Mi. 05. November 2014 um 14:51

Die Problematik mit den Smartphone-Updates und wie sie sich mit Android 5.0 fortsetzt

von Adrian Suess0 Kommentare

Smartphone-Updates sind eine feine Sache – theoretisch. In der Praxis hingegen vermiesen zahlreiche Hersteller den Käufern den Spass, indem sie Updates für bestimmte Geräte entweder gar nicht veröffentlichen oder sich viel zu viel Zeit lassen. In diesem Beitrag zeigen wir Ihnen anhand des Beispiels von Android 5.0, wie umfangreich diese Updates ausfallen können – und welche Hersteller ihre Arbeit gut oder schlecht machen.

 

Gruselige Statistiken aus der Handy-Welt

Die ganze (mobile) Welt spricht davon, aber kaum einer nutzt es auch: Android in der bereits seit langem erhältlichen Version 4.4, welche auch als KitKat bezeichnet wird, ist laut der neuesten, Google-eigenen Statistik auf nicht mehr als 30,2% aller Smartphones und Tablets installiert. Weitere erschreckende Beispiele finden sich in Googles Kuchendiagramm problemlos: Android 2.3, das in der schnelllebigen Smartphone-Welt schon beinahe als antik bezeichnet werden kann, ist noch immer auf knapp 10 % aller Geräte installiert. Jelly Bean, welches die Versionen 4.1 bis 4.3 einschliesst, kommt hingegen auf mehr als die Hälfte aller Smartphones zum Einsatz.

 

Dabei ist es nicht so, dass Android 4.4 keine Verbesserungen mit sich brachte – das Gegenteil ist sogar der Fall. Wenn wir an dieser Stelle alle neuen Features aufzählen würden, könnten wir beim besseren App-Launcher anfangen, über stabilere WLAN- und Bluetooth-Verbindungen philosophieren und abschliessend bei der Schonung des Akkus und Arbeitsspeichers aufhören – und hätten trotzdem nur an der Oberfläche gekratzt. Aber woran liegt es, dass die Hersteller die doch eigentlich sinnvollen Updates nur so stiefmütterlich behandeln? Können sie ihre eigenen Geräte technikbedingt nicht auf den neuesten Stand bringen – oder wollen sie einfach nicht?

 

Schwache Vorstellung der grossen Unternehmen

Besonders langsam hinsichtlich der Updates sind hierzulande beispielsweise Asus oder auch LG, welche beide keine Leichtgewichte in der internationalen Industrie sind. Das Optimus G oder auch das Optimus G Pro von LG sowie das Padfone 2 von Asus sind leuchtende Beispiele für eine unverständliche Update-Politik: Diese Geräte sind teilweise erst Mitte 2013 auf den Markt gekommen und damit nur etwa ein Jahr alt. Dennoch sind sie mit Android 4.1 (welches damals schon veraltet war) ausgestattet, einen Hoffnungsschimmer für ein eventuelles Update auf Version 4.4 gibt es am Horizont nicht zu verzeichnen. Immerhin: Das G2 soll noch ein solches Update erhalten, aber ein genauer Termin steht nicht fest.

 

Ein wenig schneller geht es bei Samsung und HTC, wenngleich sich auch diese Hersteller mitunter viel Zeit lassen und meist nur die neueren Modelle mit Updates versorgen. Erwartungsgemäss am besten schneiden die Geräte von Google selbst ab: Die Nexus-Smartphones sind mit einem klassischen, unangetasteten Android ausgerüstet, so dass Updates hier nur selten angepasst werden müssen. Die Folge ist ein kurzer Updatezyklus und auch ein langanhaltender Support selbst für ältere Nexus-Modelle. Wer sich mit der vergleichsweise spartanischen Oberfläche anfreunden kann, sollte also nach Möglichkeit immer zu diesen Geräten greifen.
 

Warum dauern Updates so lange?

