Di. 29. März 2016 um 11:56

Apple Night Shift Mode: Der Sinn hinter den gelben Displays

von Marcel Laser1 Kommentare

Das Update auf iOS 9.3 brachte eine ganze Menge neuer Features mit, die unter anderem auch die Sicherheit, Performance und einige Fehler im System betrafen. Das nun vor etwas über einer Woche ausgerollte iOS 9.3 bringt aber auch den bis dato heiss ersehnten Night Shift Mode mit. Dieser lässt eure Displays plötzlich gelb werden, aber wozu? Das ganze hat vor allem was mit der Schlafforschung zu tun und wie das menschliche Gehirn auf das Licht reagiert. Wir erklären kurz, was es nun genau mit dem Night Shift Mode auf sich hat.

Blaues Licht, gelbes Licht und das Verhalten auf unseren Körper. Stichwort Melatonin

Um es zu verstehen, sollte man nun einen kleinen – wirklich sehr kleinen – Exkurs zum Thema geben. Denn wie die Forschung seit Jahren zeigt, hat Licht mit unterschiedlichen Farbspektren auch unterschiedliche Wirkungen auf unseren Körper und das nicht nur bewusst, sondern auch unterbewusst. Des Weiteren spielen nicht nur die Temperaturen der Farben eine Rolle, sondern auch die Tageszeit, in der wir ihr ausgesetzt sind. So hat man Beispielsweise in der Schlafforschung herausgefunden, das kühle Farbspektren belebend auf den Körper wirken, die Reaktionszeit erhöht, das Bewusstsein schärft und viele andere (positive) Dinge mit uns anstellt. Wir sind dieser Art von blauem Licht über den Tag gesehen permanent ausgesetzt, was auch absolut nicht schlimm ist und uns sogar im Alltag hilft.

 

Schwieriger wird es hingegen am Abend, wenn wir uns weiterhin diesem Licht aussetzen. Denn der circadian-Rythmus, also unser Schlaf-Wach-Rythmus, wird immens von Lichtquellen um uns herum beeinflusst. Die blauen Lichtanteile in unseren Displays gaukeln dem Körper unterbewusst einen hellen Tagzyklus vor, der die Ausschüttung des Homons Melatonin stark eindämmen kann. Melatonin ist dafür verantwortlich, dass wir zur Ruhe kommen können und der Körper in einen ordentlichen Schlaf übergeht. Es wird den ganzen Tag über produziert, allerdings über die helle Phase hinweg deutlich weniger und wenn es dunkel wird um so mehr, damit wir unseren Schlaf auch finden. Setzen wir uns aber weiterhin blauen bzw. kühlen Lichtspektren aus, so wird die Bildung des Hormons eingeschränkt und eine wirkliche Ruhephase kommt nicht zustande. Warmes Licht hingegen, also Licht welches auf warme Farbtemperaturen mit wenig blauen Lichtanteilen setzt, löst diese Blockade für die Produktion und so fördert es auch ein schnelleres und gesünderes Einschlafen mit weniger Unterbrechungen. So soll es jedenfalls sein.

Apples Night Shift Mode: Gelbes Display soll Melatonin Blockade eindämmen

Was soll Apples Night Shift Mode also machen? Ganz einfach: Die kühlen Farbelemente aus der Anzeige entfernen und nur noch eine warme Farbtemperatur abgeben, damit diese Blockade auch Abends, wenn wir fleissig weiter am Display konsumieren, gelöst werden kann. Eine Technik, welche aber bei weitem nicht neu ist und bereits seit längerem auch als App im Google Play Store verfügbar ist. Auch gibt es eingebaute Blaulichtfilter-Profile in Monitoren, damit diese bei längerem Arbeiten auch in dunkleren Tageszeiten eure Meltoninproduktion nicht beeinträchtigt.

 

Denn jeder oder zumindest die meisten von uns kennen es wahrscheinlich ganz gut: Abends im Bett wird vielleicht noch ein Buch über das Smartphone oder Tablet gelesen, ein Spiel gespielt, um den Tageserfolg noch zu schaffen, oder einfach nur im Internet gesurft. Der Konsum hört auch Abends nicht auf und Apple hat sich daher wohl den ein oder anderen Gedanken gemacht. Man will also dafür sorgen, dass die Leute in Zukunft, trotz intensiver Nutzung vor dem Schlafengehen, Abends immer noch gut einschlafen können und laut der vielen Nutzerberichte soll das auch tatsächlich funktionieren.

 

Weitere Vorteile des Night Shift Mode sind die angebehme Farbtemperatur, die deutlich weniger Anstrengung für die Augen bedeutet und eine deutlich reduzierte „Helligkeit“ mit sich bringt. Kühles Licht wirkt im allgemeinen deutlich heller und so erstrahlt im Night Shift Mode auch der Schlafraum nicht mehr in vollem Glanze, wenn man es so nennen will. Ein Umstand, der auch für den/die Partner_in im Bett neben einem recht angenehm sein kann. Es hätte also positive Auswirkungen auf beide Personen.

