Fr. 23. September 2016 um 19:05

Review: iPhone 7 Plus im Test – Apple macht Dual-Kamera mal anders

von Barbara Walter-Jeanrenaud, Marcel Laser2 Kommentare

Inhaltsverzeichnis

  1. Von vorne alt, von hinten neu: Verschwundene Querbalken bis zur neuen Kamera
  2. Leistung satt! Bombastisch schneller Apple A10 Fusion Prozessor
  3. Neues Display mit P3 Farbraum, genauso hervorragend wie der Vorgänger
  4. Dual-Kamera mit „Teleobjektiv“ macht hervorragende Bilder, aber…
  5. Kein normaler Homebutton mehr vorhanden – Leider wurde hier nicht zu Ende gedacht
  6. Der Klinkenanschluss ist weg! Jetzt wird es kompliziert…
  7. Herausragende Akkulaufzeit noch einmal verbessert und Stereolautsprecher
  8. Fazit – Nicht alles Gold was glänzt?

Von vorne alt, von hinten neu: Verschwundene Querbalken bis zur neuen Kamera

Alle zwei Jahre hat Apple in der Vergangenheit ein oftmals deutlich verändertes Design vorgestellt. Mit dem iPhone 7 bricht man mit dieser Tradition, auch wenn ein wenig Feinschliff betrieben wurde. So verlaufen die Antennentrenner nicht mehr vollständig über den Rücken des Geräts, sondern es wurde der „Querbalken“ entfernt und nur noch die Ränder mit dem markanten und notwendigen Streifen versehen. Zudem ist die Kameraaussparung grösser geworden, was der neuen Kameratechnologie zuzuschreiben ist. Das iPhone 7 Plus hingegen hat mit der Dual-Kamera sogar noch etwas mehr Veränderungen am Aussehen erfahren. Zudem sind die Geräte nun in zwei neuen Farben erhältlich: Ein einfaches mattes Schwarz und das neue Diamantschwarz. Wir testen hier übrigens den von uns liebevoll so genannten „rosa Riesen“, welcher sich im bekannten Rosé Gold kleidet.

 

Was direkt von vorne auffällt: Es gibt eigentlich gar keinen Unterschied zum Vorgänger. Naja… doch, ein wenig. Die Lautsprechermuschel im oberen Bereich ist leicht länger geworden, was wohl am neu integrierten Lautsprecher liegt, der euch nun ebenfalls frontal beim Videoschauen beschallen kann. Ansonsten ist auf den ersten Blick rein gar nichts zu erkennen und man könnte schon fast meinen, man hat ein iPhone 6s Plus S vor sich. Der Homebutton ist zwar verschwunden, doch ist immer noch der Ring zu erkennen, der bei normaler Draufsicht auch weiterhin wie ein ganz normaler physischer Homebutton aussieht. Erst beim Ausprobieren merkt man, dass sich was geändert hat.

 

Markant hingegen ist der neue Speakergrill, welcher genau an der Stelle sitzt, wo einst der Klinkenanschluss lag. Allerdings ist das kein Lautsprecher, sondern lediglich das Mikrofon. Hält man das Gerät direkt vor sich, ist nur der rechte Bereich als Lautsprecher konzipiert. Das kennt man vor allem noch vom iPhone 5 oder iPhone 5s, bei denen das linke „Lautsprechergitter“ ebenfalls nur Zierde war und eben das Mikrofon versteckte.

 

Ganz wichtig zu erwähnen: Das iPhone 7 und iPhone 7 Plus sind die ersten Modelle von Apple, die nach IP67-Zertifizierung endlich wasserfest sind! Das ist ein schönes Zusatzfeature, auf das viele Fans schon länger warteten. Das Apple Phone hält so ein Wasserbad ohne grosse Bedenken aus und kann unter fliessendem Wasser gereinigt werden. Wer nun im Regen steht, braucht hier keine Angst mehr haben. Allerdings empfiehlt Apple, mit dem Smartphone dennoch nicht schwimmen zu gehen.

