So. 04. September 2016 um 18:41

Review: Zeblaze Blitz 3G Smartwatch Phone im Test

von Yves Jeanrenaud0 Kommentare

Vergesst Android Wear, tragt Android! Das hat man sich wohl beim chinesischen Hersteller Zeblaze gedacht und eine Uhr mit Android 5.1 als Betriebssystem und eigenem 3G-Funkmodul gebaut. Wir haben uns mal angeschaut, ob das Smartphone am Handgelenk überzeugen kann.

 

Die Zeblaze Blitz 3G Smartwatch ist eine schwarze Uhr, die etwas klobig daher kommt, aber versucht, Anleihen bei bekannte Sportuhren zu nehmen. Geliefert wird sie mit einer deutschsprachigen Kurzanleitung, einem kurzen mirco-USB-Ladekabel und passender Ladeplatte sowie einem kleinen Kreuzschlitz-Schraubenzieher mit vier Ersatzschrauben. Denn: Um eine microSIM-Karte einlegen zu können, muss erst die Metallplatte auf der Rückseite aufgeschraubt werden. Auf dem Display der Uhr sind zwei Schutzfolien angebracht, wobei die erste zum Transport gedacht ist und einfach an einer Lasche abgezogen werden kann, die zweite hingegen wohl zum Schutz des Corning Gorilla Glass 3 darauf verbleiben soll.

 

Die runde Uhr selbst ist 4.9 x 4.9 cm gross und 1.3 cm hoch. Sie wiegt, inklusive 27.5 cm langem und 2.1 cm breiten Kunststoffarmband, knapp 68 Gramm und ist damit kein Leichtgewicht in der Smartwatch-Branche. Die Gear S3 Classic von Samsung wiegt beispielsweise rund 57 Gramm. Auf der rechten Seite des Uhrengehäuses ist eine Mikrofonöffnung, eine 2 Megapixel Kamera sowie eine einzelne Drucktaste untergebracht. Sie dient sowohl dem Ein- und Ausschalten, als auch der Bedienung im Betrieb. Die linke Seite beherbergt den Lautsprecher. Die Oberseite wird von dem 1.33 Zoll Touchscreen dominiert, der von einer einfachen, fixen Lünette mit Gradzahlen-Aufdrucken in 30er-Schritten umrahmt wird. Das rund eingefasste Display löst mit einer für Smartwatches nicht ungewöhnlich tiefen Auflösung von 360 x 360 Pixel auf. Auf der Unterseite sind die Sensoren für die Herzfrequenzmessung sowie vier Ladekontakte zu finden.

 

Im Inneren der Zeblaze Blitz werkelt eine Mediatek MTK6580 QuadCore CPU mit 1.3 GHz Taktfrequenz, die auf 512 MB RAM und 4 GB internen Speicher zurückgreifen kann sowie von einer Mali-400MP GPU flankiert wird. Dazu kommt Bluetooth 4.0, WLAN 802.11n (aber nur 2.4 GHz), GPS sowie der erwähnte microSIM-Slot, mit dem das 3G-Funkmodul für das GSM-Mobilfunknetz in den Bändern 850, 900, 1800 und 1900 MHz sowie das WCDMA-Netz in 850 und 2100 MHz. Der Herzfrequenzmesser per LED, der laut Hersteller von Samsung hergestellt wird sowie Sensoren für die Schrittzählung sind auch mit dabei.

 

Das Ganze wird von einem 480 mAh Akku mit Strom versorgt, der über den proprietären Ladeadapter mit Federstiftkontakten per microUSB-Anschluss aufgeladen wird, und ist nach Schutznorm IP67 sowohl staubdicht als auch wasserfest.

Verarbeitet ist die Zeblaze Blitz erstaunlich gut und das Material macht einen ebenfalls guten Eindruck, auch wenn einem der typische Geruch der Weichmacher im Kunststoff gleich als erstes nach dem Öffnen der Verpackung entgegen schlägt. Er verfliegt jedoch relativ schnell.

