Do. 28. Mai 2015 um 15:44

One’s Two Cents: Apple TV und iOS 9 endlich wieder auf dem richtigen Weg

von Marcel Laser0 Kommentare

Ich freue mich wirklich wahnsinnig auf die WWDC 2015, aber nicht nur, weil dieses Event nun direkt auf meinen eigenen Geburtstag fällt (Wink mit dem Zaunpfahl, Wink mit dem Zaunpfahl!! :D), sondern weil die bisher durchgesickerten Infos einem das Herz höher schlagen lassen. Dabei sind weder hochtrabende Feature-Integrationen, noch irgendwelche Mega-Funktions-Updates im Vorfeld bekannt geworden. Apple könnte mit iOS 9 auf alte Pfade zurückkehren, die von vielen seit der Veröffentlichung von iOS 7 schmerzlichst vermisst werden. Auch die Möglichkeit, ein neues Apple TV zu sehen, ist spannend und zeigt, was der IT-Riese in Cupertino der Konkurrenz in Form von Google und Amazon entgegenbringen möchte. Ich persönlich habe also richtig Lust auf das Event.

iOS 9 wird deutlich schneller, stabiler und… Genau, und was noch?

Gute Frage, nächste Frage. Was da genau noch kommen wird, ist in erster Linie uninteressant. Was allerdings derzeit so zu begeistern weiss, sind zwei Wörter, welche mit iOS 9 immer wieder in Verbindung gebracht werden. Das eine ist das Wort Stabilität und das andere Performance. Wuhuuu! Na, wenn das kein Segen ist, dann weiss ich auch nicht. Anscheinend will Apple – jedenfalls wenn es nach zig durchgesickerten Informationen von „mit der Angelegenheit vertrauter Personen“ (was sonst…) – den Kern des Betriebssystems komplett neu schreiben und erst einmal mit seinen Grundfunktionen auf allen System gleich flüssig zum Laufen bringen. Erst dann sollen nach und nach die Funktionen integriert werden, ohne die Performance gross zu beeinflussen, was am Ende dazu führen soll, dass nicht nur ältere Geräte deutlich beschleunigt werden, sondern auch die Stabilität aus bekannten guten alten Zeiten Einzug finden könnte. Auch wenn letzteres wahrscheinlich zu viel des Guten wäre, immerhin würde man diesem Ziel wieder deutlich näher kommen.

 

Um zu verstehen, warum diese beiden Aspekte so wichtig für die Apple Produkte sind, muss man den Leidensweg von iPhone und iPad erst einmal genauer kennenlernen. Als iOS 7 veröffentlicht wurde, hat man sich nicht nur dem Aussehen gewidmet, sondern eine riesige Flut an neuen Features integriert. Darunter ein Widget-System, neue Schnittstellen, neue Programmiersprache, Matel-API und noch einiges mehr. Die Neuerungen waren ungewohnt vielfältig. Und sie brachten vor allem erste Vorzeichen des seither bekannten Chaos. iOS 8 legte ein Jahr später noch einmal nach und brachte nun zig weitere Schnittstellen und den Willen von Apple, sich deutlich mehr zu öffnen, was die Kommunikation von Drittanbieter-Apps angeht. Gefühlt wurde das System um Millionen neuer Features und Funktionen bereichert und alles wurde zudem – ebenfalls gefühlt – einfach nur in einen Mixer geworfen, gut zerkleinert und am Ende lieblos in die Geräte gekippt. Ergebnis? iOS 8 läuft derzeit auf einem Absturz-Niveau von Apps und auch dem eigenen Betriebssystem, welches Android mittlerweile überholt hat und das innerhalb von zwei Release-Zyklen.

