Do. 04. September 2014 um 13:38

IFA 2014: Samsung Gear VR Innovator Edition

von Robert Beltle0 Kommentare

Samsung und das mittlerweile zu Facebook gehörende Unternehmen Oculus VR stellten auf der IFA ihre neue Kooperation vor. Oculus VR ist bekannt für die Virtual Reality Brille Oculus Rift, die virtuelle Realität zu erschwinglichen Preisen bieten soll. Bisher ist nur eine Entwicklerversion erhältlich, das finale Produkt soll Ende des Jahres erscheinen.

 

Gemeinsam mit Samsung geht man jetzt aber noch einen Schritt weiter, um das System bezahlbar zu halten. Die Gear VR wurde speziell dazu entwickelt, das Galaxy Note 4 in eine VR-Brille zu verwandeln. Das Gerät dient dabei nicht nur als Zuspielgerät für die gezeigten Inhalte, sondern liefert auch gleich den Bildschirm. Das ist möglich, weil auch die Oculus Rift schon auf einen einzelnen Bildschirm setzt, welcher über spezielle Linsen in zwei Bereiche für die beiden Augen aufgeteilt wird, anstatt zwei getrennte Bildschirme zu verwenden.

 

Das QuadHD-Display des Note 4 liefert die Voraussetzung dafür, dass man dies auch so dicht vor den Augen noch verwenden kann, ohne die Pixelstruktur wahrzunehmen. Allerdings ist das wahrgenommene Bild nicht mehr so hoch auflösend, da die Pixelspalten auf beide Augen aufgeteilt werden müssen.

 

Einsetzen lässt sich das System zur Betrachtung von 360°-Panoramabildern, zum Spielen oder um Filme in einem virtuellen Kino zu schauen. Es soll sogar 360° Videos geben, in denen man sich umschauen kann.

 

Samsung hat bereits eine Reihe von Anbietern für spezielle Inhalte mit ins Boot geholt. Die Inhalte werden entweder auf einer SD-Karte mitgeliefert oder können über einen eigenen Store heruntergeladen werden:

  • Über Samsungs Kooperation zum kommenden Avengers-Film Age of Ultron erhalten Nutzer der Gear VR Zugang zu Tony Starks Labor.
  • IMAX bietet Hollywood- und Dokumentarfilme für das virtuelle Kino.
  • Von DreamWorks kommt eine VR-Anwendung, in der man mit Figuren aus deren Filmen interagieren kann.
  • Der Cirque du Soleil hat seine Show Zarkana in 3D und 360 Grad filmen lassen.
  • Vevo stellt über 100’000 Musikvideos und Liveaufnahmen von Konzerten und Events zur Verfügung.
  • Ein Spiel namens Protocol Zero wird vermutlich eine Art Agenten-Spiel im Stiele von Splinter Cell.

Technisch gesehen enthält die Gear VR hauptsächlich Sensoren. Beschleunigungs- und Entfernungssensoren, einen Magnetsensor (vermutlich ein digitaler Kompass) und ein Gyroskop. Zwar verfügt das Note 4 bereits über diese Sensoren, aber vermutlich sind sie nicht genau genug. Im Zuge der Entwicklung der Oculus Rift hatte sich gezeigt, dass es essentiell ist, dass das Bild sehr schnell auf Kopfbewegungen des Trägers reagiert, da eine zu hohe Latenz zu Unwohlsein führen kann. Da der Touchscreen des Smartphones nicht genutzt werden kann, wenn es in der Brille steckt, besitzt die Gear VR noch ein Touchpad, einen Zurück-Knopf und eine Lautstärke-Regelung. Ob Ohrhörer eingebaut sind oder ob es möglich ist, kabelgebundene Varianten anzuschliessen, ist nicht bekannt. Die Brille selbst wird per MicroUSB mit dem Note 4 verbunden.

Für Brillenträger lässt sich der Fokus über die eingebauten Linsen anpassen. Die sind auch dafür zuständig, dass das Sichtfeld ausgeweitet wird, um den Panoramaeffekt zu verstärken.

 

Einen Haken hat die Sache allerdings noch. Beim vorgestellten Produkt handelt es sich um die sogenannte Innovator Edition. Diese richtet sich, wie auch die bereits erhältliche Oculus Rift, vor allem an Entwickler. Eine Version, die explizit auch für Endkunden gedacht ist, soll erst noch folgen. Das lässt vermuten, dass die Versorgung mit speziellen Inhalten vorerst eher schleppend vorangehen wird und hauptsächlich experimentelle Anwendungen erscheinen werden.

 

Oculus bietet den Entwicklern aber auch ein spezielles SDK an, um Anwendungen für die virtuelle Realität zu programmieren und hat auch die Grafiktreiber für Android optimiert. Daraus ergeben sich einige Vorteile:

  • Selbst kalibirierte Sensoren können direkt mit Kerneltreibern kommunizieren.
  • Echtzeitanwendungen kann eine garantierte Prozessorleistung zur Verfügung gestellt werden.
  • Asyncronus Time Warping soll die Latenz und die Framerate erhöhen
  • Durch nicht zwischengespeicherte Oberflächen soll ebenfalls die Latenz verringert werden.
  • Ein Displaymodus, der das Nachleuchten des Displays verringert, soll ein Verschwimmen des Bildes verhindern.

Oculus VR gibt an, dass man eine Latenz von unter 20 Millisekunden erreicht hat zwischen der Bewegung und dem fertigen Bild.

Oculus VR ist sich aber auch dessen bewusst, dass Mobile VR noch in den Kinderschuhen steckt. Als derzeitige Probleme werden der Stromverbrauch, das Fehlen passender Sensoren für sechs Freiheitsgrade der Bewegung, die Leistung der Prozessoren, die abzuführende Wärme und die allgemeine Ergonomie genannt.

 

Samsung und Oculus VR stehen hier noch am Anfang dieser Entwicklung, aber es ist sehr interessant zu sehen, was bereits heute möglich ist. Die Verwendung der hochauflösenden Displays moderner Phablets statt eingebauter Bildschirme senkt die Kosten und macht die Geräte erschwinglich. Allerdings limitiert die Verwendung mobiler Hardware auch die Leistung des Systems im Vergleich zur Oculus Rift. In wie weit es sinnvoll ist, die recht sperrige Brille unterwegs zu nutzen, bleibt jedem selbst überlassen. Natürlich bietet das Fehlen von externer Verkabelung zusätzliche Bewegungsfreiheit, diese wird aber dadurch erkauft, dass die Brille durch das Smartphone schwerer wird, da zum Beispiel auch der Akku vor den Augen getragen werden muss.

Quellen: Samsung, Oculus (Englisch)

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