Di. 08. September 2015 um 16:49

IFA 2015: Unsere persönlichen Highlights der Messe

von Marcel Laser0 Kommentare

Marcels Highlights

HTC Vive – Eine neue Dimension von VR

Die Vive hat zwar weniger was mit Smartphones zu tun, angeguckt habe ich mir diese allerdings dann doch. Der Unterschied zu Morpheus oder anderen VR-Brillen ist enorm und stellt wohl alles bisher dagewesene an Spielrealismus in den Schatten. Zunächst wurde man in einen abgedunkelten Raum gebracht, wo einem die Brille aufgesetzt und die Remote-Controller in die Hand gegeben wurde. Danach wurde am Computer ein Demo-Modus aktiviert und man konnte im wahrsten Sinne des Wortes in neue Dimensionen abtauchen. Die erste Demo nannte sich The Blue und ich wurde auf dem Grund des Meeres auf einem alten Schiffswrack abgesetzt. Auf einem kleinen Abschnitt konnte ich mich frei bewegen und den Fischen beim Schwimmen zuschauen. Zunehmend kamen immer mehr unterschiedliche Meeresbewohner, wie unter anderem auch Rochen, auf mich zu. Absolutes Highlight war aber der mindestens 13 Meter lange Buckelwahl, der ganz nah an mich heran geschwommen kam und mich begutachtete. Es ist schwer dem Gehirn im selben Augenblick klar zu machen, dass das Gesehene gar nicht echt ist und man in diesem dunklen Raum im Trockenen steht. Dennoch ist die Erfahrung so intensiv, dass man automatisch zurückweicht oder der mächtigen Schwanzflosse versucht auszuweichen, die einem entgegenkommt, sobald der Buckelwahl wieder verschwindet.

 

Interessant ist die verwendete Technik, die dahinter steckt. Zwei Lasersensoren, welche sich gegenüberliegend im Raum an der Wand befinden, messen die Umgebung ab und die HTC Vive Brille besitzt ebenfalls Sensoren, die die Laserstrahlen für die Messung auswertet. Durch diese Technik, weiss das Gerät, wo man sich gerade im Raum befindet und passt es entsprechend an. Solltet ihr euch aus dem Radius der Messung bewegen, wird ein blaues Gitternetz in der Demo angezeigt, welches euch signalisiert, dass ihr am Rande des bespielbaren Feldes angekommen seid.

 

Das Erlebnis ist enorm intensiv und eine derartige VR-Demonstration habe ich bisher weder mit Morpheus erfahren, noch mit Occulus Rift, welche ich beide bereits in längeren Sitzungen auf dem Kopf hatte. Am liebsten hätte ich noch Stunden in den Demowelten der Brille verbracht, doch nach rund 20 Minuten waren auch die restlichen Demonstrationen vorbei. Natürlich findet man alle bisher gelaufenen Test-Spiele, die man in den Vorführungen erlebt, mittlerweile auch im Netz in diversen Videos, aber mehr als nur ein Video ist dieses dann aber auch nicht. Es fehlt quasi die „Mittendrin-Erfahrung“. Schade. Aber dennoch an dieser Stelle: Respekt an Valve und HTC. Die Vive rockt!

Virtuelle Realitäten in einer völlig neuen Dimension! Man, hat das Spass gemacht 🙂

Gigaset meldet sich eindrucksvoll zurück

Ebenfalls sehr gut gefallen haben mir die neuen Smartphones des deutschen Herstellers Gigaset. Das Gigaset ME Pure, Gigaset ME und das Gigaset ME Pro sind am 1. September vorgestellt worden und zeigen sich bereits in einer hervorragenden Frühform. Nicht zuletzt entsteht dieses Gefühl durch die extrem hochwertige Verarbeitung, die alle Geräte gemein haben. Egal ob das verwendete Edelstahl im ME und ME Pro, oder der Aluminium-Unibody im ME Pure: Alle drei Smartphones fühlen sich sehr edel in der Hand an. Man hat sich zudem bewusst gegen den Trend von extrem dünnen Devices entschieden und so verbaut man auch entsprechend grosse Akkus. Vor allem das ME Pure ist mit seinen über 3’200 mAh das Gerät mit dem zweitgrössten Akku der drei Probanden und besitzt mit einem Snapdragon 615 Prozessor einen nicht ganz so leistungshungrigen Antrieb. Die anderen beiden Geräte sind mit 3’000 mAh (Gigaset ME) und 4’000 mAh ebenfalls bestens gerüstet.

