• Review: Apple iPad Air im Test

    Gab es eigentlich handfeste Gründe von einem iPad 2 auf ein iPad 3 oder 4 umzusteigen? Bis auf das Retina-Display mit einer extrem hohen Auflösung gab es sogar einige Nachteile: Die neueren iPads wurden schwerer, etwas bulliger und hatten enorme Ladezeiten beim Akku. Das iPad Air ist Apples bisher grösste Überarbeitung ihres Tablets. A7 Chip, neuer Akku und Design sollen zum Erfolg führen. Wir klären in den folgenden Zeilen, ob sich der Umstieg auf das neue iPad Air lohnt.


    Verzeichnis





    Weniger ist mehr: Mehr Komfort + weniger iPad = iPad Air

    Eine verblüffende Formel, wenn man einmal darüber nachdenkt, was Apple hier überhaupt zu Stande gebracht hat. das iPad Air ist Apples grösste Produktüberarbeitung im Bereich der eigenen Tablets und gleicht sich vom Design an das mittlerweile schon ein Jahr alte iPad mini an. Die Vorgänger Geräte im Form des "New iPad" (iPad 3) und iPad 4 gaben nur wenige Gründe für einen Wechsel vom iPad 2 und auch einige Nachteile zerrten an den sehr guten Testergebnissen der Apple-Retina-Tablets. Das iPad Air bügelt nun so ziemlich alle Wogen glatt.




      Technische Daten im Vergleich (Tabelle)

    iPad 2 iPad 4 iPad Air
    Display 9.7 Zoll IPS-LED Display (1024 x 768) mit 131 ppi 9.7 Zoll IPS-LED Display (2048 x 1536) mit 264 ppi 9.7 Zoll IPS-LED Display (2048 x 1536) mit 264 ppi
    Chipsatz Apple eigener A5X-SoC
    - CPU: 1.0 GHz DualCore-CPU (Cortex A9)
    - GPU: PowerVR SGX543MP4 QuadCore-GPU
    - 1024 MB RAM
    Apple eigener A6X-SoC
    - CPU: 1.4 GHz DualCore-CPU (ARMv7)
    - GPU: PowerVR SGX554MP4 QuadCore-GPU
    - 1024 MB RAM
    Apple eigener A7-SoC
    - CPU: 1.4 GHz DualCore (ARMv8 64-Bit-Architektur)
    - GPU: PowerVR G6430
    - 1024 MB LPDDR3 RAM
    Wireless Eigenschaften (optional mit Mobilfunkchip) - Wi-Fi 802.11 a/b/g/n Standard
    - Bluetooth 2.1
    - UMTS/HSPA/HSPA+/DC-HSDPA (850,900,1800,1900 MHz)
    - GSM/EDGE (850,900,1800,1900 MHz)
    - Wi-Fi 802.11 a/b/g/n Standard
    - Bluetooth 4.0
    - UMTS/HSPA/HSPA+/DC-HSDPA (850,900,1800,1900 MHz)
    - GSM/EDGE (850,900,1800,1900 MHz)
    - Wi-Fi 802.11 a/b/g/n Standard DualBand
    - Bluetooth 4.0
    - UMTS und LTE (Telekom, Vodafone und O²)
    Speicher 1 GB RAM, 16/32/64 GB interner Speicher 1 GB RAM, 16/32/64/128 GB interner Speicher 1 GB RAM, 16/32/64/128 GB interner Speicher
    Akku 25 Wattstunden 43 Wattstunden 32 Wattstunden
    Abmessung 241.2 x 185.7 x 8.8 mm 241.2 x 185.7 x 9.4 mm 240 x 169.5 x 7.5 mm
    Gewicht ab 601 Gramm ab 652 Gramm ab 469 Gramm
    Software iOS 6.0 iOS 6.0 iOS 7.0
    Kamera 5 MP Apple iSight Kamera-Technologie mit 1080p Videofunktion
    VGA Kamera an der Vorderseite für Video-Telefonie
    5 MP Apple iSight Kamera-Technologie mit 1080p Videofunktion
    1.2 MP Kamera an der Vorderseite für Video-Telefonie
    5 MP Apple iSight Kamera mit 1080p Videofunktion
    1.2 MP Frontkamera
    Anschlüsse 3.5 mm Klinkenstecker, Apple Dock-Connector 3.5 mm Klinkenstecker, Apple Lightning-Connector 3.5 mm Klinkenstecker, Apple Lightning-Connector
    Sensoren Beschleunigungssensor, Umgebungssensor, Gyrosensor Beschleunigungssensor, Umgebungssensor, Gyrosensor M7 Motion Coprozessor
    Beschleunigungssensor, Umgebungssensor, Gyrosensor
    Sonstiges - Seit iOS 6 mit Siri ausgestattet
    - iTunes Anbindung (optional)
    - kompatibel mit Apple TV Streaming
    - AirPrint
    - Assistive Touch
    - umfangreiche Bedienhilfen
    - Seit iOS 6 mit Siri ausgestattet
    - iTunes Anbindung (optional)
    - kompatibel mit Apple TV Streaming
    - AirPrint
    - Assistive Touch
    - umfangreiche Bedienhilfen
    - iTunes Anbindung (optional)
    - kompatibel mit Apple TV Streaming
    - AirPrint
    - Assistive Touch
    - umfangreiche Bedienhilfen
    - Apple Office Programme kostenlos