 

Nach knapp einer Stunde Ladezeit ist der Akku, der für eine Smartwatch auf dem Papier recht gross erscheint, komplett voll geladen. Die Uhr lässt sich relativ bequem und gut tragen und ist, wenngleich nicht edel, doch durchaus ansehnlich. Der QuadCore-Prozessor wurde auf 1.0 GHz gedrosselt, auch wenn die Werbung anderes verspricht, wohl um der Wärmebildung etwas Einhalt zu gebieten und eben auch enorm wichtig: Akkulaufzeit sparen. Dennoch wird das Wearable unter Last schnell sehr unangenehm warm.

 

Das Display ist auch bei direkter Sonnenlichteinstahlung noch einigermassen gut zu lesen und blickwinkelstabil. Der Touchscreen ist jedoch, auch wenn er doch angenehm schnell reagiert, unglaublich unpräzise. Gerade bei Tastatureingaben stört das masslos.

 

Die Software hingegen ist, das muss man Zeblade durchaus zugestehen, für ein grosses Android-System gut auf den kleinen Formfaktor angepasst worden. Dabei ist einerseits ein Taskswitcher eingebaut worden, der durch ein Menü nach einsekündigem Drücken der Hardware-Taste aufgerufen wird, in dem auch der Zoom-Faktor der Apps konfiguriert werden kann. Durch Umschalten zwischen „Full“ und „Small“ kann hier gewählt werden, ob Apps und Menüs sich entweder über den runden Displayrand hinaus erstrecken oder innerhalb dessen quadratisch, mit einer Art schwarzen Rahmen, dargestellt werden. Dadurch hat man im Small-Modus zwar weniger Platz auf dem Display, jedoch sieht man alle Bedienelemente der App.

 

Der Startbildschirm wurde, analog zu Android-Wear und anderen Wearable-Systemen, als Pivot gelöst, so dass ein Wischen nach oben ein Wetter-Widget öffnet, hinter dem eine AccuWeather-App sitzt. Nach links gewischt öffnet sich die App-Übersicht und nach nochmaligem Wischen ein Musikplayer-Widget, rechts sind Benachrichtigungen zu finden, die nicht nur mit Text und App-Icon ausgestattet sind, sondern auch nach Herkunft, nämlich Uhr oder per Bluetooth verbundenem Smartphone, markiert sind. Ein Tippen auf eine Benachrichtigung öffnet die entsprechende App. Für diese Ansicht wurde das Notification Center von Android 5.1 gut umgebaut.

 

Ein Wisch nach unten auf dem Startbildschirm führt zum Übersichtsbildschirm, der Verbindungsstatus sowie Akkuladestand anzeigt. Schnelleinstellungen sind hier mit einem Wisch nach rechts geöffnet, wo neben den Konnektivitätseinstellungen und dem Flugmodus auch die Displayhelligjkeit in drei Stufen reguliert werden kann. Weiter nach rechts ist der Schrittzähler sowie der Herzfrequenzmesser jeweils als Widget hinterlegt.

 

Leider gibt es, weil nur eine Taste verbaut wurde, keine Zurück-Funktion, so dass viele Apps nur über den erwähnten Task-Manager verlassen werden können. Auch sind ein paar System-Apps etwas seltsam, so beispielsweise der Kalender, der es nicht erlaubt, neue Einträge zu machen, sondern sich mit der reinen Darstellung von Terminen begnügt.

 

Die Companion-App für Android, welche nach erstem Start der Zeblaze Blitz direkt per QR-Code angepriesen wird, dient dazu, Benachrichtigungen vom Smartphone via Bluetooth an das Wearable zu übermitteln. Leider funktioniert das nicht immer sehr zuverlässig und zudem bricht die Verbindung immer mal wieder ab und die App muss auf dem Handy neu gestartet werden. Die App ist auch nicht über den App-Store erhältlich, sondern muss von der Homepage des Herstellers heruntergeladen und installiert werden – darum auch der QR-Code auf dem Display und in der Anleitung. Dazu müssen unbekannte Quellen für die Installation auf dem Android-Handy zugelassen werden – bekanntermassen sicherheitsrelevant.

Mit einer Akkuladung von 480 mAh kommt man mit sieben Stunden Laufzeit knapp über einen Tag, jedoch im Sitzen. Funkzellenwechsel und aktiverte Tätigkeiten im Büro überfordern die Zeblaze Blitz zunehmends, so dass man leider öfter an die Steckdose muss.

