So. 08. Juni 2014 um 16:49

Google Glass stört Mitmenschen

von Robert Beltle21 Kommentare

Google versucht mit Google Glass eine Datenbrille auf den Markt bringen, die den boomenden Markt für sogenannte Wearable Devices auf ein ganz neues Niveau hebt. Mit dem Brillen-ähnlichen Gadget lassen sich Informationen ins Sichtfeld einblenden und über eine kleine Kamera auch Fotos und Videos aufnehmen.

Google Glass von Anfang an umstritten

Schon als Google die ersten Entwicklergeräte zur Verfügung stellte, war nicht nur die Begeisterung der Technikszene riesig, sondern auch die Ablehnung in der Gesellschaft. Es folgten die ersten Verbote, beispielsweise in Casinos, und Diskussionen darüber, ob das Gefühl der permanenten Überwachung noch mit dem Datenschutz vereinbar ist. Auch Fragen wie die Verwendung der Brille während des Autofahrens sind noch weitgehend ungeklärt.

Jetzt, da Google die Brille in den USA für Endkunden auf den Markt bringt, mehren sich auch wieder die Stimmen, welche sich durch die Trägerinnen und Träger gestört fühlen. Hauptkritikpunkt ist die Tatsache, dass nicht erkennbar ist, ob Glass gerade aufnimmt oder gar einen Stream ins Internet sendet. Von Fans der Technologie wird dagegen immer wieder angeführt, dass heimliche Aufnahmen bereits seit langem und wesentlich unauffälliger gemacht werden können, so sind Kugelschreiber oder auch Brillenkameras ohne Probleme bei Elektronikhändlern erhältlich.

WLAN-Störung soll Google Glass vertreiben

Julian Oliver, Künstler aus Berlin, fühlt sich so stark gestört, dass er den Brillen jetzt den Kampf angesagt hat. Die bisher erhältlichen Varianten von Google Glass lassen sich nämlich nur per WLAN ins Internet einbinden, ein Mobilfunkmodul ist noch nicht vorhanden. Oliver macht sich das zunutze und hat ein Script veröffentlicht, welches gezielt die Datenbrillen aus einem WLAN rauswerfen kann. Möglich ist das, da die Brillen der ersten Generation über den Anfang ihrer MAC Adresse erkennbar sind. Das Script läuft unter Linux und damit zum Beispiel auch auf sehr kompakten Geräten wie der Raspberry Pi. Administrator des Netzwerkes muss man nicht sein, lediglich in dieses einloggen muss man sich. Wer möchte, kann sich somit einen mobilen Störsender basteln und damit Nutzerinnen und Nutzer in seiner Umgebung ärgern.

Für die Zukunft plant der Entwickler eine aggressivere Variante seines Scripts, die es ermöglichen soll, Googles Brillen aus sämtlichen WLANs in der Nähe rauszuwerfen, auch wenn man selbst gar nicht mit diesen verbunden ist. Das würde sogar die Verbindung mit den eigenen Smartphones der Bebrillten einschliessen.

Einen kleinen Haken hat der persönliche Schutzschild der Privatsphäre allerdings: Zwar unterbindet man mit dem Script derzeit effektiv die Internetverbindung der Datenbrillen, Videos und Fotos können sie aber natürlich weiterhin aufnehmen. Im Netz landen diese dann gegebenenfalls später, wenn die Brille sich nicht mehr in Reichweite des Störsenders befindet.

Was haltet ihr von der aktuellen Entwicklung? Stört Google Glass nachhaltig die Privatsphäre und öffnet neue Möglichkeiten der Überwachung oder sind das alles übertrieben paranoide Hirngespinste?

 

Quelle: Heise, der Standard, Macmania

Das könnte Sie auch interessieren

21 Antworten zu “Google Glass stört Mitmenschen”

  1. Entrail sagt:

    Süß, er findet Brillen schlecht aus Datenschutzgründen, aber Zugriff auf fremde Wlan-Netzwerke zu haben und da sogar noch unfug zu treiben ist vollkommen okay… Spinner.

    Tut mir leid für diese Aussage, aber was anderes fällt mir hier nun wirklich nicht mehr ein. Zumal ich gerne wüsste wie er ohne Zugriff auf ein Netzwerk jemanden aus diesem rauskicken möchte. Dazu müsste man doch zumindest Zugang zum Router haben oder nicht?