Leistung satt! Bombastisch schneller Apple A10 Fusion Prozessor

Erst einmal gehen wir für euch das weisse Blatt Papier durch: Hier stehen ein brandneuer Apple A10 Fusion Prozessor (QuadCore) mit erstmals 3 GB RAM zur Verfügung. Das Display misst die weiterhin bekannten 5.5 Zoll, bietet eine FullHD-Auflösung, wurde aber im Bereich Farbraum erweitert und verbessert. Die obere Ohrmuschel für Telefonate ist nun gleichzeitig auch ein Lautsprecher für den Medienkonsum. An Funkstandards wurde ebenfalls nicht gegeizt: LTE, WLAN im 5 und 2.4 GHz Frequenzbereich, NFC (wieder nur für Apple-Sachen) und integriert das neue Bluetooth 4.2. Der Akku ist übrigens auch von 2’750 mAh auf rund 2’900 mAh angewachsen. Völlig neu ist auch die Kamera, welche zwar immer noch mit 12 MP auflöst, allerdings eine zweite 12 MP Linse zur Seite gestellt bekommen hat und mit einer f/1.8 Eingangsblende ausgestattet wurde. Auch der Sensor ist überarbeitet worden und soll mehr Licht einfangen. Die Frontkamera wurde ebenfalls runderneuert und bietet nun statt 5 MP aufgestockte 7 MP für Selfies und Videotelefonie. All diese Funktionen werden zudem vom neuen IP67-Standard vor Wasser geschützt.

 

Und nun werden wir ein wenig technischer, denn der neue Apple A10 Fusion Prozessor, hat eine ganze Menge mehr drauf als der Vorgänger. Statt einer DualCore-CPU greift das System erstmals auf eine QuadCore CPU zu, die eine brachiale Einzelkern-Leistung abspulen kann. So erreicht das iPhone 7 Plus im Geekbench 4 über 3’500 Punkte (!!) im SingleCore-Benchmark. Durch die zwei deutlich niedriger getakteten Kerne hat man allerdings nun zwei weitere CPU zur Verfügung, die das iPhone 7 Plus auch im Bereich MultiCore mit über 5’500 Punkten deutlich nach vorne bringen. Der Chip selbst wird von einem eigens kreierten Performance-Controller gesteuert, der die Aufgaben auf die Kerne verteilt. Ein Grund wohl dafür, warum Geekbench in erster Linie nur eine „DualCore“ CPU sieht. Ob hier alle Kerne zum Einsatz kommen, ist daher nicht wirklich bekannt.

 

Die GPU ist ebenfalls monströs schnell. Angeblich stecken im Vergleich zum Apple A9 bis zu 50 Prozent mehr Leistung in der Grafikberechnung. Leider können wir an dieser Stelle keinen Benchmark zur Hilfe nehmen, der das untermauert, da 3DMark unter iOS 10 mit dem iPhone 7 Probleme hat und abstürzt. Lediglich GFXBench liefert einige Ergebnisse im Vergleich, doch auch hier hatte das Programm zwischendurch mit Abstürzen zu kämpfen. Die GPU hat allerdings genug Power, um Real Racing 3, Oz: Broken Kingdom, Assassins Creed: Identity und andere hochkarätige Grafikkracher ohne jegliches Ruckeln zu befeuern. Man geht derzeit davon aus, das Apple einen Custom-Chip von Imagination Technologies einsetzt, welcher auf den Daten der GT7600 des Herstellers basiert. Selbst der Apple A9 wurde bisher nie wirklich ausgelastet. Wir sind an dieser Stelle gespannt, was künftige Titel wie Galaxy on Fire 3 auf dem iPhone 7 ausrichten können, sofern diese eine entsprechende Optimierung erfahren.

 

Bleibt am Ende die Frage: Ist die deutlich höhere Leistungsfähigkeit im Alltag spürbar. Die Antwort lässt sich schwer in Worte fassen. Auf der einen Seite definitiv nicht. Viele Apps starten zwar schneller, aber ob das nun im Bereich von 1-2 Sekunden liegt, würde maximal im direkten Vergleich sichtbar werden. Allerdings konvertieren wir gerne auch mal grössere Videos auf dem Smartphone und hier ist das iPhone 7 fast doppelt so schnell geworden wie noch der Vorgänger. Auch grössere Spiele wie Order & Chaos starten dann doch angenehm schneller auf dem iPhone 7 Plus. Das Wort „Alltag“ lässt sich hier nur schwer definieren, denn wir alle haben einfach vollständig unterschiedliche Anforderungen. Es wird durchaus Szenarien geben, in denen es Menschen gibt, die die extreme Mehrleistung begrüssen und spüren werden. Die andere Hälfte allerdings bekommt das unter Umständen eher weniger mit.