 

Auch der Rest liest sich definitiv nicht schlecht und ist absolut konkurrenzfähig. Inwieweit Gigaset die Hitzeprobleme des Snapdragon 810 in den beiden teureren Modellen in den Griff bekommen hat, erfahren wir erst nach einiger Zeit, wenn wir selber die Testgeräte im Alltag ausprobieren können. Auch die Software ist noch nicht final und soll erst zum Release den Finalstatus erhalten.

 

Für mich sind die Geräte aber bereits jetzt eines der grösseren Highlights der Messe gewesen. Das liegt vor allem daran, dass Gigaset als deutscher Hersteller nun ebenfalls wieder mitmischen möchte und zum anderen, dass die Geräte sich wirklich vielversprechend anfühlen und für meinen Geschmack auch noch schick aussehen. Gedacht hätte das anfänglich niemand, der den Namen Gigaset in Erinnerung hatte. Ich bin gespannt, wie sich das ME, ME Pro und das ME Pure in den kommenden Testeinsetzen schlagen werden. Der erste Eindruck kann schliesslich auch täuschen, aber generell bin ich erst einmal guter Dinge.

Dreie neue Smartphones aus Deutschland: Gigaset ME, Pure und Pro.

Samsung Gear S2: Die beste verfügbare Smartwatch?

Eine gute Frage! Aber eine berechtigte. Denn die Gear S2 ist nicht nur hervorragend verarbeitet, sondern die Software ist ein einziger Smartwatch-Traum! Tizen ist exzellent an die Bedienung einer runden Uhr angepasst worden. Alles ist schlüssig und nahezu selbsterklärend. Genial ist auch die drehbare Lünette, welche nicht nur sehr einfach zu erreichen ist, sondern den Finger vom Display „entfernt“, damit man freie Sicht auf die Navigation bekommt. Ich war erstaunt wie einfach das geht, wie schnell die Uhr reagiert und wie schick sie dabei aussehen kann. Mit dem Entwickeln auf Tizen konnten erste Hersteller auch schon mit der Gear S ihre Erfahrungen sammeln und so wird es wohl nicht all zu lange dauern, bis einige Apps ihren Weg auf die neue Smartwatch finden. Somit sieht es mit Programmen zwar erst einmal Mau aus, sollte sich aber bei guter Vermarktung recht schnell ändern. Auch dass Samsung die Möglichkeit bietet, die Uhr mit den Mitbewerbern zu koppeln und durch eine Samsung-eigene App im Play Store kompatibel zu machen, ist ebenfalls ein guter Schritt in die richtige Richtung.

 

Das Gesamtkonzept überzeugt und Samsung macht den Leuten deutlich, ein Gerät um den Arm zu schnallen, das mehr kann, als nur eine Uhr zu sein. Das ist wichtig für die Branche einmal mehr vom Luxusgedanken, den eine Smartwatch nicht vermitteln sollte, los zu bekommen. Es ist ein Technik-Gadget für Technikbegeisterte und ein hochwertiger Luxus-Chronograph. Nach aktuellem Stand macht vor allem Tizen im Moment einen deutlich ausgefeilteren Eindruck als Android Wear oder Apples watchOS für die Apple Watch. Es fehlt lediglich an Programmen, aber wie bereits erwähnt: Das könnte sich in der Tat schneller ändern, als wir denken. Hoffe ich zumindest.

Barbaras Highlights

Samsung Gear S2 – toll, aber leider rund

An dieser Stelle möchte ich gleich einhaken. Technisch gesehen ist die Gear S2 von Samsung ein wirkliches Highlight und auch die Umsetzung in der Bedienung ist dank der ausgefeilten Lünette wirklich gut gelungen, da hat Marcel alles gesagt.

