Do. 23. April 2015 um 12:23

Big Data: Ohne Wearable keine Versicherung mehr?

von Simon Burgermeister2 Kommentare

Der Geschäftsführer von Swiss Re, einem der grössten Rückversicherungs-Unternehmen weltweit, ist der Ansicht, dass der neue Trend zu Smartwatches, Fitnesstrackern und anderen Wearables eine Art Revolution auslösen könnte in der Weise, wie die Bedingungen für eine Lebensversicherung festgelegt werden.

 

Demnach würden erste Versicherungen bereits in zwei Jahren die Erhebung und Auswertung von Daten mittels Wearables „im grossen Rahmen“ einführen. Innovationsmanager und Mitarbeiter bei Swiss Re Oliver Werneyer in seinem Blog:

„Stellen Sie sich vor, dass man medizinische Informationen, Daten über Aktivitäten, Informationen zur Ernährung und zum Gesundheitsplan einer Person in ein paar Millisekunden erhalten kann. […] Das könnte in den nächsten fünf bis zehn Jahren zur Realität werden. Haben Sie kein tragbares Gerät, das Ihre Gesundheitsdaten erfasst, wird es für Sie praktisch unmöglich werden, eine Lebensversicherung abzuschliessen. Ich bin überzeugt: Passiert dies nicht in fünf bis zehn, dann sicher in den nächsten zwanzig Jahren.“

Natürlich betrifft dies (bisher) nur die freiwilligen Zusatz- und Lebensversicherungen, die über die obligatorische Krankenversicherung hinausgehen. Santésuisse als Branchenverband der Krankenkassen in der Schweiz betont, dass es von Gesetzes wegen verboten sei, bei der Grundversicherung Rabatte zu gewähren oder jemanden aufgrund des Gesundheitszustands oder des Risikos auf Erkrankungen auszuschliessen.

Es gibt noch einiges zu klären

Anders sieht es wie erwähnt bei den freiwilligen Zusatzversicherungen aus. Ein Unternehmen kann hier weitgehend frei eigene Angebote so konstruieren, wie sie es für richtig halten und dürfen Leute ablehnen, die nicht ins Konzept passen oder eben ein zu hohes Risiko bergen.

 

Die Zurich Versicherungen beispielsweise sind aber begeistert von der Aussicht auf die Nutzung von Wearables der so genannten Big Data. So könnte man Risiken besser abschätzen, effizienter mit den Kunden kommunizieren oder Ansprüche schneller abklären. Zudem würden so unter Umständen die teils langwierigen und aufwändigen Gesundheits-Checks, die einige Versicherungen voraussetzen, wegfallen, da die dort ermittelten Werte ja in Echtzeit und direkt am Körper der versicherten Person erfasst werden.

 

Es stellt sich aber nun auch logischerweise die starke Frage nach dem Datenschutz und der Privatsphäre. Die Leute müssen bereit sein, ihre Gesundheitsdaten mit dem Versicherer und weiteren Akteuren auf diesem Gebiet zu teilen. Gleichzeitig ist Hanspeter Thür als oberster Datenschützer der Schweiz auch davon überzeugt, dass die Gesetzgebung angepasst werden muss. Er erklärte kürzlich gegenüber swissinfo.ch:

„Diese Geräte sind gefährliche Dinge, wenn wir sie nicht auf die richtige Art und Weise nutzen, wenn wir nicht genügend informiert sind. […] Natürlich kann die Schweiz ihre Datenschutz-Gesetze verbessern, das ist nötig, aber nicht genug, wenn es die Schweiz allein tut – wir brauchen die gleiche Bewegung im breiteren europäischen Kontext.“

Stellt sich zum Schluss nur noch die Frage, wie man jemanden dazu bringen soll, längerfristig ein solches Device zu tragen, damit genügend und genaue Daten erfasst werden können. Bereits jetzt weiss man, dass viele dieser tragbaren Devices schon bald einmal wieder in einer Schublade landen und dort verstauben. Auch kann allgemein noch nicht gesagt werden, ob diese Art von elektronischem Helfer nur eine kurzfristige Mode-Erscheinung ist oder ob ihnen doch ein langanhaltender Erfolg beschieden sein wird.

 

Unter anderem deshalb setzt Andreas Caduff von Biovotion, einem Spin-Off-Unternehmen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ), eher auf Geräte, die gezielt den Gesundheitszustand von chronisch kranken Personen überwachen können – diese wären nämlich deutlich eher bereit, ein solches Gerät dauernd bei sich zu tragen als solche, die gesund und in erster Linie an ihrer Fitness oder gar nur an der technischen Spielerei interessiert sind.

 

 

Quelle: Swissinfo

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2 Antworten zu “Big Data: Ohne Wearable keine Versicherung mehr?”

  1. yellowscorpion sagt:

    Gefährlich, gefährlich… ich möchte nicht, dass mich meine Versicherung einmal im Monat anschreibt. „Lieber Herr Mustermann, Ihr Beitragssatz wurde Ihrem aktuellen Gesundheitszustand angepasst.
    Tipp: Diese 10 Lebensmittel enthalten versteckte Kalorien!! … „

  2. Rusty Nail sagt:

    Ein verdammt gefährlicher weg der hier beschritten wird.

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