    Was bei Apple wohl schon eine Art philosophische Einstellung zu sein scheint, ist die fanatische Art und Weise, mit der das Design ausgearbeitet wird. Das iPad Air ist ein wahres Verarbeitungsmonster im Bereich des Aluminiums. Keine Spaltmasse, alles passt tadellos zusammen, kein Klappern oder Rütteln. Auch die Knöpfe für Standby und Lautstärke sind aus dem Leichtmetall gefertigt und wackeln nicht. Das Gerät sitzt bombenfest in seinem Aluminium-Unibody, allerdings gab es diese erfreulichen Testergebnisse schon bei den Vorgängern.


    Neu ist die Tatsache, dass das iPad Air dem Design des iPad mini Models nachempfunden wurde. Zu den Seiten rechts und links in der Portrait Position ist nun deutlich weniger Rand zum Display vorhanden, was ein leicht grösseres Display suggeriert. Die Masse nach oben hin sind noch nahezu identisch. Zudem ist die Wölbung an den Kanten nun um ein Vielfaches angenehmer: Die Kanten der Vorgänger Modelle iPad 3 und 4 sind nun Geschichte und die Handlichkeit wesentlich höher. So schön lässt sich derzeit kaum ein Tablet anfassen. Recht nahe kommt hier nur noch das Xperia Tablet Z von Sony.

    Interessanter wird es allerdings beim Gewicht: Das iPad Air hat mehr als 24 Prozent weniger Volumen und wiegt dadurch mehr als 180 Gramm weniger! Und es fühlt sich im Gegensatz zum iPad 4 wie ein Fiegengewicht an. Die nun erreichten 469 Gramm sind vor allem beim Spielen von Rennspielen mit dem eingebauten Gyrosensor eine echte Erleichterung. Aber auch im Alltag, wo das iPad Air meist mit der Hand in der Luft gehalten werden muss, wirken sich die fehlenden fast 200 Gramm deutlich aus. Somit setzt Apples neuestes Tablet endlich auch einmal Massstäbe in den Bereichen der Haptik. Damit wurde endlich einer der grösseren Kritikpunkte der Vorgänger mit Bravour ausgemerzt. Die neue iPad Generation hat den Namenszusatz Air mehr als nur verdient.

    Apple A7 Prozessor auch im iPad Air - Alles wird einheitlich

    Der wichtigste Baustein in Apples völlig neuer Produktlinie ist der komplett von den Kaliforniern selbst entwickelte A7 Prozessor. Er ist der erste 64-Bit fähige ARM Prozessor weltweit, welcher auch in mobilen Geräten für Endkunden zum Einsatz kommt. Wie schon in unserem Review zum iPhone 5s (unser Review) stellte sich heraus, dass der DualCore Chip ein enormes Leistungspotenzial besitzt und selbst den stärksten Snapdragons Paroli bieten kann oder gar auch überlegen ist - sofern die Programme diesen auch unterstützen.

    Die CPU im A7-SoC taktet mit 1.4 GHz, unterstützt den modernen x64 Befehlssatz ARMv8 und besitzt im Vorfeld eine deutlich höhere Speicherbandbreite als seine Vorgängerversionen. Zudem stehen ihm ein extrem schneller LPDDR3 Arbeitsspeicher mit 1024 MB zur Verfügung. Damit wurde die reine Rechenkraft gegenüber dem gleichgetakteten Vorgänger stellenweise gar mehr als vervierfacht. Flankiert wird die CPU vom neuen G6430 Grafikchip, welcher für die Bildberechnung zuständig ist und von seiner Architektur her mehr modernen Desktopgrafikkarten ähnelt. Auch hier wurde die Leistung je nach Anwendung streckenweise um das Vierfache erhöht.

