Sa. 18. Juni 2016 um 15:05

One’s Two Cents: „Wie Apple sich seine eigene Developer-Armee erschafft“

von Marcel Laser9 Kommentare

„One more thing“, ein Spruch von Steve Jobs, der zur Legende wurde und gestern in, einem für den augenscheinlichen Betrachter_in, eher kleinen Kontext Verwendung fand. Doch war der Kontext wirklich so klein? Denn nachdem Craig Federighi diesen legendären Spruch über die Lippen kommen liess und zwar wirklich nur beiläufig, wurde die Vorstellung von Swift Playground in den Vordergrund gerückt. In meinen Augen war diese Ankündigung nicht nur das Highlight des WWDC 2016 sondern vielleicht auch eine der wichtigsten in der Geschichte von Apple.

Die Vorstellung von Swift Playground war wichtig, enorm wichtig

Apple versteht es wie kein anderes Unternehmen, Developer und Publisher für sich zu begeistern. Android hat zwar Millionen mehr Apps, allerdings macht man auf der Google Plattform nicht einmal die Hälfte an Umsatz, wie er sonst mit der selben App auf iOS machen könnte. Apples Plattformen sind einfach stark profitabel. Ein Entwickler sagte mir mal: „Wenn du nur von Downloadzahlen leben kannst, dann veröffentliche dein Programm für Android. Willst du allerdings etwas verdienen, dann entwickle es für iOS.“ Ganz unrecht hat dieser damit jedenfalls nicht und das bestätigen die meisten, die mit der Entwicklung von Software auf allen Plattformen unterwegs sind, in ähnlicher Weise. Erst kürzlich bestätigten diverse Statistiken den kuriosen Unterschied zwischen iOS und Android: Der Umsatz auf Apples iOS ist nahezu doppelt so hoch, obwohl die Downloadzahlen der Apps auf Android extrem viel höher ausfallen.

 

Nun kommt Apple und geht einen sehr wichtigen Schritt, den andere Unternehmen einfach verpasst haben, um sich dem Nachschub an hochkarätigem „Personal“ im App Store auch in Zukunft halten zu können. Mit Swift Playground wurde eine Software vorgestellt, die Kindern und interessierten Jugendlichen das Entwickeln von Software beibringen soll. Und was ist Swift genau? Eine Programmiersprache, mit der man Apps für alle Apple Plattformen entwickeln kann. Swift Playground ist somit der Einstieg, vor allem für Kinder, in die Entwicklerwelt von Apple und das könnte für den Konzern aus Cupertino weitreichende positive Folgen haben.

 

Swift Playground selbst setzt darauf, durch spielerische Aufgaben Quellcode zu kreieren. Das Ergebnis seht ihr in Echtzeit auf dem Bildschirm und könnt die Byte genannte Figur durch den von euch geschriebenen Code bewegen. Dazu gibt es Aufgaben bzw. Quests und andere ähnliche Dinge zu absolvieren, um zum Ziel zu gelangen. Damit lernt man die Grundzüge von Swift kennen und kann relativ schnell auch fortgeschrittenere Aufgaben erlernen, welche ebenfalls dann über Playground erarbeitet werden können.

Swift Playground
Swift Playground ist ein Programm, um spielerisch das Coden mit Swift zu lernen.

Geschickte PR und ein Programm für Millionen Kinder

Dabei macht es Apple nicht nur anders als andere Unternehmen, sie machen es auch konsequent besser und das muss man dem Apfel einfach zusprechen. Microsoft hat ebenfalls ein ähnliches Programm lanciert, um Kinder zu fördern und in die Entwicklung mit einzubeziehen. Allerdings ist die meiste Software dieser Art alles andere als praxisorientiert. Oft müssen weitere Programmiersprachen im Laufe der Zeit hinzugelernt werden. Der Faden teilt sich also auf. Zudem ist die Software, welche für den Lernprozess genutzt wird, oft nicht kindgerecht oder gar selbsterklärend.

 

Was Apple an dieser Stelle einfach auszeichnet, ist die PR-Arbeit, die der Konzern in dieses Engagement investiert. Swift Playground hat einen ganz eigenen Präsentations-Block während der WWDC 2016 Keynote bekommen und wurde von Millionen von Menschen gesehen und ist bereits jetzt in den Köpfen der Menschen, ob bewusst oder unterbewusst, verankert. Zudem stellte Apple klar, dass Swift Playground vollständig kostenlos erhältlich sein wird und Teil von iOS 10 ist. Kein anderes Unternehmen hat etwas vergleichbares im Angebot.

