Mi. 08. Juli 2015 um 16:40

Urlaubszeit mit dem Handy: Schweizer haben beim Roaming immer noch das Nachsehen

von Adrian Suess1 Kommentare

Das Handy ist in der heutigen Zeit ein ständiger Begleiter und für die meisten Menschen aus dem Alltag gar nicht mehr wegzudenken, ob beruflich oder privat. Nicht nur die telefonische Erreichbarkeit und die Möglichkeit, jederzeit Kurznachrichten per SMS oder Messenger zu verschicken, sondern auch die – dank Smartphone – dauerhafte Online-Verbindung sind vielen Nutzer sehr viel wert. Dennoch macht sich bei einigen Erleichterung breit, wenn sie in den lang ersehnten Ferien das Handy ein paar Tage ausschalten und sich einfach mal eine Auszeit von der Dauererreichbarkeit nehmen können. Andere wiederum möchten im Urlaub ebenfalls mobil verfügbar sein, mit Freunden und Familie in der Heimat telefonieren oder das eine oder andere berufliche Problem regeln können. Wird das Handy am ausländischen Urlaubsort genauso genutzt wie in der Heimat, kommt oftmals spätestens mit der nächsten Rechnung das böse Erwachen. Gerade die Roaminggebühren machen diesbezüglich immer wieder auf sich aufmerksam, zumal die Schweizer hierbei immer noch deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen als benachbarte EU-Bürger.

Ein entspannter Anruf aus dem Urlaub – wer hier nicht aufpasst, kann schnell eine böse Überraschung erleben.

Gesetzliche Regelungen in der EU

  • Die EU-Kommission hatte geplant, dass bis Ende diesen Jahres die Roaminggebühren innerhalb der EU wegfallen sollten, es also auch im EU-Ausland möglich sein sollte, zum selben Preis wie in der Heimat zu telefonieren.
  • Dieser Plan ist zum Leidwesen der Verbraucher zunächst gescheitert, sodass das Telefonieren weiterhin zusätzliche Kosten verursacht. Schuld daran sind einige EU-Länder, die diese Zusatzkosten nicht fallen lassen wollen.
  • Allerdings ist das Thema noch nicht vom Tisch, Lettland – zur Zeit Vorsitz der EU-Staaten – möchte in den kommenden Jahren die Kosten kontinuierlich senken, bis die Roaminggebühren dann im Jahr 2018 vollständig abgeschafft werden sollen. Bisher ist dies aber lediglich ein Vorschlag, der für den Urlaub in diesem Jahr leider keine Rolle mehr spielen dürfte. Im Detail ist die aktuelle Gesetzeslage auch bei der Tagesschau aus Deutschland nachzulesen.
  • Urlauber aus den EU-Staaten können derzeit also von attraktiven Preisen profitieren, wenn es um das Telefonieren im Ausland geht. Die Schweiz bleibt davon jedoch ausgenommen – denn zwar orientiert sie sich in vielen Belangen direkt an den Empfehlungen und Richtlinien der EU oder greift diese in abgewandelter Form auf, beim Thema Roaming gibt es derzeit allerdings noch keine landesweit geltende Regelung.

Dabei hat sich in den vergangenen Jahren bezüglich der Extrakosten einiges in der EU geändert, seit dem 1.7.2014 gelten die aktuellen Regelungen

 

Abgehende Anrufe pro Minute

0,19 Euro*

Eingehende Anrufe pro Minute

0,05 Euro*

Datendienste pro MB

0,20 Euro*

Abgehende SMS pro Stück

0,06 Euro*

Eingehende SMS pro Stück

kostenfrei

*Die Preise verstehen sich als Netto-Angaben ohne Mehrwertsteuer.

 

Damit wurden die Roaminggebühren bereits drastisch gesenkt, vor wenigen Jahren hat ein ausgehender Anruf zum Beispiel pro Minuten noch bis zu 35 Cent kosten dürfen.

 

Durch diese Preisbremse ist es nun für den Verbraucher deutlich einfacher, aus dem Urlaubsort – solange dieser sich innerhalb der EU befindet, denn nur dafür gelten diese Preise – zu telefonieren. Nichts desto trotz sollten Verbraucher aber immer noch Vorsicht walten lassen, wenn es um die Verwendung von Smartphones im Ausland geht. Da es mittlerweile Gang und Gäbe ist, dass Nutzer eines solchen Gerätes auch über eine Internet-Flatrate verfügen, ist das Handy dauerhaft online. Dringend sollte diese Verbindung vor der Reise in den Urlaubsort abgeschaltet werden, da Datenpakete nach wie vor einen hohen Preis verursachen.