 

Was am Ende also festzuhalten wäre: Apple verbaut hier den mit Abstand stärksten Mobile Prozessor, den es bisher in einem Smartphone gibt. Er schlägt sogar den Apple A9X im iPad Pro, welcher ebenfalls zu enormen Leistungen fähig war und es auch immer noch ist. Das iPhone 7 bzw. iPhone 7 Plus haben hier aber dennoch deutlich die Nase vorn. Hut ab. Was Apple hier mit seinen Prozessoren macht, ist aussergewöhnlich.

Neues Display mit P3 Farbraum, genauso hervorragend wie der Vorgänger

Das Display ist bei Apple immer ein heikles Thema, denn während viele Android-Geräte in der absoluten Oberklasse mit QHD daherkommen (2560 x 1440) und es gerne als Argument genommen wird, dass Apple im Jahr 2013 feststeckt und nicht voran kommen soll, bemüht Apple sich immer noch, eine der besten LCD-Erfahrungen zu liefern, die mit dieser Technik möglich sind. Das gelingt auch im iPhone 7 Plus wieder hervorragend. Dieses löst zwar nur mit 1920 x 1080 Pixel auf, allerdings bleibt es hervorragend anzuschauen ist mit über 400 ppi ausreichend scharf und Inhalte werden (wie beim Vorgänger) weiterhin wie gedruckt dargestellt. Auch die Blickwinkelstabilität ist, wie nicht anders zu erwarten ist bei einem Gerät dieser Preisklasse, herausragend.

 

Interessant ist auch die Neuerung über den neuen P3 Farbraum, den das Display offiziell unterstützen soll. Allerdings fällt das im Vergleich zum Vorgänger nicht auf, was aber einen ganz einfach Grund hat: Man muss erst Inhalte auf das Smartphone bringen, die den P3 Farbraum unterstützen, wie mit der neuen Kamera im iPhone. Erst dann werden die Unterschiede sichtbar, sobald man diese im Vergleich vor sich liegen hat. Ob das nun ein „Plus“ an Leistung ist, sei dahingestellt und fällt wohl generell erst einmal nicht ins Gewicht. Die verbaute Mattscheibe im iPhone 7 Plus ist also mindestens genauso gut wie im Vorgänger, welches bereits im letzten Jahr wohl das beste IPS-Panel stemmte und was unumwunden auch wieder dieses Jahr zu gelten scheint.

 

Eine Änderung im Vergleich zum Vorgänger bemerkten wir allerdings dann doch: Das Display im iPhone 7 Plus ist von der Farbtemperatur her deutlich wärmer als das des iPhone 6s Plus. Das ist auf der einen Seite zwar deutlich angenehmer für die Augen in dämmerigen Situationen, ob das allerdings nun allen gefallen wird, bleibt abzuwarten, da es leicht ins Gelbliche abdriftet. Apple lässt einem nicht die Wahl, andere Farbtemperaturen einzustellen, wie es bei einigen Android-Smartphones der Fall ist. Lediglich der Nightshift Modus kann aktiviert werden, der allerdings das Display noch deutlich wärmer macht. Generell empfinden wir das Display des iPhone 7 Plus aber als sehr angenehm.

iPhone 7 Plus Display
Das iPhone 7 Plus Display kommt mit erweitertem P3 Farbraum und ist etwas wärmer konzipiert als das des Vorgängers.

Dual-Kamera mit „Teleobjektiv“ macht hervorragende Bilder, aber…

Apple verbessert seine Kamera jedes Jahr und das merkt man auch mit jedem neuen Modell. Immer war man in der Lage mit der Spitze mitzuhalten. Auch wenn das Samsung Galaxy S7 (edge) für dieses Jahr die Nase wohl leicht vorne hatte, so waren die Bilder des iPhone 6s Plus immer noch recht beeindruckend. Auch beim iPhone 7 Plus hat sich wieder eine Menge getan und wurde nicht nur der Sensor überarbeitet, sondern noch eine zweite Kamera hinzugefügt, welche laut Apple als „Teleobjektiv“ arbeitet. Was im übertragenen Sinne zwar richtig ist, aber im rein technischen Bereich eher Marketing-Sprache ist. Dennoch hat die zweite Kamera durchaus ihre Daseinsberechtigung.