 

Im Gegenteil: Es fehlt sogar noch deutlich drastischer an Werbung für solche Angebote. Microsoft beispielsweise veranstaltet zwar Coding-Camps für Kinder in Deutschland und anerswo, allerdings haben maximal nur 100 Kinder Platz in diesen Camps und ehrlich gesagt weiss so gut wie niemand davon, wenn man nicht mit dem Programmieren für Windows sowieso zu tun hat. Eine mit Swift Playground vergleichbar effektiv einzusetzende Software fehlt ebenfalls. Apple erreicht auf einen Schlag Millionen Kinder mit einem ausgeklügelten Lernprogramm, das übrigens nicht nur für Kinder geeignet ist, sondern auch Erwachsene schulen kann.

Swift Playground
Die Figur Byte begleitet euch und führt die Befehle aus, die ihr programmiert.

Apples ganz persönliche Armee von Developern für die Zukunft

So wie Apple es nun angegangen ist, mit der Präsentation von Swift Playground und wie sich das ganze entwickeln kann und wahrscheinlich auch wird, kann man getrost davon ausgehen, dass Apple sich eine eigene Lebensversicherung geschaffen hat. Jedes Kinder, das Swift Playground ausprobiert, ist ein_e potenzielle Entwickler_in und das diese dann gleich auch noch die Programmiersprache lernen, die für Apples Systeme am wichtigsten ist, ist noch ein weiterer Vorteil. Kein Turbo Pascal lernen oder Visual Basic, um letztendlich noch einmal auf andere Programmiersprachen umsteigen zu müssen. Zumal Swift Playground darauf ausgelegt ist, euch wie bei einem Kinderbuch an die Hand zu nehmen und spielerisch zu begleiten. Es ist ein einziger konsequenter Weg und alles ist ab September 2016 kostenlos erhältlich.

 

Der App Store von Apple hatte bisher nie sonderlich Probleme mit „zu wenig“ Apps oder anderen Dingen dieser Art. Das wird sich in Zukunft wohl auch kaum ändern. Microsoft oder Google hinken in dieser Hinsicht hinterher. Gerade Microsoft könnte oder besser gesagt hätte einen solchen Schachzug vor ein paar Jahren durchaus gebrauchen können. Stattdessen gibt es Coding-Camps für hundert Kinder, aber Millionen von herangehende Entwickler_innen durch praxisorientierte und leicht verständliche Software an die Hand zu nehmen, hat man anscheinend deutlich verschlafen. Eine Software, die mühelos von Null anfangen kann, gibt es weder für Googles Android noch für Windows 10 (Mobile).

 

Apple geht hier einfach deutlich weiter als alle anderen und erreicht auch eine enorme Basis an Menschen. Da ich selbst gelernter Entwickler bin, kann ich die enorme Bedeutung dessen, was Swift Playground in Zukunft sein kann, relativ gut nachvollziehen. In jungen Jahren war es nicht so leicht, sich einer Programmiersprache zu bemächtigen. Aus eigener Erfahrung mit Kindern in dem Bereich weiss ich, dass vor allem der Spielspass für die Kleinen beim Lernen erfolgsversprechende Auswirkungen haben kann. Grade bei so trockenen Disziplinen, wie dem Schreiben von Quellcode. Wenn die vorgestellte Lernumgebung von Apple genauso funktioniert, wie der Konzern das präsentiert hat, dann hat man in diesem Punkt wohl alles richtig gemacht und kann Hand in Hand mit den Kids von heute die Apps von Morgen in Angriff nehmen.

Swift Playground
Lernen, lernen, lernen. Von den Anfängen bis hin zu fortgeschrittenen Techniken.

Nicht nur Kinder profitieren von den Lernmethoden

Bei all den Aspekten, die Apple hier vor allem in Zusammenhang mit Kindern schafft, darf aber auch die andere Seite nicht vergessen werden: Auch Erwachsene profitieren von Swift Playground und den Methoden, wie das Programm einem das Coden beibringen soll. Denn spielerisch zu Lernen funktioniert nämlich nicht nur mit Kindern, sondern auch mit Erwachsenen, welche ebenfalls von Null anfangen müssen. Swift Playground als reinen Kinderspielplatz fürs Programmieren abzustempeln, wäre sicherlich zu einfach und auch in den Augen Apples wohl nicht gewollt. Alle sollen hier einfach anfangen zu lernen, die eigenen Apps schreiben zu können.