 

Das äusserte sich im „Heisslaufen“ der offiziellen Support-Foren von Apple, völlig überforderten Developer, deren Apps erst einige Male nachgebessert und gepatcht werden mussten (und viele, die bis heute Probleme aufweisen) sowie frustrierten Gesichtern. Ist das wirklich das stabile und schnelle iOS, von dem Apple-Fans immer sprechen? Nein! Man muss wirklich kleinlaut werden… iOS 8 zieht deutlich den Kürzeren. Schnell ist es zwar irgendwie immer noch, allerdings nur auf einigermassen aktuellen Geräten. Das iPhone 4S und das iPad 2 sind jedenfalls in meinen Augen mit iOS 8 mittlerweile nahezu unbrauchbar.

 

Zwar wird iOS 9 ganz klar auch ein paar neue Funktionen bekommen – man munkelt unter anderem hauptsächlich über eine stärkere HomeKit-Einbindung mit einer Apple-eigenen App oder die Einbindung von öffentlichen Verkehrsmitteln in die Apple Maps App – doch wird der Hauptfokus auf Geschwindigkeit und Stabilität für alle kompatiblen Geräte liegen. Ob damit in erster Linie an alte Zeiten angeknüpft werden kann, bleibt fraglich, aber der Schritt geht in die richtige Richtung und ist beinahe Balsam für die geschundene iOS-Seele. Es musste etwas passieren und wenn die Informationen stimmen, wird es das auch. Ob es am Ende auch etwas bringt, muss Apple aber noch beweisen.

WWDC 2014 Apple iOS 8
iOS 7: Eine neue kompatible Programmiersprache, Hunderte von neuen Schnittstellen und Funktionen. Leider blieb die Stabilität auf der Strecke.

Apple TV 4 mit neuer Hardware und als HomeKit-Station

Wo wir doch gerade noch bei Home-Automatisierung waren, kommen nun auch passend dazu genau die Gerüchte um ein neues Apple TV-Gerät ins Spiel. Apples kleine TV-Box blieb einfach zu lange auf dem letzten Stand. Der Prozessor in der derzeit „aktuellen“ dritten Generation ist ein Apple A5 SingleCore, welcher zwar 1080p-Unterstützung mitbringt, allerdings bei neueren Aufgaben – ausser dem Streaming von Filmen – wohl schon deutlich anfangen sollte zu husten. Die Box braucht einfach ein Update! Drei Jahre Stillstand sind genug und Apple hat wohl deutlich mehr im Blick als nur die Aktualisierung der Hardware.

 

Wer viel Interpretationsspielraum sehen mag, wird im neuen WWDC 2015 Logo sogar einen Apple TV erkennen. Die Farben in dem Bild verschmelzen zu einer mehr oder weniger quadratischen, starken lila Fläche, aus der man durchaus die Umrisse eines Apple TV erkennen kann. Auch der Apfel in der Mitte dieses Konstruktes sitzt proportional exakt identisch zum bisherigen Apple TV 3 im Bild. Na, wenn das kein Hinweis auf ein Apple TV 4 ist? Zeit wird es allemal! Wenn Apple mit Amazon und Google weiterhin konkurrieren will, muss neue Hardware und Software her und am besten gleich auch ein App Store dazu. Wichtig könnte hier vor allem der Vormarsch von Apple in eines seiner Spezialgebiete der iOS Plattform darstellen: Spiele. Games, welche dann in 1080p-Auflösung auf den Fernseher kommen. Spiele wie Monster Hunter, Bastion oder Oceanhorn. Eben solche, welche es auf anderen Plattformen (noch) nicht gibt. Ein anderer Punkt wäre auch endlich das Zulassen von konkurrierenden Apps wie Amazon Instant Prime Video. Auch wenn iTunes eine der stärksten Plattformen der Welt für Multimedia-Inhalte ist, fehlt es an ordentlichen Streaming-Diensten. Auch ein Safari Browser in der Qualität wie beim iPad, welcher per Remote über die Apple Watch, iPhone oder andere Devices der Apple-Kategorie bedient werden könnte, wäre echt ein nettes Nice-To-Have.

