Do. 11. Juni 2015 um 15:24

iOS 9: Einige Änderungen von Apples Betriebssystem im Detail

von Marcel Laser2 Kommentare

Zwar hat Apple iOS 9 nun am Montag vorgestellt, doch läuft die WWDC 2015 noch bis zum Ende der Woche. Viele Neuerungen kommen erst nach und nach an die Oberfläche, so auch Details zu den Änderungen unter der Haube. Wir haben uns die Beta einmal genauer angeschaut und werden ein paar wichtige Neuerungen von iOS 9 im Detail erläutern. Einer der wichtigsten Aspekte der neuen Version könnte sogar Android-Fans gefallen.

Apps können nun auch ausserhalb des App Stores installiert werden

Nehmen wir gleich die wichtigste Änderung im ganzen System schon einmal vorweg: Apple öffnet iOS 9 und ebnet den Weg für Fremdinstallationen ohne Enterprise-Zertifikat. Das, was auf Android schon seit Anbeginn möglich ist, wird nun auch für Apple-Fans implementiert. Durch die neue Open Source Regelungen in Swift und Anpassungen in den Geschäftsbedingungen von Apple ist es in Zukunft möglich, Apps ohne den Apple-eigenen App Store zu installieren. Bisher mussten Developer ihre Enterprise-Zertifikate, die eigentlich für den Unternehmenseinsatz gedacht waren, um intern Apps zu verteilen, welche nicht durch den App Store gereicht werden sollten, einsetzen. Dadurch konnte man zumindest Apps installieren, welche es nicht in den App Store schafften. Doch Apple hatte so die Kontrolle auch über andere Software und konnte zur Not den Zugang blockieren. Das ist nun in Zukunft nicht mehr möglich.

 

Allerdings ist dafür bisher ein wenig Arbeit von Nöten: Man muss den Quellcode der Programme, die man installieren will, vom jeweiligen Anbieter herunterladen und dann mittels des Programmiertools XCode von Apple kompilieren. Danach kann man die Anwendung auch auf dem iPhone installieren, ohne sich durch diverse Zertifikate und dessen Gültigkeitsbestimmungen klicken zu müssen. Auch wenn diese Prozedur alles andere als ein einfaches Installieren einer Anwendung ist, benötigt es keinen Jailbreak, welcher oftmals umständlich durchgeführt werden muss. Durch Apples geänderte Geschäftsbedingungen ist zudem auch kein kostenpflichtiger Developer-Account nötig, da durch die neue Open Source Regelung von Apple das Programmier-Tool auch ohne Gebühr nutzbar wird.

 

Wer weiss, ob nicht in der Zukunft auch Entwicklerfirmen daran arbeiten werden, die Installation noch einfacher zu gestalten und wir gehen recht stark davon aus, dass sich bald einige Ideen finden werden. Wir sind gespannt, was der neue Weg noch alles mit sich bringen wird. Offener war iOS jedenfalls noch nie.

iOS 9 Beta
iOS 9 wird dank neuer Open Source Richtlinien von Apple offener als jemals zuvor.

Siri läuft deutlich schneller und wird intelligenter

Schaut man sich Microsofts Cortana oder Google Now etwas genauer an, so wird man feststellen, dass die vormals beinah revolutionäre Siri bereits ins Hintertreffen gerät, doch will Apple auch hier einiges ändern. Der Ansatz ist bereits von der Googe I/O bekannt, indem einfach kontextbezogene Suchen und Informationsverarbeitungen stattfinden. Allerdings verfolgt Apple einen ganz anderen Ansatz als Google. Während Google mit seinen bis zu 30 Layern starken neuralen digitalen Netzen eure Informationen ins Internet hochlädt, um diese für die intelligenten Interaktionen mit eurem Smartphone zu verarbeiten, beteuert Apple, dass all eure privaten Daten, Informationen und andere Dinge, welche für die Arbeit benötigt werden, niemals das Gerät verlassen. Nicht einmal Drittanbieter-Apps werden in der Lage sein, auf diese Daten zuzugreifen. Alles soll anonym bleiben und eurer Privatsphäre dienlich sein. Das hat allerdings einen entscheidenden Nachteil gegenüber Google Now: Apple kann für die kontextbezogene Interaktion nicht auf die Menge an Infos zurückgreifen, welche Google über seine neuralen Netze generiert. Dennoch hat Siri nun einiges mehr auf dem Kasten.

