Mo. 09. November 2015 um 17:18

Microsoft, OneDrive und das Vertrauen in die Cloud

von Marcel Kukelka6 Kommentare

Reaktion auf die Speicherkürzung

Vor einigen Tagen berichteten wir darüber, dass Microsoft bei OneDrive drastische Speicherkürzungen vornehmen wird. Seit der Ankündigung vom OneDrive Team auf dem hauseigenen Blog ist die Internetgemeinschaft in Aufruhr. Bei Uservoice hat man bereits knapp 65.000 Votes und über 3.600 Kommentare gesammelt, Tendenz steigend. Es existiert sogar eine Petition, die eine Rücknahme der Entscheidung fordert und auch bei Twitter häuft sich der Hashtag #OneDriveGate.

Doch was für Folgen hat diese Entscheidung von Microsoft? Wahrlich, die Konkurenz wie z.B. GoogleDrive oder Dropbox werden sich über den neuen Zulauf freuen, doch generell hat Microsoft das Vertrauen in die Cloud stark beschädigt.

 

Was ist passiert?

Sagte Satya Nadella doch einst „Mobile fir­st, Cloud firs­t“, so kürzt Microsoft nun den Speicherplatz von OneDrive drastisch – und zwar für alle, rückwirkend.
Von den einst beworbenen kostenlosen 15 GB bleiben nur noch 5 GB übrig. Das sind noch 2 GB weniger als zu Zeiten von SkyDrive. Der Kamera-Bonus von 15 GB fällt ebenfalls weg.
Aber auch den zahlenden Kund_innen stösst man vor den Kopf. Hatte man mit einem Office 365-Abo unlimitierten Speicher, so wird dieser auf 1 TB gekürzt.

 

Datenschutz?

Doch neben der Speicherkürzung ist vielen noch ein weiterer sehr wichtiger Punkt ein Dorn im Auge.
Microsoft listet detailiert auf, warum dieser Schritt gegangen wurde. Angeblich nutzen einige wenige Leute das unlimitierte Angebot voll aus und speicherten bis zu 75 TB in ihrem OneDrive. Oft wird hier von einem Missbrauch gesprochen, doch eine Fair-Use-Klausel gab es meines Wissens nicht, so dass diese Art der Nutzung vollkommen legal ist.
Viel schlimmer ist aber, dass Microsoft genau schildert, welche Art von Inhalten diese User_innen gespeichert hätten. Von ganzen Filmsammlungen und DVR-Recordings ist die Rede.
Da stellt sich die Frage, wie ernst Microsoft hier den Datenschutz nimmt. Kann das gesamte OneDrive Team einsehen, welche Daten gespeichert werden? Werden die Daten überhaupt wirksam vor Dritten geschützt?

 

Die Zukunft der Cloud

All diese Fragen wird man sich in Zukunft erneut stellen müssen, wenn man Daten in der Cloud ablegt. Gerade Microsoft wollte doch auf eine sichere Cloud setzen, so sollen Firmen Windows Azure Server in der Cloud anmieten oder Entwickler_innen VisualStudio Online nutzen.
Doch was passiert, wenn auch hier Microsoft mit einem Schlag seine Strategie ändert? Die Daten von Konzernen sind in der Regel ja noch von viel grösserer Bedeutung als manche private Fotosammlung und können auch nicht von heute auf morgen auf eine andere Lösung migriert werden. Man ist dem Cloud-Anbieter quasi ausgeliefert. Da spielt Vertrauen eine grosse Rolle.

 

Nun stellt sich die Frage, warum sollte ich überhaupt ein Backup meiner Daten in der Cloud anlegen, wenn auch hier von jetzt auf gleich die Löschtaste gedrückt werden kann? Die Anbieter von privaten Clouds werden wohl die passende Antwort haben, auch wenn man hier als Nutzer_in selbst für die Verfügbarkeit zuständig ist.

 

Ob sich Microsoft damit einen Gefallen getan hat, wage ich zu bezweifeln, auf Uservoice sprechen viele Nutzer_innen von einem Wechsel zu Android. Diejenigen, die bisher noch loyal waren und Microsoft trotz vieler Unwegbarkeiten beim Aufbau der neuen (mobilen) Plattform geholfen haben, werden nun verprellt.
Auch wurde beim Verkauf der Lumia-Geräte und dem Office 365-Abo explizit mit dem gratis Cloudspeicher geworben. Dank Windows 10 hatte man gerade eben noch den Ruf von Microsoft trotz mancher fragwürdiger Datenschutzeinstellungen sehr verbessert. Die Entscheidung über die Speicherverknappung und die Unstimmigkeiten um den Datenschutz macht die gute Arbeit von Microsoft der letzten Monate in meinen Augen auf einen Schlag kaputt.

 
Ich bin gespannt, wie sich der Sachverhalt entwickelt und ob Microsoft in der Lage ist, das Ruder noch einmal herumzureissen. Bislang schweigt der Konzern zu dem Thema, obwohl man verspricht, ab 100 Votes bei Uservoice Stellung zu beziehen.

 

Wie seht ihr das? Glaubt ihr Microsoft wird reagieren und die Entscheidung ändern oder gar ganz rückgängig machen? Wie viel Vertrauen steckt ihr – ganz allgemein – in eine Cloud-Lösung?

 

Dieser Beitrag gibt die Meinung eines einzelnen Redakteurs wieder und muss nicht mit der Meinung von PocketPC.ch übereinstimmen.