 

Als Hardware wäre zwar in meinen Augen der kommende Apple A9 Prozessor, vor allem in Anbetracht der Gaming-Potenz, die bessere Wahl. Da werden wir allerdings noch bis September warten müssen, denn sollte Apple TV 4 wirklich vorgestellt werden, so würde Apple wohl nicht die Prozessor-Katze aus dem Sack lassen, bevor das iPhone 6s vorgestellt wurde. Daher sollte auch ein deutlich modifizierter Apple A8 SoC reichen, ähnlich wie der Chip im derzeitigen Leistungsflaggschiff iPad Air 2, welcher einen Kern mehr besitzt und eine deutlich stärkere GPU beherbergt. Ein Apple A7 wäre der falsche Ansatz und würde die Frage aufkommen lassen, warum man dann überhaupt neue Apple TV-Geräte auf den Markt wirft. Ich hoffe an dieser Stelle einfach mal das Beste.

 

Der letzte und ebenfalls ein interessanter Punkt ist HomeKit. Dieses soll nicht nur in iOS für iPhone und iPad deutlich ausgebaut werden, sondern auch eine besondere Rolle in der TV-Box spielen. Apple TV 4 wird dadurch zur Zugriffsstation für alle digital gesteuerten Prozesse im Haus. Heizung, Fenster, Solaranlagen, Kühlschränke, Garagen, Beleuchtung, Gerätschaften im Garten, egal was: Apple will es über einen Fixpunkt zugänglich machen. Ein Ansinnen, welches bereits seit der ersten Vorstellung von HomeKit im Sommer 2014 auf der WWDC deutlich wurde, allerdings nicht ins Detail ging. Auf der jetzt kommenden WWDC 2015 am 8. Juni könnten zudem weitere Partner und Geräte vorgestellt werden, die Gebrauch von den neuen Funktionen machen können. Eine eigene App für all das will Apple ebenfalls liefern, welche dann kompatibel mit allen Geräten ab iOS 9 wäre, darunter auch Apple TV 4.

 

Ein kleines weiteres Indiz ist auch das Motto, welches Apple für die WWDC am 8. Juni ausspricht: „the epicenter of change“. Ein neues Apple TV zusammen mit HomeKit, ein neuer App Store für die TV-Box und einigen weiteren neuen Funktionen könnten definitiv ein Epizentrum der Veränderung werden. Der Mittelpunkt im eigenen Haus? Wer weiss.

WWDC 2015
Das Bild der WWDC 2015: Na, wer erkennt die Umrisse des Apple TV? Oder ist das nur Wunschdenken?

Apple Watch: Mega-Update und hoffentlich ohne Stabilitätsprobleme

Zu guter Letzt sei die Apple Watch noch einbezogen. Apples neuester Spross der iOS-Familie läuft zwar nicht direkt mit dem „grossen“ Betriebssystem, doch basiert Watch OS auf den Wurzeln des grossen iOS-Vorbildes. Auch hier ist ein riesiges Update geplant, welches nicht nur bereits integrierte, aber immer noch deaktivierte, Funktionen freischalten soll, sondern auch massiv am Unterbau arbeitet, um die Performance und Akkulaufzeit zu verbessern. Allerdings ist bisher nicht ganz klar, ob ein Teil nicht bereits schon mit dem vor kurzem veröffentlichten Update ausgerollt wurde und zur WWDC 2015 noch der andere Part nachgereicht wird. Das letzte Update des Watch OS brachte die Uhr auf Version 1.0.1, was eher für ein verhältnismässig kleines Update sprach, doch waren die Änderungen schon hier zahlreich.