 

Ein kleines Beispiel, soll euch nun verdeutlichen, wie Siri mit kontextbezogenen Inhalten umgehen kann. Bekommt ihr also eine SMS von der Freundin in der steht, dass ihr doch bitte nach der Arbeit noch Milch besorgen sollt, so könnt ihr direkt aus der SMS heraus Siri aufrufen und sagen „Erinnere mich daran, dass ich das nachher noch Milch kaufen muss“. Es wird automatisch eine Erinnerung erstellt, die in den Informationen den Kauf von Milch enthält und euch nach Verlassen des Arbeitsplatzes daran erinnert. Dasselbe klappt mit Suchen: Wenn ihr eine Seite eines Shops aufruft und euch ein Gerät anschaut, könnte man nun fragen, wo es das Device (ohne den Namen zu nennen) günstiger gebe. Siri erkennt, was auf dem Display dargestellt ist und reagiert entsprechend. Ein letztes Beispiel: Wenn man von einer unbekannten Nummer angerufen wird, kann das System eure auf dem Gerät gespeicherten Mails durchsuchen, ob die Nummer nicht irgendwo dort enthalten ist und zeigt euch dann unter den Ziffern den Eintrag an „Könnte zu Max Mustermann gehören“. Ebenfalls eine nette Idee.

 

Auch wichtig ist endlich der versprochene Geschwindigkeitsschub. Siri soll bis zu 40 Prozent schneller arbeiten und antworten können als bisher. Apple hat also einige Algorithmen überarbeitet und viel am Kern der Assistentin gebastelt. Bleibt eben noch die Frage, ob das reicht, um an die Konkurrenz anzuschliessen. Man sollte an dieser Stelle wohl auch für sich selber abwägen, was einem lieber wäre: Der hohe Funktionsumfang und die lernende extreme Intelligenz der neuralen Netze von Google Now oder das nicht ganz so effiziente System von Apple, dafür sollen eure Daten allerdings auf den Geräten bleiben. Somit bleiben weiterhin Vor- und Nachteile für alle Sprachassistenten bestehen.

iOS 9 Beta
Siri wird deutlich intelligenter und schneller. Apple will aber gleichzeitig die privaten Daten schützen.

Kern-Apps überarbeitet, neue Tastatur, Suche und Schriftfont

Die neue Notiz-App: Apple hat eine neue Notiz-App mit auf den Weg gebracht, welche sich unter iOS 9 auch als kleine ToDo-Liste eignet. So könnt ihr Punkte eintragen, welche sich per Fingertip rudimentär abhaken lassen. Zudem können nun Bilder hinzugefügt werden und ein Zeichenblock für handschriftliche Notizen oder kleine Zeichnungen wurde integriert.

 

Neue Music App: Auch die Musik Applikation ist in iOS 9 völlig neu. Sie kann nun deutlich effizienter per Gesten gesteuert werden und einige unübersichtliche Listen wurden entfernt. In der Beta sind erst zwei Reiter unten in der Navigation zu sehen, welche sich mit dem Start von Apple Music allerdings noch auf bis zu drei weitere erhöhen sollten. Bisher könnt ihr euch nur die Musik auf eurem Gerät, die iTunes Bibliothek und natürlich eure iCloud-Lieder anzeigen lassen.

 

Aus Passbook wird Wallet: Die App Passbook verabschiedet sich nach zwei Jahren iOS auch schon wieder und heisst nun Wallet. Die Grundfunktionen sind allerdings geblieben: Weiterhin könnt ihr alle Karten, egal ob Tickets, Coupons, Flugkarten oder Bankkarten hier aufbewahren und für die Nutzung bereithalten. Das Design wurde mehr der Transparenz des iOS Betriebssystems angepasst. Soweit alles beim Alten, nur die Optik und der Name sind ausschlaggebend geändert worden.