 

Kommen wir erst einmal kurz zu den reinen Hardwaredaten: Zwei 12 MP Sensoren kümmern sich im Rücken unseres „rosa Riesen“ um die Bilder. Die eine Linse ist mit 28 mm Brennweite als Weitwinkel-Knipser ausgelegt, so wie man es bereits gewohnt ist. Die zweite Kamera hingegen kommt auf 56 mm Brennweite, was dann auch für den „doppelten“ Zoom verantwortlich ist. Zudem arbeitet die normale Linse mit 28 mm Brennweite mit einer Anfangsblende von f/1.8, während man die Zoom-Linse mit f/2.8 ausgestattet hat. Der Unterschied hier ist also durchaus gross. Soviel also zur technischen Theorie.

 

Wegdiskutieren kann man das nicht: Das iPhone 7 Plus macht genau wie der Vorgänger exzellente Bilder! Die Farben sind satt, wirken aber nicht all zu poppig, was für einen natürlichen Touch spricht. Der Weissabgleich ist ebenfalls hervorragend und ausreichend scharf sind sie auch. Dass das iPhone mehr als nur eine Schnappschuss-Kamera sein kann, zeigte das iPhone 6s bereits. Die Bilder selbst sind sogar leicht farbenfroher, bieten also einen leicht erhöhten Kontrast. Schön zu sehen, dass sich hier nur wenig ändert und Apple gewohnt hohe Qualität bietet.

Ebenfalls wirklich hervorragend lässt sich der Zoom der zweiten Linse nutzen. Wenn ihr in der Kamera-App des iPhone 7 Plus unterwegs seid, erkennt man recht deutlich das neue x1 Symbol am Rand. Dies ist der Schalter für den zweifachen Zoom, welcher dann reibungslos auf die zweite Kamera umschaltet. Das Bild wird so um das Doppelte herangeholt, ohne einen Qualitätsverlust zu erleiden. Somit eignet sich das hervorragend für Portrait-Fotos, wo ihr das Gesicht der Person hervorheben möchtet oder vielleicht um an kleinere Objekt aus direkter Nähe näher heranzoomen zu können (die Hummel in der Bilderliste). Es gibt also durchaus praktische Anwendungsmöglichkeiten und wir sind froh, dass Apple hier etwas neues ausprobiert. Es macht tatsächlich richtig viel Spass, mit dem „Teleobjektiv“ herumzuspielen. Damit steigt die Anwendungsbandbreite bei den Smartphone-Kameras ein weiteres Mal.

 

Und wofür steht jetzt das „Aber“ in der Überschrift? Da es uns noch möglich war, die Kamera mit einem iPhone 6s Plus zu vergleichen, müssen wir an dieser Stelle anmerken, das Apple nicht in allen Bereichen die Kamera verbessern konnte. Womit das allerdings zusammenhängt, ist noch unklar. Mit dem blossen Augen erst nicht zu erkennen, zeigt sich beim iPhone 7, dass beim Hereinzoomen einer Original-Aufnahme die Schärfe schneller nachzulassen scheint als beim iPhone 6s Plus. Die Bilder des iPhone 7 verlieren also beim Vergrössern der Bilder schneller an Schärfe und damit auch schneller an Details. Das wundert uns dann doch, da Apple den Sensor eigentlich weiterentwickelt haben will. Erkennbar wird dieser Unterschied aber erst dann, wenn man wirklich das Bild deutlich vergrössert, was in der Praxis in dieser Form wohl eher selten geschieht.

Kein normaler Homebutton mehr vorhanden – Leider wurde hier nicht zu Ende gedacht

In erster Linie gefällt uns der neue Homebutton, welcher eigentlich gar keiner mehr ist, tatsächlich enorm gut! Die Idee, die physische Taste und damit ein weiteres mechanisches Teil zu eliminieren, ist sehr gut. Damit schlägt Apple zwei Fliegen mit einer Klappe. Auf der einen Seite muss man sich an dieser Stelle keine Gedanken mehr machen, wie man das Smartphone dort wasserfest bekommt und zum Anderen ist es kein mechanischer Druckknopf mehr, der nach einiger Zeit ausleiert oder fehleranfällig wird. Es handelt sich schlicht und ergreifend um eine kapazitive Platte, die allerdings dank 3D-Touch druckempfindlich ist. Die Taptic Engine neben dem Knopf im Inneren des Gehäuses, simuliert mit einem extrem kurzen und sehr starken Feedback – einer Vibration – dass der „Knopf gedrückt“ wurde.