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6 Antworten zu “Microsoft, OneDrive und das Vertrauen in die Cloud”

  1. Planes sagt:

    Jeder Serverbetreiber kann erkennen ob Videos, Bilde etc. hinterlegt sind ohne die Inhalte zu sichten. Was ist daran neu?

    Und wenn man sich die Nutzungsbedingungen mal näher betrachtet, sollte das einem auch klar sein – auch das man kein Vertrauen in den Dienst haben darf, da explizit in den Nutzungsbedingen steht, das Microsoft jederzeit Dienste ändern oder einstellen kann.

    Da wird ein Fass aufgemacht wo keines ist!

  2. Mikey77 sagt:

    Dies ist leider der wahre Grund für die Reduktion des OneDrive Speichers: http://www.networkworld.com/article/3002227/cloud-storage/microsofts-onedrive-changes-follow-the-money.html

    Werde meine Daten in eine andere Wolke verlagern.

  3. Skymobile sagt:

    In den AGBs steht schon seit Jahren drin das Microsoft Onedrive überprüft um auch gesetzlichen Missbrauch vorzubeugen. Z.B. Pornographie oder Urheberrechtlich geschütztes Material. Das tun sie durch Algorithmen und im Zweifelsfall durch manuelle Überprüfung. Das war und ist immer so gewesen. Nur wenn man das natürlich nicht liest, weiß man es auch nicht. 95% der Nutzer von irgendetwas lesen die AGB`s nicht und sind dann verwundert was drinnen steht wenn sie es auf einmal müssen, wie in diesem Fall. Wer Cloud-Dienste nutzt muss, und ich betone es noch einmal MUSS damit rechnen das andere die Daten sehen können. Alles andere ist naiv. Ich nutze Windows Phone nicht wegen Onedrive. Onedrive ist ein kostenloses Feature, das ich kostenlos nutzen kann. Natürlich bin ich mir bewusst das der Besitzer dieser Dienste das jederzeit regeln kann…. Also was mach ich? Ich akzeptiere es und nimm die Daten runter. Anders natürlich für zahlende Kunden. Da kann ich den Unmut verstehen. Wenn ich für eine Leistung zahle, möchte ich die Leistung auch bekommen. Da hat Microsoft natürlich Kunden verprellt…. und ganz ehrlich.. Firmen die Cloud-Dienste anderer nutzen um Ihre Daten zu horten… denen ist nicht mehr zu helfen…

  4. Clawhammer sagt:

    „Datenschutz?

    Doch neben der Speicherkürzung ist vielen noch ein weiterer sehr wichtiger Punkt ein Dorn im Auge.
    Microsoft listet detailiert auf, warum dieser Schritt gegangen wurde. Angeblich nutzen einige wenige Leute das unlimitierte Angebot voll aus und speicherten bis zu 75 TB in ihrem OneDrive. Oft wird hier von einem Missbrauch gesprochen, doch eine Fair-Use-Klausel gab es meines Wissens nicht, so dass diese Art der Nutzung vollkommen legal ist.
    Viel schlimmer ist aber, dass Microsoft genau schildert, welche Art von Inhalten diese User_innen gespeichert hätten. Von ganzen Filmsammlungen und DVR-Recordings ist die Rede.
    Da stellt sich die Frage, wie ernst Microsoft hier den Datenschutz nimmt. Kann das gesamte OneDrive Team einsehen, welche Daten gespeichert werden? Werden die Daten überhaupt wirksam vor Dritten geschützt?“

    Es dürfte doch mittlerweile jedes KIND wissen das die Cloudanbieter ALLE! Die Daten durchsuchen. Das macht Microsoft genauso wie Dropbox, Google, Apple etc. Drama um bereits seit Jahren bekannte dinge, top!

  5. Abarth sagt:

    Das stossende für mich ist, dass MS Kunden und User in den gleichen Topf wirft.

    Ein User von Gratis OneDrive Diensten, der in den letzten 5 Jahren keinen Cent für MS Produkte ausgegeben hat (Office, Windows, Surface, Lumia, XBOX, …) wird auf die genau gleichen 5 GB zurückgestutzt wie derjenige, der ein Lumia oder Surface gekauft, der Office 2010 oder 2013 (nicht 365) gekauft hat.
    Was soll das?
    Letztlich wurden doch gerade Lumias mit OneDrive Speicher beworben.
    Und da interessiert es den _Kunden_ doch nicht, ob MS den Speicherplatz kürzen _darf_.
    Dass sie es bei _Kunden_ tun, das ist das traurige.

  6. Marcel Kukelka sagt:

    Ihr habt natürlich alle recht. In den AGB’s sichern sich Firmen immer weitgehenste Rechte zu. Dennoch möchte man als Firma ja das Vertrauen des Kunden. Ohne Vertrauen funktioniert keine Beziehung gut. Weder privat noch geschäftlich.

    Ich persönlich nutze OneDrive nur als „Zwischenstation“ zwischen Phone und eigener Cloud, daher trifft mich die Kürzung nicht so hart wie manch anderen.
    Dennoch finde ich diesen Schritt von Microsoft bedenklich, eben gerade weil mit OneDrive geworben wurde (Lumia, Office usw.) und dies sicher auch für einige ein Kaufgrund war. Da kann in den AGB’s stehen was will, es ist und bleibt ein Vertrauensbruch.
    Und wir alle wissen wie schwer es ist missbrauchtes Vertrauen wiederzugewinnen.
    Und viele der Free-User sind nur indirekt Free-User, sie haben nämlich beworbene Produkte von Microsoft gekauft.

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