Mi. 17. Februar 2016 um 17:53

Gerichtsbeschluss: Apple muss verschlüsseltes iPhone 5c knacken

von Marcel Laser3 Kommentare

Der Fall bewegt derzeit nicht nur IT-Experten_innen, sondern auch viele Menschen weit abseits des Geschehens: Ein Urteil in den USA verpflichtet Apple nun dazu für das FBI ein verschlüsseltes iPhone 5c eines hochgradig kriminellen Menschen zu knacken, weil die US-amerikanische Behörde es selbst nicht hinbekommt. Das Urteil wird weltweit derzeit mit gemischten Gefühlen betrachtet.

FBI kann verschlüsseltes iPhone nicht knacken und zwingt Apple per Gerichtsentscheid

Das hier erwähnte iPhone 5c gehörte einem vermeintlichen Terroristen, welcher zusammen mit seiner Frau im Dezember eine Schiesserei in San Bernardino einleitete. Der Vorfall forderte 14 Todesopfer und 22 Verletzte. Das nun sichergestellte iPhone 5c liegt dem FBI vor und dieses ist erwartungsgemäss mit den internen Möglichkeiten von iOS verschlüsselt. Die Behörden sind mit dem Knacken des Gerätes allerdings ziemlich überfordert und haben nun per Gerichtsbeschluss dafür gesorgt, dass Apple dazu gezwungen wird, das Device zu knacken bzw. iOS in Zukunft so zu manipulieren, dass man in solchen Fällen die Sicherheitsfunktionen des Gerätes durch US-amerikanische Behörden jederzeit aushebeln und der Inhalt des Geräts entschlüsseln kann, um an die darauf befindlichen Daten zu kommen.

 

Tim Cook wehrt sich in einem Statement unterdessen vehement gegen die Darstellung des Urteils und sieht eine derartige Manipulation extrem kritisch. Würde man ein solches iOS-System auf den Weg bringen, dessen Sicherheitsfunktionen ohne jegliche Probleme durch die Behörden ausser Kraft gesetzt werden könne, würde es nur eine Frage der Zeit sein, bis eine solche „Lücke“ massiv ausgenutzt werden könne.

„Die Regierung will etwas von uns, das wir nicht besitzen und das wir als zu gefährlich erachten, um es zu erschaffen. Sie fordern uns dazu auf, eine Hintertür für das iPhone zur Verfügung zu stellen. Das FBI will von uns, dass wir eine neue Version des iPhone-Betriebssystems entwickeln, die mehrere wichtige Sicherheitsvorkehrungen aushebelt. Einmal vorhanden, könnte diese Technik wieder und wieder eingesetzt werden, auf einer beliebigen Anzahl von Geräten.“ Tim Cook – Apple CEO – zum Urteil und dem Vorgehen des FBIs.

Einerseits scheint ein solcher Schritt, dass entsprechende Gerät eines vermeintlich extrem gefährlichen Person zu entschlüsseln, um weitere sinnvolle Ermittlungsdaten zu erhalten, absolut nachvolziehbar. Andererseits ist das Entwickeln eines Betriebssystems, welches zu jederzeit von den entsprechenden Institutionen ausgehebelt werden könne ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre aller Beteiligten, nicht nur derer, die ein iPhone nutzen. Sollte am Ende das Sicherheitssystem sogar von dritter Hand ausser Kraft gesetzt werden können, wären wohl nicht nur US-amerikanische Einrichtungen in der Lage, in die Daten anderer einzudringen.

 

Bisher sorgt der Fall hier für rege Diskussionen rund um das iPhone und was zukünftig mit den Sicherheitssystemen unserer Smartphones passieren könne. Das Urteil in den USA ist ein Präzedenzfall, welcher in Zukunft sogar weitreichende Folgen für alle Systeme auf dem Markt bedeuten könnte. Bisher ist einiges davon natürlich reine Spekulation, aber die Art und Weise wie Tim Cook zu dem Urteil reagiert, lässt aufhorchen. 

Dass das Knacken von verschlüsselten iOS-Backups bisher auch schon teilweise recht einfach möglich ist, zeigten wir euch vor einer Weile in einer Review zu Elcomsoft Phone Breaker und Phone Viewer. Dabei wird jedoch die Verschlüsselung nicht durch eine Hintertür ausser Kraft gesetzt, wie das FBI dies nun per Gerichtsurteil einfordert. Bei dem aktuellen Gerichtsurteil geht es jedoch nicht nur um die Beschaffung von verschlüsselten Daten, sondern vielmehr auch um das Einrichten einer Hintertür für entsprechend befugte US-Behörden.

 

Quelle: NBCNews (Englisch), via Süddeutsche Zeitung

vg-wort
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3 Antworten zu “Gerichtsbeschluss: Apple muss verschlüsseltes iPhone 5c knacken”

  1. Jörg Renken sagt:

    Auch Großbritannien will eine Hintertür. Ich bin mal gespannt, wie das ausgeht. Hoffe, Apple setzt sich durch.

  2. happyone sagt:

    War das jetzt ein Gerichtsbeschluss? Ich dachte nur eine richterliche Anordnung gewesen

  3. Entrail sagt:

    Wäre doch nicht schwer dafür eine Möglichkeit zu schaffen. Hatte gestern gelesen, dass Apple in der Lage wäre über das installierte OS ein neues OS zu installieren, ohne die Daten zu löschen und dort das automatische löschen und die Wartezeit zwischen falsch eingegebenen Pins deaktiviert. Dann das ganze mittels Brute-Force knacken. Das ganze kann dann einfach in Einzelfällen erfolgen mit dringendem Tatbestand auf terroristischen Hintergrund.

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