 

Die ersten paar Tage fühlt sich das erst einmal tatsächlich seltsam an, aber auf positive Art und Weise. So viel anders als ein normaler Knopf ist es am Ende wirklich nicht. Wir haben das Gerät im Bekanntenkreis und der Familie einmal ein wenig herumgereicht und gut 98 Prozent der befragten, technisch weniger versierten Personen, hielten es für einen normalen Knopf. Apple hat an dieser Stelle durchaus etwas richtig gemacht und es fühlt sich nicht schlecht an.

 

Allerdings wird das Gerät für einige im Winter wohl nutzlos, da ihr es nicht mehr entsperren könnt und das ist der grösste Kritikpunkt am neuen Homebutton, wie wir schon im Hands-On erfahren haben. Dieser braucht zwingend Hautkontakt! Habt ihr also einen dünnen Handschuh an, könnt ihr zwar das Display noch ganz normal ohne Probleme bedienen, aber das Gerät nicht mehr entsperren. Seit iOS 10 muss man nämlich den Homebutton zum Entsperren drücken und nicht mehr den Bildschirm zur Seite wischen. Egal wie dünn der Stofffetzen auch ist, der euren Finger umhüllt, bedienen lässt sich das iPhone 7 (Plus) dann nicht mehr, da ihr nicht einmal mehr auf den Homescreen kommt. Merkwürdig, dass Apple das an dieser Stelle nicht richtig durchdacht hat.

iPhone 7 Homebutton
Der Homebutton ist nun fest und kapazitiv. Die Taptic Engine simuliert den Klick und das ausgesprochen gut.

Der Klinkenanschluss ist weg! Jetzt wird es kompliziert…

Die wohl mit Abstand kontroverseste und markanteste Änderung ist der Wegfall des 3.5 mm Klinkenanschlusses. Während Hersteller wie Lenovo und LeEco schon lange vor Apple damit begonnen hatten, war die volle Aufmerksamkeit und die meiste Wut der Menschen auf das Unternehmen in Cupertino gerichtet. Damit muss man wohl leben, wenn man solch mediale Aufmerksamkeit ganz bewusst auf sich zieht. Apple gehört eben zu den Bigplayern und wird auch so wahrgenommen. Aber ist das nun tatsächlich so schlimm?

 

Nun… nach rund einigen Tagen Testzeit hat tatsächlich niemand den Klinkenanschluss vermisst, was allerdings daran liegt, dass wir vornehmlich schon seit Jahren Bluetoothkopfhörer nutzen. Allerdings haben wir uns auch hier wieder bei Freunden, Familie und Bekannten umgehört und der Tenor ist oft immer gleich: Ohne Klinke geht es gar nicht!

 

Der Wegfall des 3.5 mm Headphone Jacks ist natürlich ein Kriterium, welches die meisten Kopfhörer im Haushalt obsolet werden lässt. Eine Kritik, die sich Apple durchaus gefallen lassen muss und die reine Bluetooth-Verbindung bringt nicht immer Vorteile: Schnellere Akkuentladung, erst im sehr hochpreisigen Segment mit ordentlicher Qualität verbunden, ist der Akku des Kopfhörers leer, kann man nicht auf Klinke ausweichen, etc. … Lightning löst zwar das Problem und Apple legt einen Adapter bei, aber dieser kämpft wohl mit kleineren Schwierigkeiten in der Audioqualität, wie man bisher so im Netz liest. Uns ist das allerdings nicht aufgefallen und teilweise kaum bis eigentlich gar nicht hörbar, die Berichte darüber beziehen sich wohl vorrangig auf Labortests.

