Do. 28. Mai 2015 um 22:27

Google I/O 2015: Android M, Google Now und Internet of Things

von Marcel Laser3 Kommentare

Google hat Android M, eine neue Foto-App für das Betriebssystem und viele neue Funktionen für Google Now vorgestellt. Dabei geht es vor allem um das Lesen des Menschen hinter dem Device und wie man ihm schnellstmöglich die nützlichsten Informationen zukommen lassen kann, die er im jeweiligen Moment braucht. Auch Google Nest und die Vernetzung des Internet of Things will Google neu aufsetzen und hat neue Möglichkeiten für Anbindungen in unseren Alltag entwickelt. Im Folgenden lest ihr eine kleine Zusammenfassung dessen, was uns mit der neuen Android M Version in Zukunft erwarten wird.

Android M und Google Now lesen unsere Aktionen bald vom Bildschirm ab

Google nimmt die Interaktion zwischen Menschen und ihren Smartphones mehr als nur ernst. Man will mit kommenden Google Now Features in neuen Android Versionen, explizit zum Start mit Android M, die Aktionen und Infos auf dem Bildschirm in Echtzeit lesen, interpretieren und euch entsprechend Beiträge, Informationen, Apps, Aufgaben oder andere Dinge per Google Card vorschlagen. Immer passend zu dem was wir gerade machen. Einige Beispiele wurden auch genannt: Wenn ihr Beispielsweise einen Song von Skrillex hört und euch wundert, wie der Künstler eigentlich mit echtem Namen heisst, braucht man nur per „OK Google“-Spracheingabe folgende Frage stellen „Wie heisst er eigentlich mit echtem Namen?“ und prompt weiss Google was ihr über wen wissen wollt und bekommt auch direkt eine Antwort.

„Organize the world’s information and make it universally accessible and useful.“ – Google I/O 2015 Keynote

Dasselbe gilt für E-Mails und Nachrichten. Google Now will uns die Arbeit abnehmen und zu einem würdigen Assistenten werden. Eine Kollegin von euch schreibt euch an, mit der Frage „Weisst du noch, welche Hotels ich dir in der letzten Mail gezeigt habe?“ und Google interpretiert die Frage direkt in Echtzeit. Ruft ihr nun Google Now auf, so seht ihr eine Karte mit der Mail von exakt der Frau, die euch die entsprechende Nachricht geschickt hat und vor allem auch mit dem Inhalt, der gefragt wurde, ohne dass ihr irgendetwas dazu machen müsst. Der Dienst ist also über alle Massen intelligent und wird stetig weiterentwickelt. Erreicht wird das durch ein Rechenzentrum mit über 30 digitalen neuralen Netzen, welches aus Tausenden von Systemen besteht.

 

So ist es also auch möglich, nicht nur durch Nachrichten oder E-Mails eine Quelle für Google Now zu schaffen, sondern auch die Interaktionen auf dem Bildschirm. So kann man per Druck auf die Hometaste den Bildschirm auf eine ganz bestimmte Art auslesen lassen und auch hier könnt ihr euch bezogene Informationen oder Interaktionen anzeigen lassen. Das ganze funktioniert App-übergreifend und ist nicht nur auf Google-Apps oder Dienste beschränkt. Ziel ist es, jederzeit und an jedem Ort entsprechend intelligent Informationen bereit zu stellen, die immer von Nutzen sind. Ob das dauerhaft gelingt, wird man in längeren Praxistests erst feststellen müssen.

Google Photo: Unbegrenzt Medien speichern und organisieren ohne Tags

Dasselbe Prinzip wird übrigens auch bei Fotos angewandt. Man wird in Zukunft nicht einmal mehr die eigenen Fotos taggen müssen. Mit Google Photos, einer neuen Foto-App, welche natürlich auch mit Google Drive funktioniert. Google erkennt, welche Orte, Personen und andere Dinge am Foto selber beteiligt sind und kann diese automatisch zuordnen.

 

Das Ganze funktionierte in der Präsentation so beeindruckend, dass die Software in der Lage war, sogar Altersunterschiede zwischen den Bildern zu erkennen und damit Beziehungen zu Personen zu ermitteln. Eine kleine Suche als Beispiel: Würde man in seinen Tausenden Fotos nach Fussball suchen, könnten auch Bilder dabei sein, in denen man mit seinen Kollegen im Park oder mit seinem Kind im Garten eine Runde Fussball spielt. Weitet man die Suche aus, indem man nach „Fussball mit bestem Freund“ sucht, werden die Bilder mit den eigenen Kindern nicht mehr angezeigt. Sie passen nicht mehr ins Schema. Es müssen also nicht einmal Tags gesetzt werden, Google erkennt einfach die Situationen durch das Lesen der Interaktionen auf vielfältige Weise, um die Bilder entsprechend zu sortieren.

 

Was ebenfalls beeindruckend war, ist die neue Speicherpolitik des Riesen: Ihr könnt ab sofort in Google Drive über Google Photos unbegrenzt Videos und Fotos im Online-Speicher hinterlegen. Damit dürften Microsoft, Apple und Amazon mit ihren Cloudlösungen und Preisgestaltungen stark unter Druck geraten. Eine Einschränkung gibt es aber: Maximal bis zu 16 MP bei Fotos und 1080p Auflösung bei Videos dürfen eingesetzt werden. Alles was grösser ist, wird von Google herunter gerechnet, allerdings betonte man nachdrücklich, dass nahezu kein Qualitätsverlust entstehe.