    Aber warum bekommt das iPad Air nicht deutlich mehr Arbeitsspeicher verbaut? Die Frage lässt sich hier recht leicht beantworten: Das Zauberwort heisst "Kompatibilität". Apples wichtigster Trumpf im Massenmarkt der Android- und Windows-Geräte ist sein ausgefeiltes Ökosystem an Apps und das Zusammenspiel mit der Hardware. Erstmals in der Geschichte des Unternehmens werden mit dem A7 SoC alle Geräte der neuen Produktlinie identisch ausgestattet, was die Optimierung der Apps für alle Systeme massiv vereinfacht. Damit wird sicher gestellt, dass in Zukunft sowohl das App-System gleichermassen mit der Hardware wächst und umgekehrt. Mit der Einführung des 64-Bit Betriebssystems iOS 7, ist es der schnellste Weg, die Developer auf den Pfad der neuen Technologie zu bringen, da alle Geräte eine nahezu identische Hardware und Software aufweisen.

    Performance und andere Spielereien

    Das Gesamtkonstrukt aus neuem A7 Prozessor und 64-Bit-Betriebssystem spiegelt sich vor allem in der Leistung wieder. So ziemlich jede App mit Ladezeit öffnet sich ein gutes Stückchen schneller. Dabei merkt man auch, dass Apps mit 32-Bit-Kompilierung einen leichten Geschwindigkeitsschub erfahren haben, allerdings auch wirklich nur einen leichten. Extrem wird der Leistungssprung erst ersichtlich, wenn man Programme benutzt, welche auf den neuen A7-SoC hin optimiert wurden, wie Beispielsweise Mobile Safari: Kein anderes Tablet dieser Klasse auf dem Markt öffnet auch nur ansatzweise so schnell Internetseiten wie das iPad Air. Aber auch die Browser Benchmarks sind extrem beeindruckend. Unser mit Icons gefülltes Forum lädt ohne Vorarbeit des Caches in unter 4 Sekunden.



    Dasselbe gilt allerdings auch für andere Apps: Unter anderem findet sich ein AutoCAD 3D Rendering Viewer im App Store von Apple wieder, welcher zu 100 Prozent auf den neuen Prozessor hin optimiert worden ist. Dieser öffnet innerhalb von wenigen Sekunden. Zum Vergleich: Auf einem iPad 4 braucht dasselbe Programm bis zu 20 Sekunden länger, natürlich samt komplexem 3D Rendering. Stufenloses Zoomen ohne Ruckeln ist ebenfalls kein Problem für den A7 Prozessor. Somit geht es nicht nur bei der Haptik "in the Air" sondern auch in der Leistung fliegt das iPad Air davon.

    Ebenfalls deutlich wird es auch bei Spielen: Eine Königsdisziplin der iOS Geräte. Infinity Blade III ist einmal mehr ein Paradebeispiel für die Power der verwendeten GPU im iPad und ist ebenso auf 64-Bit hin optimiert worden. Die Auflösung ist hoch, die Texturen knackscharf und ein Ruckeln ist nicht auszumachen. Solche Games zeigen eindrucksvoll, wo Apple sich in diesem Bereich schon seit längerer Zeit positioniert und selber sieht. Weitere Spiele wie XCom: Enemy Unknown unterstreichen den Konsolen-Flair. Dank des Gewichts und der Handlichkeit des iPad Air bekommt man hier ein ebenfalls exzellent geschnürtes Gamingpaket, sofern man sich mit Spielen auf einem Tablet anfreunden kann.



    Ordentliche Bilder (für ein Tablet...)

    Die Kamera hat keine Änderungen erfahren. Sie bleibt bei 5 Megapixeln auf der Rückseite und beherbergt Apples iSight Technologie aus dem iPhone 4S. Die so geknippsten Bilder sind für ein Tablet daher recht ordentlich. Probleme bekommt das iPad Air allerdings schon in schwächeren Lichtverhältnissen, vor allem da kein LED Blitz verbaut wurde, welcher die Kamera unterstützen könnte. Zwar ist ein Bildstabilisator integriert, allerdings nur auf Softwareebene. Viel erwarten kann man daher auch nicht. Ein Tablet wird allerdings seltener zum Fotografieren benutzt als ein Smartphone.

    Videos nimmt das iPad Air in 1080p auf und für die Videotelefonie werden 720p benutzt. Auch hier sind dank der 5 MP recht passable Ergebnisse im Tablet-Bereich zu erzielen. Die 1.2 MP in der Front kann ebenfalls Videos in 720p Auflösung aufnehmen und reicht so für Videotelefonie in Form von FaceTime oder Skype aus.