  2. FritzW sagt:

    Die Google Glass Datenbrillen aus dem WLAN zu schmeissen funktioniert vielleicht am Anfang. Ich glaube aber nicht, dass diese Lösung auch langfristig klappt. Die ganze Diskussion bezüglich Datenbrillen und Datenschutz kann ich sehr gut nachvollziehen. Auch ich bin, obschon technophil, durchaus kritisch diesbezüglich eingestellt. Unter http://www.pupoll.com/de/polls/was-haeltst-du-davon-wenn-alle-mit-einer-datenbrille-herumlaufen-2014-6-7 läuft noch eine Umfrage dazu. Bin gespannt was rauskommt. Bislang sehen die Abstimmenden dies aber nicht ganz so kritisch wie ich.

  3. Barbara Walter sagt:

    Ich sehe nicht den Unterschied zwischen Datenbrille und Geräten wie Smartphones. Mit denen kann noch viel mehr Unfug getrieben werden und v.a. ganz genau so heimlich gefilmt werden. Das grössere Problem liegt wohl eher darin, dass einfach viele Leute keinen Respekt vor der Privatssphäre anderer haben – ob ich jemanden nun mit einer Brille filme oder einem Smartphone, einem Kugelschreiber oder sonstwas, ist doch im Endeffekt egal. Ich sollte es nicht ohne zu fragen tun.

  4. BelaFarinRod25 sagt:

    Entrail
    So weit ich weiß bieten die us groß städte alle kosten loses wlan an
    Als spinner würde ich ihn nicht nennen

    Ich find es gut was ermacht
    Denn Google ist und bleibt eine Datenkrake

  5. Entrail sagt:

    Er schreibt das er sogar die Verbindung zwischen Meinem smartphone und MEINER Brille trennen möchte in Zukunft. Und dazu hat er kein Recht und das ist mein gutes Recht.

  6. vatbub sagt:

    Ich bin grundsätzlich sehr technikaffin und ich freue mich auf die Google-Glass zu einem akzeptablen Preis. Andererseits verstehe ich auch die Gegenseite. Daten sind schützenswert und jeder sollte möglichst selbst über die Verwendung seiner Daten durch Dritte entscheiden können. Doch viele derjenigen, die Bedenken gegenüber Google Glass haben sind bei Facebook oder Payback registriert und sind nicht davon zu überzeugen, dass diese Unternehmen das Selbe machen wie Google. Und diese Unternehmen machen das auch ohne Datenbrille. Bei Payback redet nur kein Mensch über Datenschutz.
    Bei Google StreetView hatten wir schon die gleiche Diskussion. Menschen kritisierten, dass nun Diebe ihre Touren besser planen könnten, weil sie nun nicht mehr vor Ort sein müssten, um sich die Häuser anschauen zu können. Doch StreetView wurde aus Augenhöhe fotografiert. Man sieht genau so viel wie wenn man persönlich vor dem Haus steht. Auch bei der Brille sehe ich den Schaden für einen Selber und für Andere nicht. Meiner Meinung nach gibt es keine neuen Probleme, die durch die Brille aufkommen. Heimliches Filmen ist technisch schon seit langem möglich, Verstehen sie Spaß? praktiziert es ja schon. Auch viele „Under cover“ Dokumentationen im Fernsehen werden mit Brillenkameras gedreht, die für die Umwelt nicht erkennbar sind. Firmeninterna ausspionieren? Mit Knopfkameras schon lange machbar.
    Und außerdem denke ich, dass Menschen, die in peinlichen Situationen gefilmt werden eine Mitschuld tragen, denn nur sie selbst können ihr eigenes Handeln beeinflussen. Wenn jemand nicht beim Pinkeln in der Hotellobby gefilmt werden möchte muss er es einfach bleiben lassen.
    Deshalb frage ich mich: Warum kommt die Diskussion erst jetzt? Daten werden uns schon seit langem geklaut.
    Doch auf der anderen Seite kann die Brille einigen Menschen helfen: Man schaue nur auf Ausländer mit Sofortübersetzung dessen, was sie sehen oder auf behinderte Personen.
    Zum Schluss möchte ich noch auf die Aktion des Berliner Künstlers eingehen. Ich finde, dass man Unrecht nicht mit Unrecht vergelten kann. Wenn mich stört, dass jemand eine Google Glass trägt, kann ich ihn nicht einfach aus dem WLan schmeißen, das käme einem Herunterreißen der Brille gleich.