 

Neuer Task-Switcher: Die Änderung hat gefehlt! Im neuen Task-Manager von iOS 9 wurden die recht überflüssigen Shortcuts für Kontakte entfernt und nur die Sicht auf die geöffneten Apps bleibt. Diese wurden in einem neuen überlappenden Kartendesign angelegt und sind durch den freigewordenen Platz auch nun grösser in der Darstellung. Wie gewohnt: Per Swipe nach oben schliesst ihr eure geöffneten Anwendungen.

 

Neue Tastatur und Suche: Die Tastatur wurde ebenfalls in iOS 9 runderneuert und zeigt nun nicht nur Grossbuchstaben, sondern auch Kleinbuchstaben an. Legt ihr beim Schreiben zwei Finger gleichzeitig für eine Sekunde auf die Tastatur, lässt sich der Curser wie ein Mauszeiger mit dem Touchpad verschieben, was die Bedienung vereinfachen soll. Die globale Suche kann zwar weiterhin mit einer Wischgeste von oben nach unten auf dem Homescreen aufgerufen werden, doch ist die bekannte Spotlightsuche auch wieder ganz links auf dem Homescreen zu finden. Sie zeigt euch zudem kontextbezogene Inhalte an, die euch weiterhelfen können. Über die Möglichkeiten haben wir oben im Teil von Siri bereits gesprochen. Die Suche funktioniert hier ähnlich.

 

Schriftfont überarbeitet: iOS 9 gleicht sich der Apple Watch an, denn der von der Uhr bekannte San Francisco Font wurde nun auch in der neuesten iOS Version übernommen. Die serifenlose Schrift soll besser gelesen werden können, vor allem bei kleineren Buchstaben. Die Systemschrift funktioniert iOS-weit und somit sollten sich alle Apps in einem leicht veränderten Look präsentieren.

Apple Maps mit ÖPNV Einträgen und bald auch mit StreetView-Funktion

Apple Maps muss einfach besser werden und das weiss auch der Konzern aus Cupertino. Den Anfang macht hierfür nicht nur neues Kartenmaterial, sondern endlich auch eine Integration von öffentlichen Verkehrsmitteln für die Fussgängernavigation. Zwar sind noch nicht alle Städte integriert, doch sollen nun in Windeseile immer mehr hinzukommen. Ein Schritt, der durchaus zu begrüssen ist und Apple Maps wieder näher an die Konkurrenz heranrücken lässt. Der Dienst hat die letzten zwei Jahre stark aufholen müssen und ist zu einem soliden Paket herangewachsen.

 

Ebenfalls interessant dürfte die baldige Integration einer StreetView-ähnlichen Funktion sein. Laut einiger Medienberichte soll Apple an einer eigenen Version des Google-Konzepts basteln und bereits Autos im Umlauf haben, welche Aufnahmen für Apple Maps machen sollen. Wann der Dienst allerdings integriert wird und wie er dann heisst, sofern er einen Namen bekommt, bleibt unklar. Auch Verbesserungen an FlyOver wurden vorgenommen und so präsentieren sich nun weitere Städte in 3D und können so virtuell überflogen werden.

 

Auch hier greift wieder die Erneuerung der intelligenten Suche, welche sich durch das ganze neue iOS 9 System zieht. Entweder setzt diese kontextbezogen zum Standort und der Interaktivität an und lässt euch Vorschläge machen oder man sucht manuell per Filter nach Standorten oder Sehenswürdigkeiten. 

Apple Maps bekommt endlich eine ÖPNV Anzeige. Die intelligente Suche wurde hier ebenfalls integriert.

Neue Einstellungen in iOS 9 und ein iPad Splittscreen

Mute-Switch-Funktion änderbar: Der beim iPhone 6 und iPhone 6 Plus bekannte Mute-Switch über den Lautstärketasten bekommt neue Funktionen, welche ihr in den Optionen des Systems selber auswählen könnt. Neben der bisher bekannten Lautlos-Einstellung könnt ihr darüber auch das Rotieren des Screens verhindern. Dieser wird dann quasi in seiner gehaltenen Position gesperrt.