 

Wie ihr bemerkt ist es schwierig, wir haben eher weniger Nachteile im Test gehabt, da wir bereits seit Jahren kabellose Kopfhörer nutzen. Wir wollen aber auch die Kritik der anderen Seite erhören und können die Probleme, die hier bei einigen wohl entstehen mehr als nur nachvollziehen. Unberechtigt ist diese nicht. Generell ist es aber so, dass es hier eine klare Sache der persönlichen Präferenz ist. Wer einen Klinkenanschluss haben will, greift einfach nicht zum aktuellen iPhone oder benutzt kurzerhand den kleinen mitgelieferten Adapter.

iPhone 7 Plus Design
Der Klinkenanschluss ist weg! Für den einen Teil eher egal und die anderen halten es für einen No-Go. Generell spielt hier die persönliche Präferenz eine grosse Rolle.

Herausragende Akkulaufzeit noch einmal verbessert und (fast) Stereolautsprecher

Das iPhone 6s Plus war ein kleines Akkumonster, trotz der im Vergleich zur Konkurrenz eher niedriger angesetzten 2’750 mAh hielt es in fast allen Bereichen deutlich länger durch. Das war bemerkenswert und das iPhone 7 Plus legt sogar noch eine Schippe drauf, wenn auch nur eine kleine, aber immerhin. Mehr ist in diesem Fall ja immer gut oder etwa nicht? Der Akku ist auf 2’900 mAh angewachsen, was wir erst einmal für einen eher kleinen Tropfen Wasser auf dem heissen Stein hielten.

 

Wir haben übrigens einen neuen Lieblingstest für Akkus ins Portfolio aufgenommen: Pokémon GO eignet sich hervorragend dafür, was durch die sehr hohe Belastung durch CPU, GPU, GPS und Display zum akkusaugenden Vergnügen wird. Drehen wir die Displayhelligkeit relativ stark herunter kommen wir auf richtig tolle neun Stunden Pokémon GO am Stück. Das ist enorm bemerkenswert! Auch beim Videotest hielt das iPhone 7 Plus deutlich länger durch als das iPhone 6s Plus und so kamen wir bei gedimmter Helligkeit auf fast zwölf Stunden! Das iPhone 6s Plus hingegen auf knapp unter elf Stunden.

 

Toll sind auch die neuen Lautsprecher, hier hat Apple deutlich zugelegt. Die Ohrmuschel über dem Display ist sogar ein Stück angewachsen, damit dort ein neuer Speaker Platz findet. Der Untere schallt zwar direkt seitlich ab und der Vordere eher auf euch drauf, allerdings hat das iPhone akustisch gesehen deutlich an Volumen zugelegt. Es lässt sich sogar ein tieferer Bass vernehmen und generell gefällt das Sounderlebnis überraschend gut und das sogar – das sei an dieser Stelle offen gesagt – mindestens genauso gut wie beim HTC 10. Allerdings ist es auch beim iPhone 7 Plus kein echter Stereoklang, sondern kommt aus beiden Lautsprecher immer der selbe akustische Ton. Dennoch ist der zweite Speaker ein echter Gewinn.

iPhone 7 Plus Speaker
Das iPhone 7 Plus (hinten) hat eine leicht grössere Ohrmuschel. Hier findet man nun einen zweiten Lautsprecher. Der Sound ist wirklich beeindruckend.

Fazit – Nicht alles Gold was glänzt?

Die Bewertung des iPhone 7 ist dieses Jahr alles andere als einfach, aber wir rollen das Ganze nun noch einmal ordentlich von vorne auf. Das iPhone 7 Plus ist in Hinsicht des Apple A10 Fusion Prozessors das mit Abstand schnellste, leistungsfähigste und wohl fortschrittlichste Smartphone auf dem Markt. Samsung und Qualcomm hatten mit den für dieses Jahr aktuellen Prozessoren bereits beim Apple A9 das Nachsehen und das iPhone 7 Plus lässt die Lücke noch grösser werden. Hut ab! Die Kamera ist ebenfalls hervorragend und knipst sehr gute Bilder. Vor allem die Telelinse hat eine echte Daseinsberechtigung und ist auf jeden Fall etwas anderes, was die Palette im Smartphone-Markt für Dual-Kameras weiter verbreitert. Zudem wurde die Akkulaufzeit verbessert, was ebenfalls ein nettes Plus ist und ganz wichtig: Die Speicherkapazitäten fangen endlich bei 32 GB an und nicht mehr bei 16 GB. Danke… Das war enorm wichtig Apple! Auch der zweite Lautsprecher ist ein tolles Plus und so macht der Medienkonsum noch einmal deutlich mehr Spass. Ebenfalls ein weiteres grosses Danke an Apple: Endlich ist das iPhone 7 (Plus) auch wasserfest! Zwar „nur“ nach IP67 doch hält es ein kurzes unfreiwilliges Wasserbad locker aus und kann auch unter fliessendem Wasser sorgenfrei gereinigt werden.