  7. rooster0526 sagt:

    Google Glas nervt und stört. Ich würde am liebsten jedem in die Fr**** hauen, der mit so einem Ding rumläuft, so wütend machen mich diese Brillen. In Kalifornien sind die Dinger in immer mehr Bars und Kneipen verboten (nachdem zum Teil Gäste auf Glasträger losgegangen sind, richtig so!), ich hoffe das macht Schule.

    Ich sehe übrigens einen Unterschied zum Smartphone.

  8. rooster0526 sagt:

    PS:

    Stellt euch vor, ihr sitzt in einer Kneipe, in der JEDER ein Google Glas auf der Nase hat, so, wie heute jeder ein Smartphone in der Tasche hat. Dann verlasst ihr die Kneipe und auf der Straße hat wieder JEDER ein Google Glas auf der Nase. Ihr geht zur Bank, dort das Gleiche, ihr geht Einkaufen, wieder das Gleiche, in der Arbeit und auf Behörden ebenso – immer und überall! Ihr wisst nie, wer euch gerade fotografiert oder filmt (IMMER und ÜBERALL!), wer euch beobachtet und dokumentiert, was ihr gerade macht und wo ihr es macht, wer euch mit dem Web und Social Media abgleicht, wer eure Route verfolgt, wer Bildmaterial von euch hochlädt etc.

    Schöne neue Welt. Jeder, der freiwillig daran mitbaut, gehört mit dem Windbeutel gepudert…

  9. dusort sagt:

    jemandem aus einem netzwerk zu schmeißen ist doch ziemlich einfach.
    roote dein handy. saug dir das app dsploit und schmeiß leute aus dem netztwerk, in dem du gerade angemeldet bist.

    bin auch ein technik freak, aber die googleglass halte ich auch nicht für gut. zumal man, wenn man einen jetzt heimlich filmt, dies auch heimlich tun muss, und mit der google glass nicht.

    wobei man NOCH dazu sagen muss, dass die brille glaube ich eine sehr kurze aufnahme funktion hat, weil die batterien noch zu schwach sind.

  10. rooster0526 sagt:

    Genau das ist der entscheidende Unterschied zum Smartphone: Die Glass ermöglicht es, permanent all das Genannte heimlich zu tun, ohne, dass man sich verstecken muss. In einer Welt voll von Google Glass fühlt man sich immer und überall beobachtet, verfolgt und überwacht (und ist es auch). Die Technik lässt sich nicht aufhalten, die Brillen können bald das, was heute jedes Smartphone kann, genauso gut. Nur die Verbreitung lässt sich einschränken, sofern genug Menschen vernünftig genug sind und nicht jeden Unsinn mitmachen, nur weil es möglich ist…

  11. tartuffo sagt:

    volle Zustimmung @rooster und dusort. Wenn mir jemand mit Datenbrille gegenüber sitzt, kann er ständig 1A-Aufnahmen von mir machen, ohne dass ich es mitbekomme. Mit einem Smartphone muss er die Aufnahmen wenigstens aus einem ungünstigeren Winkel machen.
    Ähnlich verhält es sich bei Street View: natürlich war es schon immer möglich, Vor-Ort-Besichtigungen zu machen, bevor man einen Einbruch oder anderen Unfug plant, da bringt Street View nichts Neues. Nur ist das 1. umständlicher, und 2. kann es auch hier jemandem auffallen, wenn ein Ortsfremder sich ein Haus genau anschaut.
    Also, es sind keine prinzipiell neuen Möglichkeiten geschaffen worden, aber es wird Menschen immer leichter gemacht, die Technik für Rücksichtslosigkeiten zu missbrauchen.
    Das zugrunde liegende Problem hat @Barbara genannt: oft herrscht zu wenig Respekt vor der Privatsphäre anderer.

  12. Schnatterente sagt:

    mich würde es auch stören, wenn mich einer mit so nem Teil anstarrt.

  13. oeschgi sagt:

    Für mich ist das ein weiterer Sturm im Wasserglas wie dazumals als Whatsapp von FB übernommen wurde. Auf einmal schreien alle „Datenkracke!“ *fingerzeig*. Nur haben sie keine Ahnung, dass es vorher mindestens so schlimm war/ist.