    Kleinerer Akku, gestiegene Laufzeit

    Auch der Akku bedarf einer gesonderten Erwähnung, denn er ist im Gegensatz zu seinen Vorgängern geschrumpft, hält allerdings streckenweise sogar deutlich länger durch. Das Display im iPad 3 und iPad 4 war sehr dick und mitverantwortlich für die etwas klobigere Bauweise gegenüber dem iPad 2. Das hochauflösende Display musste damals noch mit ausreichend Hintergrundlicht versorgt werden, um die entsprechende Leuchtkraft zu erzielen. Dieses Unterfangen schien damals noch nicht so einfach.

    Mit dem iPad Air hat Apple die Technologie allerdings nun durchgehend in den Griff bekommen und kann die Tablets bedeutend dünner bauen. Das ganze Unterfangen spiegelt sich nun auch im Akku wieder, denn dieser ist von extremen 43 Wattstunden auf 32 Wattstunden geschrumpft und verbraucht damit bedeutend weniger Platz, was ebenfalls zur dünneren Bauweise beiträgt.

    Trotz des kleineren Akkus ist die Akkuleistung allerdings erhöht worden, was vor allem dem deutlich stromsparenderen Display zuzuschreiben ist und Apples deutlich effizienterem A7 Prozessor, welcher bei gleichem Takt mehr Leistung, aber auch weniger Strom verbraucht. Gegenüber den Vorgängern sind je nach Aufgabengebiet 1-3 Stunden mehr Laufzeit zu erreichen. Der kleinere Akku kann zudem deutlich schneller geladen werden und liegt beim Ladestrom erstmals auch nicht mehr ausserhalb der USB-Norm, wie noch einst beim iPad 3 und iPad 4.



    Fazit

    Was das Google Nexus 5 derzeit für Android zu sein scheint, ist das iPad Air für die Tablet-Sparte von Apple. Der bärenstarke A7 Prozessor gepaart mit nur 469 Gramm, einem klugen Design-Schachzug und grandioser Verarbeitung, verbesserter Akkulaufzeit und einem Ökosystem, welches kein Konkurrent auf dem Markt derzeit vorweisen kann, ist das iPad Air der würdige Thronfolger des damaligen iPad 2. Während iPad 3 und der Nachfolger noch mit kleineren Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, bügelt das neue iPad Air so ziemlich alle Kritikpunkte seiner Vorgänger glatt und bietet dadurch ein völlig neues und verbessertes Benutzererlebnis.

    Pro Contra
    Bärenstarker A7 Prozessor ... ... 64-Bit muss sich noch durchsetzen.
    Sehr leicht, tolle Verarbeitung und grandiose Haptik ... ... Trainiert durch das geringe Gewicht nicht mehr so schön die Armmuskulatur
    Sehr gutes Display
    Für ein Tablet recht ordentliche Kamera
    Herausragende Akkulaufzeit
    Gliedert sich perfekt in Apples Ökosystem ein

    Der Preis von 549 CHF (479 EUR) für das kleinste Modell ist nicht gerade der niedrigste in der Kategorie der ARM-Tablets, allerdings rechtfertigt die gebotene Mehrleistung den Preis erheblich. Mehr Tablet und Leistung gibt es derzeit für diesen Kurs einfach nicht. Ein deutlicher Kritkpunkt ist vor allem die Tatsache, dass das iPad Air die Armmuskulatur deutlich weniger traniert, als seine fast 200 Gramm schwereren Vorgänger. Wir bedauern an dieser Stelle den verschwundenen Trainingsaufwand.

    Apple bietet aber nicht nur Gründe für einen Umstieg vom iPad 2. Auch Besitzerinnen und Besitzer der letzten beiden Modelle dürfen gerne zuschlagen: Die Mehrleistung ist deutlich spürbar, die Akkulaufzeit ist höher und Krämpfe in den Armen beim mehrstündigen Halte- oder Spielvergnügen treten, durch das neue Design, konsequent weniger in Erscheinung. Somit sprechen wir an dieser Stelle eine klare Empfehlung für alle Tablet-Interessierten aus.
    Kommentare 3 Kommentare
    1. Avatar von Vashi
      Vashi -
      Danke fürs Review!

      Werds mir wohl jetzt definitiv holen
    1. Avatar von terraoutlaw
      terraoutlaw -
      Also eigentlich gibts gar kein Contra. Top
    1. Avatar von timsah
      timsah -
      "Trainiert durch das geringe Gewicht nicht mehr so schön die Armmuskulatur"