 

Somit dürfte auch weiter an der Darstellung der Nachrichten gearbeitet werden, welche noch nicht als wirklich optimal bezeichnet wird. Auch das Tracken der Aktivitäten soll bald besser funktionieren und die Messung der Sauerstoffsättigung im Blut wird integriert. Die Informationen zum kommenden grossen Update sind eher mager und lesen sich wie eine Version 1.0.2. Doch lässt sich Apple eher selten in die Karten schauen und warten wir die WWDC 2015 erst einmal ab. Vielleicht kommt auch erst einmal gar nichts und der Schwerpunkt liegt auf Mac OS X 10.10.4 und iOS 9? Apple TV darf am Ende natürlich auch nicht fehlen und à propos Apple TV 4: Die Apple Watch soll auch als Fernbedienung fungieren können, was deutlich angenehmer sein wird, als immer wieder zum iPhone oder zur Remote zu greifen. Aber auch hier gilt: Warten wir die Implementation ab.

 

Interessanter Nebenschauplatz: Apple hat bereits mit der neuen Smartwatch eine neue Schriftart eingeführt. Da allerdings der Schriftfont auf allen Systemen derselbe ist, geht man davon aus, das dieser auch systemweit mit iOS 9 Einzug auf die anderen Geräte halten wird. Seit iOS 7 kommt die Schriftart New Helvetica zum Einsatz. Der neue Zeichensatz auf der Apple Watch, wurde von Apple selbst entwickelt, nennt sich San Francisco und kommt schon seit Jahren auf Apples Mac-Plattform zum Einsatz. Dieser wurde leicht überarbeitet und für die Apple Watch kompatibel gemacht. Die Chance auf eine Umstellung in iOS 9 ist also gar nicht mal so unwahrscheinlich.

Apple Watch: Riesiges Update in Planung? Hoffentlich ohne Performance- und Stabilitätsprobleme.

Apple besinnt sich – endlich bleibt die Entwicklung von iOS mal stehen! Mehr oder weniger

Überstürzen wir bitte nichts, denn da Apple sich – wie erwähnt – eh nicht in die Karten schauen lässt, handelt das meiste hier von Gerüchten aus „gut informierten Quellen, welche mit den Angelegenheiten vertraut sind“ (Haha, ich liebe das :-D). Was am Ende dabei heraus kommt, werden wir am Ende der Präsentation sehen. Man könnte aber fast meinen, Apple will mit iOS 9 im Bereich bestimmter Defizite einen Schritt zurück gehen und mit viel Aufwand einiges Revue passieren lassen, um die Stabilität und die Performance wieder in den Griff zu kriegen und ja, ich selber bin heilfroh darüber! Es ist der richtige Schritt, von mir aus können die das Update auch iOS 8.5 nennen, das wäre mir egal. Denn auch wenn der Funktionsumfang nur wie eine iOS 8.5 Version ausfallen sollte, es darf gerne zugunsten der Stabilität auch noch weniger sein. Denn so, wie es jetzt ist, ist es einfach mist! Und auch Developer werden es dankend annehmen. Weniger ist manchmal einfach wirklich mehr.

 

Am 8. Juni gibt es ja vielleicht für mich auch ein Geschenk aus Cupertino. Wenn ich mir an dieser Stelle etwas wünschen dürfte, wäre es genau die Version von iOS 9, über die bisher auch gemunkelt wird. Eine Präsentation über Stabilität und Performance für durchweg alle kompatiblen Apple Geräte an meinem Geburtstag wäre daher schon Geschenk genug und daher auch für alle anderen geschundenen Apple-Userinnen und -User endlich ein verdientes Update.

 

Schlussendlich gilt: Lassen wir uns doch einfach überraschen! Genau wie bei der Google I/O oder diversen Entwickler-Konferenzen von Microsoft, sitze ich auch zur WWDC 2015 wieder mit Chips und Getränken vor’m Fernseher. Zur Feier des Tages auch mit technikinteressierten Partygästen. Dann werden wir ja sehen, was davon am Ende gestimmt hat und was nicht.

 

 

Diese Kolumne gibt die einzelne Meinung eines Redakteurs wieder und muss nicht mit der vom Team von PocketPC.ch übereinstimmen.

vg-wort
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