    Ich finde die welche hier am lautesten Schreien und zur Körperverletzung aufrufen könnte man in die Kategroie „Wutbürger“ einteilen, sie schreien erst wenn die „BILD“ schreit – ohne irgend eine Ahnung was sie verzapfen.

    Auch jetzt kann man mit Smartphones heimlich filmen und fotografieren, das merkt kein Mensch ob man eine SMS schreibt, oder die anderen ablichtet. Schon gar nicht in einer Bar, schon gar nicht wenn die „Zielperson“ etwas betrunken ist.

    Auch an die Menschen, die schreien aber mit Glass geht das noch viel einfacher und man muss es nicht verstecken: All das geht heute schon, man muss sich die Technik einfach selbst zusammenstellen und ist halt noch nicht Massentauglich. Aber da ist sie auf jeden Fall.

  14. rooster0526 sagt:

    Du hast nichts verstanden…

  15. oeschgi sagt:

    @rooster WAS habe ich hier nicht verstanden? Habe Argumente geliefert, aber bisher habe ich keinen Post von dir gesehen (in dieser News), die nur einigermassen sachlich waren. Und die Argumente, die du gepostet hast, konnte ich dir IMHO widerlegen. Also beleidige mich nicht, sondern klär mich auf.

  16. dusort sagt:

    @oeschgi
    Fakt ist doch, dass wenn sich einer die Technik zusammen stellt(Kugelschreiber kamera oder ähnliches)
    geht er gezielt auf etwas (eine person) drauf los.
    und wenn man jemanden mit einem Handy filmt fällt das schon auf finde ich. meistens wenn man freunde im suff filmt wird man enttarnt.
    aber es gibt ja nicht nur besoffene denen etwas passiert.
    zumal meistens gerade kein handy etc zur hand steht, wenn einem etwas passiert.
    Stell dir mal vor, deine 12 jährige tochter geht durch die stadt, und bleibt mit ihrem rock irgend wo hängen, und wird entblößt. 5 minuten später ist das video im internet, weil es jemand lustig fand, und wieder 5 min später gelangt sowas in die hände perverser.
    nur weil gerade einer mit der brille da stand und das teil durchgehend aufnimmt.

    also es gibt eine menge beispiele.

    auch die deutsche Polizei hat ja jetzt auf die schulter kamera verzichtet, weil diese Provoziert, und sich die Bürger damit überwacht vorkommen.
    ich hätte also auch ein mulmiges gefühl, wenn so einer an mir vorbei läuft und ich evtl später ein video beim nase popeln im internet finde.

  17. rooster0526 sagt:

    oeschgi: Deine abstrusen Bildzeitungsunterstellungen sind keine Argumente. Der Facebook / Whats App Fall und die damit einhergehenden Proteste sind etwas ganz anderes und gegen Datenkracken wurde hier auch nicht gewettert, sondern gegen die gegenseitige Totalüberwachung der Bürger selbst und dass wir mit so einem Unsinn wie Google Glass selber daran mitbauen, wenn wir das unterstützen. Widerlegt hast du gar nichts und von Beleidigung braucht einer, der nur mit überheblichen Vorurteilen auf andere losgeht, auch nicht sprechen. Dass du nichts verstanden hast, ergibt sich aus deinem Text („geht ja auch per Smartphone jetzt schon“ usw…).

  18. rooster0526 sagt:

    @ dusort: Du hast es verstanden… 😉

  19. RC0207 sagt:

    Also an alle die glauben man könnte mit einem Smartphone genauso heimlich filmen wie mit google glass, hier ein großes NEIN !
    Um zu filmen muss man das Smartphone auf jemandem richten was man normalerweise nicht macht wenn mann sms schreibt oder sonstiges
    Ich würde mich massiv gestört fühlen wenn jeder mit glass rumlaufen würde, da müsste man ja jede bewegung überlegen um nichts dummes zu machen was eventuell im netz landet…

  20. vatbub sagt:

    Was würdet ihr davon halten, wenn die Glass einfach keine Kamera hätte?
    Grüße,
    Vatbub

  21. venue pro delle sagt:

    @vatbub

    Ich sehe mit kein Problem, aber auch ohne ist das ganze in Ordnung, jedoch fallen dann 90% der Vorteile weg

Schreibe einen Kommentar

Teilen