Sa. 11. April 2015 um 12:22

Erfahrungen mit Google Glass: Fragen, die mir immer wieder gestellt werden

von Georg Hannig4 Kommentare

Im Juni 2012 wurde die Google Glass vorgestellt, und ich war damals schon fasziniert von dieser Technologie. Leider gab es damals noch keine Möglichkeit, eine eigene Glass zu bekommen. Ab Februar 2013 gab es eine Version für Entwicklerinnen und Entwickler und im April 2014 ging die Google Glass in den USA als offene Beta-Version (Explorer Edition) im Google Play Store in den Verkauf. Bei einem Besuch letzten Sommer im Silicon Valley durfte ich die Glass ausprobieren und wollte daraufhin selbst eine haben, um die Glass mal länger zu testen. Seit Ende Dezember letzten Jahres besitze ich nun eine eigene Google Glass (Farbe: Charcoal), die seitdem auch mein täglicher Begleiter ist. Meine Erfahrungen mit diesem interessanten Stück Technik will ich euch nicht vorenthalten. Dies hier sind die Fragen, die mir in den letzten drei Monaten immer mal wieder gestellt wurden.

 

Die Google Glass in der Farbe Charcoal. Das Tragen dieser Brille wirft immer wieder Fragen auf.

Frage 1: Was ist das?

Wenn man technologiebegeistert ist und sich viel in entsprechenden Portalen und Foren bewegt, denkt man, jeder kenne die Google Glass. Es ist aber erstaunlich, wie viele Menschen noch nie was davon gehört haben und ganz ungläubig schauen, wenn man ihnen erzählt, was es damit auf sich hat. Ich erkläre dann meistens die Technik, nämlich, dass die Glass vorne ein kleines Prisma besitzt, welches das Bild auf die Netzhaut projiziert, so dass man den Eindruck eines schwebenden Bildes wahrnimmt. Damit kann man dann Benachrichtigungen vom Handy lesen, welches über Bluetooth mit der Brille verbunden ist, sowie Telefonate abwickeln. Letzteres funktioniert dank der Tonübertragung über einen kleinen Knopf an der Brille, der die Schwingungen direkt hinter dem Ohr an den Knochen überträgt. Über die Sprachsteuerung kann man auch Begriffe bei Google suchen, sich Navigieren lassen, Youtube-Videos suchen, Bilder und Videos aufnehmen oder auch Spiele spielen (dies meistens über Kopfbewegung und die berührungsempfindliche Seite der Brille).

 

Frage 2: Ist das die Google Glass? Wie ist die so? Kann ich die mal ausprobieren?

Es gibt natürlich auch ausserhalb des Internets die Techies. Und die reagieren meistens sehr begeistert auf die Glass und wollen sie auch mal aufsetzen. Bei einem Jugend-Forscht-Wettbewerb, den ich mir als Zuschauer angesehen hatte, kam ich z.B. nicht weit, weil ich schnell von einer Menge Teenies umringt war, die die Brille alle mal ausprobieren und natürlich auch ein Selfie damit schiessen wollten. Das war bisher der Extremfall, meistens sind es Leute, die mich einfach im Geschäft oder auf der Strasse ansprechen.

 

Frage 3: Was siehst du gerade auf der Brille?

Eine der häufigsten Fragen. Meine Antwort lautet meistens: „Im Moment nichts.“ In der Tat ist das Display den grössten Teil der Zeit inaktiv, und das macht das Tragen der Brille für den Nutzer oder die Nutzerin sehr unaufdringlich. Seit ich die Glass habe, ist mein Handy komplett stumm gestellt. Bei einer Benachrichtigung gibt die Glass nur ein kleines „Pling“ von sich und mit einer kleinen Kopfbewegung kann man das Display aktivieren und die Benachrichtigung lesen. Oder man lässt es, wenn man z.B. gerade in einer Unterhaltung ist, und hat so keine Unterbrechung. Mich nervt es beispielsweise, wenn in einer Unterredung ständig ein Handy klingelt oder vibriert. Wenn keine Benachrichtigung kommt, kann man mit einer Kopfbewegung – kurzes Nicken nach oben, der Winkel ist konfigurierbar – das Display aktivieren, sieht dann die aktuelle Uhrzeit und kann mit „OK, Glass“ die Sprachsteuerung, die wirklich sehr gut funktioniert, aktivieren. Die Sprachsteuerung ist aber nur in Englisch möglich.

Frage 4: Nimmst du mich auf?

Manche Menschen fühlen sich auch unwohl in der Nähe einer Google Glass, da sie die Befürchtung haben, heimlich gefilmt zu werden. Ich wurde in einigen Kaufhäusern gefragt, ob ich aufzeichne, und als ich das verneinte, durfte ich die Brille aufbehalten. In einem Restaurant wurde ich beim Eintreten gebeten, die Brille abzunehmen, da sich andere Gäste gestört fühlen könnten. Da ich die Brille bei Tisch aber eh immer abehme, war das kein Problem. Ich denke, dass dies der grösste Knackpunkt (neben dem Preis und der limitierten Verfügbarkeit) ist, der bisher gegen einen grossen Erfolg der Glass sprach. Von meiner Seite aus hätte Google sogar komplett auf die Kamera verzichten können, da ich sie so gut wie nie nutze, aber gerade im professionellen Umfeld ist sie eines der Hauptargumente der Glass.