Als Antwort auf diese Frage gibt es zwei Theorien:

  • Updates bringen kein Geld ein. Ob der Käufer eines Samsung-Smartphones beispielsweise Android 4.2 oder Android 4.4 auf seinem Gerät vorfindet, kann dem Unternehmen egal sein. Updates kosten den Kunden kein Geld, der Entwicklungsaufwand hingegen kann enorm ausfallen. Daher scheuen viele Hersteller diese nicht unbeträchtlichen Kosten.
  •  Google selbst beliefert seine Nexus-Smartphones sehr schnell, alle anderen Hersteller benötigen viele Wochen und Monate für die Verteilung des Updates. Allerdings setzen diese anderen Unternehmen auch auf jeweils eigene Benutzeroberflächen, die erst erstellt oder zumindest modifiziert und auf die neue Version angepasst werden müssen – von der anschliessenden Suche nach schweren Fehlern ganz zu schweigen. Auch dieser Prozess könnte für eine langwierige Update-Verteilung verantwortlich sein.

Warum überhaupt Updates durchgeführt werden sollten, ist derweil eindeutig: Sie erhöhen die Funktionalität und stopfen nicht zuletzt Sicherheitslöcher, die in aktuellen Versionen von Android möglicherweise noch bestehen. Deshalb ist eine Aufrüstung mit aktueller Sicherheitssoftware stets empfehlenswert. Qualitätsunterschiede werden  hierbei u.a. durch den Leistungstest auf Netzsieger deutlich.

 

Was bringt Android 5.0?

Die für den durchschnittlichen Anwender offensichtlichste Neuerung ist das sogenannte Material Design: Dahinter verbirgt sich eine neue Optik von Icons, Schaltflächen und Apps, welche deutlich flacher ausfällt und eher an Windows Phone beziehungsweise iOS ab Version 8 erinnert. Weiterhin sollen verschiedene Stromsparmechanismen dafür sorgen, dass sich die Akkulaufzeit der Geräte erhöht, Google fasst all diese Neuerungen unter dem Namen Project Volta zusammen. Ebenfalls interessant wird die Möglichkeit, Benachrichtigungen zu gruppieren und auch auf dem Sperrbildschirm anzuzeigen – und wer nicht per WhatsApp erreichbar sein möchte, darf eine „Bitte nicht stören“-Funktion verwenden. Von der Unterstützung für 64-Bit-CPUs und auch einer einfacheren Programmierung von Apps für Entwickler werden die allermeisten Nutzer von Android 5.0 jedoch nichts mitbekommen. Insgesamt handelt es sich dennoch um ein grosses und wichtiges Update, das ab jetzt verfügbar ist – aber für welche Smartphones?

 

Diese Geräte bekommen Android 5.0

HTC beispielsweise wird innerhalb der nächsten drei Monate dafür sorgen, dass sowohl das One als auch das One M8 mit Android 5.0 versorgt werden. Sony hingegen hat sich den Beginn des neuen Jahres ausgesucht, um die Xperia-Z-Serie aufzuwerten, während das kaum erhältliche OnePlusOne ebenfalls in maximal 90 Tagen das Update erhalten soll. Samsung hat sich noch nicht geäussert, allerdings dürfte es nicht allzu lange dauern, bis zumindest die Topmodelle in Form von Galaxy S5 oder auch Note 4 mit Android 5.0 ausgestattet werden. Relevante Tablets, für welche die neue Ausgabe des Betriebssystems ebenfalls geeignet wäre, sind momentan noch nicht bekannt.

 

Wer jetzt aufmerksam gewesen ist, wird bemerkt haben, dass sich in dieser Liste fast nur High-End-Smartphones tummeln – oder zumindest solche, die ausreichend nah an dieser Bezeichnung liegen. Für ältere, hardwaretechnisch schwächere Geräte ist es in der Tat zweifelhaft, ob Android noch einmal auf Version 5.0 aufgestuft wird. Das erwähnte Kuchendiagramm aus Googles eigener Statistik lässt allerdings kaum Hoffnung aufkommen, wenn nicht einmal die Vorgängervariante in ausreichenden Stückzahlen verteilt werden konnte. Im Vergleich zur teilweise rasanten Updatevermittlung von Apple zieht Google ganz eindeutig den kürzeren Strohhalm. Wer kann, sollte dennoch updaten: Am einfachsten geschieht das über Einstellungen -> Über das Telefon -> Systemupdates. Wenn dort kein Update auftaucht, hilft nur warten und hoffen – und zwar darauf, dass die Hersteller ihre eigenen Produkte in Zukunft endlich ausführlicher pflegen.

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