 

Bei mir persönlich stellt sich hier aber auch ein kleines Aber ein: Warum denn jetzt rund? Ich mochte die Gear S wahnsinnig gern, das Design ist aussergewöhnlich, das Armband echt cool, auch wenn die „Schweissbandoptik“ ja oft belächelt wurde. Da Smartwatches ja sowieso eher futuristisch anmuten, müssen sie in meinen Augen nicht mit klassischen Armbanduhren mithalten (von denen, mit Verlaub, eh nicht alle rund sind). Eine Smartwatch wird nie an den edlen Status einer Omega, Rolex, TAG Heuer oder dergleichen herankommen und sollte es auch nicht versuchen. Jeder Versuch, ein wirklich edles Design zu kopieren, endet im Status Kaugummiautomat. Das ist bei der Gear S2 zwar nicht der Fall, allerdings war ich schon ziemlich enttäuscht, dass es kein eckiges Modell gibt. Vielleicht nächstes Jahr wieder? Die Gear S2 Classic ist mir vom Design her zu gewollt edel, die Gear S2 zwar sportlich, aber doch sehr gewöhnlich. Elegant, ja, aber das ist, um mein persönliches Highlight zu werden, nicht genug.

 

Technisch gesehen also mein Highlight, vom Design her eher ein Malus.

Samsung Gear S2
Gear S2 Smartwatch: Hier sind wir uns einig! Nicht schlecht Samsung, nicht schlecht.

Das Fairphone 2: Wuhu!

Einen Prototypen auf das Pflaster vor der IFA-Halle 2 fallen lassen und damit prompt fünf Südkoreanerinnen erschrecken? Bingo, Fairphone 2. Ich bin entzückt! Die zweite Generation des Fairphones wird grösser, stärker und durch sein Gehäuse sturzsicher, wovon ich mich persönlich überzeugen durfte. Möglich ist dies durch seine spezielle Hülle: Nicht nur der Rücken wird optimal geschützt, durch eine Art integrierten Bumper ist auch das Display bei Stürzen vor Schäden sicher.

 

Insgesamt hat mich das Fairphone 2 überzeugt. Es wird sicher für ordentlich Aufruhr sorgen, denn es wird ein echtes modulares Smartphone werden, bei dem man selbst mittels Schraubendreher Hand anlegen kann und die einzelnen Komponenten austauschen und reparieren kann. Dies funktioniert echt super, ich durfte beim exklusiven Meeting mit Fairphone von der Kamera, bis hin zum Display alles ausbauen und wieder zusammensetzen. Hier muss also bei einem Akkuschaden oder einer kaputten Kamera nicht mehr das ganze Smartphone ersetzt werden, sondern es können Ersatzteile gekauft werden. Nachhaltiger geht es kaum.

 

Die kleine niederländische Firma geht mit dem Fairphone 2 schon in die zweite Runde, das erste Fairphone kam vor nunmehr fast zwei Jahren auf den Markt. Im November soll das Zweite erscheinen, bis dahin kann man es bestellen und so der Firma helfen, in Vorkasse zu gehen. Unter http://shop.fairphone.com/ kann das gute Stück vorbestellt werden.

 

Die Specs sind überzeugend und was beim Fairphone noch viel wichtiger ist: Die Transparenz ist vorhanden. Ich konnte mich in einem langen Gespräch mit einer Fairphone-Mitarbeiterin davon überzeugen, dass das Unternehmen „echt“ ist und wirklich hinter dem steht, was es verspricht, nämlich, eine Smartphone-Produktion, die so fair, transparent und nachhaltig ist wie möglich. Wie sich das genau gestaltet, werde ich in den nächsten Tagen in einem ausführlichen Artikel darlegen. Soviel jetzt: Mit meinem Fairphone 1 in der Tasche fühle ich mich nach den auf der IFA 2015 erhaltenen Informationen noch viel wohler als sowieso schon.

 

Fairphone 2
Das ist wirklich cool! Einfach komplett auseinandernehmen und selbst reparieren.