 

Apple macht wirklich an vielen Stellen eine ganze Menge richtig! Aber es gibt auch Schattenseiten, die einen ein wenig mit den Zähnen knirschen lassen. Die Geräte sind zwar weiterhin toll anzusehen, trotz der etwas grösser gewordenen Kameras, aber dennoch ähnelt das iPhone 7 so extrem den beiden Vorgängern, dass es von vorne stark langweilig anmutet. Die Kamera mag zwar minimal besser geworden sein, doch entpuppt sich im Detail eine leichte Unschärfe bei der Vergrösserung der Bilder. Hier hat sogar noch das iPhone 6s Plus einen Vorteil gegenüber dem iPhone 7, auch wenn dieser in den meisten Situationen wohl nicht sichtbar ist. Eine deutliche Verbesserung stellen wir uns ehrlich gesagt anders vor. Das Galaxy S7 bzw. damit auch das Note 7, liegen hier immer noch vor dem iPhone 7 Plus, bieten allerdings keine stylische „Teleobjektiv“-Linse. Hier muss man also abwägen. Zu guter Letzt in der Negativliste steht der eigentlich hervorragende neue Homebutton, der euch im Winter förmlich dazu zwingt ohne Handschuhe herumzulaufen oder diese zumindest immer wieder auszuziehen. Ob Apple das per Software-Update richten könnte, ist erst einmal nicht klar. Eigentlich mögen wir den neuen Homebutton sehr, aber das war definitiv nicht zu Ende gedacht.

 

Unterm Strich haben wir es hier aber mit einem Top-Smartphone zu tun, welches in nahezu allen Belangen überzeugt. Auch wenn der Preis einmal mehr ziemlich hoch ist und die Grundkonfiguration mit 32 GB bereits bei 899 Euro/SFr. liegt und damit sogar 50 Euro über dem des Startpreises des iPhone 6s Plus anzusiedeln ist. Dafür muss man allerdings nicht mehr zwingend von einer 16 GB Version abraten, da man bereits mit 32 GB einsteigen kann, was die Empfehlung in diesem Jahr dann wiederum doch etwas vereinfacht. 128 GB kosten allerdings bereits 1’009 Euro und 256 GB liegen bei 1’119 Euro. Bei uns in der Schweiz ist der Aufpreis sogar ein wenig höher: Hier liegen die 128 GB schon bei 1’019 SFr. und die Maximalkonfiguration mit 256 GB bei 1’139 SFr.

 

Das iPhone 7 Plus ist damit eines der Smartphones, das vor allem davon lebt, was eure persönlichen Präferenzen sind. Habt ihr definitiv Interesse an dem Teleobjektiv, welches tatsächlich einen tollen Mehrwert darstellt und euch der Adapter für die Klinke nicht stört oder gar freut, dann bekommt ihr mit dem iPhone 7 Plus eines der besten Smartphones auf dem Markt. Da gibt es einfach nicht viel dran zu rütteln. Missfällt euch allerdings der Wegfall des Klinkenanschlusses so sehr, dass es keine Alternative darstellt, dann wäre das iPhone 6s Plus immer noch die deutlich bessere Wahl, da die Kamera nicht wirklich schlechter ist und der Apple A9 immerhin der zweitstärkste Smartphone-Prozessor auf dem Markt ist. Zudem sinkt hier nun auch der Preis und Software-Updates werden ebenso noch ein paar Jahre geliefert.

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2 Antworten zu “Review: iPhone 7 Plus im Test – Apple macht Dual-Kamera mal anders”

  1. Ney sagt:

    und ? hast du auch nen fiep/hizz-gate?

  2. fabian86 sagt:

    Wieso hat Apple nicht 3D Bilder wie bei den HTC ermöglicht?

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