 

Der verbaute Lautsprecher überrascht, hat er doch eine angenehme Dynamik zu entfalten und bringt sogar etwas Bass mit sich, so taugt er durchaus zum Musikhören, ohne audiophilen Genuss zu liefern, oder zum Telefonieren. Apropos Telefonieren: Das funktioniert auch erstaunlich gut, der Empfang ist wirklich nicht schlecht und mit Smartphones vergleichbar, wenngleich das verbaute Mikrofon zu Wünschen übrig lässt. In stillen Umgebungen ist man beim Gegenüber gut zu verstehen und kann fast wie am Smartphone sprechen, auch wenn man dabei selten blöde aussehen muss, in sein Handgelenk zu brabbeln. Ist es jedoch etwas lauter, beispielsweise an einer nicht gerade viel befahrenen aber auch nicht leeren Strasse, so ist das Mikrofon schwer überfordert und liefert viel Umgebungsgräusche und leider zu wenig Stimme. Zum Telefonieren oder Skypen also weniger geeignet, aber dank Bluetooth 4.0 lassen sich ja auch kabellose Headsets entsprechend verbinden und benutzen.

 

Der Schrittzähler in der Blitz ist vergleichsweise präzise im Zählen und gut 10% neben der effektiven Distanz, was in Anbetracht des Preises des Geräts zu verkraften ist. Die Herzfrequenz wird auch glaubwürdig genau gemessen und kann sich mit der Präzision der Messung anderer Smartwatches durchaus vergleichen lassen: Für den Hausgebrauch werden wohl beide Fitness-Funktionen reichen, allerdings für ambitionierte Athlet_innen sicherlich zu ungenau.

 

Was leider ein kompletter Reinfall ist, ist das GPS-Modul. Wo auch immer die Antennen genau verbaut sind, sobald die Uhr am Handgelenk sitzt, ist der Empfang nahezu null. Beim Öffnen der unteren Abdeckung sind zwar Kabel zu erkennen, die in die Richtung der Armbänder gehen, doch scheint es sich dabei nicht um die GPS-Antennen zu handeln oder aber das reicht hierfür auch nicht aus. Auch unbrauchbar ist die Kamera, die trotz 2 Megapixel extrem verwaschene und farblich sowie sphärisch verzerrte Bilder liefert. Selbst für Schnappschüsse würde man sich hier besseres wünschen.

 

Preis

Die Zeblaze Bltiz 3G Smartwatch gibt es derzeit bei Gearbest im Angebot für 90,90 Euro inklusive kostenlosem Versand. Auch in die Schweiz bekommt man die Uhr für 100.29 SFr. kostenlos zugeschickt. Der Versand erfolgt aus China und dauert dabei in der Regel zwei Wochen.

Fazit

Nun, eine Smartwatch mit, wohl aus Kostengründen, vollwertigem Android 5.1 und kein Android Wear. Da erwartet man zu recht vermutlich viel Bastelei. Die Zeblaze Blitz 3G Smartwatch wirkt auch wie eine Bastelei. Ein interessantes Konzept, die jedoch der Konkurrenz von Samsung, LG und Huawei um Meilen hinterher hinkt.

 

Die Companion-App taugt nicht, ein halbes GB RAM bringt die Uhr schnell mal an ihre Grenzen und 4 GB Speicher sind nicht gerade üppig, zumal das System davon ja auch noch etwas abzwackt. Die eingebaute Kamera ist trotz 2 Megapixel nicht zu gebrauchen und auch auf GPS muss man mangels Empfangsmöglichkeit eigentlich verzichten. Kein NFC, kein kabelloses Laden und eine Akkulaufzeit von unter einem Arbeitstag, ein unpräziser Touchscreen, ein LCD statt stromsparenderem AMOLED und ein schlechtes Mikrofon sind schon grosse Probleme für die Zeblaze Blitz. Die Wärmeentwicklung der CPU am Handgelenk macht das Wearable leider schnell mal zum „Unwearable“.

 

Kurzum: Eine Spielerei, die trotz einiger guter Ansätze mit ärgerlichen Kinderkrankheiten aufwartet und so ihr Geld nur schwerlich wert ist. Wer also etwas mehr Geld übrig hat sollte zur qualitativ besser besetzten Konkurrenz, in Form der bekannten Hersteller, greifen.

vg-wort
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