Internet of Things: Technisch genial, weitergesponnen Gift in den falschen Händen

Es kommt relativ selten vor, dass ich in der Früh nicht weiss, wie ich geschlafen habe. Meistens erzählt es mir mein Schädel oder meine Ohren beben entspannt von Gezwitscher der Vögel. Laut Samsung ist es aber wohl so, dass sie meisten Leute gar nicht wissen, wie sie so die Nacht verbracht haben. Und klar, auch ich weiss nicht genau, wie oft ich geatmet habe, ob mein Puls konstant war und wie viele Tiefschlafphasen ich durchlebt habe.

 

Das Schlafproblem war bei Samsung der Auftakt zu einem der interessantesten, aber auch erschreckendsten Themen der IFA 2015: It’s all about the Internet of Things!

 

Technik, die begeistert. Schlaftracker, die der Kaffeemaschine Bescheid geben, wann ich aufstehe, Waschmaschinen, die nachträglich beladen werden können und über die Smartwatch oder den Fernseher gesteuert werden können. Fernseher, die je nach Uhrzeit das Zimmer automatisch in den Kino-Modus bringen können und dazu mit den Lampen und Rollläden zusammenarbeiten. Natürlich auch Heizungssysteme, die so gesteuert werden, dass sie anfangen zu heizen oder zu kühlen, wenn ich mit meinem Smartphone auf dem Heimweg bin. All das klingt futuristisch und real zugleich, ein automatisiertes Haus, das es schafft, das mobile Leben noch ein wenig einfacher zu machen. Und ich muss sagen: Die smarte Kaffeemaschine hat mich schon ziemlich überzeugt!

Gruselig wurde es dann bei anderen Produkten. So stellte beispielsweise LG einen Kühlschrank vor, der einen „Elderly People“-Modus hat. Wird die Kühlschranktür drei Tage lang nicht geöffnet, schlägt er Alarm und benachrichtigt eine vorher festgelegte Person, die dann nach dem Rechten sehen kann. Das klingt nicht verkehrt, nach drei Tagen ist es aber dann wohl auch zu spät, sich mal bei den Grosseltern zu melden. Es gibt einem ein ganz seltsames Gefühl von Sicherheit und „Sich-kümmerns“, nach dem Motto: „Ich mache ja etwas, ich bekomme ja mit, wenn etwas passiert!“. Gesellschaftlich ist dies sicher problematisch, auch wenn es der einen oder dem anderen ein wenig mehr Sicherheit im Alltag geben kann.

 

Überwachung im kleinsten Kreis war auch bei Samsung ein Thema. Besonderes Highlight: Eine Szene im Video in der Präsentation. Papi sitzt in der Arbeit und bekommt eine Meldung: Deine Frau ist pünktlich von der Arbeit heimgekommen und kocht. Papi ist beruhigt und wendet sich wieder der Arbeit zu, während im Split-Screen Mami strahlend am Herd steht und die Teigwaren kocht. Dann wirft sie die Waschmaschine an, woraufhin selbstredend Papi wieder verständigt wird… Sicherlich sind Überwachungssysteme keine schlechte Sache, wenn aber zu jeder Tages- und Nachtzeit kontrolliert werden kann, was ich mache, wie ich schlafe, wo ich hingehe und was ich mit wem bespreche, so kann ich nur hoffen, dass diese Informationen niemals in falsche Hände geraten. Kein Einbrecher darf mein System knacken und totalitäre politische Regime dürfen niemals Zugriff auf solche Daten seiner „Untertanen“ bekommen. So genial das alles ist, so perfekt technisch umgesetzt: Nicht alles, was möglich ist, muss auch ermöglicht werden. So ist eines meiner Highlights der IFA 2015 ein zweischneidiges Schwert. In den richtigen Händen eine tolle Erleichterung des Alltags, in den falschen Händen eine unvorstellbare Katastrophe. Wo die Reise hingehen wird, müssen wir erst noch sehen.

Insgesamt dominierten in diesem Jahr Kameras und Sensoren in allen erdenklichen Haushaltsgeräten, die einen zu jeder Tages- und Nachtzeit per App über den Zustand des Sonntagsbratens oder der Buttermilch informieren können. Vieles davon ist sehr praktisch, das meiste aber derzeit noch eine Spielerei, die sicherlich nur die wenigsten Leute nutzen würden.

vg-wort
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