 

Denn was für Kinder gut ist, kann für Erwachsene ja nicht schlecht sein. Gamification ist das Stichwort. Der spielerische Trieb steckt schliesslich noch in allen von uns und wer definitiv nicht programmieren kann, findet wohl kaum einen einfacheren Weg, als bei der Hand genommen die Grundregeln einer weit verbreiteten Programmiersprache zu lernen. Da spielt das Alter einfach keine Rolle und Playground ist wohl der Schlüssel für den Aufbau dieser „Armee von Developern“ für die Zukunft, zumindest an dieser Stelle für Apple.

 

Und um noch einmal zu der wirklich guten PR-Arbeit von Apple in dem Bereich zurück zu kommen: Das vor zwei Tagen von Apple veröffentlichte Video macht es nämlich deutlich: Everyone Can Code. Alle können programmieren. Und Apple selbst setzt gerade alles daran, genau das für seine eigenen Zwecke umzusetzen und macht es einfach konsequenter als die anderen Unternehmen im Markt.

 

 

 

Dieser Beitrag ist eine Kolumne/Kommentar und gibt die Erfahrungen und Meinung eines einzelnen Redakteurs wieder. Diese muss nicht mit der Meinung der PocketPC.ch-Redaktion übereinstimmen.

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9 Antworten zu “One’s Two Cents: „Wie Apple sich seine eigene Developer-Armee erschafft“”

  1. night sagt:

    Leider ist Code nicht Code und das sehe ich fast täglich wenn sich ein reiner Theoretiker mit dem CLI auseinander setzten muss.

    Da kommen die ins stottern und sind verloren. Was kein GUI, gibt es ja nicht, kenne ich nicht. Sind die einfachen Aussagen.

    Da kommst Du nur mit praktischem 3D Denken weiter und musst CLI beherrschen. Du musst den Weg sehen und dann den Code entsprechend eingeben.

    Eine grössere Firewall wie ich Sie im Moment gerade konfiguriere, hat 56941 Zeilen Code und da muss jedes Zeichen sitzen, sonst kann dies gravierende Folgen haben.

  2. iuerzasfgh sagt:

    leider geht es hier um Apps für iOS und nicht darum, sich ganz toll leet zu fühlen weil man eine Befehlszeile benutzen kann. -_- Gui oder nicht, du hast den Clou nicht verstanden. Hast du überhaupt den Artikel gelesen? Weisst du, wobei es bei Swift Playground geht? Wohl kaum. Geh lieber deine grössere Firewall konfigurieren. Auch so was braucht es.
    Ich glaube, Apple geht hier den richtigen Weg und führt so viele Leute an ihre Programmiersprache heran.

  3. night sagt:

    Klaro und die sogenannten Coder können dann Apps programmieren aber nicht mehr und nicht weniger.

  4. iuerzasfgh sagt:

    weil Apps was selchteres sind, als cli?! sorry aber ich glaub, du gehörst einfach langsam zum alten Eisen und willst es nicht wahr haben 😉

  5. night sagt:

    Sorry so viele Coder benötigt niemand, aber was solls.

  6. WarmRed sagt:

    Ich finde die Idee dahinter ebenfalls sehr gut. Ich wollte mich schon lange mal in die Thematik „Apps Coden“ einarbeiten. Wenn man da von sogut wie Null anfangen muss, ist so ein Hilfsmittel für den Start doch sehr hilfreich. Das man damit nur rudimentär die Grundlagen kennenlernt ist wohl jedem klar.

  7. Gareas sagt:

    @night, ich denke du schaust zu wenig über den Tellerrand. Natürlich hast du recht dass zum programmieren komplexer Software wie deiner Firewall wesentlich mehr braucht als man mit Swift Playground im entferntesten lernen kann. Aber darum geht es Apple überhaupt nicht. Sinn der Anwendung ist es Heranwachsende überhaupt erst einmal mit dem Thema Programmierung in Kontakt zu bringen und das auf einfache und spielerische Weise. Ob daraus dann am Ende wirklich professionelle Programmierer werden ist ein ganz anderes Thema, aber zumindest der erste Schritt ist getan. Denn nur weil ich als Kind/Jugendlicher gerne mit einem Technikbaukasten spiele, wird aus mir später noch lange kein Schrauber. 😉

  8. Abarth sagt:

    Bei Micrsoft gibts doch auch sowas oder? Da sind es teils halt Spiele, welche „zusammengesetzt“ werden können.
    http://smallbasic.com/
    http://research.microsoft.com/en-us/projects/kodu/

    Schade, MS dringt mit solchen Sachen einfach nicht durch. Die Ideen sind da, es fehlt aber an der bedingungslosen Durchsetzung, und im Vermarkten dieser Dinge.

  9. iuerzasfgh sagt:

    richtig.

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