 

Stromsparmodus: Zudem hat Apple unter iOS 9 erstmals einen Stromsparmodus hinzugefügt, welcher über die Systemeinstellungen aktiviert werden kann. Dieser deaktiviert sämtliche Hintergrund-Datendienste für Apps, dimmt den Bildschirm dauerhaft und deaktiviert weitere Funktionen um die restliche Akkulaufzeit deutlich zu erhöhen. Seit Jahren gibt es solche Funktionen herstellerspezifisch auch auf Android-Geräten, also ist es ganz schön, dass Apple hier ebenfalls nachbessert.

 

 

iPad mit neuem Multitasking und Splitscreen

Auf dem iPad macht iOS 9 in Sachen Multitasking einen lang erwarteten und vor allem grossen Sprung. Neben dem erwähnten Splitscreen zwischen zwei Apps gleichzeitig gibt es eine Art von Toolbar-Einblendung auf der rechten Seite des Bildschirms und eine Bild-in-Bild Video-Funktion. Einige dieser Funktionen stehen allerdings nur für das iPad Air 2 zur Verfügung.

 

Slide Over Funktion: Ein sehr nettes Feature ist eine Art von Toolbar namens Slide Over an der rechten Seite des Bildschirms, welche sichtbar wird, sobald man mit dem Finger von rechts nach links ins Display hinein wischt. Seid ihr zum Beispiel im Browser unterwegs, lässt sich auf diese Weise ein Menü öffnen, in dem ihr den Messenger aufrufen könnt, Mails checkt, den Kalender öffnet, eine Video-App startet und vieles mehr. Habt ihr eine der Apps geöffnet, wollt diese aber grösser darstellen, könnt ihr diese dann mit einem Wisch in den Splttscreen-Modus ziehen.

 

Split View: Von Android und Windows bereits bekannt und nun von Apple endlich auch integriert. Der Splitscreenmodus heisst hier Split View und erlaubt das Interagieren mit zwei Apps gleichzeitig. Kombatible Apps werden euch entsprechend im Multitasking-Fenster angezeigt. Schiebt diese einfach auf die Apps und wenn der Modus bereitsteht, müsst ihr das Icon nur noch loslassen. Auch Öffnen aus der Toolbar heraus ist möglich, wie oben beschrieben.

 

Bild-in-Bild Video: Interessant ist auch die Möglichkeit, Videos weiterlaufen zu lassen, während ihr beispielsweise die E-Mail App oder den Browser besucht. Das Video erscheint dann in der unteren rechten Ecke und kann frei auf dem Display positioniert oder in der Grösse skaliert werden. Wer also nicht unbedingt das Video pausieren will, weil man nebenbei etwas nachschauen möchte, kann es also weiterspielen lassen.

 

Alle Split View relevanten Funktionen sind allerdings nur mit dem iPad Air 2 möglich. Ob das nun leistungstechnische Gründe hat, bleibt im Unklaren. Ob die Funktionen ohne Performanceschwierigkeiten übertragen werden können, wird man aber spätestens sehen, wenn findige Developer diese über Jailbreaks auch auf anderen iPads zum Laufen bekommen. Wir sind gespannt.

vg-wort
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2 Antworten zu “iOS 9: Einige Änderungen von Apples Betriebssystem im Detail”

  1. WarmRed sagt:

    Die Änderungen sind klein aber fein wie ich finde. Dass es endlich Klein- und Grossbuchstaben gib ist auch überfällig geworden. Die Touchpad Funktion finde ich auch genial, kommt das auch auf das iPhone oder bleibt es dem iPad vorbehalten?

  2. Marcel Laser sagt:

    Funktioniert in der ersten Beta auch auf dem iPhone 🙂 Zumindest auf dem iPhone 6 Plus. Auf einem iPhone 6 kann ich das derzeit noch nicht sagen ^^

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