 

Zwar sieht man von aussen, wenn das Display aktiviert ist, und das ist es während einer Aufnahme immer, aber man kann nicht sehen, was der Träger gerade macht. Eine kleine LED, die bei Aufnahme leuchtet, hätte hier den Bedenkenträgern wahrscheinlich schon Abhilfe geschafft. Ein heimliches Aufnehmen ist aber auch so nicht so einfach, da die Aufnahme entweder per Sprachsteuerung gestartet werden muss oder über den Kameraknopf auf dem Brillenrahmen. Um eine Videoaufnahme länger als 10 Sekunden zu machen, muss der Kameraknopf zwingend gedrückt werden. Es gibt zwar noch die Möglichkeit, über das Zusammenkneifen des rechten Auges ein Foto zu machen. Nachdem ich bei einer Erkältung aber bei jedem Niesen die Kamera ausgelöst habe, habe ich es abgestellt.

 

Frage 5: Wurde die Entwicklung nicht eingestellt?

Nein, die Entwicklung der Google Glass wurde nicht eingestellt. Im Gegenteil, es wird Momentan mit Hochdruck an der nächsten Generation gearbeitet, die sich sowohl vom Design, als auch von der Funktion her ein ganzes Stück von der aktuellen Google Glass unterscheiden wird. Was eingestellt wurde, ist der Verkauf der Explorer Edition der Google Glass für Endkunden. Das Explorer Programm war eine offene Beta, die ein Jahr im „kleinen“ Rahmen (nur Entwickler) und dann fast ein Jahr für alle, die das nötige Kleingeld hatten und ihren Wohnsitz in USA oder Grossbritannien haben, verfügbar war. Dieses Programm wurde eingestellt und die Erfahrungen werden in die nächste Version einfliessen.

 

Frage 6: Wie lange hält der Akku?

Die Google Glass hat einen vergleichsweise kleinen Akku (570 mAh). Wenn man es drauf anlegt, bekommt man ihn auch innerhalb kürzester Zeit leer, zum Beispiel mit Youtube-Streaming oder Videoaufnahme. Im normalen Alltag hält der Akku aber lange aus. Nach einem 10-Stunden Arbeitstag habe ich meistens noch um die 40% Restladung. An einem solchen Tag nutze ich die Glass hauptsächlich zum Lesen von Benachrichtigungen, als Tea-Timer und als Headset zum Telefonieren (10 bis 30 Minuten). So kann ich abends auch noch ausgehen, ohne Angst um den Akku haben zu müssen. Trotzdem muss die Glass natürlich jeden Tag aufgeladen werden, was überraschenderweise nur geht, wenn die Brille eingeschaltet ist. Das hatte mich beim ersten Aufladen schon ins Schwitzen gebracht, weil ich erst dachte, die Brille sei defekt. Wenn der Akku komplett entladen ist, muss die Brille angeschlossen werden. Dann kann man sie einschalten und dann erst lädt der Akku.

 

 

Das sind die häufigsten Fragen, die mir bei meinem täglichen Umgang mit der smarten Brille gestellt werden. Solltet ihr noch weitere Fragen zur Google Glass haben, so könnt ihr diese gerne in den Kommentaren stellen. Ich werde dann dann versuchen, diese zu beantworten.

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4 Antworten zu “Erfahrungen mit Google Glass: Fragen, die mir immer wieder gestellt werden”

  1. Urhengulas sagt:

    Hallo, ich hätte 2 Fragen. Erstens wie funktioniert die Navigation? Wird am „Bildschirmrand“ eine Karte eingeblendet oder sind Pfeile oder Ähnliches auf Straßen, etc.?
    Und was gibt es so für Spiele?Und wie funktioniert die Steuerung dort? Du sagst zwar durch Kopfbewegungen aber ich kann mir das nicht Vorstellen.
    Bitte vlt. mit Beispiel.
    Schonmal Danke fürs Feedback.

  2. Georg Hannig sagt:

    Bei der Navigation wird die Karte mit Pfeilen Ähnlich wie bei einem Navigationsgerät eingeblendet. Da das Display nicht das Sichtfeld einnimmt, sondern nur rechts oberhalb in diesem ist, können die Pfeile nicht auf die Umgebung geblendet werden. Das Display ist auch beim Navigieren nicht dauerhaft an, sondern aktiviert sich bevor man abbiegen muss und schaltet sich danach wieder aus. Finde es zum Fahren sehr angenehm, weil man mit der Brille weniger vom Straßenverkehr abgelenkt wird, als es bei einem normalen Navi der Fall ist.

    An Spielen gibt es nur Mini Spiele, wie z.B. Tontaubenschießen. Dabei zielt man mit dem Kopf (Schaut in die Richtung, wohin geschossen werden soll) und feuert durch tippen auf die berührungempfindliche Seite der Brille. In der Art sind einige Spiele 8z.B. Tennis). Was ich auch gerne Spielte war Balance, ein Spiel, wo man verschiedene geometrische Figuren auf einem Kopf balancieren musste.

  3. Ney sagt:

    wie teuer war das gute stück? was ist mit leuten die schon von vornerein ne brille tragen?

  4. Georg Hannig sagt:

    Für Brillenträger gibt es sogenannte Frames. Damit kann man den Chrom-Rahmen gegen einen mit Fassungen für Gläser austauschen. Ausserdem gibt es noch Shades, also Gläser, die man anstecken kann (habe Sonnenbrillen Shades für die Glass). Zusammen mit einer normalen Brille kann die Glass nicht getragen werden.

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