht an, dass man sich fragt, warum es so lange brauchte, das zu implementieren.

Der Ersteindruck ist positiv und die Integration ist gelungen

Man merkt Apple die liebevolle Integration von 3D Touch deutlich an, denn man hat sich Gedanken gemacht, um dieses Feature auch entsprechend nutzen zu können. Mit 3D Touch verhält es sich wie mit anderen Funktionen im System auch: Ein Fingerprintscanner ist nicht essentiell, aber wenn man ihn häufig nutzt und er zum Alltag gehört, will man ihn woanders nicht missen. Dasselbe gilt hier uneingeschränkt für Apples neue drucksensitive Technik. Es ist durchdacht im System integriert und die Apple-eigenen Apps zeigen den ersten Anfang und wie so etwas sehr sinnvoll einzusetzen ist. Unser besonderes Highlight ist vor allem die Nutzung von 3D Touch mit der Tastatur, die es uns erlaubt den Textcursor frei im Geschriebenen zu platzieren. So muss eine gelungene Integration aussehen.

 

Mittlerweile ziehen auch viele Drittanbieter nach und bieten nicht nur auf dem Homescreen als Shortcut-Erweiterung diese Funktionen an, sondern stellenweise auch schon in der App. Die genannten Instagram und Dropbox sind nur zwei Beispiele von vielen. Auch Spiele wie AG Drive unterstützen 3D Touch bereits. Die Integration ist also gelungen und der Umschwung im App Store von Apple geschieht derzeit in einer rasenden Geschwindigkeit. Auch der Spagat hin zu den iPhone Modellen, die kein 3D Touch unterstützen, funktioniert. Bisher kommen sich diese Systeme (noch?) nicht in die Quere.

 

In den nächsten Generationen wird 3D Touch in jedes weitere iPhone integriert. Die Anzahl der unterstützenden Geräte wird so wachsen. Die Funktion weiss im Detail, auch wenn sie noch am Anfang ihrer Möglichkeiten und der Unterstützung steht, sehr zu gefallen. Die Bedienung bekommt einen weiteren Kniff, mehr Komfort und ein frisches Erlebnis spendiert, das zu überzeugen weiss. 

 

Daher würden wir uns freuen, wenn andere Smartphone-Systeme, neben Apples iPhone, schnellstmöglich mit ähnlichen Ideen nachziehen würden. Laut einem in Südkorea aufgetauchten Patent arbeitet Samsung ebenfalls bereits an einer ähnlichen Technik. Huawei hat Force Touch auf der IFA 2015 in Berlin zwar vorgestellt, bleibt eine Integration in seine Geräte aber schuldig. Nachziehen wird Huawei nach ihrer Ankündigung aber durchaus irgendwann. Das Potenzial der Technik ist da und über Sinn und Unsinn einer solchen neuen Technologie lässt sich hervorragend diskutieren. Egal ob Megapixelwahnsinn, Auflösungshumbug oder der schnellste 20-Kern-Prozessor auf diesem Planeten. 3D Touch klingt und fühlt sich an, wie eine wirklich gute Idee, von der am besten ganz schnell alle anderen auch profitieren sollten.

vg-wort
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2 Antworten zu “3D Touch: Der praktische Nutzen einer neuen Bedienmöglichkeit”

  1. LittleWissi sagt:

    Da hat sich wohl ein Lumia in die Bilder geschlichen 😉

  2. Marcel Laser sagt:

    Reingeschlichen ist wohl eher das falsche Wort 😀 Der Screenshot ist von unserem Instagram Account und sollen den Look von Peak’n’Pop demonstrieren 🙂 Das Lumia war rein zufällig an Ort und Stelle 😀 hihi ^^

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