Google I/O 2015
Android M: Google will der ultimative Assistent werden. (Bild: The Verge)

Höhere Akkulaufzeiten, Android Pay und neue App-Berechtigungen

Was am Anfang sehr stark in den Fokus der Beachtung der Presse fiel, war die Ansage zur Akkulaufzeit mit Android M. Man zog den Vergleich zu einem aktuellen Smartphone, das Google-eigene Nexus 6. Man verspricht eine teils verdoppelte Akkulaufzeit (reines Android-System!) gegenüber dem Vorgänger Android 5.1 Lollipop und das ist definitiv eine Kampfansage, die hohe Beachtung verspricht. Natürlich muss man an dieser Stelle bedenken, dass das Nexus 6 ein Smartphone mit reinem Google Android System ist, über das keine herstellerspezifische Oberfläche gezogen wurde. Wie stark die Optimierungen dann auch bei anderen Geräten greifen, ist daher noch nicht ganz nachzuvollziehen, doch kann durchaus auch hier der Verbrauch merklich gesenkt werden.

 

Ebenfalls interessant sind die neuen App-Berechtigungen, die endlich deutlich mehr Kontrolle über die Rechtestruktur bieten. Wenn ihr Apps installiert, könnt ihr zwar die Berechtigungen einsehen, doch werden diese erst verteilt, sobald ihr die entsprechenden Funktionen der Programme auch nutzt. Startet ihr also eine neue Kamera-App, wird erst beim Start der App eine Frage eingeblendet, ob dieses Programm die Kamera tatsächlich benutzen darf. Somit erhält man die volle Kontrolle über die Rechtevergabe der installierten Apps und muss nicht schon beim Installieren alle Berechtigungen durchwinken. Zudem erhält man nachträglich die Möglichkeit, einzelne Rechte wieder zu ändern. Das System weiss jetzt schon zu gefallen.

 

Android Pay ist wohl der direkte Konkurrent zu Samsung Pay und Apple Pay. Der Dienst wurde ebenfalls mit Android M vorgestellt und setzt auf eine Autorisierung per NFC-Schnitstelle. In Geschäften mit kompatiblen Geräten kann so der Einkauf über Android Pay bezahlt werden, aber auch Apps können den Dienst nutzen, um inApp-Käufe zu bezahlen oder in Online-Stores einkaufen zu gehen. Als Sicherheitsfeature wird man zudem auch in Zukunft Fingerprintsensoren für Android Pay nativ im System unterstützen. Eine entsprechende API wurde während der Präsentation vorgestellt. Android Pay löst damit Google Wallet ab und wird in allen Geräten ab Android 4.4 integriert.

Google I/O 2015 Android M
Android M: Die Developer Preview zeigt viele neue Funktionen. Die neuen App-Berechtigungen wissen zu gefallen. (Bild: The Verge)

Google Nest und die Integration des Internet of Things

Ebenfalls wichtig ist Google die Implementation des „Internet of Things“ (IoT) in die eigenen Dienste, Cloud-Services und auch die Verbindungen zwischen allen Geräten. Auch die Integration der Heimautomatisierung durch Google Nest spielt hier eine riesige Rolle. Weave heisst eine Schnittstelle, welche von Google derzeit entwickelt wird und als eine Art Betriebssystem-Layer zum Einsatz kommt. Diese ist für die Vernetzung und die Kommunikation zwischen IoT-Devices, Smartphones sowie der Heimautomation verantwortlich. Das Betriebssystem für solche Geräte wird mit Project Brillo geliefert, welches ebenfalls von Google entwickelt wird. Weave soll als Layer für die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Brillo-Devices dienen. Brillo selbst basiert auf dem Code von Android.

 

Euer Google Smartphone erkennt darum die IoT-Geräte in eurer Umgebung automatisch, die euch zur Verfügung stehen und können so direkt angesteuert bzw. konfiguriert werden. Weave stellt hierbei einige APIs bereit, welche nicht nur Crossplattform-kompatibel sind sondern unter Umständen auch einen einheitlichen Standard etablieren könnte. Es wäre jedenfalls schön zu sehen, wenn das Chaos durch die vielen Geräte im Internet of Things durch einen einheitlichen Standard in ein angenehmes Gleichgewicht gerückt werden könnte.

 

 

Google I/O 2015
Von der Glühlampe bis zum kompletten Haus: Google Nest und Weave vernetzen einfach alles. (Bild: The Verge)

 

 

Quelle: Google I/O 2015

Quelle Bilder: TheVerge (Englisch)

vg-wort
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3 Antworten zu “Google I/O 2015: Android M, Google Now und Internet of Things”

  1. Wolfgang D sagt:

    Es wird Zeit, dass Jolla ein größeres Smartphone baut, ich muss von Android weg.

  2. Entrail sagt:

    Naja, die Akkuversprechungen gab es zu Lollipop auch (Project Volta). Dort hieß es bis zu 36% längere Laufzeit. Davon merkt man leider nicht besonders viel. Daher darf man skeptisch sein 😉

  3. rooster0526 sagt:

    Gruselige Vorstellung, dass ein „persönlicher Assistent“ alles vorsortiert. Irgendwann bekommt man die Welt nur noch eingeschränkt mit, da vorsortiert.

    Zudem bietet das enormes Manipulationspotential ggü. den Usern. Welche Informationen / Nachrichten werden übermittelt? Und aus welchen Blickwinkeln? Welche werden verborgen oder unterdrückt? Wird unterschwellig Werbung mit eingeschleust? Wird versucht eine best. politische Meinung beim User zu bilden durch gezielt manipulative Vorsortierung? Usw.

    Irgendwann ist Google die Wahrheit, nicht mehr die Wahrheit selbst ist es…

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