Night Shift iPhone 6s Plus
Night Shift: Weniger Blaulichtanteile sollen für schnelleres Einschlafen und weniger Unterbrechungen im Schlaf selbst sorgen.

Standardmässig deaktiviert: So wird der Night Shift Mode aktiviert

In iOS 9.3 ist der Modus zwar integriert, doch ist er von Haus aus deaktiviert, Wahrscheinlich um die Nutzerschaft nicht direkt zu erschrecken, wenn das Display nach dem Update auf einmal einen intensiven Gelbstich aufweist. Ihr habt allerdings die Möglichkeit diesen in den Einstellungen zu aktivieren und das auf unterschiedlichste Weise. Entweder wählt ihr selbst eine Zeitspanne aus, in der der Night Shift Mode aktiv ist, oder ihr lasst es diesen einfach selbst einstellen. Setzt ihr den Night Shift Mode auf automatisch ermittelt dieser anhand eurer Geodaten (Position und Uhrzeit) den Sonnenuntergang und Sonnenaufgang und aktiviert entsprechend nach Sonnenuntergang den Modus.

 

Geht hierzu folgendermassen vor: Ihr müsst unter Einstellungen nach Anzeige & Helligkeit navigieren. Dort findet sich der Eintrag für Night Shift, den ihr antippen müsst. Dort habt ihr nun die Möglichkeit „Planmässig“ zu aktivieren und eine feste Zeitspanne, oder eben die automatische Aktivierung festzulegen. Auch eine manuelle Ausführung ist möglich, die bis zum Sonnenaufgang andauert. Zudem könnt ihr die Wärme des Farbspektrums manuell einstellen, falls euch der Gelbstich zu intensiv sein sollte, lässt er sich am Ende dann doch noch etwas kühler einstellen.

 

Das Control Center in iOS 9.3 hat zudem ein weiteres Symbol spendiert bekommen. Mittig findet ihr nun zwischen Timer und Taschenrechner einen Button für die schnelle manuelle Aktivierung des Night Shift Mode. Diese hält dann bis zum Sonnenaufgang an.

Ungewohnt… aber wenn es hilft? Schaden kann es jedenfalls nicht.

Generell haben Forschungen mittlerweile gezeigt, dass Blaulichtfilter wie der Night Shift Mode in iOS 9.3 durchaus schlaffördernd wirken können. Neu ist dieser Ansatz nicht und Apple sind auch nicht die Ersten, die an eine solche Technik gedacht haben, allerdings implementieren sie es erstmals mit iOS 9.3 systemweit. Der Gedanke dahinter, der Sinn und Zweck und auch die Ausführung, sind alles andere als schlecht. Diverse Apps für Android existieren schon länger im Google Play Store, die euer Gerät mit einem Blaulichtfilter ausstatten und genau das machen, was hier Apples Night Shift vollzieht.

 

Der Gelbstich ist anfänglich ungewohnt, ist aber schnell im Eifer des Buches, des Spiels oder des Surfens schnell vergessen. Einen enorm spürbar besseren Schlaf habe ich zwar (noch?) nicht durch solche Apps oder den Modus in iOS 9.3 erfahren (auch wenn ich der Meinung bin, seit einiger Zeit besser einschlafen zu können), doch muss ich zugeben, dass meine Augen sich bei weitem entspannter anfühlen, wenn ich die Geräte Abends im Bett noch nutze, was wiederum dazu führt, dass man sich generell wohler fühlt.

 

Ausprobieren sollte man es auf jeden Fall, egal auf welchem Smartphone oder Tablet man es nun nutzt und die Ergebnisse am Ende auch für sich selber auswerten. Jeder Mensch wird wohl stark anders darauf reagieren. Fakt ist: Es ist weder schädlich, noch in irgendeiner Weise beeinträchtigend. Im Gegenteil, denn im günstigsten Fall verbessert es eure körperlichen und mentalen Gegebenheiten, die eben aus einem gesunden und/oder unterbrechungsfreien Schlaf resultieren. Das wiederum sorgt dafür, dass man das Risiko diverser Krankheiten vermindert. Also, warum nicht ausprobieren?

vg-wort
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Eine Antwort zu “Apple Night Shift Mode: Der Sinn hinter den gelben Displays”

  1. happyone sagt:

    Bin der gleichen Meinung 😀
    Besseren Schlaf hab ich noch nicht feststellen können, dafür ist es wesentlich entspannter für die Augen. Habe auf dem Mac auch f.lux installiert. Ein Segen für den Sehmuskel 😉

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