 

Damit die Rechnung wegen des hohen Datenkonsums aber nicht explodiert, hat die Europäische Union bereits 2010 ein Kostenlimit festgesetzt, das den Mobilfunkanbieter dazu verpflichtet den Internetzugang zu sperren, wenn der Handynutzer ein Datenroaming-Limit von 50 Euro (ohne Mehrwertsteuer) überschreitet. Es besteht aber die Möglichkeit, dieses Limit ausschalten zu lassen – im Zweifel ist es also besser, sich vor der Reise bei dem Anbieter diesbezüglich zu informieren.

 

Marktbeobachter meinen, dass die Schweizerinnen und Schweizer im Vergleich zur EU immer noch zu viel zahlen, so ein Bericht des SRF. Dementsprechend brisant ist das Thema und wird immer wieder in politischen Debatten besprochen. Roaming hat auf dem Schweizer Markt allerdings nicht die erste Priorität, denn wenn es nach den Politikern geht, müssen zunächst erst einmal die ebenfalls hohen Preise fürs Telefonieren und Surfen selbst angepasst werden. Der Grund für die grossen Unterschiede zwischen EU und Schweiz: Angebot und Nachfrage harmonieren nicht. Problematisch ist diesbezüglich vor allem die starke Präsenz und Marktdominanz der Swisscom, die immerhin zwei Drittel des Marktes beherrscht.

Nichts desto trotz sind die Roaming-Kosten aber auch bei den Schweizer Anbietern gefallen, wenngleich sie sich auf einem noch immer insgesamt hohen Niveau befinden. Allein von 2011 auf 2012 haben die Kosten sich bei Swisscom gut um die Hälfte reduziert, bei Sunrise wurden sie sogar halbiert.

  • Wer sich nicht sicher ist, sollte demnach vor Reiseantritt unbedingt mit seinem Anbieter Kontakt aufnehmen, um in Erfahrung zu bringen, welche Optionen sich anbieten und wie grosse Kostenfallen vermieden werden können. Bei der Gelegenheit bietet es sich zudem an, nach günstigeren Reisetarifen zu fragen. Mitunter lohnt es sich in diesem Zuge auch, nicht nur den Tarif, sondern den kompletten Anbieter zu wechseln – wie das funktioniert, wann es Sinn macht und welche Anbieter sich lohnen, lässt sich hier ermitteln.
  • Es ist durchaus üblich, dass Mobilfunkbetreiber solche speziellen Tarife anbieten, die sich sogar von Urlaubsland zu Urlaubsland unterscheiden können.

Vorsicht bei Reisen ausserhalb der EU

EU-Bürger haben in der Schweiz und anderen Ländern ausserhalb der EU übrigens ebenfalls das Nachsehen, da die Roamingregelung dort nicht greift. Anders als Schweizer Unternehmen sind die Dienstleister aber dennoch verpflichtet, ihre Kunden rechtzeitig zu warnen oder gegebenenfalls den Zugang zum Internet zu sperren, um Kostenfallen zu vermeiden. Für Schweizer macht es in diesem Zusammenhang aber keinen Unterschied, ob ein Tarif in oder ausserhalb der EU genutzt werden soll.

Vielleicht doch einfach mal zu Hause lassen – wer Kosten vermeiden will, verzichtet am besten einfach ein paar Tage auf das Handy.

Vorsichtig sollten Urlauber auch bei Kreuzfahrten sein

Sehr teuer kann es ausserdem auf dem offenen Meer werden. Grund dafür sind spezielle Schiffsnetzbetreiber, die ihren Dienst mittels Satellit-Verbindung anbieten, sodass eine Gesprächsminute sogar 10 Franken kosten kann. Ob ein Telefonat auf hoher See wirklich nötig ist, sollte sich daher zweimal überlegt werden. Schlussendlich kann es doch auch schön sein, nicht immer erreichbar zu sein und einfach mal die Seele baumeln zu lassen.

 

Bildquellen: 

Abbildung 1: pixabay.com © A_Werdan (CC0 1.0)

Abbildung 2: pixabay.com © Unsplash (CC0 1.0)

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Eine Antwort zu “Urlaubszeit mit dem Handy: Schweizer haben beim Roaming immer noch das Nachsehen”

  1. Stiggu sagt:

    Wie wäre es mit Lycamobile? Die günstigsten Tarife in der CH und ausserhalb der CH. Für 5.- ein Datenpaket von 250MB, welches in Europa genutzt werden kann. 5.- für Datenpaket von 1GB innerhalb der CH. Zusätzlich ein altes Handy mit XXSim ausstatten und weniger für Anrufe & Sms im Ausland zahlen.

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