Di. 19. Juli 2016 um 10:42

Putschversuch Türkei: TV-Medien versagen, Facebook und Twitter sind Live-Dienst Nummer 1

von Marcel Laser0 Kommentare

Der Putschversuch des türkischen Militärs um die Regierung zu entmachten, zeigte deutlich, dass gewöhnliche TV-Medien in der Berichterstattung mittlerweile enorme Defizite aufweisen. Auf Platz 1 und Platz 2 der ersten Anlaufstellen für Informationen aus dem Krisengebiet lagen Facebook und Twitter. Vor allem die BILD-Zeitung aus Deutschland beeindruckte auf Facebook mit enormen Reichweiten.

BILD-Zeitung mit Live-Stream auf Facebook weltweit auf Platz 2

Smartphones sind mittlerweile nicht nur die wichtigsten Werkzeuge von Journalisten geworden, auch die damit verbundenen Social Media Services sind für die Reichweite unabdingbar. Wie wichtig diese dann in einer schnellen Live-Berichterstattung für die Presse werden können, zeigte der Putschversuch des türkischen Militärs am letzten Wochenende, in denen TV-Medien nahezu komplett versagten. Die ARD und ZDF aus Deutschland zeigten jeweils die Wiederholung eines Krimis und ein Konzert während der Putsch im vollen Gange war. Selbst der von den öffentlich Rechtlichen unterstützte Politiksender Phönix hat per Twitter-Meldung ausgegeben, dass man erst ab 9 Uhr Morgens mit einem Bericht aufwarten werde. Auch Fernsehsender, wie der amerikanische Nachrichtendienst CNN fühlten sich zwischenzeitlich an wie „ausgediente Zeitungen“ im Schriftformat.

Währenddessen liefen mitten im Putsch die Social Media Kanäle heiss. In Twitter wurden sekündlich neue Meldungen abgegeben und auf Facebook liefen unzählige Live-Streams, die direkt aus dem Geschehen berichteten. Die BILD-Zeitung aus Deutschland schaffte es so pro Sekunde mehr als 12’000 gleichzeitige Zugriffe auf den Facebook-Live-Stream zu erhalten und berichtete direkt aus dem Krisengebiet. Damit war das Medium auf Platz 2 weltweit und nur der Facebook-Stream von Al-Jazeera ist mit seiner englischen Spachausgabe weltweit auf über 20’000 Zuschauer gekommen.

 

Allerdings hatte die Berichterstattung über Twitter, welche nach kurzer Zeit auch stark an Übersicht verlor, auch seine Schattenseiten. Wie Meedia berichtet, sind auch Falschmeldungen über die Hashtags #turkeycoup auf Twitter unterwegs gewesen, nach denen der türkische Präsident Erdogan mit dem Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland wäre, um Asyl zu suchen, dieses aber abgelehnt worden sein soll. Danach soll die Maschine auf dem Weg nach London gewesen sein. Die Meldungen dazu stimmten aber nicht.

Social Media: Wichtigster Bestandteil der Berichterstattung – Fernsehen hinkt hinterher

Das Kanäle wie Twitter und Facebook mittlerweile wichtige Bestandteile einer Live-Berichterstattung sind, ist klar auszumachen und ist nicht erst seit dem Putschversuch in der Türkei bekannt. Die Social Network Dienste sind also mittlerweile unverzichtbar und laufen den etwas altmodischeren Diensten wie dem Fernsehen akut den Rang ab.

 

Eine Veränderung in der Nachrichtenbranche durch diese Dienste ist also mittlerweile bei politischen Grossereignissen stärker zu spüren als bisher. Natürlich gilt diese Form nicht nur für derartige Ereignisse, sondern für jeden Fall, der schnell und live im Netz verfolgt werden kann. Damit verliert das klassische Fernsehen nicht nur beim Schauen von Filmen und Serien bereits deutlich an Relevanz.

 

 

Quelle: Meedia und Twitter (Englisch)

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